Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 31 (13.3.1838)
- Date
- 1838-03-13
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 und durch den Druck desselben die hebräische Literatur wesentlich zu bereichern. Die Unterzeichneten Verwandten und Nachkommen des Verewigten würden auch schon längst diesem Wunsche entsprochen haben, wenn die Druckkosten eines so umfangreichen Werkes nicht gar zu bedeutend waren. Jndeß auf mehrfache Aufforderungen sind sie entschlossen, fürs Erste einen Theil des Nachlasses zu veröffentlichen, und mit dem eben angezeigten Commentar zur Genesis den Anfang zu machen. Der Gründlichkeit des Verfassers, seiner fast beispiellosen Vertrautheit mit der gesummten Literatur der Israeliten, so wie dem Reichthume der eigenen Ideen, wozu noch die bewunderungswürdige Leichtigkeit des Sryls kommt — Allem diesem ist es zuzuschreibcn, daß der Commentar eines einzigen biblischen Buches an 96 Druckbogen in Quart betragt; weshalb das Werk in 8 Heften zu J2 Bogen erscheinen soll, jedes Heft zu 1 Mark 8 ßl. Pränumcrarionsprers (18 Sgr. oder 14 V ggr.). Wir zweifeln nicht, daß sowol jüdische als christliche Gelehrte von Fach, so wie alle Freunde des Verewigten uns in den Stand setzen werden, das angekündigte Werk recht bald erscheinen zu lassen *). Hamburg. Die Nachkommen des verewigten Naphtali Hartwig Wessely. Mit dem Erscheinen des vorbesprochenen Werkes hat. es seine eigene Bewandniß. Zwischen der Abfassung desselben bis zur Gegenwart liegt für das Judenthum eine ganze Welt. Ware dieser Commentar zu der Zeit, wo er entstanden, in die Oeffentlichkeit getreten, tausend Hände hätten ihn mit Begierde ergriffen. Jetzt aber gilt es, die zerstreuten Freunde zusammenzuberufen, und verschiedene Regungen in Anspruch zu nehmen. Es ist eine abgeschlossene Zeit, der °) Wir erlauben uns folgende empfehlende Worte des Herrn Chacham B ern ay s hierherzustcllen: initd nbi I27tt b^ittp miNty b272 122 IQ iwision inu;»n 12b ms iwn ,1722m nmn Dipisö ,V‘X1 Iri ypn ■’bnaj VSihud nhnnSi owb 31V1 ttb 1ÜN ,122b 1T2H2 ppH722l IIKli 1227U7722 12 1*^13 1i2 11N1221 117221 -12 M2ib32 lllllb 12722 ,vbiv rnr^b 1227272 Dttismb 3-U7.1 drb 2111 ,111^ 22722 i2wi 12-br' 11111 12 J7-2112 11112 2-2npab -22 lltyb 112121 p12 132b Hlbm» ibl 12iy .1211 .wipn I2drbv2 Dipmn»n i"r 111 ddd .V't pvnya apy*» n'Sn» ^bpnsp M'V' 311272K1 p"p2 i?22WN blp2 221 D. N. d. v. W. er angehört, aber diese Zeit liegt uns noch so nahe, diese Zeit ist so wesentlich die Basis der unfrigen, daß wir sie um Alles noch nicht von unfern Füßen entfernen und Hinwegstoßen dürfen, daß sie immer breiter zu Machen noch jetzt Pflicht und Nothwcndigkeit ist. — Die Zeit Wessely's ist die, wo das Wort in Israel wieder lebendig geworden, und am.lebendigsten war es im Munde Wessely's. Solches ist die Zeit der unschuldigen, bewußtlosen Reform. Wessely war Dichrer und Eommentator, daher dichtete er, wenn er commentirte, und commentirte, wenn er dichtete. Seine große Dichtung 'n ist ein poetischer Commentar zum zweiten Buche Mosis; in seiner Exegese läßt er die freie Kraft des Dichters walten, er dringt nicht kritisch in , den Gegenstand, sondern er laßt ihn, wie er ist, aber er verschönert und färbt seine Außenseiten. Darum hält Wessely fest an der Tradition, aber ec macht sie blühend und Liebenswürdig, und holt aus allen Enden die bunten Teppiche, mit denen er den uralten, nackten Granitfels umhängt. Darin unterstützte ihn die umfassendste Kenntniß der Litera ur, die ungemeine Leichtigkeit seines Ausorucks und die Grazie, die er der hebräischen Sprache abzugewinnen wußte. Mehr als Einer muß er als ein acht hebräischer Autor angesehen werden, da er die Sprache als eine lebendige zu handhaben, und ihr seinen eigenen Geist einzuprägen wußte. Mendelssohn und Wessely sind die eigentlichen Brennpunkte dieser Zeit. Während aber Mendelssohn das Judenthum mit der europäischen Bildung zu vermitteln suchte, war es die Bestrebung Wessely's, das Judenthum in sich selbst zu bilden. Der erstere eröffnete dem Judenthume die Aussicht in die europäische Welt, Wessely die Einsicht in ihre eigene Welt. Jener suchte zu erweisen, daß alle Ergebnisse der Eivilisation dem Judenthume assimittrt werden könnten, ohne dies andern und umgestalten zu müssen; Wessely aber wollte nur die alten Herrlichkeiten, die im Judenthume längst gewesen, und die nur eine geistlose Zeit zugedeckt, an's Licht schaffen. Beide also stimmen darin überein, daß das Judenthum nur innerhalb der Tradition bestehe, aber Mendelssohn wollte es mit der Außenwelt in gegenseitigen Rapport setzen, Wessely ließ es genügsam in seinem Kreise zur Veredlung kommen. Darum eben ist die später noch viel weiter geschrittene Zeit dem Mendelssohn befreundet geblieben, während Wessely mehr in den Hintergrund trat. Und es ist charakteristisch, daß zu eben derZeit eine neue, prächtig ausgestattete Gesammtausgabe der Werke Mendelssohns (zu Wien) veranstaltet worden, wo es Anstrengung kosten wird, den Nachlaß Wessely's an's Licht zu fördern. Aber wenn irgend unsre Zeit und ihre Richtungen! dem Judenthume einen neuen, großartigen Charakter ge-