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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-30 · Heft 13 (30.3.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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4. Jahrgang- Nr. 13. O t ßtrliit, 30. Maxi 1900. Weikage zur „Attgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ^2 Berlin, 25. März. Zur Jubelfeier der Akademie der Wissen sch afteu ist noch nachzutragen, daß Rev. Dr. Gaster als Vertreter der Royal Asiatic Society in London und Senator Professor Ascoli als Vertreter der römischen Akadernie hier arnvesend waren. Dr. Gaster traf hier den ehemaligen Minister Stnrdza, der die Bnkarester Akadenrie vertrat und der seiner Zeit die Anslveisung Gasters veranlaßt hatte. Dieser aber nahm die Gelegenheit wahr, Dr. Gaster sein Bedauern über diesen Schritt ausznsprechen lnld fügte auf die dringenden Vorstellungen Gasters das Versprechen hinzu. daß er das Seinige thun lverde, um die Maßregeln, die man in Rumänien gegen die Schulordnung der jüdischen Kinder getroffen, zu redressiren. Nous veiTons! — Ans der Geschichte der Akadelnie ist »loch nachzntragen, das; Borchardt und Kronecker, berühmte Mitglieder der mathematischen Klasse der Akademie uxueu, lvährend Oppert, G o nl Perz und Ascoli ihr nach hellte als auswärtige Mitglieder angehören.-- Zu wiederholten Malen ist bei offiziellen Gelegenheiten in der Akadernie gegen den Antisemitismus protestirt worden, deren Sekretär in einer seiner geistvollen Neden sagte: „Wie würden wir vor Humboldt bestehen, lvenrr er von der bei nrls eirlgerisserrerl Nassellverfolgurrg horte, er. der Freund des Mendelssohn'schen Hauses, der in jüdischer Kurrentschrift korrespondirte?" Am vergangenen Freitag warerl die Delegirten der ausländischerr Akademien, die nach Berlin zürn Akademie-Jubilänrn entsarrdten Gelehrterr vom Kaiser zürn Frühstück iirs Schloß geladerr. Wie berichtet rvird, nahm beit Ehrenplatz zur Rechten der Kaiserirr der italienische Sellator Graziadio Jsaia Ascoli ein. Die Kaiserirr rrrrterhielt sich rnit derir italierrischerr Gelehrten aus's Angelegerrtlichste. Ascoli ist ein ebenso hervorragendes und angeseherres Mitglied der italienischen Philologenwelt wie der jüdischerr Gemeinde seiner Heimath. Möge dem deutschen Weltbürgerthnnre urrsere Akadenrie eine Zuflrlcht bleiben. 8. Berlin, 26. März. Die regierullgsseitige Bestätigllng des Rabbinatskarrdidaten Dr. Warschauer als Prediger der hiesigen Gemeinde ist hellte eingetroffen. Dainit hat der Protest, der. wie erinnerlich, vorr dem konservativen Mitgliede der Repräsentarrten-Versammlnng, Professor Lelvin. gegen die Giltigkeit der Wahl erhoben rvordeir rvar, feine Erledigung gefnudeir. Der Protest lvar gegen die Form der vorgelrommenerr Wahl gerichtet und hatte die gleiche Stimmenzahl, wie sie für die Wahl von Rabbinern statlitarisch vorgeschrieben ist. verlangt. — Die Alltrittspredigt des nenengagirten Rabbiners Dr. E s ch e l b a ch e r ans Bruchsal ftnhet am 7. April in der altell Synagoge statt. — Rabbiner Dr. B n m e n t h a l ait§ Danzig kann erst im Juli hier eintreffen, da er an eine halbjährliche Kündigungszeit kolltraktlich geblmden ist. 8. Berlin, 26. März. Der hiesige Gemeindevorstand hat dllrch den jähen arn 21. d. SDt; erfolgten Tod seines Mitgliedes, Herrn Wilhelm Goldschmidt, einen schnierzlichen Verlust erlitten. In völliger Frische weilte der erst im 65. Lebensjahre Stehende noch im Kreise seiner Familie, als er plötzlich von einen! Unwohlsein ergriffen wurde, das innerhalb einer halben Stlinde zum Tode durch Herzschlag führte. Der Verstorbene, der einen! arbeitsreichen Leben entrissen wurde, wurde vor drei Jahren als stellvertretendes Mitglied in den Gemeindevorstand gewählt, den! er nach de«! Tode des Herrn I. E. Isaac noch ein halbes Jahr als ordentliches Mitglied angehörte. Mit nnerniüdlichem Eifer und in gelvissenhafter Pflichterfüllung leitete er das ihm obliegende Dezernat der Baukommission und Grundstücks- Verwaltung. In streng traditionellen Grundsätzen ausgewachsen, blieb er ihnen treu bis an sein Lebensende, doch war er stets erfüllt von der nöthigen Rücksichtnahme gegen andere religiöse Richtungen und eifrig bemüht, ein versöhnendes Element zwischen