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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-06 · Heft 14 (6.4.1900) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 161 (sequence 7)
Language
German
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161 der Religion (das Gebet, der öffentliche Gottesdienst, Sabbath und Feste, Gesetzesstudium, Speisegesetze). Ein Anhang bringt die Uebersetzung unserer schönsteil imb wichtigsten Gebete. Man wird das Buch des Dr. Feilcheufeld llicht sobald alls den Händen legen, wenn man es zur Hand genommen. Es wäre der ehrenwerthen Zullst der Jildellseillde dringend zu empfehlen, ihre Kenntniß der jüdischen Religion und deren sittlichen Jrihalt aus diesen! Buche zu schöpfen. Aber selbst im jüdischen Kreise thut es dringend Noth, die eigelle Religion näher kellllen zu lernen. Mag die Mntter ihrer Tochter, lllag der Lehrer deill reiferen Schüler dieses Buch Vorträgen, mag der Erwachsene sich selbst daraus belehren — uitb es wird die Achtullg vor beit Heiligthünlerll der Bäter itt unserer eigellell Mitte steigeil. Das Buch ist mit Geist und Herz geschrieben, ulöge es die Geister und Herzen wecken! Wie uns die Frankfllrter Berlagsfirlna ulittheilt, ist das Buch bereits in vielen Gemeinden eingeführt, uub die weitere Einführung all höheren Lehranstalten bei verschiedenen Provillzialschlllkollegien beantragt. Allch wenll der geehrte Verfasser llicht auf ein Leben voll hingebender Treue im Dienste der jüdischen Religioil zurückblicken dürfte, so wäre scholl dieses Buch allein eine verdienstliche That, für rvelche ihnl die delltsche Jlldenheit freudigen Dank schuldet. Briefe aus England. Voll Reo. Dr. Chotzner. ls Graetz im Jahre 1888 Lolldon znnl erstell nild letzten Male besllchte, llnd zwar erstlich, um die damals daselbst tagende ettglisch-jndisch-historische Allsstellung (Anglo- Jewish Historical Society) zu besichtigen, und dalln ailch, um bei der Herallsgabe des letzten Theiles der llebersetznllg seiller „Geschichte" ills Englische zllgegell zll sein, da erschien ihm das litterariseh-lvissellschastliche Leben der Juden in der englischen Metropole im rosigstell Lichte. Er glallbte ilänllich, lveil die fragliche Ausstellung jüdischerseits recht sehr patronisirt lvllrde, daß in jüdisch-englischen Kreisen fortwährend viel Sillll und Geschmack für die jüdische Litteratur uub Wissenschaft sieb kundgebe, was natürlich bemerkensulld lobenswerth wäre. Diese tällschende Wahrnehmullg war es sicherlich auch, die ihn veraulaßte, auf einem ihm zu Ehren damals veranstaltetell Banket, wozu allch Schreiber dieses elllgeladen lvar, die öffentliche Aeußerung zu machen, daß, memi irgelld ein Land ihlll so recht geeignet schiene in nächster Zukunft eine Pflanzstätte für die jüdische Litteratur rmd Wissenschaft zu werdeil, dies ill erster Reihe das freie nub wohlbegüterte England sei. Diese Graetz'sche Prophezeiung hat sich aber bisher keineswegs verwirklicht, ulld allem Allscheine nach würde sie viel zlltreffellder gelveseu sein, loeinr sie auf Arnerika Bezug gehabt hätte, wo seit Jahren schon ein jüdijch-litterarischer Verein besteht, der seine Mitglieder zu Taltsenden zählt, und wo augellblicktich die erstell Bogell der „Jüdischen Eneyelopädie" gedruckt lverdell, lvelch letzteres Werk als eine der bebenteiibften litterarischen Erscheinungen auf jüdisehelll Gebiete allgeseheil loerdell kann. Doch lvill ich es llicht liutevlaffen zu benterken, daß Graetz wahrend seiner Anlvesellheit in London theilweise die Veranlassung war, daß die „Jewish Quarterly Review“ geörimbet lvurde, die jetzt bereits im zlvölftell Jahrgallge ist itnb bie gesammte