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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-30 · Heft 13 (30.3.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 hundert Jahren, in M einel Dr. barleb ach über die Sklaverei irn jüdischen Alterthuin. in In o w r a zl a w Rabbiner B a m b e rg er über Humanität im JudenOum. in Krotoschin Dr. Königsberger- Pleschen über Aphorismen aus dem Jdeenkreis des Jndenthums, in Pleschen Dr. B a m b e r g e r - Schildberg über das Thema: Ein Kämpfer für die Freiheit der Juden in England, in Rogasen Gymnasial-Oberlehrer Dr. Balte über Uriel Acosta, in Leipzig Dr. Ernst Tuch- Hanibnrg über die Landwirthschaft bei den Juden, in Bern bürg Dr. Freuden t h al-Dessan über Kaiser und Rabbi, in Hamburg Dr. S e l i g in a u n über das Problem der jüdischen Kultur, in B o ch u m Frau Henriette F ü rth - Frankfurt a. M. über die jüdische Frau im Erwerbsleben, in Köln Professor L ef f m a n n-Heidelberg über Judentfjum itnb Bnddhathnm, Dr. Simchowitz über jüdische Malerschriften, in Bonn Dr. Rülf über das Thema: Was wir sollen itnb wollen, Dr. Cohn über die Entwicklung des jüdischen Gemeindelebens im 19. Jahrhundert, Dr. S im ch o iv i tz-K öln über die Juden im alten Rom, in Frankfurt a. M. Dr. G oit e i n-Kopenhagen über altjüdisches Kriminalrecht, in Würzbnrg Dr. H. Bamberger über Kammerherr und Schutzjude, in Stuttgart Professor G ei ge r° Berlin über Goethe und die Inden, in Mülhausen Rabbiner Schwarz- Vesonl über Chasdai ibn Schaprnt. In Coethen wurde Herrn Rabbiner Dr. Seligkowitz lvegen seiner Verdienste mit den Litteratnr- Verein eine goldene Uhr mit Widmung überreicht. — Neue Litteratur- Vereine wurden begründet in Gneseti, wo schon am ersten Abend 124 Mitglieder beitraten und in Saargemünd, wo Rabbiner Dr. Netter den ersten Vortrag über Mendelssohn's Verdienste um das Judenthum hielt. Da die Saison der Litteratnr-Vereine nunmehr ztl Ende gehl, konstatiren wir mit großer Befriedigung, daß die Zahl derselben in diesem Winter nunmehr auf 130 gestiegen ist. g. Berlin, 26. März. Durch die Uebersiedelung des Rektors Dr. A d l e r nach Franksnrt a. M. erleidet auch die „ 51 m i c i t i ci" einen herben Verlust. Dr. Adler hat ihre Interessen mit hingebendem Eifer, mit Darbringung großer Opfer an Zeit und Mühe gefördert. Begabten Jünglingen gab er trotz seiner vielfachen Inanspruchnahme selber Unterricht und sorgte in den tneisten Fällen auch für den Lebensunterhalt. So manchem jungen Manne wurden durch diese ausgiebige immer mit Liebe und Freundlichkeit geübte Hilfsthätigkeit die Pforten des Universitätsstudiums erschlossen. Am letzten Donnerstag verabschiedete sich Dr. Adler vor seinem Wegzuge von seinen Pflegebefohlenen. Im Namen der Schüler dankte Lehrer Frankenberg für die rastlosen Bemühungen im Dienste des wohlthätigen Instituts, worauf seitens des Vorstandes Herr Joseph Chaim die vielseitigen Verdienste Tr. Adlers um die „Amicitia" hervorhob. Nanientlich erwähnte er die herzgewinnende Art seines Verkehrs mit den Zöglingen, sein liebenswürdiges Wesen und seine hilfsfreudige Energie. Dann richtete Dr. Adler beherzigenswerthe Worte an die jungen Leute. Wenn der freundschaftliche Umgang zwischen ihni und den Schülern