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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-30 · Heft 13 (30.3.1900) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 149 (sequence 7)
Language
German
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149 wesentliche Veränderung erfahren hatten. Im Februar 1897 lallt Gemeindebeschluß dazu eiilgesetzt, um über einen Antrag des Herrn Dr. Beit Simon betreffend die Einführung jüdischen Neligionslmterrichts in den höheren Töchterschulen vorznberathen. llahm die Konlnlission mit Rücksicht ans die zur Zeit angekündigten Maßnahmen des Provinzial- Schnlkollegiinns davoll Abstand, ihrerseits Anträge zll stellen, veranlaßte aber gleichlvohl deil Gemeindevorstand. znr Beschaffung der erforderlichen statistischen Grundlagen eine Umfrage bei den Direktoren der privaten höheren Töchterschnlell über den Stalld des jüdischen Religionsnllterrichts daselbst anznstellen. Das Ergebniß der inzwischen gepflogenen Berhandllnlgen zlvischen dem Gemeindevorstand nild dem Polizeipräsidillm bezw. dem Provinzial-Schnlkollegium veranlaßte die Repräsentantenversanlnllllng im November 1897. die bestehende Konlmission zll verstärkeil nnb ihr die Regelung der gesamlllten Frage des Religionslmterrichtes znr Borberathnng z»i überweisell. Ein vonl damaligen Direktor der II. Religionsschnle, Herrn Dr. Sanluel Apolalit, über die Entwirkellmg nnb Wirksalnkeit der von ihm geleiteteil Allstalt erstatteter allsführlieber Bericht'lind die hiernach amt) von den Dirigenten der übrigen Neligiollsschlltell, sowie der beiben Gemeilideschulen gleichfalls ein geforderten Berichte mit vben dieser Kommission als Material überwiesen. Erst iin Mai 1898 konnte mit ben sachlichen Berathnngen begomleil loerden. Hierbei lvllrde als der lveselltlichste Mangel des bisherigen Zlistandes das Fehlen einheitlicher Lehrpläne bezeichnet nnb demgemäß beschlossen, znr Besprechlmg dieser Frage Fachmänner zu ben Konlmissionsberathllngen einznladen. Unter Hiliznziehnng der vier Gemeinderabbiner, der Rektoren der Gemeindeschnlell. der Dirigelltell der Religionsschulen und des Mitgliedes des Schlllliild Talmud-Thora-Vorstandes Herrn Prof. Dr. Elias, trat die also erweiterte Kommission zur Berathnng znsannnen und setzte zlvecks Herstellung eines Lehrplanes für die Bolksschlile eine Fachkomnlissioll ein. in lvelche die Dirigenten der beiben Gemeindeschnlen nrld der vier Religionsschulen solvie die städtischen Lehrer Herren Levy. Auerbach. Dr. Sachs. Hauff lrnd Remak geloählt wllrden. Jll Allssicht genommen lvllrde seriler, daß llach Beendigung der Arbeiten dieser Fachkommission all die Ausarbeitllng des Lehrplans für den Neligionsnnterricht all den höheren Schulen geschritten loerden solle. Zn diesem Zlvecke sollten all Stelle der Volksschnllehrer die Gymnasiallehrer Professoren Dr. Elias und Blaschke, Dr. Schäfer nnb Schneider in die Kommission eintreten. Jll der erstell Sitzllllg der Fachkommission lvllrde davoll Keniltniß gegebell, daß aln 23. Mai 1898 unter den: Vorsitze des Herrn Stadtschlltillspektors Dr. Fischer eine Sitzllllg der jüdischen Lehrkräfte des VII. Schlltkreises stattgeslllldeil nnb dort selbst gleichfalls eine Komlnission unter Vorsitz des Herrn Levy mit der Ausarbeitung eines Lehrvtalls für ben jüd. Religionsiniterricht in ben Volksschulen, speziell denjenigen dieses Schulkreises, betraut lvordeu sei. In Folge dieser analogen Allfgabe, deren jelveiliger Stand, laut Autorisirnng des Vorsitzenden. der Komlllissioll übermittelt werden sollte, nahm man voll der Allsarbeitnng eines selbstställdigen Lehrplanes bis auf Weiteres Abstand nub trat nur in eine Berathmlg der allgemeinen Gesichtspunkte in. In der Jlinisitzung erfolgte alsdailn die Allfstelllnig der „Grundsätze" für die Behandlung der einzelnen Fächer, und zwar: I. Biblis ch e G e s ch i ch t e. Die Kommission empfiehlt die konzentrische Behandlung des Stoffes für die einzelnen Stufen. II. Nach biblische Geschichte. Zll behandeln ist neben ben nichtigsten politischen Vorgängen die innere Entlvickelnng des Judenhllms, wie sie in den Haliptträgern znr Erscheinung kommt. III. Hebräisch. Der Unterricht beschränkt sich auch in Knabenchulen auf das Gebetbuch. Behufs Erleichterling des Unterrichts sind die elemelltarstell Regeln Zli erlernen. Außerdem wlirde folgender Leitsatz allfgestellt: R e l i g i o ll s l e h r e. Die Neligiouslehre soll nicht systematisch, andern im Anschluß all die einzelnen Unterrichtsgegenstände behandelt verden; die auf diesem Wege gewonnenen Ergebliisse sind zll geeigneter steit zllsanlmenznfassen. Im November 1898 überreichte Herr Dr. Fischer ben voll der sei ll erst ts bentfenen Kommission allsgearbeiteten