Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- Seite 173 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228365-3228381--56352-3292652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
173 Aus -er Berliner Gemeinde. fS. Berlin, 8. April, ie heutige Nepräsentantenversammlung nahm einen sehr ruhigen Verlauf. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete zunächst der Vorsitzende dem verstorbenen Vorstandsmitglied Wilhel m Goldschmidt herzliche Worte ehrenden Gedenkens. Vom Gemeinde- Vorstand ist die Nachricht eingegangen, daß er der Wahl des Oberlehrers Dr. Schäfer zum Mitglied des Schul- und Talnrnd-Thora- Vorstandes beigetreten ist. Landgerichtsrath Löwe hat eil, Bild des verstorbenen Justizraths Mako wer für den Sitzungssaal der Repräsentanten gestiftet, wofür ihm der Vorsitzende Namens der Versammlung herzlichen Dank sagt. Die Versammlung nimmt alsdann zur Kenntnis;, das; der bisherige Vorsteher-Stellvertreter Heinrich Eisner als vollgiltiges Mitglied in den Vorstand eingerückt ist mit der Amtsdauer bis znm 31. März 1903. Vom Provinzialschulkollegium sind, wie im Vorjahre, die Tabellen bezüglich der Theilnahme der jüdischen Schüler an, jüdischen und an, evangelischen Religionsunterricht eingetrofsen. Der Ausschußantrag, die Tabellei, vor der Berathung erst vervielfältigen zu lassen, wird einstimmig angenornmen. Zur Kellntnißnahme gelangte ferner, daß der Minister des Innern das Ersuchen des Gemeindevorstandes, eine Abschrift der gegen die Schenkung d er B a in b er g er' s ch e „ Erben eingereichten Protesteii,gabe zu veranlassen, ab ge lehnt hat. Von, Ministerin,,, der geistlichen Angelegenheiten, an das ein gleiches Ersuchel, gerichtet worden ist, steht der Bescheid noch ans. Der Referent, Landgerichtsrath Löwe, fügte hinzu, das; die Versanunlung alles gethan hätte, ,vas ihr zu thun obgelegen hätte; ihren, Bedauern über die Angelegenheit hätte sie bereits mehrfach Ausdruck gegeben. — Zur Errichtung eines Zimmers von vier Betten hat Dr. Ludlvig Lands hoff de,n Hospital 25 000 Mark zngewendet. Die Spende wird debattelos angenoinmen. Zur Verlängerung des Miethsvertrages bezüglich des Saales des Berliner Handwerkervereins zun, Zivecke gottesdienstlicher Veranstallungen nürd die Genehmigung ertheilt, ebenso zum Abschluß eines Miethsvertrages bezüglich desBeethoven-Saales der Philharmonie znrAbhaltnng eines Jngendgottesdienstes; der Kontrakt bezüglich der Hohenzollernsäle in der Bandelstraße wird ebenfalls verlängert und zwar nur auf drei Jahre, weil, wie der Referent auf Befragen erklärt, die Kommission der Ansicht ist, in diesen, Stadttheil der Neubau einer Synagoge dringend nothwendig ist. — Zur Verlegung von Wasserleitungsröhren auf dem Friedhof in Weißensee werden 436 Mark, zur Speisung der Gefangenen in Rawitsch am Pessachfeste — es befinden sich dort nenn Berliner — 86,40 Mark bewilligt. — Es gelangten dann die alljährlichen Subventionen an die verschiedenen Religionsvereine und drei andere Vereine zur Berathung. Es wurden bewilligt: an Ahawas Torah 800 Mark, an den Religionsverein der Oranienburger Vorstadt 2200 Mark, an Ahawas Rein, 3000 Mark, an Beth Zion 1000 Mark, an Ahalvas Scholanm 1300 Mark, an den Religions- Verein in Steglitz 1000 Mark, an die Lipmann-Tauß-Synagoge 1500 Mark, an den Fortbildungsverein Montefiore 300 Mark, an das jüdische Kinderhein, 300 Mark, an den Volkskindergarten und Hort 300 Mark. Zn dieser Position ist eine Resolution Geiger-Blaschke eingegangen, an den Gemeindevorstand das Ersuchen zu richten, eine strengere Beaufsichtigung der snbvenlionirten Synagogen und Religionsschulen stattfinden zu lassen. Professor Geiger begründet die Resolution und bringt wieder,,,,, die Anstellung eines Schnlinspektors als dringend nothwendig in Anregung. Der einmalige Besuch der Schulen, zninal wenn vorher Schüler und Lehrer davon benachrichtigt würden, könne nicht als ausreichend zur Inspektion erachtet werden. Die Resolution empfiehlt er unter den, Beifall der Versammlung zu geneigter Berücksichtigung und thätiger Abhilse. Der Dezernent im Gemeindevorstand, Rechtsanwalt Lilienthal, weist darauf hin, daß bereits im Vorjahre die Anstellung eines Schnlinspektors prinzipiell beschlossen worden sei, und daß der Vorstand die Angelegenheit, welche augenblicklich beim Schulvorstand ruhe, mit größter Beschleunigung erledigen werde, um diesen, lairggehegten Wunsche zu entsprechen. Die Sitzung wird nunmehr unterbrochen, um den neugewählten