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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-06 · Heft 14 (6.4.1900) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 162 (sequence 8)
Language
German
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162 Im leibett Hefte der fraglichen „Review" druckt Mr. Jfr. Abrahams eine korrigirte Kopie von einem hebräischen Briese ab, den Salomou Levi, der viele Jahre Bischof von Burgos war, an einen Rabbi Meir Alguadez am Purimfeste des Jahres 1390 in London geschriebett haben soll. Die fragliche Kopie gewinnt noch an Interesse dadttrch, baß sie dein Herausgeber vorn seligen Professor Kattstnann kurz vor feittem ttnertvarteten Tode zur Veröffetttlichttttg ztuzeschickl worden war. Der Stil dieses Briefes ist höchst anziehend mtb witzig, und es ist daher recht sehr ztl bedauern, baß wir tiicht ttoch tttehrere andere uiib ähttliche hebräische Kompositionelt votn selben Verfasser anfzulveisen habet:. — Die Judettfeiltde auf den: Kontittettte, die den: jüdischett Volke im Allgenteinen jeden patriotischett Sinn absprechen, sollten sich die geringe Mühe geben und die Liste der vielett ttatnhaften Geldbeiträge iu Angetlscheill ttehnten, tvelche die Juden int ganzen eilglischen Reiche iu dessen Interesse während des jetzigen Krieges in Südafrika zusammengebracht habet: und noch innner zusannnettbringen. Sie würdet: dattt: vielleicht ihre Atlsicht iu der besagten Richtung Hill, tuen:: auch nicht ganz, doch ein klein wenig ändert!. Ebettso würdet: sie vielleicht atlch den: von ihnen so oft zitirten Sprichwort:': „Reich tvie ein Jude" eil: anderes und viel wahreres anreihen, nämlich: „Wohlthätig me eit: Jude." gilt solches allerkennenstoerthes Benehmen der Inden im britischen Reiche dem englischen Staate gegenüber darf aber keinestvegs als einfache Ausnahme angesehen tverden, dem: verschiedene ähnliche Beispiele hat die neuere englische Geschichte anfzulveisen, lvovon nur ein einziges hier erwähnt tverden soll. Dasselbe ist in einem Pamphlet angeführt, das ein christlicher Engländer vor etwa 150 Jahren veröffentlicht hat, und das Schreiber dieses vor Kurzem z:: Gesicht bekommen hat. Der Verfasser erzählt darin, daß, als zu seiner Zeit England in einet: blutigen und kostspieligen Krieg mit eitler attswärtiget: Macht verwickelt war, das Elend im Latld recht große Dimensionen anznnehlnen begann, und da die englische Artltee verschiedene Niederlage:: erlitten hatte, da roar auch der allgemeine Kredit mit jeden: Tage immer tiefer gesunken. Nun, sagt er, in dieser Roth stellte!: einige reiche englische Inder: der Bank von England ganz freitvillig und ahne jegliche Garantie einer: Theil ihres Vermögens zur Verfügung, rvelcher Urnstand erstlich ei::e große firranzielle Kalamität irr: Lande verhinderte, und darn: auch der englischen Regierung die Möglichkeit verschaffte, den Krieg sortznfnhren :rr:d, rvas noch n:ehr roar, ihr: siegreich zn beendige::. So handeln Inder: ir: einem Lande, rvo sie sich heimisch ur:d als Staatsbürger fühlen, aber auch nicht viel anders selbst da, rvo mar: sie als Frerrtde ansieht rmd ihnen die gewöhnlichster: Menschenrechte vorenthält. Vas Märchen von der bösen Uabbinerin. Ei» Bortrag vo» Dr. Georg Minden, gehalieu am 12. Februar 1900 zu Berlin. Cfkn beii zu Gunsten des Stipendiensonds der jüdische» Hvchschule seil lange»» Jahren gehaltenen Bvrtcägen sind die V3-5 maimigsachsten Themata behandelt worden, von denen natnrgeiiiäf; die meiste» den litterarische» Erscheinungen des