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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-06 · Heft 14 (6.4.1900) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 168 (sequence 14)
Language
German
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168 verwegenste Waghalsigkeit sich begiebt? Wo sind mnsere Reichen — Großen genannt — un) die Millionäre, die Spekulanten, die Rothschild. Gntmann re., die ein paar lumpige Hrniderttausende zinstragend aillegen können Wo sind die Hllinanitätsbrüder imb Vereille. wo die jüdischen Philailtropen? Kommen alle diese zusammell nicht ans den gllteil Eillfall. eine gewinnbringende Aktiengesellschaft zu gründen lllld eine oder mehrere Gruben in Vorhslaw anzukanseil, imb intu jüdische Arbeiter da arbeiten zu lassen mit) tausend jüdischen Arbeitern, jüdischen Aufsehern, jüdischen Frauen und Kindern ein kümmerliches. aber dennoch ein ehrliches Brod durch ji'ldisches Kapital zu sichern? Wo ist die jüdische Allmacht? Der jüdische Kapitalismus? Der jüdische Geist? Das jüdische Gemeingesühl? Wie herrlich köllnte sich da ein jüdisches Mnstergewerk heransbilden! Bei lOstündiger täglicher Arbeit könnte von Montag bis Freitag eben so viel, wenn nicht mehr, als beim Achtstnildentag in 6 Tagen erarbeitet lverden, und dabei könnten die Arbeiter den Sabbath heiligen und an demselben religiös und moralisch erzogen nlld gebildet lverden. und die Welt, speziell die arische, loürde sich überzeugen. was — llicht etwa die obersten Millionäre — aber die untersten Schichten des jüdischen Volkes zu leisten im Stallde sind. Was lverden frolNllie jüdische Arbeiter llieht alles thun und leisten, um ihre Religion heiligen zu können, da wird sicherlich kein Streik zum Ansbrllch kommen. Uild lvelch ein schölies anmnthendes Bild gäbe das! Ein jüdisches Geiverk mit schlillirkeil, einfachen, reillen Arbeiterivohilnngen und einem bescheidenen Gotteshause, mit jüdischer Schule für die Arbeiterkinder rnid einer Volksküche. Das wäre ein gottgesälliges humanes Werk— wenn Montefiore lebte! — für unsere Vörsenmillionäre, Barone und Freiherren; und können diese gegen das Gebot unserer heiligen Religion rath- und thatelilos bei der Lebensgefahr tansender jüdischer Arbeiter dastehen, und ist es vergebens, all die verschiedeneli Vereine und Orden, die von Humanität in allen Zeitungen überströmell, allznrnfen. dann sollen die lvackeren Männer des Mittelstandes zusannnelltreten, dann sollen alle jüdischen Frauen nlld Mädchen sich zusamlnenschließen mit) ein Konsortium bilden, um Raphtagruben in Galizien anzukaufen und dadurch der Bethätignng der Franenemauzipation das erste Siegel auszudrüeken und durch Frauenhilfe zu belvirken, daß frommen jüdischen Arbeiterfamilien, die unter bescheidenen Ansprüchen arbeiten und arbeiten wollen, die Möglichkeit geboten lverde zu arbeiten, und dabei ehrlich ihreni menschlichen Herrn und fromm dem himmlischen zu dienen. Das wäre eine jüdische Selbsthilfe, die das jüdische Herz zu Staude bringt. Möge meiuenl Munde Gott und unsere jüdischen Briider ihr Ohr leihen. Ihre ergebene Teplitz, 24. Marz. Frau Rabbiner Jessie Kurrein. * Sehr geehrter Herr Redakteur! (^^nrch die Ausnahme folgender Bemerkungen zu dem Leitartikel <33 „Die jüdischen Lehrerseminare" in s)h\ 12 Ihrer geschätzten Zeitung ivürden Sie mich sehr verbinden: In dem genannten Artikel bringen Sie die Ausführungen des Herrn Abgeordneten Sänger-Frankfurt a. M. nach dem amtlichen Stenogrannn. So sehr lvir nun dem Herrn Abgeordneten für sein warmes und von echtem Gerechtigkeitssinn zeugendes Eintreten für die jüdischen Lehrerseminare zu Dank verpflichtet sind, so können lvir doch seine Aenßerungeu, soweit sie das jüdische Seminar in Münster betreffen. nicht niuvidersprochen lassen. Herr Sänger bezeichnet nämlich dieses Seminar als eine „sogenannte Lehrerbildungsanstalt" und führt es nicht in der Reihe derjenigen Anstalten auf, die unter staatlicher Aussicht stehen. Dem ist entgegenznstellen. das; unsere (Senn) Anstalt offiziell den Titel „Lehrerseminar", ihr Leiter den Titel „Seminardirigent" führt, das; sie seit beinahe 2h Jahren einen jährlichen Staatsznschnß von 6000 (sechstausend) Mark erhält und seit ihrem