Vorsteher-Stellvertreter Max Mecklenburg einznführen. Der Vorsitzende begrüßt den neuen Stellvertreter und giebt seiner Ueberzeugnng Ausdruck, daß mit diesen, eine junge, arbeitssrische Kraft dem Vorstande zngeführt werde, dessen Pflicht es sei, in weiser Abmessung die Grenzen zu ziehen, um in erster Reihe die Bedürfnisse der Gerneindemitglieder zu erfüllen, aber auch die Steuerkräft derselben nicht allzusehr zu belasten. Der durch Handschlag auf sein Amt verpflichtete Stellvertreter verspricht, allezeit das Wohl der Ge,neinde im Auge zu behalten. Dann wird die unterbrochene Debatte wieder a„fgenomn,en. Professor Geiger schlägt vor, bis zur endgiltigen Anstellung des Schulinspektors die neuen Mitglieder des Schulvorstandes, die Herren Professor Elias, Professor Kalischer und Oberlehrer Dr. Schäfer, zu bitten, je eine Schule zur häufigeren Inspektion zu übernehnien. Der Decernent erklärt Namens des Vorstandes die Bereitwilligkeit, der Anregung Folge zu geben. Professor Bla schke erlärt, daß die Angelegenheit jetzt der gemischten Deputation für den jüdischen Religionsunterricht Vorgelegen und dort znm Beschluß der Anstellung eines Schulinspektors geführt habe. Sache des Gemeindevorstandes werde es sein, den Wunsch nun,„ehr in die That umzusetzen. Herr Man heim er regt an, vor der Wahl eines Schulinspektors eine einheitliche Organisation der verschiedenen Religionsvereine veranlassen zu wollen. Die verschiedenen Positionen wurden darauf ebenso lvie die Resolution angenommen. — Herr Leonhard Sachs gibt die Abrechnung der festgottesdienstlichen Veranstaltungen im Jahre 1899. Gegen den Voranschlag ist eine Minderausgabe von 8247,20 Mark zu konstatiren. Die geforderte Decharge wird ertheilt.— In die Fürsorgekonunission wird an Stelle des Herrn Adolf Mayer, welcher als Stellvertreter statutarisch nicht entsandt werden darf. Landerichtsrath Löwe abgeordnet. — In, Ausschuß sind mehrere Anträge zur Ergänzung der Geschäftsordnung, welche eine Bestimmung über das Petitionsrecht bisher ver,nissen ließ, beschlossen worden. Die Anträge lauten etwa folgendermaßen: 1. Zuschriften von Gemeindemitgliedern oder anderen Personen werden in der Sitzung vom Vorsitzenden der Repräsentanten nur kurz zur Kenntnißnahme nntgetheilt, 2. a) Die eingehenden Petitionen sollen vom Vorsitzenden den, zuständigen Ausschuß überwiesen werden; b) Petitionen, welche einen Gegenstand der Tagesordnung betreffen, sind bei Beginn der Sitzung den, Vorsitzenden oder dem Berichterstatter mitzntheilen und gelten durch die Behandlung der Angelegenheit als erledigt. 3. Die Petitionen sollen den, Gemeindevorstand zur Berücksichtigung, zur Abhilfe oder zur Erwägung überwiesen werden. Ein vierter Punkt ist von, Ausschuß gestrichen ,vorder,, wird aber durch einen Antrag Minden- Löwe im Plenum wieder aufgenommen. Er lautet folgendermaßen: 4. „Hat der Bittsteller die zuständige Verwaltungsstelle der Gemeinde noch nicht angerufen, so giebt ihm der Vorsitzende die Petition zurück, verweist ihn aus den Jnstanzenzug und setzt die Versanunlung hiervon in Kenntniß." Die Kenntnißnahme der Versanunlung wird von den Antragstellern als wünschenswerth bezeichnet, weil die Versammlung dann selbständig den Gegenstand auf die nächste Tagesordnung setzen könne. Die vier Anträge werden einstiuunig von der Versammlung angenommen, wonach die öffentliche Sitzung geschlossen wird. — Ans der geheimen Sitzung erfahren wir noch, daß als Vorsteher-Stellvertreter mit allen gegen z,vei Sti,innen Sanitätsrath Dr. Le° wandowski gewählt worden ist. Konferenz der in Palästina thätigen Vereine. Frankfurt a. M., 28. März. ns Einladung des Central-Komites der Vereine zur Förderung der Kolonisation Palästinas tagte gestern und vorgestern Hierselbst eine Konferenz der im heiligen Lande thätigen Vereine und Institute. Es waren circa 40 Vertreter der verschiedenen Vereine ans Deutschland, Oesterreich, England und Rußland anwesend. Rechtsanwalt Dr. Blau begrüßte die Erschienenen und leitete die Bildung des Bureaus, in welches gewählt wurden: zu Vorsitzenden die Herren Charles L. Hallgarten, Joseph Wisloch, Bernard Lazare. Dr. Knranda. Dr. H. Hildesheimer; zu Schriftführern die Herren Alfred Geiger, Joseph M. Goldschmidt, M. Ussischkin „>,d Dr. E. Finkel. Hieraus „ahn, Herr Joseph Wisloch das Wort zu einer von lebhaftem Bei-!all begleiteten Ansprache, in der er die Tendenz der Versanunlung begründete, daß sich die verschiedenen Kolonisations-Vereine eng^aneinanderschließen.