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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-06 · Heft 14 (6.4.1900) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 160 (sequence 6)
Language
German
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160 Erwerb von Grundbesitz seitens der türkischen Behörden angewendet werden'wie gegen die jüdischen. Man sagt den türkischen Behörden, Deutschland gehe mit einem umfassenden Kolonisationsplane um,' der sich nicht nur auf Palästina beschränken, sondern sich womöglich auch auf die von der zu erbauenden Bagdadbahn berührter! Gegenden erstrecken soll. Diese Theorie scheint besonders von französischer und russischer Seite ben türkischen Lokalregierungen gegenüber ausgespielt Zn werden. „Sie wird auch oft tendenziös mit dem Schreckgespenst des zionistischen Jndenstaates in Zusammenhang gebracht und dabei die Ansicht ausgesprochen, daß der Deutsche Kaiser über die Juden Palästinas das Protektorat zu übernehmen geneigt sei." Aus derartigen durch die nüchternen Thatsachen in ihrer Entwickelung nicht behinderten Hirngespinnsten stammen die Befürchtungen, die man dort gegenwärtig gegen den deutschen Einfluß unbegründeter Weise hegt. * Das Zentralkomitee der Alliance erhält von seinen! Korrespondenten aus Teheran neue Hiobsposten über die Lage der Inden in Persien. Sie lauten: „Die Nachrichten, die nur aus der Provinz zukommeu, fiub sehr betrübend; allenthalben ist die Lage dieselbe, wenn 11 ict)t schlechter als die in Teheran, die Lebensmittel sehr thener, die Kälte riesig groß. Der Schnee hat alle Wege verschüttet. Die Gemeinden von Hamadan, Ispahan, Shiraz sind in Noth und Elend. Diese Lage ist nicht nur bei den Inden so; die Muselmanen ertrageil sie ebenso, und das vermehrt noch ihren Fanatismus und die Mißhandlungen, die die Inden zu ertragen haben. — Vor ungefähr 6 Wochen wurde ein Jude, Namens Simer Nehorai Cohen von den Muselmanen in einem Dorfe bei Lulternabad (Irak) angefallen, beraubt und ermordet. Das Opfer stand zwar unter englischem Schutze, allein da der englische Gesandte auf Reisen war. so konnte ich ihm erst nach seiner Rückkehr voll den Vorfällen Bericht gebeil. Er versprach mir die Sache nntersuchell zu lassen, lvenn es sich wirklich um einen englischen Schützling handle. Die dortigen Israeliten lassen sich kaum beruhigen. In der That, sie lvissell llicht, das; nach persischenl Gesetz der Mörder eines Juden sich durch Zahlung von 150 Fres. befreien kann!" Gin neues Nelitzisnstmch. Berlin, 15. März. ls vor etwa drei Jahren der selige Dr. Rippner in diesen! Blatte das vornehme Charakterbild des schlveriner Landrabbiners Dr. Feilchenfeld zu zeichnen versuchte und dessen Religionsbuch mit warm empfehlenden Worten rührnte, da hat er wohl nicht daran gedacht, das; sein begeistertes Lob unter den deutschen Israeliten einen so lauten Widerhall finden lvürde. Die zweitausend Exemplare der zlveiten Auflage sind vergriffen und die dritte erweiterte Auflage liegt zur . Besprechung auf unseren! Schreibtisch h. Die Bedeutsamkeit einer vernünftigen Darstellung der jüdischen Religivnslehre ist wohl nie dringender erkannt ivvrden lvie heutzutage, lvo es gilt, außen Anklagen zu widerlegen und innen Unlnuth zu verscheuchen. Die deutsche Jndeuheit braucht ein Buch, das treu'und wahr ein Spiegelbild des Inhaltes der jüdischen Religion giebt und in klaren Worten ein Wegweiser und Lehrer für die Kleinen und Großen wird. Ein solches ') Verlag von I. Kaufsmann in Frankfurt a. M. 114'Seiten. Buch könnte unendlichen Segen stiften. Wir brauchen keine Schminke