den verschiedenen Parteien zu bilden. In dieser Treue wurzelte auch seine Arbeitsfrendigkeit, die ihn bis zn seinen! schnellen und friedlichen Tode seelte. Bei der hü Sterbehause veranstalteten Tranerfeier schilderte Rabbiner Dr. Weiße die Persönlichkeit des Verstorbenen und gedachte mit besonderer Anerkennung der Wirksamkeit des Verewigten in der Geineindeverwaltung. Zahlreiche Leidtragende innstanden in aufrichtiger Trauer den Sarg und gaben ihm das letzte Geleit zur Gruft. Gemeindevorstand und Repräsentantenkolleginni waren fast in corpore anwesend; auch die Mitglieder des hiesigen Rabbinats hatten sich vollzählig eingefunden. Das Andenken des Gerechten bleibt gesegnet. ££5 Berlin, 27. März. Der praktische Arzt Dr. W i l h e l m M a rcnse ist am 23. infolge der Influenza im 41. Lebensjahre hier gestorben. Der Verstorbene, der seit 1888 Arzt!var,!vnr, ehe er sich in Berlin niederließ, zuerst in! Physiologischen Laboratorium der Universität Breslau unter Heidenhain thätig. Später arbeitete er unter Dohrn in der zoologischen Station in Neapel. Damals und auch lvährend seiner Berliner Zeit lvar Marcnse auch lvissenschaftlich eifrig thätig. Er betrieb insbesondere Studien zur Kenntniß des Stoffivechsels und der Stoffwechselerkrankungen. Viel besprochen wurde zn der Zeit, als die Aerzte anfingen, die Röutgenstrahlen in der Medizin zu verwerthen, eine Beobachtung Dr. Marcuses über Hautentzündung bei Menschen nach längerer Durchleuchtung mit Nöntgenstrahlen. Das Leichenbegängnis; des in der Blüthe der Jahre dahingegangenen hoffnungsvollen Forschers fand gestern unter lebhafter Theilnahme ärztlicher Kreise auf dem Friedhofe in Weißensee statt. Friede seinen! Andenken! L/D Berlin, 25. März. Wie wir alls dem Bureau des deutschisraelitischen Gemeindebundes vernehmen. werden die Fortbildungskurse für jüdische Kantoren anr 3. April, Morgens 9 Uhr iui Chor-Probezimmer der Reuen Synagoge, Oranienburgerstraße 30 beginnen. Es ist dringend zn wünschen, daß die Betheilignng gleich im Anfang eine recht lebhafte sein möchte. Da der Gemeindebund zlvei so ausgezeichnete Lehrkräfte für die Kurse gewonnen hat. darf man wohl hvfien, daß diese ein gutes Resultat ergeben werden. *** Berlin, 28. März. Im Verein für jüdische Geschichte und Litte va t it r sprach am 21. d. M. Herr Albert K a tz über die Geschichte des Briefes. Rur einzelne Momente dieses nach Inhalt und Form gleich interessanten Vortrages seien hier angeführt, der zunächst auf die Geschichte der Schreibknnst einging, deren Ursprung z!veifellos bei semitischen Stämmen zu suchen sei. Die Phönizier besaßen sie lvohl arn frühesten und von dieser! ging sie wahrscheinlich zn den Inden über. Bibel und Talmud bekunden, daß sich die Juden schon frühzeitig des Briefes bedient haben. Man schrieb auf Thierhäute, Leinwand, Holz, Stein, Metall, Thon- und Wachstafeln, Palmen- und Olivenblätter, und tute die Chinesen noch jetzt, oblvohl sie frühzeitig schon das Papier kannten, auf Bambnsblätter schreiben, so schrieben die Inden im Alterthum selbst auf die Schale der Wallnuß und des Granatapfels. Als Schreiber nennt uns die heilige Schrift Propheten. Priester und Könige. Die Briefbefördernng lvar bei den Inden im Alterthume einer gewissen Ceremonie unterworfen und sowohl Bote, als auch Absender und Adressat mußten, falls der Brief eine höhere Bedeutung hatte, eine gelvisse Qualifikation besitzen. Wie der Geistlichkeit in der christlichen, so hadert sich die Nabbine in der jüdischen Welt lim die Knltivirung der Schrift, um die Verbreitung der Kenntnisse des Schreibens und des Briefstils unsterbliche Verdienste erworben. Der Vortrag fand wohlverdienten Beifall. — Ans den answärtigen Litteratnrvereinen berichtet man uns: Iit Brandenburg a. H. sprach Dr. Ackermann über das Indenthnm und sein Verhältnis; zu den Andersgläubigen. Herr Albert Katz über Lord Byrons hebräische Melodien, in Glogan Rabbiner Dr. Jacob-Göttingen über die Sendung Moses, in Hirschberg Rechtsanrvalt Joel über die Bibel in der Weltlitteratnr. in Breslau Professor Cohen-Marbürg über die Versöhnnngsidee im Indenthnm, in Neisse Frau Regina N e i s se r- Breslau über die Berliner und Wiener Salons vor

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