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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-13 · Heft 15 (13.4.1900) · p. Seite 180

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
Seite 180 (sequence 14)
Language
German
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180 jj^veH erschüttert Klaggestöhn Rings die frühlingsfrische Lnft — Hört des Hungers Janunertöne. Hört es, meines Volkes Söhne, Was des Unglücks Stimme ruft: ..Arbeit! Gebt Arbeit!" Fuv Korysl atvl Von Henriette Hirschberg. Her vom fernen Dniestrstrande Schrillt der lvilde Schrei hervor, Ruse»» unsre Stanunverwandte; Her vom fernen Polenlande Dringt der Schrei an unser Ohr: „Arbeit! Gebt Arbeit Unsre Brüder müd sich quälen, Dort um Brod umsonst sich müh'n; Matte Augen es erzählen — Laßt den Jammer durch die Seelen, Euch durchs Herz die Thränen glüh'»»: „Arbeit! Gebt Arbeit!" Oeffnet Eure Herzenspsorten, Oefsnet Eure Seele »veit; Tröstet schnell die Armen dorten — Armentrost liegt nicht in Worten — Schnell zu gebe»» seid bereit: „Arbeit! Gebt Arbeit!" Heute wir durch Sang und Töne Feiern unser Freiheitsfest: Daß uns Freiheit wahrhaft kröne, Helft, daß unsres Volkes Söhne Bald ein Arbeitslenz erlöst! „Arbeit! Gebt Arbeit!" Fitterarische Mittheilungen. ----- Nicht feiten ist in den jüdische»» Zeitschriften laut der Ruf nach einem neuen deutscheuLesebuch für jüdische Schulen erschollen — »»»ihRecht. Es wäre ein Widersprrich, in der jüdischen Volksschule ein im christlichen Geiste geschriebenes Lesebuch zu gebrauchen. Die jüdische Volksschule, die in ihren Zöglingen neben der wichtigen patriotischen, gut deutschen Gesinnuilg auch den ebenso wichtigen jüdisch-religiösen, absolut ethische»: Geist lvecken und stärken soll, darf sich hierzu nicht eines Mittels bedienen. das eigens dazu geschaffen tvorde»» ist. den christlichen Geist zu rühren und zu fördern. Wenn sich unter vieler» ne»»tralen Lesestücke»» einige finden, die christliche Gesinr»n»»g und Pflicht betonen, so kann oh»»e viel Zeitverlust durch einige k»»rze Bemerkungen dara»»s hingelviese»» »verden, daß nicht nur das Christenthun», foubevu auch das Judenthnm »»»»bedingte Sittlichkeit, Menschen- und Vaterlandsliebe fordert. Darum sind schon seit langer Zeit vo»» jüdischen Schnlmänuert» Lesebücher für die jüdische Sch»»le verfaßt und eiugesührt »vorder». Sie ge»»ügen aber de»» heutiger» Ansordernngen nicht mehr. Auch die Lesebücher haben ihre Schicksale. Sie sind der Spiegel der jerveiliger» Geistesströmung. Bischer, die »»och vor 20 Jahren zeitgemäß waren, sind heute veraltet. Unser heutiges Leseb»»ch soll aus der»» frischen Ouell der klassischen und de»»tsch-»»ationalen Litteratur schöpfen, das heilige Fe»»er der Vaterlandsliebe errtfLannuen, von lauterer Sittlichkeit d»rrchträ»»kt nub mit einen» Tropfen sozialen Oels genlischt sein. Es soll ebensosehr im Dienste großer »rationaler und sozialer Strömungen stehen, »vie es das deutsche Volk bei sei»»er Arbeit, der deutschen Wissenschaft, der de»»tschen Techr»ik »n»d den deutscher» Verkehr in ihren grandiosen Erfolgen zeige»» soll. Das ist »vohl bei de»» älteren Bücher»» nicht der Falt. Bisher gab es aber außer den» Blu»ne»»feld'schen kei»» Lesebuch, das von der Uirterklasse drirch alle Strisen bis z»»r 1. Klasse lücke»»los und »»»ethodisch hind»»rch führte. Man »»rußte dann oft »vohl drei verschiedene Bücher gebrauchen. Die Blumenfeloffche Bearbeitung des Hästersffchen Lesebuches hat aber so viele organische Märrgel, stilistische Fehler und für jüdische Schule»» arrstößige Stellen, daß in de»» Zeit»»»»ge»» uub aus de»» Lehrerversaulmlungen feine U»»bra»»chbarkeit festgestetlt »vorder» ist. A»»f Gr»»»»d dieser de»» Lehrer»» bekarrnte»» Thatsacher» hat die Lehrerko»»fere»»z der Provinz Han»»over vor drei Jahre»» ei»»e Kon»»»»ission errvählt, die ei»» scho»» ei»»geführtes, g»»tes, deutsches Leseb»»ch für jüdische Schule»» bearbeite»» sollte. Es rvar unter den obtvalte»»de»» Verhältnissen ei»» schrvieriger Anstrag. Der Komn»ission stände»» und stehe»» nicht die geriirgste»» pek»»»»iäre»» Mittel z»»r Verfüg»»»»g; die