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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-06 · Heft 14 (6.4.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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r tretender Vorsitzender, M. D. Feilchenfeld, stellvertretender Kontroleur, Joseph Frankel, stellvertretender Rendant, B. Mirauer. M. Bleistern, S. D. Perl, Krankenversvrger, PH. Arndt, stellvertretender Krankenversorger. F Berlin, 30. März. Die.. W i s s e n s ch a f t l i ch e V e r e in i g u n g j n d i s ch er 8 eh u l ut ä n n er zu B e r L i n" feierte am 8. v. Mts. ihr fünftes Stiftungsfest, das von Mitgliedern und Freunden um so zahlreicher besucht lvar. als es zugleich mit einer Abschiedsfeier für den nach Frarrkfnrt a. M. übersiedelnden früheren Vorsitzenden, Herrn Direktor Dr. Adler verbunden lvar. Als die Mitglieder und Gaste versammelt lvaren, betrat Herr Dr. Adler mit seinen Angehörigen, geleitet voll einem Vorstandsmitgliede, den Saal. Ein Cuartett begrüßte ihn mit dem Mücke'schen Liede: „Gott grüße dich." -- Nachdem mau sich zu Tische gesetzt, hielt der Vorsitzellde, Herr Lehrer Auerbach, eine Ansprache, in der er zmlächst ben Gästen für ihr Erscheinen dankte nnd dann in warmen Worten der Verdienste des Gefeiertell mit die Vereinigung gedachte. Die Vereinigung ehre sich selber, indent sie den Scheidenden zu ihrent Ehreumitgliede ernenne. Der Schriftführer verlas und überreichte die Ehrenurkunde, die von dem Mitgliede des Vereins. Herrn A. Gebliner in künstlerischer Weise ausgeführt lvorden war. Darauf pries Herr Dr. Flegel die Gattin als die Hüterin des häuslichen Altars und brachte^im Rainen des Vereins als Ehrengabe die Toro'sche Prachlbibel dar. Herr Weber sprach als Vertretreter des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg. Herr Professor Tr. Philippson im Namen der Lehrabtheilung des Deutsch-Israelitischen Gemeiudebuudes, der es bedauere, daß ein so erfolgreich wirkendes Mitglied zunächst nicht mehr in so umfassender Weise thätig sein könne ivie bisher; dem Freunde rief er ein herzliches „Glückauf auf dem neuen Lebenspfade" zu. Auf alle diese Ansprachen antwortete Herr Dr. Adler mit herzlichen Worten, in denen er dankbar der Mitarbeiter gedachte, die ihm in seinem Streben zur Besserung der sozialen Lage der jüdischen Lehrer treu zur Seite gestanden: er werde es auch ferner als seine höchste Aufgabe betrachten, in diesem Sinne zu wirken. Roch zahlreiche Reden lvürzten das Mahl, von denen besonders die des Herrn Oberlehrer Dr. Schäfer, des Herrn Direktor Dr. Iutrosinski und des Herrn Falkenberg erwähnt seien. Auch an musikalischen Darbietungen mangelte es nicht, durch welche die Kantoren Friedmanu und Gottlieb die Festfreude erhöhten. In schöner Harmonie weilten Diejenigen, die die Gelegenheit benutzt hatten, um Herrn Dr. Adler ihre Verehrung zu bekunden, bis in der frühen Morgenstunde zusammen. Könitz, 3. April. Obwohl die Belohnung abermals wesentlich erhöht wurde, ist die Spur des Mörders des Gymnasiasten W i n t e r noch nicht entdeckt worden. Inzwischen dauert die künstlich geschürte Erregung hier und in der Umgegend fort. Die „Danziger Zeitung" und der „Graudenzer Gesellige" thun alles Mögliche, um das Volk aufzukläreu — aber vergeblich. Auch die Warnung des Bürgermeisters vor „Berunruhigung der jüdischen Bewohner" hat bis jetzt noch nicht viel gefruchtet. Die Nachricht, daß ein Konitzer Jude nach der Meldung des Berichterstatters der ..Danziger Allgemeinen Zeitung" das Vorkommen der Ritualmorde zugegeben haben soll, hat die Erbitterung noch vermehrt. Freilich erscheint diese Nachricht absolut u n gl a ilbl ich und das lvird sich ja lvohl auch Herausstellen. Inzwischen lvird flott weitergehetzt. Eine Anssage in der Wiuterschen Mordaffäre, welche vielleicht auf die Spur des Mörders führen könnte, hat ein Schüler der Präparandenanstalt in Jastrow gemacht. Dieser lvar früher Schüler des Konitzer Gymnasiums und mit dem ermordeten Winter befreundet. Er gab nun zu Protokoll, daß er eines Tages mit Winter spazireu gegangen sei. Auf dem Wege sei Winter von einem Fleischergesetten mit offenem Messer augefallen lvorden, habe sich jedoch zur Wehr gesetzt und so dessen Vorhaben verhindert. Da soll nun der Fleischergeselle dem Winter zugerufen haben, daß er sich später rächen werde. Vielleicht im Zusammenhänge mit dieser Aussage findet gegenwärtig seitens der beiden in Könitz anwesenden Kriminalbeamten die Vernehmung aller am Orte befindlichen Fleischcrgesellen ohne Unterschied der Konfession statt. Doch hat diese noch kein erlvähnenswerthes Resultat geliefert. n. Stettin, 29. März. Eine dankenswerthe Neuerung ist der Bericht den unser allgemein geschätzter Rabbiner Dr. Vogelstein soeben über seine Wirksamkeit als Rabbiner der hiesigen Synagogen- Genleinde in den 20 Jahren seiner hiesigen