Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
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159 Es »unrben geboren wahrend des Jahres 1898 1897 1896 beide Elter»: jüdisch. 7270 7596 7732 Vater jüdisch. Mutter protestantisch . . 232 246 247 Vater jüdisch, Mutter katholisch .... 62 46 41 Vater jüdisch, Mutter sonst. 5 4 17 Vater protestantisch. Mutter jüdisch . 216 248 226 Vater katholisch. Mutter jüdisch .... 76 59 61 Vater sonstig, M»»tter jüdisch. IS 12 IS Mischehen überhaupt. 609 615 610 »»»»eheliche Kinder jüdischer Mütter. . . 266 255 271 Wenn mau tmit den Kindern ans Mischehen die Hülste rechnet, beträgt die Gesammtziffer der jüdische»: Geburte»: 7841. Dagegen betrug die Zahl aller Lebendgebarenen in Preußen 1219 360, so daß, da die Juden 12 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ans sie hätten 14 633 Geburten entfallen müssen; es sind aber um; 7841, mithin nnr 54 Prozent, wahrend es im Vorjahre noch 57 Prozent waren. Ist das nicht erschreckend, daß bei ben Juden in Preußen nur halb so viel Kinder geboren werden als bei der uichtjüdischen Bevölkerung? Glücklicherweise ist die Sterbeziffer ebenfalls viel niedriger als bei beu Nichtjuden. Es starben bei den Juden bei de» ganzen Bevölkerung Kinder unter 15 Jahren 1249 statt 4321 343591 Erwachsene über 15 Jahr. 4002 statt 3857 321427 5251 statt 7980 665018 Sehr charakteristisch ist, daß die Sterbeziffer bei den Erwachsenen den allgemeinen Durchschnitt übersteigt; es ergiebt sich daraus, daß infolge der niedrigen Geburtenziffer die jüdische Bevölkerung Deutschlands oder vielmehr Preußens ans älteren Personen zusammengesetzt ist als die nichtjüdische. Mit jedem Jahr weiter wird sich dies noch mehr fühlbar machen. Die Sterbeziffer der letzter: Jahre betrug 1894 5373, 1895 5583, 1896 5373, 1897 5374, 1898 5251. Trotz des Sinkens der Sterbeziffer geht der Geburtenüberschuß immer mehr zurück. Im Vorjahre betrug er noch 2783 Seelen, in diesen: Jahre nur mehr 2590 Seelen, also 193 (gleich 8 Prozent) weniger. * Durch die Bestätigung des »»euer: Wiener Gemeindestatnts sammt Wahlordnung ist die österreichische Reichshauptstadt für unabsehbar lange Zeit hinaus der Herrschaft der Christlichsoziale»: ausgeliefert; nunmehr ist das bisher mehr spöttisch genannteWortvon dem „Herrn von Wien", Dr. Karl Lueger, bitterer, verhängnißschwerer Ernst geworden. Man stelle sich vor: die Ahlwardt unb Genossen Herren im Rothen Hause zu Berlin, Herr Liebermann von Sonnenberg Oberbürgermeister — in einen: solchen Zustande befindet sich gegenwärtig die Kaiserstadt an der Donau, und darin wird sie voraussichtlich jahrzehntelang verbleiben; der::: die neue Gemeinde- und Wahlordnung, die der Krone zur Sanktion zu empfehlen das Ministerium Korber den traurigen Muth gefunden hat, sorgt dafür, daß der liberale:: Partei nicht die geringste Hoffnung bleibt je »nieder die Oberhand zu erlangen. * Also auch Napoleon 1. war ein Antisemit. Eduard Drumont hat in seinen: neuen Buche: „Napoleon Antisemite“ diese funkelnagelneue Entdeckung gemacht. Er versucht darin nichts mehr und nichts weniger als den Nachweis, daß der große Korse zum Antisemiten wurde, als er erkannte, daß „die jüdische Finanz, in erster Linie Rothschild, das erste Kaiserreich durch Lieferung des erforderlichen Geldes an die Verbündeten zu Falle gebracht halte." Das heißt doch wirklich