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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-30 · Heft 13 (30.3.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 der auf „seinem Felde der Ehre" starb, stets iniOeiQeffeii bleiben werde. Der königliche Landgerichtspräsident Uding, der im Namen der Beamten des Landgerichts und der Staatsanwaltschaft einen Kranz niederlegte, rühmte die Pflichttreue, das große Wissen und den edlen Charakter des Verblichenen, dessen Wirken in kurzer Zeit durch Beförderung 31111t Oberlandesgerichtsrath die äußere Anerkennung hätte finden sollen. Zum Schlüsse legte noch Herr Nechtspraktikant Kahn Namens der Bayrenther Rechtspraktikanten einen Kranz ans die Bahre, dabei erwähliend, daß die Herren ilicht nur einen wohlwollenden Vorgesetzten, sondern einen väterlichen Freund verloren hätten. Oesterreich - Ungar«. □ Wien, 26. März. Die vom Vorstände der Wiener israelitischen Knltusgemeinde letzten Sollntag veranstaltete Gedenkfeier der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Joseph Nitter v. Werthei me r's nahm einen sehr lvürdigen Verlaus. Zahlreiche Freunde nub Verehrer hatten sich in dem mit dem Bildnisse des Gefeierten geschmückten f(einen Mnsikvereinssaale eingefnnden, um das Andenken des verdienstvollen Mannes zu feiern. Eingeleitet wurde die Feier mit einer von den verbilligten Chören der Hanptshnagogerl stinnllullgsvoll vorgetragenen Kailtate. Der Vizepräsident der Knltusgemeinde, Dr. Alfred Steril, hielt eine Begrüßungsansprache. Die Festrede hielt hierauf Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann. der es verstand, durch eine volle Stunde die Anfmerksalllkeit und das Interesse der Zuhörer 31t fesseln. Reicher Beifall lohllte die Ausführungen des Redners. Schriststeller Heinrich Glücksmann gab sodann ein fesselndes Lebensbild Wertheimer's lintev Anführung interessanter Episoden, lvorauf die Feier mit dein Absillgen eines Chorals geschlossen wurde. Begrüßllllgsnrld Entschuldigungsschreiben wegen Fernbleibens liefe» voll mehreren Seiten ein, so ein besonders herzliches von Geheimrath Professor Lazarus, vonl Reichsrathsabgeordneten Wrabetz u. A. — Am 20. d. M. salld in der Brigitenan die Grlllldsteilllegnllg für den neuen Tempelbau statt, bei der volil Vorstände Herrn Eltbogeu nlld vorn Rabbiner Dr. Tenlpler weihevolle Reden gehaltell wurden. — Trotz Abwehr und eindringlicher Vorstellullgeil der sreisilllligen Partei des Wiener Gemeinderathes gegeil die neue Gettieindeverfassung löste der Millisterpräsident Dr. v. Korber ein voll deln früheren Miilisterinlll Wittek gegebelles Versprechen ein und legte dem Kaiser die W i e » e © e lll e ill d e lv a h l 0 rd ll ll n g z ll r Sanktioll vor. Bei beu Neuwahlen dürften sodann die christlich-sozialen Machthaber im Wiener Nathhause noch eine bedentellde Verstärkung erfahren und ihr Regilllellt ist auf Jahre hinaus gesichert! — Die israelitisch-mlgarische Litteratnr-Gesellschaft in Budapest schreibt auf eine Geschichte der jüdischeil Litteratur voln Anfang der griechischen Epoche bis zur Gegenwart einen Preis von 2000 Kronen aus. Die Arbeit ist auf wissellschaftlicher Basis populär ausznfnhren und soll sich ans höchstells 30 Drllckbogen erstrecken. Eillreichnllgstermill 31. Mai 1901. Das Eigenthnnlsrecht des preisgekröllten Werkes gehört der Gesellschaft. Die mit Mottobrief versehenen, voll fremder Hand geschriebeneil Arbeiten sind denl Präsidenten der Gesellschaft, VI., Andrüssystraße 9, einzusenden. — Dr. S a m u e l R 0 senz w e i g, ein Zögling des hiesigen Rabbinersemiilars, wilrde zunl Rabbiner in Kojetein geivählt. Von Nah und Fern. — Aln 22. d. Mts. ist hier infolge eines Herzschlages der Fabrikbesitzer und Handelsrichter Herrmann Sternberg. Begründer nlld Selliorchef der Firma H. Sternberg jr., einer der geachtetsten und bestell Müllller mlserer Gemeinde, im 68. Lebellsjahre gestorben. — Der „Berliner Klinischen Wochenschrift" zufolge ist Professor Mendel zlim Ehrenmitgliede der Gesellschaft der Irrenärzte Italiens ernanilt lvorden. — Rechtsallwalt Ignatz Holz hier hat ben ersten Preis für die beste Bearbeitung des Familienrechts nach dem B. G. B. erhalten. — Der Bankier Ernst I. Meher sin Firnia E. I. Meyer hier) ist zum Kolnmerziellrath ernallnt wordeil. — Die bisherigen Hilfslehrer Löwillskiund Dr. Richard Kallmann wurden als Oberlehrer an der XII. städtischeil Realschule angestellt. — In M n l h e i m a. Rh. ist der letzte der fünf Kriegsveteranen der Genleinde, Nathall Maher, gestorben. Die