Jndeillhnino cntnvminen waren. Aber es scheint mir, soweit mein Gedächtniß reicht, als wenn eine Kategorie von Stoffen bisher so gut wie völlig ausgeschloffen gewesen wäre, nämlich die auf das Volksleben der Juden, insbesondere die Volkslitteratur bezüglichen. Vielleicht ist dies kein Zufall. Die auf unserer Hochschrllc studirenden junge» Männer sollen ein gutes Deutsch sprechen und ein klassisches Hebräisch wenigstens lesen und verstehen. Jenes eigenthümliche Gemisch von Deutsch und Hebräisch dagegen, welches das traurige Schicksal hat, innner und überall auf die Lachmuskeln zu wirken, hat in jenen heiligen Hallen keinen Rani». Dies stinnnt überein mit dem ganzen Streben des Jndeiithinns im 19. Jahrhundert, das hauptsächlich von zwei geistigen Strömungen beherrscht wird, dein Heransstreben ans dein Ghetto und dem geistigen Anschluß an die moderne Hochkultur ans der einen und dem glühenden Wunsch, den Edelstein der jüdischen Religion rein und ungetrübt in edelster Fassung erglänzen zn lassen, auf der anderen Seite. Hierbei n>ußte alles Jüdisch-Volksthümliche mehr,lnd mehr verblasse» und verbleichen. So hat denn auch dieses Element im verflossenen Jahrhundert in Deutschland nur zivei Blüthen von sehr ungleichem litterarijchen Werthe und sehr verschiedener Tendenz getrieben : die sogenannte Ghetto-Novelle, von welcher es rein als Objekt betrachtet wurde, und die niedrige, znm Spott für Juden und Nichtjuden dienende Burleskes Und doch sollte man die wissenschaftliche Behandlung des Jndisch-Volksthüinlichen nicht vernachlässigen. Man findet dort Ansschlüsse, die anderwärts nicht zn finden sind. Erkennt man doch auch ans nichtjüdischei» Gebiet die Volkskunde in innner steigendem Grade als ein loichtiges Glied der Wissenschaft an. Ich gebe die schon öfter von mir ansgesprochene Hoffnung nicht ans, das; sich unter unseren jüngeren Glanbensgenoffen ein Forscher finden möge, der mit den, Rüstzeug moderner Wissenschaftlichkeit in diesen Schacht eindringen möge. Anerkennenswerthe Ansätze dazu sind an verschiedenen Stellen gemacht worden. Was ich Ihnen heute hier bieten null, ist eine Probe jener Volkslitteratnr, an der sich unsere Vorfahren ergötzt »nd erholt haben. Doch »ins; ich, ehe ich dieselben selbst reden lasse, noch einiges voransschicken, ans die Gefahr hi», Manche»» unter Ihnen nur Bekanntes zu sagen, was Sie selbst wohl noch besser zn schildern verstehen »vürden als ich. Das Volksleben der Inden hatte sich nämlich im deutschen Mittelalter und in den folgenden Jahrhunderten in sehr eigenthümlicher Weise entivickelt. Die ersten Inden ivaren schon mit den Römern an den Rhein gekominen. Bon da ans verbreiteteten sie sich über ganz Deutschland, überall dir deutsche Sprache als Muttersprache annehmend. Das Hebräische wurde nur als Gelehrten- und Gebetssprache beibehalten und heißt darum Loschan hakkandesch, die heilige Sprache. Auch bei der weiteren Verbreitung nach den osteuropäischen Länder», hauptsächlich »ach Polen, infolge der großen Judenberfolgungen bei Gelegenheit des schivarzen Todes 1349 nahmen sie die deutsche Sprache mit und gebrauchen sie als eigentliche Umgangssprache bis in unsere Zeiten. Freilich unterscheidet sich das Jndendeutsch erheblich vom reinen Deutsch. Es ist vielfach mit hebräischen Ausdrücken gemischt, nimmt auch viele stilistische Eigenthümlichkeiteii ans dein Hebräische» auf und stellt darum in dieser Mischung ein dem geläuterten Geschmack »nd dein feinen Ohr wenig an-

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