die Geschichte auf den Kopf stelle»:. Wenn aber die „Kreuzzeitnug" hinzufügt, daß diese Auffassung den Erben Napoleons s.. Viktor Napoleon, überraschen wird, da seine Hoffnungen sehr stark mit den jüdischen Finanzmächten rechnen sollen, so irrt sie sich wohl. Der Prinz wird die antisemitischen Geschichtsstndien ans ihren richtigen Werth abziischätzen wissen. Das Ergötzlichste kornmt aber noch, nämlich die Mittheilung, daß nunmehr auch die Politik des Vatikans „vielfach ans jüdische Einflüsse zurückgeführt wird". Wer lacht da? * Nach den: Nerv-Yorker „World" bringe»: deutsche Blätter die folgende Mittheiluug, die ja recht hübsch klingt, aber wenig den Thatsachen e»:tspricht: „Eine antisemitische Vereinignng in Rumänien wendete sich kürzlich au die Behörden von Madrid mit denn Ersuchen. ihr einige der alten Verordnungen zu stellen, dnrch »velche Spaniel! in den Zeiten der Jnqnisition in die Lage versetzt »vnrde, sich der Inden zu erwehren. Die Antlvort, die ein hoher Beamter iit Madrid gab. dürste kann: für die Nnfragenden znfriedellstettend gelvesen sein, denn sie lautete folgendermaßen.' „Wir haben keine Zeit, die todte Vergangenheit anszugraben; allein »venn es Ihnen ohne große Mühe lnöglich ist, nlls irgendein wirksames Mittel bekannt zu geben, dnrch welches lu i r d i e Inden lv i e d e r n a eh Spanien z u v ü ek loche u fö uu eu, dann lverden ivir Ihnen sehr verbunden sein, denn die Verhältnisse in Spanien haben sich seit der Ausweisung der Inden nicht sonderlich gebessert." Diese Antlvort entspricht wohl der Auffassung, die man gegeuivärtig in Spanien in liberale»: Kreisen über die Sache hegt. Ob sie aber »virklich gegeben lourde, ist eine andere Frage. Die Zahl der Ko»:flikte mit der: rnssis chen Gesetzen über das Auseuthaltsrecht »vil! fein Ende nehmen. Es vergeht u: der That kann: ein Tag, ohne daß allzueifrige oder bösrvillige Beamte in dem Gesetze von: Mai 1882 irgend ein Mittel erkernren, um de:: Inden zu schade»». Der Senat, der sich fast irnmer der Unterdrückten anuiunut, prokta»»»iert meift das Recht fin die Verfolgten, aber zu spät, als daß sie davon eine»: Genuß habe»: könnten. In Kasan verbietet man einen: jungen Mädchen in derselben Stadt zu »vohnen wie ihre Mutter, in Petersburg verbietet mau eine»»: Kanfman»: erster Gilde, eine jüdische Köchin zu halte»:, ii: Reval verweigert man einen: Schneider das Ansenthaltsrecht und so »veiler. Dagegen hat mau großherzig den Juden das Recht — in Sibirier: wohnen zu dürfe»:, nunmehr eingeräumt. allerdings auch das mit gewissen Beschränkungen, die bereits ihre uriheitvolle Wirk»»ng auszuüben begönne»: haben. So ist de»: Juden der Aufenthalt in „den Grenzgebieten von China" absolut untersagt. Die nach Sibirien verschickte»: Inder: dürfen ihren Aufenthaltsort nur mit Erlaub»: iß des Gouverneurs andern. Dadurch »verden Hunderte von Familien gezwungen, ein Land zu verlassen, wo sie nach langen Anstrengungen ihren kümmerlichen Lebensnnterhalt sich zu erwerben vermochten. Auch in diesen: Falle richte»: sich alle Hoffnungen auf den Senat. * Sehr interessant ist es aus e»:glischen Blattern z:: erfahren daß beiden französische»: u»»d r»»ssischen Jntriguen gege»: Deutschland in Borderasier: auch der Zionismus eine nicht unwichtige Rolle spielt. Wie es heißt, sollen auch gegen deutsche Ansiedler dieselbe»: Erschlverungen betr. Einwanderung ur:d