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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-13 · Heft 15 (13.4.1900) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
Seite 177 (sequence 11)
Language
German
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177 bekommen; denn er war viel zu gescheitst, man machte ihm Gruben; es half aber alles nichts. Null war ein Köhler im Wald; dem thät der Wolf nichts, sondern hatte gute Kundschaft mit ihm und hielt immerdar bei seiner Hütte sich auf. Null der Melech ließ ein Gebot ausgehn: wer Den Wolf könnte bekommen, er wäre lebendig oder todt, dein lvollte er seine Tochter geben und sollte sein Kölligreich llach ihm besitzen. Nun hatte der Melech einen Joöz (einen Rath), der war lloch ledig nlld war ein starker Held, der sprach: „Herr Köllig, lvollt Ihr Ellren Worten nachkomlllen, so will ich nlich untersdhen, ,den Wolf um das Leben zu bringen; denn Ihr wisset, daß ich öfter im Kriege bin gewesell und groß Streit gehabt lllld ist mir llicht mißlllligen, lvill iclsts diesmal auch versuchen." Der Melech verhieß ihm sein Wort zll halten. Also nahm der Joöz seine Waffell und wappllet sich gar wohl lllld kam zum Köhler, da der Wolf mit bekannt war und sprach: „Lieber! weise mir doch, wo hat der Wolf seine Wohliung oder wo halt er sich auf? Da der Köhler sähe, daß sich der Joöz all den Wols wollte machen, erschrak er gar sehr, delln er sorcht sich, der Joöz lllüßte nui das Leben kommen als ihlll allch schier lväre geschehen und sagt loider ihil: „Meill Herr, was thut Ihr in diesem wilden Wald? Wird der Wolf Euer gewahr, so seid Ihr um das Leben. Wenn Ihr schon llvch also hoch lväret." Der Joöz sprach: „Lieber! weist mir ihn, denn ich bin derselben hierherkomlllell den Wolf um das Leben zu bringell." Der Köhler sprach „ich bitte Euch davor." Der Joöz sprach flugs: „Mach es nicht lang, es muß sein." Also sprach der Köhler und ging nlit dem Joöz dahin, da der Wolf seinen Gallg hatte. Nun der Joöz liahttl feine Büchs und seinen Spieß in seine Hand und ging zum Wolf also 311 und meint, der Wolf wurde ihln begegneil, so wollt er ihn gleich erschossen haben. Wie null der Wolf merkte, das mall nach ihlll lvollt stehen, sprang er auf ein Seit und sprang dem Joöz an seinen Hals nnd warf ihll zllr Erde nieder ulld lvollte ihll unlbringen. Bald war der Köhler da ulld jagt den Wolf wieder von ihlll hüllveg. Null er lvollte llicht ablasseil unb wollt sich wieder an Den Wolf machen. Der Köhler wehrte wieder null zunl dritten Mal, aber er machte sich wieder an den Wolf. Da ward der Wolf gar zornig unb wollt ihn Zerreißen. Da bat er, Gott sollt ihln voll dem Wolf helfen, er lvollt sich nimmer an ihn nlachen. Nun der Wolf ließ ihll wieder los ulld Hub an ulld schnleichelt ihm lnit deul Schlvanz als ein Mensch, der dem anderll Chanifus treibt (schnleichelt) unb wollt llicht von ihm lveichell und ging vor ihm her, lvie ein Hund seinem Herrn vorläuft. Der Joöz wär gern sein P0ter gewesen, denn er furcht sich vor ihlll. Aber der Wolf lief als neben ihm. Da that der Joöz feinen Gürtel ab und führte den Wolf nebell sich mit dem Gürtel und war sein Geleitsmann im Wald. Wenn schon ein ander Thier kam urld wollt dem Joöz etwas gethan haben, da würgt sie der Wols, ulld wenn