Bestehen unter staatlicher Aufsicht steht. Auch das Recht, selbst die Entlassungs- Prüfung vorzuuehmeu, dürfte ihr in kurzem gewährt lverden; lvenigstens liegt kein Grund vor, es ihr auf die Dauer zu versagen, da mit lveuigeu Ausnahmen stets sämmtliche Abiturienten vor den fremden Kommissionen ihre Prüfung bestanden haben. Münster, 26. März 1900. Hochachtungsvoll Dr. Gntmann, Seminardirigent. Sehr geehrte Redaktion! Än der Pfingstwoche b. I. tagt die deutsche Lehrerversammlung in Köln. Die Vorbereitung für diese Versammlung, zu welcher 5__8000 deutsche Lehrer hier erwartet lverden, silld seit geraumer Zeit in vollem Gange. Mit der Versammlung ist auch eine Lehr- und Lernmittelansstellung verbunden. die sowohl nach Schulsystem lvie nach Unterrichtsfächern geordnet ist. Für das Gebiet des katholischen und evangelischen Religionsunterrichtes sind schon sehr viele Anmeldungen eingelanfen. Da bei unfern hiesigen Kollegen in jeder Hinsicht volle Parität herrscht und auch eine große Anzahl jüd. Lehrer hierher kommen wird, soll zum ersten Male auch ans dem Gebiete des jüd. Unterrichts eine Le h r- und Lernmittelansstellung und zwar im Anschluß an die der beiden andern Konfessionen veranstaltet lverden. Wir haben an die uns bekannten Verlagsbuchhaudlnugeu geschrieben und einige haben unserer Aufforderung Folge geleistet. Aber die meistenVerfasser u u d V e r l e g e r von Werken für den j ii d. R e l i g i o n s u n t e rr i ch t scheinen unfern Auf r ns n i ch t b e a ch t e t zu haben. Wir wiederholen daher aus diesem Wege das Ersuchen au sämmtliche in Betracht kommenden Verfasser und Verleger, ihre Werke bis spätestens 8. April d. I. dem nlitunterzeichneten Mitgliede des Ansstellungsansschüsses, Herrn Lehrer Sulmann hier, Schildergasse 82. znzusende». Derselbe ist auch gerne bereit, nähere Auskunft über die Ausstellung' Bedingungen u. s. lv. zu ertheilen. Wir halten es für eine Ehrenpflicht des jüd. Buchhandels, auch seinerseits dazu beizntragen. daß die Ausstellung auf dem Gebiete des israel. Religionsunterrichts so reichhaltig und vollständig wie nur möglich sei. Der Ausstellungs-Ausschuß für das Gebiet des jüdischen Religionsunterrichts: Goldschmidt, Gut, S u l m a n n. £ Geehrter Herr Redakteur! /jA^el egen tl ich einer Rücksprache mit einem befreundeten Herrn bezüglich dessen schwachsinniger Verlvandten tauchte in mir der Gedanke auf, ein Heim für schlvachsinnige Kinder zu gründen. In meiner Vornahme wurde ich noch bestärkt durch die bezüglichen Artikel in Ihrer geschätzten Zeitung. Es könnten naturgemäß zunächst nur Zöglinge bemittelter Eltern in Betracht kommen, die den Pensionspreis von ca. 1200 Mark bezahlen können. Um das Institut lebensfähig zu erhalten sind mindestens 10 Zöglinge nothwendig. Werden sich so viele finden? Erst dann — wenn dies der Fall ist — könnte ich das Unternehmen wagen. Um auch für die unbemittelten Klassen etlvas zu thun. lvürde ich bei 10 Kindern eine Freistelle für bedürstige Kinder einrichteu. Später, lvenn das Institut sich vergrößern sollte, könnten auch entsprechend mehr Freistellen eingerichtet lverden. Für das Heim möchte ich in der Nähe Berlins ein Grundstück mit Garten und Park erwerben. Wie oben erlvähnt, kann ich erst dann an die Verlvirklichnng meines Planes gehen, lvenn sich genügend Jnteressenteu gefunden haben. Meine Bitte geht also an Sie, hochverehrter Herr Redakteur, diese Zeilen zu veröffentlichen und etwa einlanfende Schreiben an meine Adresse senden zu lvolleu. Gefällige Offerten lvolle man senden unter unten angegebener Ehiffre. Mit vorzüglichster Hochachtung „L ehre r und Waise n luite r." Ärirfk asten der Redaktion. A. A. in B.: Eine solche Streitfrage ist allerdings vor zwei Jahren von einem Gönner der Wissenschaft gestellt worden. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden der Zunz-Stiftung hier, Herrn Sanitätsrath Dr. Nenmann. B. in M.: Selbstverständlich können wir nur solche Artikel anfnehmen, deren Verfasser uns ihren vollen Namen angeben. Lrm^'.jüIlriAer Leser in H.: Die Adresse des Herrn G. Levinstein ist Groß-Lichterfelde, Chausseestr. 28. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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