Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1900)
- Date
- 1900-03-30
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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150 weisen. — Fröhlich sprach in gedrängter, warmherziger, nur das Schnlbedürfniß berücksichtigender Weise über „Jüdische Geschichte in der Volksschule." Auch dieser Vortrag regte zu einer eingehenden Erörterung an, die als Ergebnis; die Einsetzung einer fünfgliedrigen Kommission zeitigte. Die Aufgabe derselben soll in der Prüfung der vorhandenen Lernbücher event. in der Neuschaffung eines solchen bestehen. Und nun kam ein Abwesender zum Worte, Herr Nansenberg- Neuwied, der jüngst in Köln die Gelegenheit wahrgenommen, auch ohne Mandat das Interesse der Lehrerschaft zu vertreten. Fröhlich verlas einen Bericht über die damaligen Vorgänge. Herr Dr. David, Rabbiner zu Düsseldorf, versicherte den Anwesenden seine Schätzung des Lehrerbernss und seiner Geneigtheit, mit der Lehrerschaft an beu gemeinsamen Aufgaben zusammen zu wirken. Er gab der Meinung Ausdruck, daß auch seine Kollegen von denselben Gesinnungen, jedenfalls von derselben Scheu vor einem Zwiespalt erfüllt seien. Die Versammlung ließ keinen Zweifel darüber, daß auch sie ein friedliches voll gegenseitiger Schätzuilg getragenes Mitltub Nebeneinanderwirken für wünschenswertb erachtet. Sie war sich aber auch bewußt, daß die rheiilische Lehrerschaft in allen Fällen in der Lage ist, in treuer, lliaßvoller, alldauernder Arbeit sich allein die Wege zu ihren Zielen zu bahnen itnb zu ebnen. Für den Schriftführer: An d oril -Krefeld. Was die Heinmthskunde der Provinz Posen über die Inden erzählt. Bon Moritz Erünfeld-Schwersenz. wei Heiinathskunden der Provinz Posen aus neuerer Zeit, die eine von Löhrke, die andere von Troinnau, liegen vor mir. In der ersteren ist Seite 26 zu lesen: „Der polnische Bauer ist gntmüthig und leicht verträglich; nur ivenn er von dem leidigen Branntwein zu viel getrunken, verleugnet er seine sonst friedliche Gesinnung, da er sich dann leicht zu Gewaltthätigkeiten fortreißen läßt. Gegen Höhergestellte ist er äußerst unterwürfig und demüthig. In seinen Rechtshändeln, deren er viele im Rausche anzettelt, vertraut er vollständig der besseren Einsicht des Richters. Ost wird ihm aber seine Vertrauensseligkeit verderblich, nämlich dann, wenn er wucherischen Juden in die Hände füllt. Schon Mancher ist dadurch um Haus und Hof gekommen/' Weiter: „Der polnische Barier ist auch nicht sonderlich bemüht, seinen Grund und Boden in einen besseren Zustand zu bringen, um größere Einnahmen zu erzielen. Er ist zufrieden, wenn sein Grundstück ihn und die Seinen ernährt, an Sparen denkt er nicht." Gesetzt den Fall, die Charakteristik des polnischen Bauern träfe zu, so wären die vom Verfasser angeführten Momente, Trnnk- und Prozeßsucht, unrationelle Bewirthschaftung von Grund und Boden, sowie Mangel an Sparsamkeitssinn gerade hinreichend genug, um die polnischen Bauern um Haus und Hof zu bringen, als daß erst „der wucherische Jude" einzig und allein dafür verantwortlich gemacht werden sollte. