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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-13 · Heft 15 (13.4.1900) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
Seite 178 (sequence 12)
Language
German
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178 bauen lassen, — da vermochte er vor tiefer Rührung das; seine Zuversicht auf beit Allmächtiger! ihn nicht getäuscht, kann! seinen Dank zu stammeln. Daheim bei den Seinen verlieh er seinen Gefühlen um so eingehender Worte. „Ihr sollt sehen", schloß er, „die schweren Tage sind überstandeu, Dank sei dem Herrn!" Und es war, als solle er Recht behalten. Von nun an schien sich endlich, endlich das Glück ihm zuwenden zu loollen. Seine Unteruehrnungen waren von Erfolg begleitet, so daß er, als das Jahr feinen Kreislauf vollendet und der Vorabend des Passahfestes wieder herangekonnnen war, diesmal mit unumwolkter Stirn vor seinen! neu und schmuck erbauten Hause stand und die Gasse entlang bis an den glitzernden Main hinabspähte. Siehe, da schritt, von der leuchtenden Abendsonne gleichsam mit einen! Glorienschein umgeben, derselbe Frernde wie iin vergangenen Jahre den Weg hinauf. Wieder blieb er bei ihrn stehen-, wieder begann das angeregte Plaudern, wenn auch, — da der Fremde erklärte, seine Zeit sei beschränkt, er rnüsse weiter, — in nicht so ansgedehrrtern Maße wie bei den! ersten Zusammentreffen. Und wieder bewahrte er über sich und seine Herkunft dieselbe Zurückhaltung wie das erste Mal. Als er sich zmn Aufbruch von der Bar!k, auf der er loie vordem gerastet hatte, erhob, fragte mit freundlichen! Ausdruck seiner glänzenden Augen: „Nun, und das Geschäft? Wie war's dies Jahr? War?s besser?" „Viel besser. Gottlob! Eure guten Wünsche haben uns Glück gebracht, Herr! Habt Dank!" „Keine Ursache!" war die Erwiderung des sich bereits Entfernenden. Noch eimnal sich umwendend, fügte er dann mit einen! seiner strahlenden Blicke hinzu: „Wer weiß? Dies Jahr!vird vielleicht noch besser werden!" Und wieder behielt er Recht. Es schien, als habe die Vorsehung Elsässer unter ihren besonderen Schutz genommen. Wiederum war ihn! und den Seinen bei allen! Begonnenen das Glück hold. Natürlich wurde dann in! Kreise der Familie gelegentlich des geheimnisvollen Fremden, seines günstigen Einflusses auf ihrer aller Geschick gedacht. Und meist pflegte Elsässer diese Verhandlungen mit den Worten zu beschließen: „Kommt er dies Jahr zu Passah!vieder, so lade ich ihn ein, mein Gast zu sein!" Doch es hatte den Anschein, als würde er seinen Vorsatz nicht ausführen können. Das Osterfest loar zum dritten Male herangekonnnen. Mit großer Spannung hatte Elsässer zur gewohnten Zeit des Erscheinens des Unbekannten entgegengesehen. Aber diesrnal war der Tag verstrichen, ohne daß ihm der Friedensgrub aus jenen! Munde zu Theil geworden war. Als er indessen am ersten Feiertage Morgens früh ans der Synagoge heimkehrte, legte sich eine Hand begrüßend auf seinen Arm. Rasch wandte er sich um. Neben ihm ging der Fremde und fragte ihn nach seinen! Ergehen. Elsässer ertheilte die gervüuschte Auskunft und fuhr dann, — sie waren mittlerweile vor seinen! Hause angelangt —, halb zögernd fort: „Seht, Herr, Euer Erscheinen hat mir, hat meinen! Hause entschieden reichen Segen gebracht. Würdet Ihr mir nun noch eine Bitte gewähren? Mir die Ehre erzeigen, den heutigen Tag als mein Gast unter meinem Dache zu verbringen?" Der Freulde schien einen Augenblick zu schwanken. Dann willigte er mit schnellem Entschluß ein. Frau Hanuah hatte sich, als ihr Gatte ihr den Vielbesprochenen zuführte, einer leise»! Befangenheit nicht erwehren können. Aber Jener lvnßte dieselbe in gewinnendster Weise zu verscheuchen. Als ihm sodann die blühenden, wohlgerathenen Kinder vorgestellt wurden und er es verstand, jedem Einzelnen etwas Gütiges zu sagen, um sich aber zum Schluß in ganz besonders liebevoller Weise mit der zweijährigen Jetta, des Hauses Stolz und Herzblatt, de»n einzigen Mädchen unter der stattlichen Knabenschaar zu befassen, feilte Hand segnend aus das goldhaarige Köpfchen zu legen, da hatte er der Mutter ganzes Herz gewonnen. Er hatte nunmehr bei der ersten Gelegenheit seinen Namen genannt. „Elias aus Wien," — ohne sonst etwas hinzuzufügen oder auf ein vorsichtig angeregtes Gespräch über Wiener Verhältnisse weiter einzugehen. Der Tag verlief alsdann in augenehrnster Weise. Der Gast zeigte sich als grnndgescheidter, welterfahrener, liebenswürdiger Mensch. Als er am Abend, nachdem er der Sederfeier beigewohnt hatte, aufbrach, — das angebotene Nachtquartier lehnte er init der Begründung, er sei bereits versorgt, ab — sagte er seinen Wirthen zu, am nächsten Tage noch eimnal bei ihnen vorzusprechen. Er hielt Wort. „Ich komme, um Abschied zu nehmen," sagte er darauf, „ich glaube nicht, daß ich so leicht wieder nach Offenbach kommen werde. Laßt es Euch ferner Wohlergehen. Und habt Dank für Eure Gastfreundschaft. Darf ich Euch nun noch bitten," — er zog ein zierlich verhülltes Packet hervor, — „diese Kleinigkeit zum Andenken au den Fremden, der Euren Weg flüchtig gekreuzt, und dessen beste Wünsche Euch und den Euren gehören, auznnehmen?" Elsässer wehrte ab. „Das ist zuviel." „Es ist wirklich nicht der Rede werth," drang der Andere in ihn, während er aus den bergenden Hüllen einen schönen silbernen Becher von alter Augsburger Arbeit nahm. Es war ein wahres kleines Meisterwerk. Der eigentliche Becher hatte die Form eines stark vergoldeten Paradiesapfels, dessen obere Hälfte abzunehmen war; tun den hohen, schlanken, einen Baumzlveig nachahmenden Fuß schlang sich, von dem breiteren, schön gearbeiteten Sockel ausgehend, eine tadellos ausgeführte, den Kopf zum Apfel emporreckende Schlange, — die Schlange des Paradieses. Die Umstehenden brachen in laute Bewunderung ans. „Macht doch nicht soviel Aufhebens um solche Geringfügigkeit," rief der Geber, „und," — als er die ablehnende Haltung des Hausherrn bemerkte, — „erzeigt mir die Gunst, behaltet den Kelch. Möge er Euch ein Freudenbecher sein, möget Ihr ihn oft, und nur bei heiteren Veranlassungen, in Gebrauch nehmen. Wenn Ihr aber weiter keine Verwendung für ihn habt," fügte er mit leisen! Lächeln hinzu, „nun, so stellt ihn am Sederabend dem Propheten Elias hin und denkt dabei zmveilen der gestrigen Feier!" (Schluß folgt.)

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