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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-13 · Heft 15 (13.4.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 6—8000 Volksschullehrern, worunter auch viele jüdische, ans cflen Gauen unseres Vaterlandes besucht werden. Es ist daniit auch eine Ausstellung voll Lehrulld Lernnlitteln beim Elemeutarilnterrichl verbulldeu. Da lvahrscheintich auch aus Rheinland und Westfatell viele jüdische Kollegen au dein Lehrertage theilnehmen werden, so dürste die gleichzeitig in Minden stattfiudeude Koilfereuz und Generalversaunulung des Lehrervereins (Sitz Essen) eine nicht unbeträchtliche Einbuße erleiden und wäre es vielleicht im Interesse der Sache, diese Konferenz auf etwas spätere Zeit hinanszuschieben. 4= Bonn, 5. Avril. Am 31. v. M. fand die feierliche Einführung des unter fünfzig Bewerbern zum Kantor unb Neligionslehrer hierselbst erwählten Herrn Isak Balim in sein Synagogenamt statt. Anknüpsend all die Erklärung des Midrasch, daß das Stistsgeld darunl am erstell Tage des erstell Monats errichtet lverdell sollte, weil an diesen! Tage Isak geboren ward, entwarf Herr Rabbiner Dr. Cohn in seiner Predigt ein Bild von der hohen Bedeutung des öffentlichen Gottesdienstes ulld von dessen Einfluß auf das Familien- und das Volksleben. Nach dein Schluß der Predigt widmete der Synagogenchor denk neu berufenen Kantor einen weihevollen Gruß durch den Gesallg des 121. Psalms, der in dem Wunsch ausklingt: „Gott behüte deinen Ausgang nnb deinen Eingang". Am heutigen Vormittag fand ill den Räumen der Neligionsschule die Einführung des Herrn Kantors Baum in sein Lehramt statt. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Cohn über die seitherige Eiltwickelnng der iui Jahre 1882 neu organisirten Religionsschule gesprochen, wendete sich Herr Baum an die verfannnelteu Zöglinge und hierauf folgte durch beu Vorsitzenden des Gemeindevorstandes. Herrn Bankier Goldschlnidt, die formelle Einsetzung des neu angestellteu Lehrers in sein Amt. M Frankfurt a.M., 10. April. Während es für jüdische Lehrer und Lehrerinnen immer schwieriger wird, all öffentlichen Schulen Anstellung zu fillden, befindet sich all der hiesigen sogenannten Hi r s ch' s ch e n Schule eine gallze Anzahl christlicher Lehrer. Man scheint wohl zu befürchten, daß jüdische Lehrer und Lehrerinnen die Schüler mit dem Gifte der Aufklärung und der verhaßten „Reform" infiziren, denn es lvurden — wie aus dem Jahresbericht hervorgeht — im vergangenen Schuljahre wieder zwei jüdische Lehrerinnen durch christliche Lehrerinnen ersetzt, und das, trotzdenl aus der eigenen Schule eine ganze Anzahl geprüfter Lehrerinnen hervorgegangen ist, die ihr Leben mit Stllndengeben rc. fristen lnüssell. Man lvar bisher gewohnt, die Schuld hierfür dem verstorbenen Direktor Dr. Hirsch znznschreiben. Aber lvas soll lnan dazu sagen, daß als Vertreter des kürzlich verstorbenen Direktors nicht der dienstälteste, auch in nichtorthodvxen Kreisen als Schriftsteller geschätzte Oberlehrer (Professor Dr. Sulzbach), sondern ein katholischer Oberlehrer ernannt worden ist. Man dellke, die Hirsch'sche Realschule geleitet von einem katholischen Lehrer! Ob da die Kreuz-Zeitung und Genossen mit ihrenl Kamps gegen die jüdischen Lehrerinneil liicht Recht hattell!! L. Stuttgart, 2. April. Nachdem das Kolnitee des „Vereins zllr Förderung des Haiidlverks u ll d des Gartenbaues unter den Israeliten in Württemberg" die Frage der Sabbatheiligung durch ein Protokoll etwas abgeschwächt hat, ist es bereits niöglich geworden, mehrere jiliige Leute in geeigneten Lehrstellen unterzubringen uild es ist null mit Sicherheit zu gewärtigen, daß die Bestrebungen des Vereins, an dessen Spitze bekanntlich Herr Kirchenrath Dr. Kroner steht, voll bestem Erfolg begleitet sein werden. — Am 25. v. M. starb hier iul 61. Lebensjahre ullser hochgeachteter Mitbürger, der Privatier Louis Denison. Die Leiche wurde vorgestern in Heidelberg uevbrannt und die Asche gestern unter Betheilignng zahlreicher Freunde und Verehrer auf dem hiesigen jüdischen Friedhof bestattet. Am Grabe widmete zunächst Kirchenrath Dr. Kroner nach Absolvirnng der rituellen Gebete dein Verstorbenen einen ergreifendell Nachruf. Alsdann nahm Oberst von Bauer, der anl Mittwoch im Aufträge der Loge zu ben drei Cederu im Krematorium in Heidelberg eineil Lorbeerkranz gewidnlet halte, unter Niederleguug von drei Rosen rührendeil Abschied voll dem „laiigjährigeii geliebten Bruder." Weitere Nachrufe widmete!! unter Darbringung prachtvoller Blnmenspenden: Rechtsanwalt Max Kaella im Auftrag des „Vereilis sür Kulturgeschichte und ivissellschaftliche Vorträge", Max Strauß als Vertreter der „Vereiiligullg sür gesellige Veranstaltlingeil", dessen Vorstand Denison war; Hofrath Dr. Deaiiah sür den „Verein für fakultative Feuerbestattung". Der „IsraelitischeJuilgsrauell-Vereiu", welcher