und keine Ueberladungen, wir brauchen Wahrheit und Klarheit. Es sind zahlreiche Religionsbücher geschrieben ivvrden, und alle Verfasser gingen mit liebenden! Ernst an ihre Sache, aber nur sehr wenige haben das leuchtende Ziel gefunden. Es dünkt uns schier unbegreiflich, lvie ein Herxheimer einige dreißig Auflagen erleben konnte. Wir verstehen es nicht, wie inan es versuchen darf, mit Systemen und abstrakten Wendungen paragraphenmäßig in blinder Nachahmung des christlichen Katechislnus die jüdische Lehre darznstellen und den Kopf der Kinder mit unverstandenen Sätzen zu belasten, wo das Haupt frei und das Herz glücklich zu machen ist. Wir haben andere Religionsbücher, die mit peinlichster Gewissenhaftigkeit jede Vorschrift des Schnlchau Aruch zitiren ui!d Sabbathgesetze zusammenstellen, die theilweise selbst dein Religiösen unerfüllbar erscheinen, und lvir haben Bücher, die jede Cernwnie todtschweigen und in sittlichen Gemeinplätzen sich erschöpfen, lvelche man schließlich auch in buddhistischen Lehrbüchern finden, kann. In der letzten Ausschußsitzung des Verbandes deutscher Rabbiner wurde bemerkt, daß kein einziges Religionsbuch ans jüdischem Mutterboden erwachsen ist; der Herr, welcher diese Ansicht vertrat, hatte offenbar keine Kenntniß von der Existenz des Religionsbuches von Dr. Feilchenfeld in Schwerin. Wir sind weit davon entfernt zu glauben, daß mit diesem Buche nun das Ideal der Darstellung unserer Religion erreicht ist, lvir zweifeln aber nicht daran, daß es das Religionsbuch der Zukunft ist und daß jedes künftige gute Religionsbuch an diese Darstellung wird anknüpfen müssen. Man kann ein großer Gelehrter, ein hervorragender Rabbiner, ein glänzender Prediger sein, man braucht aber von der Pädagogik keinen Hauch zu verspüren, und es ist inehr als Selbstbewußtsein, lvenn man, ohne oazu berufen zu sein, sich hinsetzt und ein Religionsbuch schreibt. Dazu gehört vor allem praktische Erfahrung, tiefes Denken und Kenntniß des Menschenherzens. Diese Bedingungen erfüllt der Verfasser. Schon vor Jahrzehnten schrieb er eine methodische Anleitung zun! Religionsunterricht, die noch heut in Lehrerkreisen hochgeschätzt ist, schon vor fast einem Menschenalter errichtete er selbstlos und unter den größten Opfern eine Präparandie, zog absolut unwissende und arrne russische Jünglillge nach Mecklenburg, gab ihnen Wissel! und Bildung, ließ sie uatnralisiren und verschaffte ihnen Stellungen, und Dutzende von Lehrern und Rabbinern in Europa und Alnerika blicken verehrungsvoll zu ihren! Lehrer auf. Der Inhalt eines Denkerlebens deutet sich in dein vorliegenden Buche an. Das sind keine trockenen Phrasen, das sind keine abgeschriebenen Lehrsätze, nein, tiefe Gedanken sind es, geschöpft ans der Erkenntniß des Wahren, gehoben ans reinem, liebendem Herzen. Es ist eigenartig, man erkennt aus dem Bliche nicht ben religiösen Standpunkt des Verfassers, jede Richtung wird mit lebhafter Freude das Wert lesen, aber nicht kluge Berechnung, die es mit keiner Seite verderben will, führt die Feder, sondern ein warlner Hauch religiöser Begeisterung quillt ans jeden! Satze. Die jüdische Religion ist für den Verfasser keine Parteiangelegenheit, sondern eine ehrliche und vernünftige, eine große und heilige Sache, die uns alle erheben und bewegen soll. Verstand und Empfindung verbinden sich in diesem Buche: wir haben es mit einen! echt jüdis ch e n R eligionsbu ch e zu thun. Ein besonderes Kapitel handelt über die Segnungen der Religion, ein weiterer Abschnitt behandelt die Heilignngsmittel

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