Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 und weitere in Aussicht gestellt sind; er gebe sich der Hoffnung Hill, daß dies auch ferner uub in größerem Maßstube geschehen »löge, itub richte au die Mitglieder die dringendste Bitte, alle Austräge, gleichviel ob groß oder klein, mit größter Akkuratesse zur vollsten Zufriedenheit der Auftraggeber ausznführen. Im Kreise des Gesammt-Hauptvorstandes und des Nepräsentanten-Kollegii hiesiger Gemeinde, macht sich schon jetzt ein reges, warmes Interesse für die Sache unseres Vereins und die Leistungen unserer Mitglieder bemerkbar. An uns liegt es nunmehr, daß uns zu schenkende Vertrauen nach jeder Richtung hin im vollsten Maaße zu rechtfertigen, damit auch nicht im Entferntesten Monika k. kommen. Günstige Resultate und Bevorzugung dürften uns auch ferner nicht verschlossen sein. loenn strengste Reellitüt, solide Preise, gute Arbeiten und Leistungen unsere Devise sind und bleiben. Gerade wir als Juden haben die Verpflichtung, unseren Glaubensgenossen zu zeigen, was wir zu leisten imstande sind, und wie lvir iusgesammt, einer für den Anderen, nrit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bemüht sein und bleiben lvollen, das uns zu Theil lverdende Vertrauen nach jeder Richtung hin voll und ganz zu rechtfertigen. In diesem Sinne können und wollen lvir getrost in die Zukunft schauen. Die anderen Punkte der Tagesordnung betrafen interne Vereinsangelegenheiten, welche ihre Erledigung fanden. B. Berlin, 17. April. Der Nathanael, Heft 1 des Jahrganges 1900 bringt eine Ilebersicht der M i s s i o n s g e s e l l s ch a f t e n, lvelche auf den Seelenfang gegen uns Juden ansgehen. Solcher Gesellschaften giebt es mehr als 100, natürlich die meisten in England und Amerika, in beiden Ländern mehr als je 30. Die größte ist die Londoner Mission, welche nicht lveniger als 184 bezahlte Beanite hat. denen in drei Jahren insgesanimt 265 Taufen gelangen. In Deutschland arbeitet am erfolgreichsten der Westdeutsche Verein, der 40 Juden zur Taufe gebracht hat. Im Anschluß hieran dürfte folgende Lokalnotiz hiesiger Blätter von Interesse sein: „Der Verein zur Fürsorge für jüdische Proselyten hielt am Sonntag in der Matthäikirche sein Jahresfest ab. Die Festpredigt hielt Pastor Israel, den Bericht erstattete Pastor Bieling. Der Verein hat seine Pflege an etwa 80 Proselyten ausgeübt. Die Fürsorge erstreckte sich vor allem auch auf ärztliche Hilfe und Ueberlveisung der Kinder in geeignete Erziehungsanstalten. 35 Familien lvurden Weihnachten beschenkt. Durch die Judeunnssion wurden im letzten Jahre 40 Personen unterrichtet und 20 getauft. Zur jüdischen Proselytengemeinde halten sich zur Zeit 400 Personen. Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt 50." Ch. Thor«, 12. April. Mit dem Schlüsse des gegenwärtigen Schulsemesters scheidet Frau Lehrer Kramer aus dem Lehrkörper unserer Religionsschule, an der sie seit dem Tode ihres seligen Mannes fast zwei Jahre unterrichtet hat. Sie hat Berlin zu ihrem künftigen Domicil gewählt. Wie sehr sie sich die Liebe unserer Schuljugend erworben und mit welch' ernstem Eifer sie lvährend der Zeit ihrer Lehrthätigkeit sich dem Unterricht gewidmet, belveist die würdevolle Abschiedsfeier, die ani 5. April im Gemeiudehause sich gestaltete. Im Aufträge der Schüler und Schülerinnen überreichte eine Schülerin einen prachtvollen Tafelaufsatz; im Rainen des Vorstandes der Synagogengemeinde dankte Herr R. Leiser der Scheidenden für die Dienste, lvelche sie der Religionsschule unausgesetzt belviesen. Herr Professor Horowitz dankte in herzlichen Worten im Aufträge des hiesigen Litteraturvereins für die Mühelvaltung. mit welcher Frau Kramer die Obliegenheiten der Bibliothek als Bibliothekarin verlvaltete. Mit vielen Wünschen für deren Zukunft nahm die Feier ihr Ende. Der erledigte Posten lvird durch Herrn Lehrer I. Neumann, Frankfurt a. O. besetzt. L. Riesenburg, Westpr., 12. April. Am 11. v. M. feierte der hiesige I sra e l i ti s ch e F r a u e n -V er e i n das Fest seines 25jährigen Bestehens, wozu auch zahlreiche Gäste aus mehreren Rachbarstädten erschienen waren. Nachmittags 4 Uhr fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt, wobei Rabbiner Dr. Silberstein-Elbing eine von Herzen kommende und zu Herzen gehende Festpredigt hielt. Abends 8 Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder mit ihren Angehörigen sowie den auswärtigen Gästen in den Räumen des „Deutschen Hauses" und wurde die Feier durch Herrn Kantor Lewithan eingeleitet, der die beiden Jubilare des Vereins, Frau Bertha Radzik und Herr Julius Littmann, die seit der Begründung des Vereins dem Vorstände angehöreu, und sich um denselben besondere Verdienste erwarben, feierte. Die Vorsitzende des Verein-, Frau Therese Becker, überreichte nun den Jubilaren im Namen desselben ein in Silber hergestellte- und mit Widmung versehenes Mogein David. Hierauf begannen die Aufführungen, bestehend in komischen Duetts, Theater, Symphonie: „Eine heitere Schlittenpartie" und lebenden Bildern, und zwar: „Einsegnung, Heimkehr und Sabbatheinzug. Bei dem darauf folgenden Souper brachte Herr Dr. Silberstein das Kaiserhoch aus, worauf mehrere Ansprachen ernsten und heiteren Inhalts folgten. 