jüdische Litteratur mit verschiedenem interessanten Material von bleibenbem Werthe bereichert hat. Ebellso beillerkensloert ist die Thatsache, daß llicht larige llach Graetz's Besllch ül London der sogellanllte Makkabäer-Klllb nub der ellglisch-jüdisch-historische Verein daselbst ills. Lebell gerufen lvllrdell, die seit ihrem Bestehen auf das geistige und soziale Lebell der gebildeten Judell Londons mehr oder lvelliger vortheilhaft eingelvirkt haben. Jlll besagtell historischerl Verein hielt vor kurzelll Air. Lneieu Wolf einen Vortrag über Menasse beu Israel, der insoserll besollders envähnenslverth ist, als er manches Jllteressante ellthielt, das vorher llicht allgellleill bekanllt lvar. So erfahrell wir z. B. daralls, lvie groß die Enttäuschungen nub die Seeleilleiden dieses lvahrhaft edlen uub uneigenllützigell Atannes lvaren, als er sah, lvie vergebllch er von seilier gediegelldstell Schrift ..Villlliciae llullacornnl" erlvartete, daß sie ihlll zrrr Erlallgung seilles sehnlichsten Wllnsches in Betreff der Niederlassung seiner Glailbensgellvssen in Ellglalld behilflich seill würde. Zu dieser bitteren Ellttäusehullg kam noch ein unerwarteter Schicksalsschlag, der ihn seines eillzigelliloch aillLebellgebliebellen Sohnes beraubte lind ihll denlnach der letzten Frellde verlustig machte, die dessen längere Eristellz ihlll lvoht im reichen Maße verschafft hätte. Dies geschah im September des Jahres 1657, gerade zur Zeit, als seine ohnehin kllappell Geldmittel fast ganz erschöpft lvaren uub er in dem kostspieligell London llicht lällger verbleiben kvllnte. Ill dieser Noth wandte er sich an ben Protektor Erolllwell, unb dieser schoß ihlll eine kleine Summe Geldes vor, die ihm die Möglichkeit verschaffte, llach seiner Heimath in Holland zurückzukehren. So reiste er denll heimwärts, die Leiche seines Sohnes mit sich führelld, bis er llach vieler Mühe im Hanse seilles Schwagers Ephraim Abarbanel in Middelburg anlangte. Zlvei Monate darauf folgte er feinem Sohne ills Grab, und zwar starb er mit gebrochenem Herzell, da nichts mehr für ihll übrig geblieben lvar. was ihn noch ans Lebell hätte fesseln köllnen. Niellasse bell Israels letzte Lebensjahre warell daher, lvie es sich geschichtlich herausstellt, voll voll tragischen Momenten, doch das gesallllllte jüdische Volk, das ihm direkt und illdirekt so viel Gutes zll verdailkeil hat, lvird sicherlich bis zll beu spätesten Zeiten dessen ^tarnen und Andenken llach Gebühr ehren uub als höchst aehtungswürdig erklären. - Nicht alle jüdischell Tüilflillge ill Ellglalld, die ursprünglich lneistells als höchst orthodoxe Jllden im heiligen Rußland figurirt habeil, zeigen sich als rllchnub llutzlose Geschöpfe, dle ihr schnlähliches Daseill mit der Seelenfangerei ihrer früheren Glaubensgenossen verbringen. Dellll es gibt nllter ihliell hier llnd da eillige respektable Allsnahuleu, zu denell Dr. Ehristian Gills bürg in London mit gutem Rechte gezählt lverdell kanll. Letzterer hat sich nämlidE) lllehr als dreißig Jahre mit dem Studium der Massora und des hebräischen Urtextes der Bibel beschäftigt, und vor einiger Zeit das Resultat dieser seiner litterarischen Untersuchllngell in einem ansehnlichen Werke beu Fachmännern mitgetheilt. Dieses Werk lvird im taufelldeil Hefte der Jewish Quarter ly Review“ von Professor Ludwig Blau in Pest besprochell, und obschon er verschiedene Unrichtigkeitell darill vorfindet, so zollt er nichts desto lveniger dem gelehrten Verfasser die ihm gebührellde Allerkellllnng für die lverthvollell lvissenschastlichen Resultate, die er dllrch diese Arbeit zu Tage gefördert hat.

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