er einen Hasen oder einen Fuchs sah, fing er sie dem Joöz und brachte sie ihm. Daß ich es kurz lnache, der Joöz brachte den Wolf in die Stadt vor den König. Der König mit seinen Rüthen erschrak gar sehr vor bem Wolf, denn sie hatten also viel Geschrei hören sagen wie er so viel Leut umgebracht, daß sich der König allch furchtet und sprach wider den Joöz, er soll ihm den Wolf hillwegthun. Der Joöz sprach: „Adoni Melech, Herr König, ihr dürft Euch vor dem Wolf nicht furchten, wenll er Eiuenl ein Leid thut, der ihm nichts thut, da soll nmn mir den Kopf abschlagen." Also behielt er den Wolf bei sich llnd hielt ihn gar wohl, denn der Joöz hatte gesagt, wie der Wolf Erbarmen über ihll gehabt llnd ihm das Leben gelaffen, wie wohl er recht hatte gehabt, daß er's ihnl hatte genommell. Denll er war breimal am Wolf gewesen. Derselben hielt er ben Wolf gar wohl mit Essen und Trinken, das Beste und llicht das Böse und weil der Joöz auf die Jagd zog, nahm er den Wolf mit sich und bracht's ihm. Dielveil nun der König versprochen hatte, seine Tochter zu geben, lver den Wolf lebendig oder todt brächte, das hatte nun der Joöz redlich Verdi ent unb der Melech hielt's ihm auch und gab ihnl seine Tochter und sein halb Reichthum dazu. (Schluß folgt.) EUILLETOfl Ber Becher des Propheten. Von Paula Fa ber. II. Tage gingen ihren gleichmüßigelr Gang weiter und Elsässer hatte bald llnter der täglichen Last und Plage jene Begegnung, die ihn für einen kurzen Moment aus den Ballden der Alltäglichkeit herausgehoben hatte, fast vergessell. In seinen äußerer! Verhältnissen hatte sich allch nichts ereignet, was ihn daran erinnert hätte und was für die Bestimmtheit, mit der der Fremde bessere Zeiten vorallsgesagt hatte, beweiskräftig gewesell wäre. Im Gegelltheil, im Sommer schlug der Blitz in sein stattliches Wohnhaus lllld brannte es bis auf beit Grund nieder. Sein ältester Sohn vermochte eine gereizte Bemerkung darüber nicht zu unterdrücken. „Wenn der Fremde vom Sederabend soviel vorher wilßte, daß er illls mit solcher Sicherheit bessere Zeitell in Aussicht ftellen konnte, warum hat er lllls daml nicht auch gesagt, welches Unglück uils treffen lvürde? — Gottes Hand liegt ja immer schwerer auf uns!" Der Vater wies ihn scharf zurecht. „Was aus Gottes Hand fommt, ist verdient und lunß ohne Murrell hillgenommen werden. Ulld lver weiß?", fuhr er mit einer ihm sonst frembeu Hoffnuugssreudigkeit fort, „vielleicht ist gerade mit jenem Hause der letzte Rest ullseres Ullsterns von uns geilommell lind mir gehen in einem neuen Heim besseren, lichteren glücklicheren Tagell entgegen." „Gott gebe es!" sellfzte seine Frall kleinmüthig. „Jnzwischell möchte ich wissen, woher das Geld für einen Hausbau kommen soll!" Jedoch selbst die bittereil Klagen der Seillen vermochten dieslllal Elsässers Gottvertrauen llicht zll erschütteril. Ulld am nächsten Tage beschied ihll ein Bote des reichslUllilittelbarell Fürstell, des damaligen Herrll der kleinerl Stadt, auf das nnferll von Offenbach gelegene Residenzschloß seines Gebieters. Als ihm dort aber eröffnet lvurde, der Fürst wolle ihm, in Allerkennung seiner Verdienste und seines rechtschaffenen Lebenswandels sein Haus aus seinen Privatmitteln wieder auf-

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