so betont wurde, so habe er sich nur an die Tendenz des Vereitis gehalten, die ihm ein freundschaftliches Verhalten zur Pflicht mache. Den Dank mögen die Schüler in unablässigem Ringen und in der Treue und Anhänglichkeit gegen den Väterglauben kundgeben. Die Bildung dürfe die Bande der Religion nicht lockern, sondern müsse sie enger und inniger knüpfen. Herr Bodenstein, der Vorsitzender der„Amicitia" ist, versprach in seinem Schlußworte, für Dr. Adler in die Bresche zu springen und den Schülern nach Kräften mit Rath und Thar beiznstehen. Nach dieser mit großen! Beifall anfgenommenen Erklärung erfolgte die Ernennung Dr. Adlers zum immerwährenden Ehrenmitgliede der „Amicitia". 22 Berlin, 26. März. Der 15. Jahresbericht der Ferien - k o lo n i e n f ü r jü d i s ch e Ki n der über das Jahr 1899 koustatirt wieder einen weiteren Fortschritt des schönen Werkes. Das Komitee hatte die Möglichkeit 391 armen Kindern einen Sommeranfenthalt von mindestens vier Wochen zu gewähren. Im Mittelpunkt des Interesses stand auch in diesem Jahre das eigene Heim, die von Herrn E. Rosenstiel und Gattin in Bad Elmen errichtete Stiftung. Dev Aufenthalt in diesem Hanse wirkt vorzüglich auf die Gesundheit der Kinder. Das Königliche Salzamt in Schönebeck gestattet alljährlich die Benutzung der berühmten Soolbäder, im Juli zu halben Preisen, in den übrigen Monaten ohne Eutgeld; die ärztliche Aussicht führt seit Jadren Herr Badearzt Dr. Fricke, welcher im Sommer und Winter die Schützlinge aus reiner Menschenliebe in seine Obhut nimmt. Alles dies wirkt zusammen, um einen großen und, wie die Nachuntersuchung ergiebt, dauernden Erfolg zu erzielen. Das Heim war belegt voin 8. Juni bls 6. Juli mit 30 Mädchen, vom 10. Juli bis 7. August mit 30 Knaben, vom 8. August bis 4. September init 30 Mädchen. Wenn das Komitee die Mittel gehabt hätte, wäre eine weitere Ausnutzung mindestens noch einen Monat mit 30 Kindern bewerkstelligt worden. Doch auch in diesen! Jahre mußte das Komitee für Ferienkolonien, das selbst nicht die Hälfte der angemeldeten Kinder unterbriugen kann, einen Zuschuß von 306 Mk. gewähren. Die Wohlthätigkeit müßte in noch lebhafterer Weise sich bethätigeu, um die Arbeiten der für Ferienkolonien sich mühenden Komitees zu turntet: größeren Erfolgen zn führen! Außer der Hauptkolonie itt Bad Elmen hatte das Komitee noch drei kleinere Kolonien mit znsantmen 26 Kindern in Dessau, Stolpmünde und Rügenwalde; es erstrebt die Schaffung einer größeren Kolonie an der Ostseeküste. In außerordentlicher Weise werden die Arbeiten dadurch gefördert, daß eine große Anzahl menschenfreundlicher Familien in den Provinzen dem Komitee Freistellen für Kinder zur Verfügung stellt. So konnten auf diese Weise 152 Knaben und 123 Mädchen die Wohlthat desSommeranfenthaltes genießen. Die große Anzahl dieser Freistellen sind der Thätigkeit des Oberkantors Sarrasohn in Stettin und des Lehrers Borchardt in Samter zu danken. Frau Johanna Levy geborene Salotnon hat zur Errichtung einer Stiftung 1000 Mk. gespendet. Der Bericht führt noch die einzelnen Freistellen, die Einnahmen und Ausgaben, die mit ca. 10400 Mk. balanciren. die Jahresbeiträge und Spenden auf. Das Komitee, das den wärmsten Dank für seine aufopfernde Thätigkeit