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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-30 · Heft 13 (30.3.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 N. Breslau, 24. März. Der Liberale Verein der Synagogen gemein de Breslau hielt am 19. d. M. seirre dritte ordentliche Generalversammlung im Saale des Palastrestanrants ab. Der Vorsitzende, Dr. med. Reich, berichtete über die Thätigkeit des Vorstandes tm abgelarrfenen Vereinsjahr. Er machte zunächst Mitcheilnng über das Schicksal der Petition, die an den Gemeindevorstand gerichtet war. und die dahin ging, inr hiesigen Nabbinersenrinar einen 8ehrknrs„s sür angehel,de Religionslehrer unb Neligiorrslehrerinnerr zu rrichten. Trotz des Wohlwollens des Gerneindevorstarrdes, der diese Petition einer besonderen Kommissiorr, bestehend aus ben Gemeindeabbinern, dem Lehrer anr Seminar, Herrrr Dr. Braun. Vertreterrr des Gelleindevorstandes und des Repräsentantenkolleginms und ans den Kuratoren des Seminars, überrvies, rmd trotz des unverkennbaren Einretens dieserKonnnission für die Wünsche des Vereins, konnte der Petition ncht Folge gegeben werden wegen Mangels an Kandidaten und landidatinnei?sür diesen Berns. Bessere,, und erfreulicheren Erfolg hatte m- Vereinsvorstand mit der zweiten Aufgabe, mit der er sich im verlossenen Jahre befaßte, mit der Gründung eines Vereins zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen. Im Verein mit der Lessingoge, unterstützt vom Wohlwollen des Krankenpflege- und Beerdigungs- Vereins, ging der Verein an die Erreichung dieser Aufgabe heran. Ql11 seltener Einmüthigkeit und Znstinlrnnng wurde dieser Plan von ,lle„ Schichten und Kreisen in unserer Gemeinde aufgenonnnen; mit licht genug anznkennendem Eifer werben zahlreiche Damen und Herren Mitglieder für den neuen Verein und stellten sich in den Dienst der uten Sache. Und so konnte er vor Kurzen, mit einer stattlichen lnzahl von Mitgliedern und Beiträgen unter den, Namen „Jüdisches Dchwesternhein," ins Leben treten. Hoffentlich ,vird der Verein die in ihn ^setzten Erwartungen erfüllen, vielen unserer Glaubensschwestern eine egensreiche Thätigkeit eröffnen. den Kranken zum Heil, der Gemeinde ur Freude und Genugthuung. Die dritte und wichtigste Aufgabe des Vereins war das Eintreten desselben für die Repräsentanten,vahlen;m Ende des verflossenen Jahres. Das sollte der Prüfstein für den Verein werden, der vor z,vei Jahren ins Leben gerufen wurde, um die tepräsentantenwahlen vorzubereiten, die geeigneten Kandidaten anszuwählen und ihnen zum Siege zu verhelfen. In zwei außerordentlichen Zeneralversarnmlungen winde die Kandidatenliste festgesetzt und neben eu bisherigen Mitgliedern und Stellvertretern, die sämmtlich zur Wiederwahl vorgeschlagen wurden, wurden belvährte sreisinnige Kandidaten für die freien Stellen ansgewählt. Der Vorsitzende beonte besonders, daß auch die der rechtsstehenden Partei angehörende,, isherigen Mitglieder und Stellvertreter in die Liste ausgenommen wurden, getreu unserem Programm, kein Partei,eginient einführen zu sollen, sondern der rechtsstehenden Partei die ihr nach Zahl und Stellung z,,kommenden Vertreter nicht bloß zu überlassen, sondern yätig für sie einzntreten. Die Kandidatenliste des Vereins ging bei er Wahl glatt durch