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß in früheren Zeiten, wo den Inden fast kein anderer Lebenserwerb offen stand als der Handel, bezw. Geldgeschäfte zu machen (war doch nach dem Landesgesetz auch nur den Inden gestattet, einen höheren Zinsfuß zu nehmen, sie mußten von dieser Erlaubnis) Gebrauch machen, um den harten Geldforderungen genügen zu können, welche die Gebietsherren an sie stellten), es Juden gab, ivelche höhere Prozente nahmen; aber hiervon kann doch heutzutage so im Allgemeinen keine Rede sein, selbst wenn dem Verfasser einzelne Fälle zur Begründung seiner Behauptung bekannt sein sollten. Uns sind aber auch viele Christen, darunter laut neueren Gerichtsverhandlungen aus hochangeseheuen Familien bekannt, die mit dem Wucher- und Wechselgesetz gar stark in Konflikt gerathen sind. Es giebt eben Wucherer hüben nnd drüben, und die Redensart „Wie es sich jüdelt, so christelt's sich" hat ihre Begründung. Aber nicht gering ist die Zahl von polnischen, auch von deutschen Bauern, welche in ihrer Nvth zum Juden ihre Zuflucht nehmen, der ihnen willfährig, und das mit mäßigem Gewinn, ans ihrer Kalamität hilft, daß sie sich erholen nnd sich ivieder aufraffen können. Brachte ja auch vor einiger Zeit Ihre geschätzte Zeitung als Belag hierfür die offene Mittheilung eines preußischen Offiziers, welcher sich ebenso offen nicht als Judenfrennd bezeichnet, wie bei Militärliesernngen besonders der Jude wegen seiner Promptheit in der Lieferung von Lebensmitteln besterOualität bei minimalem Nutzen vor anderen Lieferanten bevorzugt wurde. Weiter sagt Herr Löhrke: „Die Juden, da sie Handel, ein leichtes Handwerk oder Schankwirthschaft betreiben, wohnen großentheils in Städten, nur vereinzelt findet man sie als Krämer und Gastwirthe auf Dörfern." Aehnlich Herr Tromnau. Daß die Schankwirthschaften noch heute zahlreich i» den Händen der Juden sich befinden, habe ich bereits in einem früheren Aufsatz in Ihrer geschätzten Zeitung widerlegt. Aber auch mit Bezug auf das leichte Handwerk und den Handel stimmt das heutzutage nicht mehr. Man »volle bedenken, das; in früheren Zeiten die Juden hier zu Lande, auch nnder- »värts, lediglich auf den Handel angewiesen »varen, und das; ihnen auf Grund des Jnnungswesens der Betrieb eines Hand »verks sehr erschivert wurde. Nur mühsam ernährten fid jüdische Schneider, Mützenmacher. Schuhmacher, Glaser, Fleischer Goldarbeiter, Graveure. Selbst später, als dem jüdischen Handiverker das Recht zu gesprochen »vurde, Meister zu »verden, tvurden ihm hier und dort mancherlei Schivierigkeiten bereitet, »nenn er sich zur Ab legnng der Meisterprüfung meldete. — Allmählich erst ist es dann anders geworden. Wir finden heute in der Provinz unter de» Juden nicht nur die oben angeführten Geiverbe vertreten sondern auch in nicht geringer Zahl Tischler, Schlosser, Klempner Maschinenbauer, Uhrinacher, Gerber, Sattler, ja selbst, wen» auch vereinzelt, Schmiede und andere. Auch fehlt es nicht a> jüdischen Landwirthen, welche bei rationellem Betrieb mit bei Ergebnissen recht zufrieden sind und nicht mit in die Klage» der Agrarier einstimmen. Ebenso verstehen die jüdischen Hand »verker im Allgeineinen ihr nicht immer leichtes Gewerb gründlich und dieses nach den heutigen Anforderungen fabrit mäßig, ja -- es kann ihnen dies durchaus nicht zum Bor ivurf gereichen — geschäftlich zu betreiben. Uns sind jüdisch junge Leute bekannt, die nach beendeter kaufmännischer Lehr zeit sich eines anderen besinnen und »viederum in die Lehr gehen, mn ein Handwerk, und nicht gerade ein leichtes, zu erlernen. Es koinmt vielleicht noch die Zeit, »vo man bei; Juden den Betrieb des leichten, »vie des schlvereu Handwerk zum Borwurs machen wird. Das Lessing'sche Wort: „Thru nichts, der Jude »oird verbrannt", hat hier ein alter jüdischer Bauernschneider in folgender Weise ausgedrückt: „Mach' ich dem „Pauer" (Bauer) eine Walischke (langer Bauernrock), und gefällt sie ihm nicht recht, so ruft er »vüthend: „Psiakrev