verdient, besteht aus den Herren: Ad. Mayer, Vorsitzender, B. Benjaniin, Julius Cohn, Louis Kreslawsky, Sanitätsrath Dr. Maretzki, Eugen Rosenstiel und Rechtsanivalt Timendorser. o. Könitz, 26. März. Die Situation in unserer Gemeinde ist augenblicklich eine kritische. Seit mehreren Tagen durchzogen schon ganze Banden mit wüstem Gejohle und Hep-Hep-Rnfeu die Straßen der Stadt. Die jüdischen Einwohner sind schon in mehreren Fällen Belästigungen ansgesetzt gewesen. Zinn Glück sind die Behörden eifrig und mit Erfolg bemüht, jede Ruhestörung zn unterdrücken. Sowohl der Bürgernieister wie der Landrath von Zedlitz bemühen sich. Ruhe und Ordnung in der aufgeregten und verhetzten Masse zn erhalten. Die Mittheilnng, daß ein „Fläschchen" Blut neben der Synagoge gefunden wurde, ist natürlich tendenziös entstellt. Bei mehrfacher Untersuchung der an die Synagoge grenzenden Schlachtstnbe für Federvieh wurden dort Blutproben mitgenommen, die nach ärztlicher Untersuchung sich als Hühnerblut erwiesen. Gleichzeitig wurden auch beim Schächter und beim Synagogendiener sehr eingehende Haussuchungen vorgenommen, natürlich resnltatlos. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß diese Schritte dent wahnwitzigen Gerede von einem „Rilualmord" Raum gegeben haben. Ein neuer Zwischenfall war die Anzeige eines Böttchers, daß ihm am Mittwoch nach dein Mordtage vom Fleischermeister Lewy eine Fleischsäge zum Schärfen überbracht worden sei. Dies sei ihm ausgefallen, weil er einen derartigen Auftrag von einem Fleischer noch nie erhalten hätte. Auf diese Mittheilnng hin wurden von der Polizei mehrere Fleischsägen bei Lewy beschlagnahmt. Sanitätsrath Dr. Müller verglich die Sägen mit der Schnittfläche an detn Rückgrat der Leiche, wobei er zu dem Resultate kam, daß der Rückenwirbel mit einer dieser Sägen nicht durchsägt sein könne. Es müsse vielmehr bei der Aussührung der That eine ganz besonders seine, klein zähnige Säge benutzt worden sein. Nach Ansicht Dr. Müllers müssen ferner bei der Zerlegung des Körpers mehrere Personen mitgewirt haben. Man ist jetzt allgemein der Ansicht, daß der junge Mann wahrscheinlich in dem Glauben, einem verabredeten Rendezvous gemäß mit einer weiblichen Person in der dunklen abgelegenen Rähmstraße (am See) znsammenzutreffen, von niehreren Personen übersatten, betäub: und dann in ein benachbartes Gebäude geschleppt worden ist, wo dann der eigentliche Mord erfolgte. Die Hauptsache bleibt jetzt, die Prämie auf die Entdeckung des Mörders so hoch wie möglich zu bemessen, da nur so allein ein Resultat zu erwarten ist. Auf Anordnung de< Ministeriums des Innern ist der Kriininalkommissar Wehn von der Berliner Polizei hierher geschickt worden. Er hat bereits Ermitte lungen angestellt. Ueber das Ergebniß wird natürlich nocl Stillschweigen beobachtet. Die Untersuchung ist infolge des großen, sich täglich mehrenden Materials und lvegen der Unsicher heit in den Aussagen der Zeugen sehr erschwert. Es ist schon seit der Auffindung der Leiche sehr viel Zeit verflossen und daher nicht zn verwundern, daß die Zeugen Dinge bekunden, die bei näherer Prüfung keinen Anhalt zur Klärung und Ermittelung des Thatbestandes geben.

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