ohne Kümpfe, ohne Gegenagitation, ja selbst hne die sonst üblichen zahlreichen, oft von Einzelnen ausgehenden Vahlannoncen. Der Verein habe wohl Grund, aus diesen, Erfolge uf ein Einverständnis; der großen Mehrheit der Gemeinde mit seinem Kogramm und seinem Wirken zu schließen. Mit einem warmen Nachnf an den am 6. Januar d. I. iu der Blüthe seiner Jahre jäh aus en, Leben geschiedenen, von Allen, die ihn kannten, innig betrauerten Rechtsanwalt Herrn Dr. Leo Moses, einer der Gründer und geistigen eitet’ des Vereins, den, er als Schriftführer bis zum Hinscheiden treue Dienste geleistet, schloß der Vorsitzende feinen Bericht, an den sich keine Debatte knüpfte. Herr Schatzmeister Jarecki erstattete hierauf den asser,bericht. Es folgte eine kleine Statutenänderung und eine kurze Debatte über die Höhe der Beiträge für mehrere andere Vereine und :ber einen Antrag des Dr. med. Alexander: „Der Liberale Verein volle bei den, Vorstand der Synagoge,,gemeinde beantragen, daß ieser ein möglichst umfangreiches Verzeichniß aller — auch der dem wrstande nicht unterstehenden — Wohlthätigkeitsstiftungen ausstelle, > eren Vortheile jüdischen Glaubensgenossen zugänglich seien, und > ieses Verzeichniß veröffentliche." Der Antrag wurde angenommen l,d hierauf die Generalversanunlung geschlossen. L. Hannover, 25. März. Unsere Gemeinde wurde in dem letzten ahre von harten Schicksalsschlägen heimgesucht. Sie stand zum Ditten Male seit Jahresfrist trauernd an der Bahre eines ihrer Vor- ' eher. Justizrath Julius Bensey erlag an, 22. d. Mts. im noch > icht vollendeten 64. Lebensjahre den Folgen einer Influenza. Der verstorbene wurde 1836 in Göttingen geboren, besuchte die Jakobjonschnle in Seesen, sodann das Gylnnasiun, zu Göttingen, die Universität in Heidelberg, wo er dem Korps „Suevia", und in Göttingen, wo er dem Korps „Hannovera" angehörte. Zuerst als Advokat in Hannover thätig, wurde er nach kurzer Zeit zum Obergerichtsanwalt ernannt. Politisch schloß er sich sofort der nationalliberalen Partei unter R. v. Bennigsen und Miguel an und lvirkte als Berichterstatter für „Die Zeitung für Norddentschland" (Han,,overscher Courier) bis zur Auflösung der Hannoverschen Ka,inner 1866. In den Kriegsjahren 1870/71 organisirte er den Verein für die Verpflegung der Verwundeten und erkrankte insolge seiner regen Mitbetheiligung bei den Hilfeleistungen in den Krankenhäusern schwer an, Typhus. Nach den, Kriege erhielt er den Kronenorden IV. Klasse und die Kriegsdenkrnünze. Auch gehörte er zu den wenigen Bürgern, die bei dem Einzugeches Kaisers Wilhelm I. 1871 zur kaiserlichen Tafel befohlen wurden. 1872 trat er in die Direktion der damals gegründeten Braunschweig-Hannoverschen Hypothekenbank ein. Diese Stellung behielt er bis zu seinem Tode. 1873 grlindete er den nationalliberalen Verein in Hannover, war lange Jahre erster Vorsitzender desselben und später Vorstandsmitglied. Von 1878—1879 bekleidete er auch das Amt eines Bürgervorstehers und als solche, that er sich als Führer der nationalen Minderheit gegen die ,velfische Mehrheit rühmlich hervor. Ein ihm in den 70er Jahren angebotenes Mandat zun, Abgeordnetenhause lehnte er wegen seiner ihn vollkonunen in Anspruch nehmenden Thätigkeit als Bankdirektor ab. Eifrig thätig lvar er auch als Vorstandsmitglied des Provinzialvereins vom „Rothen Kreuz", Schatzmeister der Hannoverschen Kiuderheilaustalt und als IhütigeS Mitglied einer großen Anzahl wohlthätiger Vereine. 