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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-20 · Heft 16 (20.4.1900) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
Seite 187 (sequence 9)
Language
German
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187 Büste auftrug und gleichzeitig seine Schüler eineil Plan zur Herausgabe einer Biographie faßten, sagte er: „Sie haben es eilig. Erst bestellen sie eine „Mazewe" und dann schreiben sie mir einen Nekrolog." Trotzdem war er bis in seine letzten Tage arbeitsfrisch und lebenslnstig. Er machte Pläne aus Jahre hinaus nnd künnnerte sich um alle Details seiner inailnigfachen Pflichten. Er schrieb seine Zeitungsaufsätze eigenhändig, er machte erst kürzlich eine iveitere Reise, um eine junge Dame zu trauen, deren Eltern und Großeltern er getraut und deren Urgroßvater er die Grabrede gehalten hatte. Er starb, ivie er es wohl gewünscht hatte, im Sattel. Mit Wehmuth sage ich von ihm das Shakespeare'sche Wort: „Ich werde seinesgleichen sobald reicht wieder sehen." Iur allgemeinen der Kultusbeamten. ((^8^er edle Wettstreit zweier Männer, die mir als Kollegen nnd Freunde lieb und Werth sind, bezüglich der Gründüng von Pensionskassen für Kultusbeamte, drückt auch mir die Feder in die Hand, um einige Worte über die Verbesserung uirserer Lage zu schreibeir. Innerhalb der Gefechtslinie stehend, d. h. als Betheiligter, da auch ich das „Glück" habe Knltusbeamter zu sein, muß ich bemerken, daß ich mich nicht auf gleicher Basis bewegen kann; denn mein Ziel und Streben liegt auf einein anderen Gebiete. Ehe inan a»i die Gründung von Pensioiiskassen ging, hätte man die definitive Anstellung der Kultusbeamten erstreben müssen; so lange dies nicht ermöglicht wird, ist die Ausführung anderer Pläne nicht denkbar. Es blutet mir das Herz, wenn ich bedenke, wie traurig die Austelluiigsiveise der Mäiiner ist, die mit berufen sind, Träger der Religion zu sein, die für das Wohl der Gemeiuden zu Gott flehen. Wahrlich der kleinste Stadtschreiber ist bezüglich seiner Anstellung besser daran; denn wenn er seine Probezeit beendet hat, so. wird er fest angestellt. Wie aber sieht es mit uns aus? Rur keine zii lange Anstellung, scheint als Losung ausgegeben zu sein; die Gemeindevorsteher wollen nicht, daß der Beamte sich zu sicher fühle lind der Sorglosigkeit hingebe, er soll vielmehr stets ihre Macht fühlen und wissen, daß das Damoklesschwert der Entlassung über seinem Haupte schwebe. Kommt der Beamte um eine Gehaltserhöhung ein, so ivird ihm bedeutet, daß, weiin er mit seinem Gehalte nicht anskomine, er sich nach einer andern Stelle umsehen möge, selbst dann, ivenn er sich durch eine Reihe von Jahren als ehrenhaft und pflichttreu bewährt hat. Dabei soll aber der Beamte nach außen hin seine Gemeinde nur immer würdig reprasentiren. Kann er bei einer solch schwankenden Stelliing auch liur im entferntesten daran deiikeri, Geld an Pensivnskassen abzllführen? Wenn er wirklich so ein Künstler sein sollte, etwas zu erübrigen, was vielleicht nur dann möglich ist, wenn er seine Augen auf Nebenerwerb richtet, so z. B. auf Abschluß von Bersichernilgen n. a. m., so muß er gewärtig sein, diesen Nothgroschen, ivenn er, gezwungen durch Verhältnisse sich nin eine andere Stelle bewirbt, bei seinen Probercisen zuzusetzen. Es giebt viele Gemeinden, die oft das Vergnügen haben ivolleu, eineil neuen Kantor zu hören, und diesen Luxus können sie sich gestatten, weil es in der Annonce heißt: „Reisekosten werden Gewählten erstattet". Warum also auf ein Vergnügeii verzichten, das man so billig haben kann, und das der Beamte, oft mit erborgtem Gelde, aus seiner Tasche bezahlen muß. Es wird vielleicht der Eine oder der Andere sagen: „Ja dann melde man sich nicht aus solch eine Stelle". Wer aber dieses sagt, kennt eben unsere Verhältnisse nicht, der hat noch nicht das grauenhafte Gespenst der Stellungslosigkeit heranschlrichen sehen, das denjeiligen, den es erreicht, sammt seiner Familie der öffentlichen Mildthätigkeit preisgiebt. Was ich hier sage, ist nicht neu, kann aber nicht oft genug wiederholt werden. Die Farbeil meines Gemäldes sind nicht zu scharf ansgetragen, sondern naturgetreu wiedergegeben; ich werde wohl manchem Kollegen aus der Seele gesprochen haben. Wir klagen, wenn man uns von außen angreift; wie aber verfahren die Gemeinden gegen ihre Beamten? Es hat sich noch nichts geändert, der Kultusbeamte wird noch immer von allen als Meschubbed betrachtet. Es giebt nur ivenige Gemeinden, di« ihre Beamten sicher gestellt haben, denn selbst größere Gemeinden, aii deren Spitze Männer voii großenr Ansehen stehen, verfahren gegen ihre Beaniten wie obeil angegeben. Was sollen und können wir aber thun, um unsere feste Anstellung herbeizuführen? Fast nichts können >v i r dazu thim. Streikkassen stehen uns nicht zur Verfügung um einiiial etwas Neues unter der Sonne zu schaffeu, »voran Rabbi Akiba nicht gedacht: einen Kultusbeamtenstreik; unsere Familien müßten dann einfach am Huiigertuche nagen. Das Einzige, was wir thun können, ivüre Ausarbeitung einer Denkschrift an die Regierung unter rückhaltloser Klarlegung der bestehenden Sachlage. Dieser Denkschrift müßten die Unterschriften säunntlicher Kultusbeainten angeschlossen sein. Am berufensten dazu iväre der D. I. G. B., der Männer an seiner Spitze hat, die die Gewähr geben, daß, wenn sie eine Sache in ihre Hände nehmen, sie dieselbe auch zu einen» glücklichen Abschluß bringen werden. Wie Josef seinen Brüdern, so rufe auch ich Euch, meine werthen Kollegen, zu: „Stehet nicht still aus dem Wege!" F. B. Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter. ie haben unsere Ahnen gelebt und geliebt, ivie haben sie gegessen ulid getrunken, gespielt und gewohnt? Auf alle diese Fragen eine zuverlässige Antlvort zu bekommen, ist ohne Zweifel von hohem Interesse. Und darum wird das Buch, welches der gelehrte Dr. A. Berliner soeben hat erscheinen lassen, sicher Viele Leser und Freunde finden. Das Bnchh ist llicht neu, aber es wird gewiß mit dem Reiz der Neuheit wirken. Es erschien zuerst int Jahre 1871, ist aber in der zweiten Ausgabe fast um das Doppelte vermehrt. Vor mir liegen, indem ich diese Zeilen niederschreibe, beide Ausgaben, und so ist mir der Vergleich gestattet zwischen dem, was in der ersten gebotet! und was in der zweiten ergänzt l) Dr. A. Berliner: Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter. Zugleich eiu Beitrag für deutsche Kulturgeschichte. Berlin 1900. M. Poppelauer.

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