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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-06 · Heft 14 (6.4.1900) · p. Seite 164

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 164 (sequence 10)
Language
German
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164 Wasser, murmelt eine Zauberformel und verwandelt ihn in einen Pudel. In dieser Gestalt macht er sich, da er seinen menschlichen Intellekt beibehalten, einem Fleischer nützlich, indem er echtes Geld von falschem Gelbe unterscheidet, und wird dort von einem anderen jungen Mädchen, Sobewe, entdeckt, die mit Amine zusammen die Zauberei erlernt hatte, die aber von besserem Charakter als jene ist und ihre Künste nur zum Guten anwendet. Sie macht beu armen Pudel Sidi Numan wieder zmn Menschell und wird seine liebende und geliebte Gattin. Die böse Amine aber wird zur Strafe in ein Pferd verioandelt und auf die gedachte Art gezüchtigt. Harun al Raschid giebt Numan zwar Recht, nimmt ihm aber doch das Versprechen ab, die verbrecherische Frau nicht noch weiter zu quälen und ruft aus: „Allah il Allah, Gott ist groß und es geschehen wunderbare Dinge auf der Erde." Hören wir mm, was der Verfasser des Maaseh-Buches aus diesem Stoffe gemacht hat, wobei aber zu bemerken ist, daß 1001 Nacht erst im Anfänge des 18. Jahrhunderts in Deutschland und Europa überhaupt bekannt geworden ist. Es kann also eine direkte Nachbildung der deutschen Ausgabe nicht stattgefunden haben, weil die Version des Maaseh-Buches schon hundert Jahre früher gedruckt vorliegt. Es muß vielmehr eine frühere gemeinsame Quelle vorhanden sein. Die Erzählung beginnt folgendermaßen: Es ist gescheherr an einem köstlichell Rabbi, der saß im Laude Uz; der war ein reicher Mann und könnt' 70 Sprachen. Nun der Rabbi hielt große Jeschibah (d. i. Schule) und halt viel dapffere Bachurim (Schüler). Auch zog er voll feinem Gold viel kleine Jllllgell auf, zu lernen. Und er hat stets hulldert junge Schüler auf seiner Schul. Auch hat er viel arme Leut in seineln Haus aus ulld ein gehn. Jll Sunlma der Rabbi war ein Chasid, ein heiliger Mann in der Welt und halt alle gllte Stücke an ihlll, die an einem Juden fein sollen. Aber dagegen hatte der Rabbi ein bös Weib; die tonnte solche Schmuoth alle nicht wohl leiden und sähe beu Handel gar ungern. Nun wie man spricht: „Wenn das Seil am strengstell ist, so bricht es gern"; also gillg es denl Chasid auch. Delln er Hub an und loard gar arm, daß er den Armell, desgleichen den jrlngen Schülern komlte nicht lllehr also guts thun, als er zuvor hatte gethan. Da gedachte der Rabbi: Gott sei geklagt: was soll ich thun? Nun ich Hab mein Lebtag viel um Gottes willen geben ulld ulallchem viel Gutes gethan und werd Gott erbarm's gar arm. Wohlan; doch will ichs gütlich vom Himmel annehrnen; denn der thut nichts Ullrecht. Wer weiß, womit ich es versündigt habe? Und gedacht: Was soll ich viel Geschrei daraus nlacherl, daß ich nichts mehr Hab? So find Ulan Leut, die es Eillem wohl gönnell. Der Rabbi gedachte: ich will eines thun und besod pleite machen (heimlich ausreißen) daß Niemand soll lvisselr wo ich bin hingekornmen und ging hin und ruffte feine dapfersten Bachurim zu ihm, die er bei ihnl hatte und sagte: Liebe Bachurim! Ihr wisset wohl, wie ich nun bis anher so große Treu bei Euch gethan habe mit Essen geben, mit Kleidern imb mit Lernen. Null will ich Euch ein Heimlichkeit vertrauen; verhoffe zu Euch, Ihr werd bei mir thlln, wie ich^Euch gethan habe. Sie sprachen mit einander: „Lieber Rabbi! sagt mls