in denl Dahiligeschiedeiien seiilen verdieilteil Vorstand betrauert, sandte einen Lorbeerkranz. Eine weitere sehr große Anzahl von Blumenspenden legte Zengnih für die Liebe und Verehrung ab, deren der Verblichene sich in affen Kreiseil erfreute. Allseitig ivird dankend anerkannt, daß Herr Kirchenrath Dr. Kroner, der sich bisher gegeil kirchliche Betheiligniig an den Begräbnissen der Asche von Fenerbestatteteii ablehnend Verhalten, bem angesehenen Glaubensgenossen die Assistenz am Grabe nicht versagte. Oesterreich - Ungarn. LZ Wien, 9. Aplil. Der Vorstaild unserer Ku l t u s g em e i n d e legte am 4. d. M. in einer außerordentlichen Sitzung, zu der auch Oberrabbiller Dr. Güdenianll zilgezogeil war, gegen den Alltrag Schneider ans „Ueberivachilng der Inden zu Ostern" lind gegen dessen Zulassung im Laiidtage durch ben Landmarschall Baron Gudenus entschiedeil Protest ein. Dr. Güdemann hielt bei diesem Anlaß eilie sehr wirkungsvolle Rede. Sodann beantragte Direktor Simon in einer Eingabe au deil Ministerpräsidentell zu fordern: 1. daß er schleunigst alle Vorkehrungen zunl Schlitze unserer Glaiibeiisgenosseu angesichts der herannaheildeil Ostern treffe; 2. daß er als Miliister des Inneren alle Jene, deren Vergangeriheit den Verdacht rechtfertige, daß sie selbst die Urheber jener Verbrechen sind, die sie uns Juden ziischieben. strenge überwachen lasse. Der Antrag wurde angenommen, lind zrvar einstinittiig. ebellso luie folgeiide Nesollitioil: „Ein Abgeordneter, nnterstützt von gleichwertigen Gesinnnngsgenossen, hat ant 3. d. M. im Niederösterreichischen Laiidtage einen Antrag eiiigebracht, welcher luie olle seine Giiumcintioiien jeder Logik und jedem Nechtsgefühle spottet niid welchen wir — luie Alles was der Genaiiiite thut — mit Verachtung und Gleichgiltigkeit betrachteil würden. Der llmftaub jedoch, daß der Laiidmarschall jenes Schriftstück 311 verlesen gestattete, daß er einem Abgeordileten, der dagegen sich erklärte, zllr Ordnung rief nnb der weitere Umstand, daß der Bürgermeister von Wiell indirekt seine Sympathie für ben gestellten unflätigen und nllsiililigen Antrag auszudrücken sich nicht versagen funnte. veranlaßt uns hiermit, öffeiitlich auszusprecheil. daß nur einen Vorgang wie den geschilderten für eines Rechtsstaates unwürdig fillden nnb daß wir den Ort, an welchen derselbe stattfand, die Stätte der Gesetzgelnmg. durch jenen Vorgang profanirt und geschändet erachten. — Vor denl Krakauer Strafgericht fand die Verhandlung gegeil den Jsraeliterl Bernhard Jakob und billige andere Persoilell statt wege»l Verbrecheiis der Eiilschränkmlg persönlicher Freiheit. Die Vorgeschichte ist folgende: Die Tochter des Jakob. Namens Lea, eill 19 jähriges Mädchen, flüchtete, um einen christlichen Magistratsbeamte,l heiratheu zu können, ans den, Elternhause in das viel besprochene Felizianerinnenkloster, wohin auch die Michalina Arateil gewaltsam gebracht worden ist lind ließ sich dort taufen. Als das Mädchen eines Tages mit ihrem Manne ein Möbelgeschäft betrat, wurde sie nach der Anklageschrift voll ihrem Vater lind fünfzehn anderen Personen überfallen und mißhandelt, um sie zur Rückkehr ins Elternhaus und somit wieder zum Jndenthnm 311 bewegen. Der Vater des Mädchells erhielt fünf Monate Kerker; drei andere Allgeklagte lvurden 31t niehrnwnatlichen Kerker strafen vernrtheilt. — Dagegen wird nun wieder aus Krakau telegraphirt: Wieder ist ein jüdisches Mädchen verschwunden, und zwar die zwölfjährige Tochter des Hondlungsgehülfen Goldfinger in Podgorze. Sie ist vermnthlich in ein Kloster gegangen. - Und zum Abschluß wird noch der „R. Fr. Pr." berichtet: Wie polnische Blätter erfahren, find weder vom Landesgerichte ulld der Staatsanwaltschaft in Krakau, lioch vom Bezirksgerichte in Kenth oder von der Bezirkshanptlnannschast in Biala irgend welche Weisungen zur Vornahlne von Nachforschungen l,ach dem Aufenthalte der Michalina Araten ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft in Wadolvice hat sich nicht veralilaßt gesehen, gegen die Gemeindeorgane in Kenth ivegen der angeblichen gesetzwidrigen Revision im Felicianerkloster in Kenth einzuschreiten und auch keinen Thatbestand für die Einleitung einer strafgerichtlichen Untersuchung gegen Israel Araten vorgefunden, da dieser, mie sich herausstellte, sich gegen die Clansurregeln nicht vergangen und sich allch sonst keineswegs ungebührlich im Kloster benommen habe. — Am 2. d. M. ist hier der Großindustrielle S. R eich inl 83. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene hat die moderne Glasfabrikation in Mähren begründet imb sich um die Hebung der österreichischell Glasindustrie überhaupt bedeutende Verdienste erworben. Außerdem entfaltete er eine gemeinnützige Thätigkeit als vieljähriger Bürgermeister von Groß-Karlowitz.

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