Lehrplanentwurf. Alls dem Begleitschreiben führen wir solgeilde bemerkenswerthe Stelle an: „In eine Prüfung des Entwurfes bin ich absichtlich selbst nicht ingelreten. Der Entwlirf soll später tu einer Reihe Konferenzen mit den jüdischen Lehrkräftell des Kreises mite* meiner Leitung dnrch- 'erathen werden, nachdem mir durch Ihre Güte das Gutachteil der ’ou der jüdischen Gemeinde bestellten Kommission über diesen Entwurf mitgetheilt sein lvird. Ich belilerke ausdrücklich, daß ich weder von der städtischen noch voll der königlichen Schulbehörde ausgefordert oder alitorisirt bin, die-Ausstellung eiiles derartigell Planes in die Wege zu leiten, daß ich mich als Kreisschllliilspektor für berechtigt lind verpflichtet halte, mich lim das Znstandekomnlen dieses Planes für meinen Kreis zu bemühen. Ich hoffe auch, das; dies der Weg sein lvird. um zu eitlem für alle Gemeindeschnlen Berlins giltigeil Lehrplail zu kommen." Der Entwurf lvllrde vervielfältigt nnb nebst den „Grundsätzen" an sümmtliche Mitglieder der gemischten Deplltation versalldt. Die von einigen Mitgliedern erstatteten, zllm Theil sehr ausführlichen Gutachten und Anträge wurden mm wiederum einer Subkommission zur Bearbeitnllg übergeben. Die von der Subkommission in vielen nnb langdanernden Konferenzen gemachten umfangreichen Aenderungsvorschläge wurden im März d. I. überreicht und fanden zum größten Theile einstimmige Annahme. Dlirch Herrn Levy ivnrde alsdann noch der lirsprüngliche Entlvurf durch Einführung der angenommenen Aellderllngen unlgearbeitet. Mit der Fertigstellung des Lehrplans lvar das Penslim der Fachkommission. deren große Arbeitsleistung dankbar anerkannt luerben mliß. erschöpft. Die gemischte Deplltation. lvelche das Weitere zu veranlassen hatte, hat nunmehr den Entlvurf dem kölligl. Provinzial- Schlllkolleginni znr Begutachtung und Genehmiglmg unterbreitet. Allch die nach Beendigmlg dieser Arbeit, lvie bereits obeil erlvähnt. in Aussicht genommene Ausarbeitung eines Lehrplanes für den jüdischen Neligionsnnterricht all ben höheren Schnlcn hat. lvie wir hören, bereits zu erfreulichen Resliltateu geführt. Jll mehreren, unter Vorsitz des Gemeindeältesten Dr. Lallnnann stattgehabtcn Sitzungen, zu denen die vier Rabbilier, Prof. Dr. Elias, die Rektoren der Gemeindeschnlen und der Religiousschnlen solvie eine Anzahl Lehrer itnb Lehrerinneil an städtischen höheren Mädchenschulen hinzllgezogen lvaren. ist zunächst der Lehrplail für den Religionslinterricht all ben städtischen höheren Mädchenschulen in seinen Grnndzügen festgestellt lvordeu und wird gegelllvürtig von einer Subkommission im Einzelnen ansgeführt. Nach Fertigstetlling dieses Entwurfes lvird dann die Ansarbeitlmg des Lehrplans für den Religionsunterricht an den Höheren Knabenschulen in Angriff genommen werden. Zweite Versammlung der „Niederrheinischen Kezirlrskonferen;^. Sie „Niederrheinische Bezirkskonferenz" hatte ihre Atitglieder ans den 4. März nach Düsseldorf berufen. Eill schulfreier Tag stand diesmal nicht znr Verfügung. Trotzdem aber lNld trotz Karuevalsnachlvehen, Influenza und schlilumer Hemmnisse stellte sich die Besncherzahl auf 27 gegen 30 in der gründenden Versammlung. Eine solche Theilnahme erfreut eines Präsidenten Herz, weckt Arbeitslust lind Thatendurst. Die Tagesordnung lvar auch diesmal wieder reich genug allsgestattet. Eille gründliche Berichterstattllllg über jüngste Thaten ulld zlvei Referate harrten der Erledigung. Die junge Vereinigung hat bereits bescheidene Erfolge zu verzeichllen. Das scholl im vorigen Bericht erwähnte Memorandlim über eine „Entscheidung des Verlvaltungsgerichts" hat über die Lehrerkreise hinaus Beachtung geflindell. Zllr Zeit Ullterliegt es der Begutachtung einer größeren, die jüdischen Gesauimtinteressen ivahruehmendeu Organisatioil, die Bemühungen des thatkrästigen Vorsitzenden aber haben wohl das meifte dazu beigetragen, daß der Lehrerschaft ebeilso wie ben Rabbinern eine Vertretung im Ausschüsse des ebeil begründeten „Rheinischen Gemeindeverbaudes" zugestanden wurde. — Eine entschiedene Vertretung und lvirksame Förderung der Lehrerinteressen erwartet Herr Abraham- Essen von deln zu schaffenden Verbandsorgan. Um in voller Unabhängigkeit zu wirken, soll dasselbe nur Lehrer-, nicht auch Gern e i n d e z e i t u n g sein. Die Hauptaufgaben des Blattes werden in einer klärenden Vorbesprechung von Bernfsfragen, in einer mannhaften Geltendmachung aller berechtigten Lehrer-Interessen zu bestehen haben- Eine angeregte Besprechung folgte dem recht beifällig ansgenommenen Referate. Sie führte die Geister in dem Beschlüsse zusammen: Den Vortrag dein Verbände als schätzbaren Stoff zu über-

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