Anitsthätigkeit und über die Entwicklung des religiösen Lebens in der Gemeinde während dieser Zeit erstattet hat. Der Bericht liegt gedruckt vor nnd ist ein werihvolles Aktenstück zur Geschichte unserer Geuieinde und zur Charakteristik unseres Rabbiners, der in diesen zwanzig Jahren eine lvahrhast gedeihliche Wirksamkeit entfaltet hat. Die lvesentlichsten Grundsätze, von denen Herr Dr. Vogelstein allezeit sich hat leiten lassen, und denen auch in Zuknust treu zu bleiben er fest entschlossen ist. sind folgende: „Ehrfurcht vor unserer heiligen Religion und ihren ehrwürdigen Ueberlieferuugen den Gemeindemitgliederll einzuflößen nnd zugleich eine gesunde, fortschreitende Entwicklung der religiösen Zustände an* zubahnen, damit das religiöse Leben nicht erstarre und die Frömmigkeit' nicht in ein uuverstaudeues Formellvesen ausarte." Es lvar keine leichte Aufgabe in diesem Sinne des hiesigen Amtes zu lvalteu; aber Herrn Tr. Vogelstein ist es im hohen Maße gelungen. Im Kultus, in der Religiousschnle, im Litteratnrvereiu. kurz in allen Institutionen hat er segensreich gelvirkt nnd Gutes geschaffen, lvie man ans diesem Bericht entnehmen kann. Es giebt wohl nicht allzuviele Rabbiner, die sagen können: „Meine Beziehungen zu den verehrlichen Gemeindebehörden waren stets ungetrübt; niemals hat ein Gegensatz oder auch nur eine ernste Meinungsverschiedenheit zlvischen dem Rabbiner und den Gemeindekollegien bestanden." Möge es in Zukunft so bleiben und möge es Herrn Dr. Vogelstein noch lange vergönnt sein, in so segensreicher Weise wie bisher, seines Amtes zu walten! X. Myslowitz, 28. März. Es dürste die Leser ihres geschätzten Blattes interessiren, daß der „neue Fall", den Sie in den letzten Wochen so eingehend behandelten, in unserer Stadt einen befriedigenden Abschluß gesunden hat. Das Kuratorium des städtischen Progymuasiums, das im April er. eröffnet wird, hat Herrn Dr. Aron stein auf Grund seiner Zeugnisse und der Auskünfte, die über ihn eingeholt worden lvaren, einstimmig zum Oberlehrer gewählt. Bezeichnend für die Eintracht, die hier unter den drei Konfessionen herrscht, ist es auch, daß u. a. die drei Ortsgeistlichen dem Kuratorium angehören; Herrn Rabbiner Dr. Norden, der erst seit September vorigen Jahres in Myslolvitz lvohnt. lvurde in beschleunigter Form von den städtischen Behörden das Bürgerrecht verliehen, damit er das städtische Ehrenamt eines Knratornnnmitgliedes bekleiden könne. ti. Göttingen, im März. Am Sonntag nach Purim wurde von Schülern der Göttinger Religiousschnle eine Purimfeier veranstaltet, die das Interesse weiterer Kreise beanspruchen dürfte. Eiu Dichter nnd Komponist trat mit seinem Erstlingswerk, „Esther", Drama in 4 Akten, vor die Oeffentlichkeit. Es ist dies der hiesige Lehrer und Kantor Fab isch. Er hat in textlicher Beziehung die historisch treuen Charaktere den „Esther" mit psychologischer Feinheit belauscht und meisterlich verwerthet. Die ganze Begabung des Musikers aber erklingt uns tiefergreifend aus den altbekannten Melodien der Megillah entgegen, die der Komponist, packend und künstlerisch vollendet, motivisch verwendet, und durch die er so in den alteil vertrauten, aber hochveredelten Tönen zum eingeweihten Zuhörer spricht. Die Massenchöre der persischen Ritter, der fröhlichen Zecher beim Gelage, der geängstigten Betersehaar wirken durch ihre Schlichtheit und wiederum durch ihre Macht. Die Vorstellung mit vollem Orchester von Fabisch selbst dirigirt, erntete stürmischen Beifall. Auf Wunsch eines hervorragenden Musikers lvird die Drucklegung des Werkes erfolgen, lvofür sich namentlich die jüdischen Knltnsbeamten ganz besonders interessiren dürften. s. Frankfurt a. M., 1. April. Am 28. v. Mts. ist hier der Direktor der israelitischen Realschule und höheren Mädchenschule der orthodoxen Religionsgesellschast, Dr. Mendel Hirsch, ein Sohn von Samson Raphael Hirsch, im 67. Lebensjahre nach langem Leiden gestorben. Der Heimgegangene war ein tüchtiger Schulmann, ein gelehrter und geistvoller Forscher, ein lauterer Charakter. Er lvar an der Schule seit 1855 thätig; seit 1877 lvar er Direktor derselben nnd hat sie zu ansehnlicher Blüthe gebracht. Seine religiösen Anschauungen waren nicht die unsrigen; allein man muß es anerkennen, daß er sie mit Eifer und Geschick, ohne Fanatismus nnd Gehässigkeit vertreten hat. Nach dem Tode seines Vaters dachte man daran, ihn zum Rabbiner der Religionsgesellschaft zu machen. Eine andere Partei war aber für seinen Schwager Dr. Breuer. Es entspann sich ein lebhafter Kampf und schließlich siegte die Partei Breuer. Hirsch hat auch in mehreren Schriften, zuletzt noch in seiner Ausgabe der „Haftarot" bewiesen, daß er den Geist seines Vaters erfaßt und auf dessen Grundlage weiterznarbeilen verstanden hat. Das Leichenbegängniß fand am^ 30. unter

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