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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-13 · Heft 15 (13.4.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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S4. Lai^mg. Mt. 15. flnlin, 13. Äftil 1900. Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des JuLenlHums". Korresponden?en und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 6. April. Heute Abend, zu Beginn des Sabbaths, fand in der alten Synagoge die feierliche Einführung des neugewählten RabbinersDr. I. Eschelbach er statt. Der geweihte Raum war überfüllt, selbst die Gänge waren dicht besetzt. Vorstand und Nepräseutantenkolleginm hatten sich fast vollzählig eingefunden. Nachdem die herrlichen Klänge des Lewcindowski'scherr „Na tauwu“ verhallt waren, erschien Dr. Eschelbacher unter dem Geleite des gesalnmten Rabbirratskollegimns. Alsdann begrüßte ihn ans dern Almemor der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Justizrath Meyer, in längerer Ansprache. Er betonte, daß er keinen besseren Willkorrrrnensgrnß finden könne als die eigenen Worte Eschelbachers. die er bei seinen! Scheiden aus Bruchsal geäußert, daß er in der neuen Heimath die gleiche Anerkennung und Liebe finden möge, deren er sich in der bisherigen in so reichem Maße erfreuen konnte. Er sei für das Amt von zwei Seiten, die ganz verschiedene religiöse Ansichten verträten, in Vorschlag gebracht worden, und das hätte dem hiesigen Gemeindevorstand den Beweis gegeben, daß er ein Mann des Friedens sei. Nicht um einen Gegensatz in der Gemeinde heraufzubeschwören, sondern nur im Interesse des Friedens und der Eintracht hätte man seinen amtlichen Wirkungskreis auf nur zrvei Synagogen beschränkt, um die Anhänger des alten Ritus durch einen Vertreter ihrer Anschauungen noch fester an die Großgemeinde zu ketten. Das neue Amt werde ihm auch kainn Anlaß zu Kämpfen bieten. Die Schechita, ein sonst häufiger Streitpunkt innerhalb einer Gemeinde, sei in musterhafter Weise geregelt und habe seit langen Jahren niemals Anlaß zu einer Beschwerde Seitens der beaufsichtigenden Rabbiner geführt. Nachdern der Vorsitzende nochmals die Seitens der Gemeinde auf den Seelsorger gesetzten Hoffnungen zum Ansdruck gebracht, schloß er seine Ansprache mit der Abnahme des Gelöbnisses redlichen Wirkens im Dienste der Gemeinde und verpflichtete den neuen Rabbiner durch Handschlag ans sein neues Amt. Dr. Eschelbacher fand herzeuswarnie Töne in seiner Erwiderung. Mit wohlklingendem Organ dankte er für das große Vertrauen, das man ihrn entgegengebracht hätte, als man ihn auf diesen Ehrenposten in der an Zahl und Intelligenz so reichen Gemeinde berief. Er gab das Versprechen ab, daß es sein unausgesetztes Streben sein werde, zur Wahrung des Friedens innerhalb der Gemeinde beizutragen. Sollte es zu Divergenzen konunen, welche einen Kampf nöthig machen, da doch ein Jeder fest auf seiner Ueberzeugung beharren müsse, so sollte man den Kampf ohne Härte führen und sich bemühen, das hervorzukehren, was uns eine. Wenn auch aus kleinem Wirkungskreise kommend, sei doch sein Blick in den 23 Jahren seiner dortigen Thätigkeit für alle Vorgänge des Lebens geschärft worden. So käme er nicht mit leeren Händen, sondern mit einem Herzen voll Liebe, Theil zu nehmen an den Freuden und Leiden der Einzelnen. Mit der innigen Bitte um Gottes Segen und Beistand für sein Wirken in unserer Gemeinde endete Dr. Eschelbacher seine Rede. An die würdige Feier schloß sich der übliche Gottesdienst. 8. Berlin, 6. April. Die heute anläßlich des Scheidens des Rektors Dr. Adler aus Berlin veranstaltete Feier gestaltete sich zu einer erhebenden und ehrenden Kundgebung. Der festlich geschmückte Schulraum erwies sich leider als viel zu klein, um die große Schaar der Erschienenen aufuehmen zu können. Mit der Vertretung des königl. Provinzialschulkollegiums war Stadtschulinspektor D r. L o r e u z offiziell betraut worden; Gemeindevorstand sowie das Lehrerkollegium der anderen Gemeindeschule und mehrere Ehrendamen der Mädchenschule wohnten der Feier bei. Nachdern zunächst vier, verschiedenen Altersstufen angehörerrde Zöglinge arrf den Abschied bezügliche Gedichte vorgetragen hatten, die alle das Versprechen enthielten, daß stete Liebe rrnd Dankbarkeit den scheidenden Lehrer in das neue Heim