Mitglieder »voh»»te»» in der Proviirz zerstrerit; die verschiede»»en Regiernuge»» stellten die verschiedensten Fordernilgei» auf. Doch unter der wohlwollenden Stetl»»ugnahu»e der Negie»!»li»g in Anrich, deren Schulräthe Pfühler. Osterma»»»» n»»d Bi'nrger den» Werke s»)»npathisch und fördernd zur Seite stände»» u»»d stehe»», »»»»ter der eirrflußreicher» Fürsprache u»»d rege»» Theil- »»ahrue des Landrabbiners Dr. Löb in En»de»», u»»ter der»» »villigei» Ent» gegeltkoll»»nei» der Hahn'schen Verlagsbuchha»»dl»»ng in Hannover nub der »»»»verdrossenen Arbeit der Kvmmissio»» ist das Lehrbuch errdlich fertig gestellt »vorder» und hat die vorläufige Ge»»eh»uig»»»»g des Ministeriums gesu»»de»». Die Schreiblesefibel und Theil I des Leseb»»ches si»»d »»»»»» a»»ch »»»» Dr»»ck erschienen und liege»» den» Ministerium zur endgültige»» Geneh»uig»,ug vor. Das B»»ch zeigt auf dem Titelblatt: „Lesebuch ( Schreibl esefibel) s»"»r Bürgerschulen." Herausgegebe»» vor»» Lehrervereil» der Stadt Ha»»»»over. Für jüdische Schule»» »»»»»gearbeitetvon Levy, Hauptlehrer ir»Norden, Ne»»ß, Hanptlehrer in Aririch. Spanier, Lehrer in Stolzenau, Stern. Lehrer ii» Hildes- Heim." Sei»»e Vorzüge sind k»»rz folge»»de. Es bildet eir» ei»»heitliches, organisches Gairze »n»d besteht a»»s der Schreiblesefibel, erste »n»d zrveite Abtheilung, de»» Lesestoff für die beide»» ersten Schuljahre enthaltend. Preis gebunden 60 Pfg., dem Lesebuch, Theil I für die Mittelklasse, 17 Bogen stark, Preis gebunden 1.20 Mark; dem Lesebuch, Theil II für die Oberklasse. Das Lesebuch schreitet von» Nahen und Einfachen zun» Fer»»e»» »»»»d Z»lsan»me»»gesetztel» »»ach den Gruppen: die vier Jahreszeite»»; vor» der Wiege bis zu»»» Grabe; das Lebe»» in der Natur; Heimath, Vaterland »nid Fremde; Bilder aus der Geschichte uird Sage. Theil I enthält, der Altersstufe, der Stufe der Vorstell»»»»g entsprechend, viele der schö»»sten Märchen und Sage»» vo»» Grill»»»» und Bechstein, Erzählungen von Hebel, Kr»nu»»»acher, Neinicke, Caspari und Schmid, Beschreibungen vor» C»»rt»»»a»»n, Wagner »tub Mesins, Gedichte von Güll, He»), Hoffman»», Lölvenstei»», Nückert. Uhland ltnb Schiller. Fast jedes Stück ist Musterstück. Das Buch ka»»n in alle»» Provinzen Preußens und in alle»» Länder»» Deutschlands gebraucht werde»», weil die lve»»ige»» heirnathliche»» Stoffe allge»r»ei»»es Interesse beanspruchen. Von den jüdische»» Stoffe»», die atterdi»»gs nicht in der Zahl genehmigt »vorbei» si»»d, in der sie i»n Marruskripte Vorlage»», neune ich: Passahfest. Wochenfest und Weihesest von Jacobso»», Sabbath »villkon»n»e»»! vor» Stell», der Waise»» Kaddischgebet von Freyhan, der Gastfreuud »»ach Friedländer, der »vißbegierige Schüler nach de»»» Talinud und talu»udische Sprüche vo»» Kristeller, Schlvarz itub Szanto. Mit religiöse»» »l»»d stidisch-geschichtliche»» Stoffen viel reicher ausgestattet sei»» »vird Theil II, der in» Laufe des Sornuierhalbjahres erscheinen wird. Die A»»sstattu»»g der Bücher ist tadellos. Der Druck ist groß und gesätlig, das Papier glatt und abged»»»»kelt, der Einbaird haltbar u»»d der Preis billig. Daß auch dieses Werk seine Mäirgel haben wird, ist »vohl z»» erwarte»», aber es trägt de»» Kei»»» der Ent»vicklu»»g »»»»d Vervollkoin»»»n»l»»g i»» sich. Bei einer allgen»einen Ei»»f»»hru»»g in de»» jüdische»» Schulen unseres liebe»» deritschei» Vaterlandes »vird eine zweite Ariflage bald »»öthig »verden und da»»»» könire»» alle berechtigte»» Wü»»sche um »veitere A»»sgestalt»n»g leicht erfüllt »verde»». Mögen die jüdische»» Schulleiter »»»»d Lehrer dieses neue Lesebuch ei»»er gerreigte»» Prüfu»»g »niterzieheu. einen relative»» Maßstab anlege»» und es »vird ihren Beifall finde»». Möge »na»» überall das Buch ei»»sühren. Das religiöse itnb deutsch-nationale Ziel der jüdische»» Volksschule »vird d»»rch das neue B»»ch sicherer als bisher errreicht »verden. Das möge a»»ch der einzige Lohn der Bearbeiter fein! Hauptlehrer Reuß-Aurich. Druck u»»d Verlag vorr Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch witz in Berlin.

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