1898 wurde er auch mit der Rothen Kreuzmedaille 8. und 2. Klasse dekorirt. Seine Thätigkeit sür die jüdischen Interessen ist nicht minder hervorragend. 1867 wurde er iu den hiesigen jüdischen Gemeindeansschuß, sodann als Vorstands,nitglied der Synagogengemeinde gewählt. 1892 feierte er unter regster Betheilig,mg sein 25 jähriges Jubilänn, als Gemeindevorsteher, Unermüdlich im Dienste des fortschrittlichenJudenthums.das erkannte und liebte, und der Wohlthätigkeit lvar er Schatzmeister der hiesigen Lehrerbildungsanstalt, Mitbegründer der Ilnterstütznngskasse sür jüdische Beamte der Provinz Hannover, ein treuer Förderer des Synagogenchores. ein eifriges Ansschnßmitglied des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Das Leichenbegängnis; gestaltete sich infolge der großen Verdienste des Verstorbenen zu einer imposanten Kundgebung der gesammten Bevölkerung. In, Gefolge ben,erkte ,nan den Oberpräsidenten, den Polizeipräsidenten, den Stadtdirektor Trannn, den Senat der Stadt, den nationalliberalen Verein und eine große Anzahl hervorragender Bürger Hannovers. In, Trauerhause und am Grabe sprach Landrabbiner Dr. Gronemann und schilderte die Vielseitigkeit und die hervorragenden Charaktereigenschaften des Dahingeschiedenen, der als Deutscher, als Jude uns als Familienvater gleich ausgezeichnet lvar, in beredten Worten. Oberkantor Lienhart ,n,d der Synagoge,,chor, unter Leitung seines Dirigenteil Herrn Rose, sangen in ihrer bewährte!, Weise im Trauerhause und an, Grabe. (Auch wir haben in den, Heimgegangenen einen treuen Anhänger und Freund verloren, dessen Andenken wir stets in Ehren Halter, werden. Die Red.) A. Bayreuth, 19. März. Wohl selten hat sich aus dein israelitischen Friedhof eine so zahlreiche wie hervorragende Trauerversammlnng eingefunden, als wie zur Beerdigung des. wie bereits gemeldet, am Samstag durch einen Schlaganfall im Schlvnrgerichtssaale jäh dahingerafflen Landgerichtsraths Max Eismann. Galt es doch einen, tüchtigen Beamten, einen, ,vahrhaft edlen und vornehmen Mel,scheu, der sich in Beamtenwie in Bürgerkreise,, gleich großer Sympathie erfreute, die letzte Ehre zu erweisen. Es waren fännntliche Beamte des Amts- und Landgerichtes mit dem Herrn Landgerichtspräsidenten an der Spitze in Galauniform erschienen, sonne fast sämmtliche Offiziere der hiesigen Garnison, Abordnungen des 7. Infanterieregiments, des 6. Chevauxlegerregiments, des Bezirkskoniu,andos, der königlichen Kreisregier, n,g, des Magistrats, ferner sämmtliche Rechtsanwälte, eine große Anzahl Aerzte und junger Akademiker. Rabbiner Dr. Kusnitzky schilderte in ergreifender, formvollendeter Rede die hohen Tngendel, des Verlebten, bei dem Wahrheit und Klarheit stets die Richtschnur seines Handelns bildete. Das (nichtjüdische) Korps „Palatia" in München, dem der Verlebte angehörte, schmückte die Bahre nnt den Farben des Korps und ein Angehöriger desselben, der einen Kranz niederlegte, sprach mit kernigen Worten, daß der verstorbene Korpsbruder, der durch drei Decennien die Ideale des Bundes hoch hielt und

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