Kriegsstrapazen des Willters 1870,71 hattell bei ihm den Keim zu einer schweren Krankheit gelegt, der er jetzt in ben bestell Mannes fahren erlag. Die Theililahnle all dem Leichellbegänglliß war voll jüdischer und christlicher Seite eine allßerordentlich große. Kanleraden trugen die Ehreuzeicheil des Verstorbellen, arldere jüdische gediente Soldateil senkten den Sarg in die Gruft. — Wie ungarische Blätter nlelden, soll der Bllrellgeileral Lucas Mäher, ein geborener Debrecziner und ein Jude sein. In Graz ließ er sich tallfell, worallf er nach Transvaal allswailderte, wo er sich mit einer Burin ver> heirathete. — Die Rettnllg zahlreicher Kmlstwerke beim Brallde der „Coniedie Francaise“ in Paris ist nach der» „Temps" den Herren Bernheim nild Baron Hellri Rothschild zu verdallken, die mit Soldaten llild der Polizei eingriffen. nnl die Genlälde nild Büstei; der Fensiergallerie nach der Auswahl des Werthes sorgsalil in Sicherheit zu brillgen. — Voll deil bei dem Mitfastenzug lvährelld des Karnevals in Paris gelvorfenen Papierkollfetti trngell sehr viele alltisemitische Jilschristen nild Gassellhailer. — Die Bewohlier des Plaisance-Viertels in Paris haben den Beschluß gefaßt, der vor Jahresfrist verstorbellkll Wohlthäterill Frau Fllrtado-Heille im vierzehnten Bezirk ei» Denknlal zu errichteil. Frau Furtado-Heiue hat ilil vierzehilten Bezirk voll Paris eine Armenapotheke, ein Blinden institnt und eilie illusterhast geleitete Kleilikinderbewahraustalt inc Leben gerufen. Den Sockel des Deiikmals sollen die Worte schmücken „Le peiiple n'otiblie pas.“ (Das Volk vergißt nicht.) — Jil Paric ist aul 17. d. Mts. der frühere Professor der Mathematik all der Universität, Ed 0 iiard Lövh, im 78. Lebellsjahre gestorbe'.l. — Mail liest im „Temps": Einige Blätter habell von eillem israelitischell In failteriehallptnlallil gesprocheil, der sich in Feloise unehrlicher Hand lnngen schuldig gemacht hätte. Infolge einer über diesen Fall all gestellten Enquete uutrbe erkannt, daß der Haiiptmarln Reine Gegen stalld gruildloser Verleumdungen seitens zweier Offiziere nnb eilles Unteroffiziers seilles Reginlents geivesell ist, gegeil dic strenge Disziplinarmaßregeln getroffen ivnrdell. — Im Auftrag« der schwedisch eil Regierung hat der Schloßintendaiu Professor Ernst Jacobsobn einell Plan zilnl Bebauen der zlvei innerhalb der Stadt liegenden Inseln ansgearbeitet; die Ausführung des Planes soll 30 Millivllen Kronell kosten. — Jil Stockholm iß am 23. v. Mts. der bekalinte Mnsikverleger Abr. Hirsch gestorbeil der sich nm die schwedische Tollkulist große Verdieilste erworbell ha: und ein glaubenstreuer Jude war. — Wie russische Blätter melden projektirt der Finanzminister deil Erlaß einer Verordnung, wonach il Znknllft sich Jilden bei Errichtnilg voll Zuckerfabriken als Aktionär« nicht betheiligen dürfeil und in den Verwaltnngsrath dieser Unter nehmuligell nur Inländer beriifen mei'beu fönneu. Das Projek betrifft das gallze Reich einschließlich Polens nlld Finnlands. — Di letzte Statistik liefert Nlerkwürdige Resultate i» Bezug auf die Ziffe. der jüdischen Bevölkerung Rußlands. Es fanden ilämlich 189 Eheschließungen statt bei der Bevölkerung überhaupt auf 1000 Seelen 9.4, bei den Jlldell 27 328, dies wurde auf eine Gesammtseelenzifsi von 2 907 000 Inden schließen lassen. Gebllrten kaulen bei der Ge sammtbevölkerung auf 1000 Seeleil vor 48,7, bei deil Juden 117 49' danach gäbe es 2 413 000 Juden, endlich kanlen Sterbefälle bei der G^ samlntbevölkerllllg vor 34 auf 1000 Seelen bei den Juden 63 76!, danach ftub in Rußland gar mtr 1 875 000 Juden zu rechnen. An alledem geht llur hervor, daß diese russische Statistik trotz ihre.- amtlichen Charakters sehr mangelhaft ist, denn daß es dort mehr Jude 1 giebt, unterliegt gar keinem Zlveifel. — Lazar Poljakosf in Petersburg ist züm russischen Staatsrath mit dem Prädikat „Exzellen ernannt lvorden.— Loebel Esfelldi, der einige JahreZollinspektec in K ollstall tinopel war, hat vom Snltall den Medschidje-Orde > nlld vorn Schah von Persien den Löwen- und Soilnenorden ei* haltell. — In Elevelalld ist am 3. d. Mts. die sechste Jahre:- versammlllng des amerikanisch-jüdischen Fraueilkongresses (Council «-!' Jewish woraeu) eröffnet lvorden, der 5000 Mitglieder in 45 Städten hat. — Herr Maximilian Gnmpert ist schon zum zweiten Mal.' zluu Bürgernleister voll Port Elizabeth, der zlveitgrößtell StaU der Kapkolonie, gewählt wordell. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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