das Geheirnniß, wir wollen bei Euch stehen ulld halten, so lallg als Gott will". Der Rabbi Hub an und sagt seinen Bachllrim, wie I er müßt ausreißen, beim er war gar arm worden. Deswegen bitte erste, daß sie wollten mit ihm ziehen: „Doch Hab ich noch etlich Gülden, die will ich vollends mit Euch verzehren, wer roeiß, Gott wird mir einmal etwas geben, alsdann sollt Ihr Euer Leben lang bei mir geirießen." Die Bachurim sprechen: „Lieber Rabbi; loas Ihr all ulls begehret, das lvöllen mir thun; wenn Ihr wollet, wöllell mir mit Euch ziehen. Was wir vor Geld, vor Kleider haben, wöllen wir mit Euch verzehren; derohalben sorget nicht." Also macht sich der Rabbi mit etlichell Bachurim auf und zog hinweg. Jedermallll fonut nicht wissen, was es für Handel lväre, daß der Rabbi lväre so stümplings hiriweggezogen. Wie mm die armen Leute nebbich gewahr warell, daß der - Rabbi hinweg war gezogen, da erschrakelr sie gar sehr, desgleichen die anberit Bachurim, die er noch bei feinem Weibe hatte gelassen. Nur: er zog mit feinen Bachurim hinweg alls fort; wo er hin kam, loard ihm große Ehr belviesen als er loohl werth war; war Niemarld nicht verwllndert an feinem Wandern; meinten, er zöge denl Lernen nach. Wie sie nun ein Jahr oder zwei im Land heruulgezogen loaren, da hatten sie ihre Kleider zerrisseil und hatterr das Geld im Beutel auch verzehret als null loohl zu gedellken ist und bedurften der Leut Allllosen und wareil ihrer lvohl füllfzig Personen. Wo sie danach hillkamen, schloß mall bte Thür vor ihnen zu; delln es wußte nicht Jedernlallll ihre Gelegenheit, ob es Buben oder Schüler waren. Summa: die Bachurim waren des Zieherls umher gar müde und sprachell zunl Rabbi: „Lieber Rabbi, was wird daraus lverden, wenn mir noch länger ziehen? Wir haben kein Geld; nur haben keille Kleider; mir können sich nit weiter behelfen, wir wöllen eins thull lnld lvöllen wieder einheilll ziehen zu nnferm Vater und Mutter, lvöllen aber doch llichts sagen, lvie Dirs geht oder was Deill Wesen sei lllld wir wöllell Weiber nehulen; beim mir sind nun alt; auch schleußt mau die Häuser vor uns zu und hält uns vor Buben." Der Rabbi besann sich eine kleine Weil und sprach: „Liebe Bachurim; ich kanli Euch anders nicht nachsagen, denll daß Ihr große Treu bei mir bewiesell habt, so wohl als ich bei Euch gethall. Aber bleibt noch vollends ein Tag oder fünf bei mir, bis über Schabbes; danach will ich Euch ziehen lassen. Vielleicht bescheert uns Gott dieweil ein Massel oder Broche ob wir könlltell wieder heimziehen." Sie sagten: „Ja mein lieber Rabbi; sind wir also lang bei Euch geblieben, so wöllen wir die Zeit vollends bei Euch bleiben." Also zogen sie wieder fort und kamen an ein Gesträllch. Da sprach der Rabbi wider zu seine Bachlrrim: „Geht Ihr ein weil vor Euch; ich will nachkommell." Wie nun der Rabbi sich ein wenig Umsätze, sieht er dort ein klein Brünlilein stehen. Da nahm er Wasser urid wusch seine Hände ulld als er wollte wieder fortgehn, sieht er dort ein klein Wiesel laufen, das trug ein hübsch kleill Fingerlein (d. h. einen Ring) in seinem Mund. Der Rabbi jagt dem Wieselein nach, daß es den gülden Fingerlein fallen ließ; da Hub es der Rabbi auf, da sah er, lvie das gülden Fingerlein nichts werth lvar. Doch sah er, wie aus dem Fingerlein stund etwas altes geschrieben. Und er nun lvohl alle Sprachen kuullt ulld leset die Schrift, stund darauf: „Ob ich schon schlecht anzusehen bin, so kann lnan mich doch nicht bezahlen." (Schluß folgt.)

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