hinübergeleiten und nach gemeinsamern rrnter Begleitung des Harmoniums sehr wirksam ansgeführteu Chorgesang der beiderr Gesangsklassen (das Lied rvurde vom Kapellmeister Kellerrnann komponirt und Frl. Wittelshöferdichtete den Text), hielt Rektor Dr. Adler eine von Herzen konunende und zu Herzen gehende Ansprache. Mit tiefbervegter Stinrrne wandte er sich zunächst an seine Schülerinnen die er ermahnte, stets dankbare Gesinnung zu bervahren gegen die Eltern oder deren Vertreter, gegen die Schule rnit ihren Lehrern und Lehrerinnen, vor allem aber gegen Gott, der sie mit feinem Segen bis hierher geleitet habe und auch rveiterhiu schützen rverde. In der Ansprache an die Ehrengäste betonte er, rvie schrver es ihm gefallen sei, nach zehnjähriger Wirksamkeit von hier zu scheiden, nur das Bewußtsein der Pflicht gegen die Glanberrsgemeinschaft hätte ihn bewogen, die hiesige Wirkungsstätte rnit der anderen zn vertauschen, handele es sich doch rnn die Erhaltung der Blüthe einer Anstalt, die fast seit hundert Jahren ein Kulturträger unter den Juden sei. Sichtlich gerührt, schloß er seine Ansprache rnit dem herzlichsten Danke an die Staatsbehörde rrnd die Behörden der jüdischen Gemeinde, die allezeit reges Interesse und eingehendes Verstündniß den Forderungen entgegengebracht hätten, die er zunr Heile der Anstalt treffen zn müssen glaubte, an die Ehreudarnen der Schule und die Kollegen und Kolleginnen, die jetzigen sowohl rvie die während seiner Amtsdauer verstorbenen, für das reiche Maß von Vertrauen und die mannigfachen Beweise der Anerkennung. Alsdann sprach Stadtschulinspektor Dr. Lorenz seinen Dank ans für die bereitwillige Unterstützung, rvelche er stets seitens des Scheidenden erfahren Hütte. Er rühmte ihm tüchtiges Wissen und Können nach, den günstigen Einfluß, den er insbesorrdere durch sein vorbildliches Lehren und Thun auf das Lehrerkolleginnr ausgeübt, rnrd seine Methode, die Schülerinnen zu gesittetem Beuehrneu erzogen zu haben. Aus diesen Gründen hätte er die Verleihung einer Auszeichnung an den Scheidenden erwirken können, die ihrn der Kaiser in Form des K r o rr e n o r d e n s IV. Klasse zu Theil werden zn lassen geruht hätte. Namens der Gemeindebehörden widmete der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Justizrath Meyer, dern Scheidenden herzliche Worte der Anerkennung. Er betonte besonders den Geist der Liebe, der durch die Schule gehe und der nur dein Wirken des Dr. Adler zu danken jei, er rühmte die Leistungen in den von ihrn ertheilten Unterrichtsgegerrstünden. Durchdrungen von dem Geiste, der Gemeinde zrr helfen, wo und tute er nur konnte, hätte er sich auch außerhalb der Schule als aktives Mitglied der verschiederrsten Institutionen und Vereine den wärmsten Dank Aller verdient. Die Gemeindebehörden und der Schulvorstand hätten sich deshalb bewogen gefühlt, ihrn als ein sichtbares Zeichen der Anerkennung ein Paar silberne Armleuchter zn rvidmen. Das neue Amt werde ihrn hoffentlich Gelegenheit bieten, in gleichem Sinne rvie bisher zu rvirken. Zum Schlriß sprach der an der Anstalt thätige Lehrer Dr. Sarnter. Er dankte mit warmen Worten dem Rektor für die hilfsbereite Förderung der ihrn urrterstellterr Lehrer, für die stete Fürsorge, die dieser für den Lehrerstaud des gesarrrrnten Vaterlandes bethätigt hätte, rnrd für sein von schönem Erfolge gekröntes Werk, den Lehrerirrnerr ein trauliches Heirn für ihr Alter zn bieten- Möge es ihrn gelingen, so errdete der Redner, urrd diesem Wunsche schließerr wir nrrs vorr Herzen an, noch viel Gutes zn erreicherr. Abermaliger Chorgesarrg gab der schönen Feier einen wirkungsvollen Abschluß. — Der im Amte nachfolgende Rektor, Seminardirigent Dr. Grltmanrr ans Münster, rvird erst nach beit großen Ferien im August nach hier übersiedelrr; die provisorische Leitung der Schule ist der an der Anstalt thätigen Lehrerirr Fräulein Zucker übertragen rvorderr. 8 Berlin, 8. April. Die Generalversammlung des Vereins für jüdische Krarlkenpflegeriurrerr fand heute im Saale des Brudervereins statt. Unserern irr der vorigen Nummer bereits gebrachter! Auszug ans dern sechster! Jahresbericht haben wir nur wenig hirrzuzufügeu. Stadtverordneter Louis Sachs leitete die Nersarnnrlung, widmete dern verstorbener! Vorsitzenden Albert Philip.

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