14. Stettin, 13. April. Am 7. d. M. fanden von drei jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten und zwar des „Israelitischen Wohlthätigkeits- und Beerdigungsvereins", des „Ausstattungsvereins" und des „Israelitischen Brennmateralien-Unterstützungsvereins" die Generalversammlungen statt. Uns interessiren hierbei nur die Unterstützungen, die gezahlt lvorden sind; geben diese uns doch den Beweis, daß hier nach altjüdischer Sitte verfahren wird und daß besonders die Aufgaben, die uns das tägliche Gebet vorschreibt, gern und willig erfüllt werden. Zur Ausstattung armer Bräute wurden 2850 Mk., für Brennmaterial 1204 Mk. ausgegeben; dagegen hatte der erstgenannte Verein folgende Ausgaben: Unterstützungen 4895,10 Mk., Krankenpflege 905,60 Mk., Medizin 127 Mk., für Beerdigungen 1940,70 Mk. Wir meinen, das sind Summen, die für sich selbst sprechen und deshalb sollte es sich jedes Mitglied unserer Gemeinde als Ehre anrechnen, diesem Vereine, sowie auch den beiden anderen, anzugehören. Ehre und Dank den Männern, die mit selbstloser Liebe, mit Kraft und Ausdauer diese Vereine leiten, die unermüdlich dahin wirken, neue Mitglieder zu erlangen, um die Zwecke und Ziele immer niehr und besser erfüllen zu können. Möge ihr Streben von Erfolg gekrönt sein. L. Hannover, 16. April. Es ist erfreulich, daß nach so vielen Schicksalsschlägen, die in letzter Zeit unsere Gemeinde betroffen haben, auch lvieder einmal eine Veranlassung zur Freude vorhanden ist. Am ersten Tage des Pessachfestes feierte der erste Gemeindevorsteher, Herr Julius K a u f s m a u n , seinen siebzigsten Geburtstag. Ueber 30 Jahre gehört der noch vollkommen geistessrische Herr der Gemeindevertretung an. Er hat schlvere und gute Tage mit seiner und in seiner Gemeinde durchlebt, hat viele bewährte, hervorragende Mitarbeiter und beliebte Gemeindebeamte dahinscheiden sehen; sah aber auch ein neues, herrliches Gotteshaus und ein Gemeindeschulhaus errichten und kann mit Genugthuung konstatiren, daß seine Gemeinde immer mehr erstarke. Seine stete Liebenswürdigkeit und Höflichkeit Jedermann gegenüber, seine sich immer gleich bleibende Besonnenheit, gepaart mit Energie, sind die Grnndzüge seines Wesens. 1830 in Schwerin geboren, kam Kauffmann früh nach Hamburg, wo er 1850 in das Geschäft von Simon May u. Cie. eintrat. 1852 siedelte er als Leiter und Begründer der Firma nach Hannover über. Hier war er in verschiedenen kaufmännischen Korporationen thätig, lange Zeit auch als Handelsrichter. 1869 lvurde er in das Repräsentantenkollegiuni gewählt. 1878 znm Vorstandsmitgtiede. 1879 zum zweiten und 1891 zum ersten Vorsteher. Er zeigt stets ein lvarmes Herz für alle Mitglieder seiner Gemeinde, ist den Beamten in allen Lagen ein freundlicher Vorgesetzter und belvährter Rathgeber, hat besonders das Armenwesen geregelt und gehoben und ist als Vorstandsmitglied der verschiedensten Vereine geschätzt. Er wacht stets auf das sorgsamste und mit bestem Erfolge darüber, daß der gute Ruf, dessen die Gemeinde Hannover sich in der Welt erfreut, gelvahrt bleibe. An der Feier nahm deshalb auch die ganze Genieinde den regsten Antheil, und aus allen Kreisen derselben fanden sich Gratulanten ein. Landrabbiner Dr. Gronemanu gratulirte im Namen der Gemeinde, Herr S. Neuberg verlas und überreichte als Sprecher einer Deputation der Gemeindevertretung eine Adresse. An der Spitze des Lehrerkollegiums der Neligionsschule sprach Direktor Dr. Knaller. für die Chewra Kadischa Herr I. Berliner. Voll Rührung über diese Beweise der Liebe und Verehrung dankte Herr Kauffniaun den Reonern und seine schlichten Worte zeigten wieder den bescheidenen vornehm denkenden Mann. y. Hamburg, 10. April. Die israelitische H aushalt NN gsschule hielt am 1. ihre Jahresprüfung in Gegenwart zahlreicher Gäste ab. Die Ergebnisse der theoretischen und praktischen Unterweisung im Kochen, Waschen, Backen, Reinmachen und in allen die Haushaltungskunde berührenden Zweigen waren höchst befriedigend. Die junge Lehrerin, Fräulein Bella Goldschmidt hat sich als eine durchaus schätzbare Kraft erwiesen. Das tritt besonders in dem Umstande zu Tage, daß die Zöglinge, etwa 20 an der Zahl, mit Lnst und Liebe bei der Sache sind. Sie versteht es, einen frischen Zug in ihren Lehrstoff hinein.