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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-30 · Heft 13 (30.3.1900) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 148 (sequence 6)
Language
German
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148 und politische Interessen, sowie die Unwissenheit und Vornrtheile eines großen Theiles der Menge behilflich sind." .-Trotzdem wissen Sie, daß der gelehrte Belgier Herr Edmond Picard darin den natürlichen Kampf zwischen ganz verschiedenen Nassen sieht, wie er das näher ansführt in seinem Werke „Der Ariano — Senritismns?" „Der Nassenunterschied besteht lvirklich. Nienlalld wird zum Beispiel die Italiener mit den Engländern verwechseln wollen. Was die Juden betrifft, so bleiben sie immer Inden, ob sie blond- oder schwarzhaarig sind. Dies berechtigt aber nicht ihre Verfolgung. Im Gegentheil, das Zusammenarbeiten der verschiedenen Nassen ist sehr gedeihlich, weil jede ihre spezifischen Fähigkeiten spielen läßt." „Aber Picard, dessen Talent lind Wissen wir alle bewundern, behauptet. so unglaublich es scheinen niag daß die Inden eine minderwerthige Nasse sind, nnsähig, selbst etwas iu irgend einem Fache zu erzeugen, und dazu bestinnnt, ewig von der Ausbeutung anderer Völker zll leben." „Mein Freund Pieard", meinte lächelnd Herr Fern, „ist trotz seiner Gelahrtheit ein großer Phantast. Die Inden sollen nichts erzeugt haben? In den vergallgenell Jahrhunderten haben sie sich mit Erfolg in allen Fächern hervorgethan, sovielemale ihnen dies nicht durch Ausnahmegesetze und Verfolgungen völlig unniöglich gemacht wurde. Zn unserem Zeitalter aber haben sie so Vieles und Mannigfaches geleistet, daß, falls sich ein neuer Nero fände, der alle jüdischen Jntelektnellen niedermetzeln ließe, dies für unsere-Civilisalion ein Schlag wäre. welcher sie um ein ganzes Stück znrückwerfen rvürde." „Also, verehrter Meister, Sie glauben, daß die anthropologischen Forschungen, auf denen Herr Picard seine Behauptungen stützt, keine ben Inden ungünstigen Resultate ergeben?" „Entschieden »ei». Es sind Unterschiede sestgestellt worden, aber dieselben berechtigen nicht dazu, daß man auf Ueberlegenheit oder Minderwerthigkeit einer Nasse oder eines Volkes schließen soll." * lieber die jüdischen Kolonien in Palästina schreibt uns unser verehrter Mitarbeiter Leon A. Trachtenberg aus Odessa: Das Komitee zur Unterstützung der jüdischen Ackerbauer und Handlverkcr in Syrien und Palästina delegirte vor Kurzem den bekannten jüdischen Publizisten Herrn Ginzberg intb den Dirigenten der landwirtschaftlichen Farm des Odessaer jüdischen Waisenhauses, den Agronomeil Herrn A. Snßmann nach Palästina. Herr Sußmann ist von seiner Reise bereits hierher zurückgekehrt und theilte dieser Tage in einer Sitzung den Mitgliedern dieses Komitees seine Eindrücke mit, die er von der Revision der jüdischen Kolonien sich erworben habe. Das Land selbst, welches die jüdischen Kolonien in Palästina besitzen, ist vollkommen für landwirthschastliche und ackerbauende Beschäftigungen wie geschaffen. Nach den Worten des Herrn Sußlnann zu schließen, dem die blühenden Ortschaften des Kaukasus, der Krim und Beßarabiens hilllänglich bekailnt silld, stehen dieselben den: fruchtbaren Boden Palästinas bebentenb nach. Der Boden Galiläas, Illdäas xtnb der angrenzenden Ortschaften ist nicht urbar gemacht worden, befiildet sich ill einem sehr verwahrlosten Zustande llnd beilöthigt daher zu seiner Verbesserllllg großer Kulturarbeit; aber dafür hat die landwirthschastliche Arbeit in diesell Orteil llnzweifelhaft eine große Zufunft. Bei der Organisation der jüdischen Kolonien in Palästina ist es jetzt übrigens nothwendig, eillige Besonderheiten der lokalen Gesetzgebllng ill Betracht zll ziehen, welche ill vielem die richtige Entwickelnng des Gedeihens nnb der Entsaltung der dortigen Lcmdwirthschaft hiilderll. Die von Herrn Sußnianil besichtigten einzelnen Kolonien fand er ill einer guten Lage, aber er belnerkt hierbei, daß gleich aul Anfänge der Einrichtung der Kolonien eill Fehler begailgell lvurde, lvelcher baviu besteht, daß die Kolonisten sich ausschließlich mit dem Weinbau beschäftigten. Diese Beschäftigung giebt gegellwärtig sehr günstige Resultate, aber die Erfahrung der letzten Zeit in verschiedenen Landeril zeigte das Unpraktische nnb das Uunlögliche, die Lage des Ackerbauers auf Ausarbeitung bloß einer einzigen Richtullg ill der Lalldwirthschaft zu begrülldeil. In einigen palästillischeil jüdischell Koloilieil beschäftigt sich die Bevölkerung allsschließlich mit dem Ackerbau nnb diese Kolonien machen einen sehr günstigen Eindruck. Die Kolonistell dieser Ortschaftell sind musterhafte Ackerbauer, sowohl durch ihre Arbeitsliebe, als dllrch ihre Fähigkeit zllr Arbeit. Die palästillischcll Koloilisteil siild ausschließlich von der Landwirthschaft in Anspruch genommen und überragen in vieler Beziehuilg die Ackerbauer der jüdischen laildlvirthschastlicheil Kolonien ill Nlißland. Die jüdischen Ackerballer in Palästilla habeil jetzt bereits eine» großen Einfluß uns die lalldlvirthschastlicheil Beschäftigungen ihrer Nachbaril — der Araber. - Die Kinder der jüdischen Kolonisten in Palästilla, die siild geborene Ackerbauer, die allßer ihren Ernährer — den Boden — nichts kennen. Zur Entivickelllng der Liebe ill ihnen zllr Natllr lind den Mühen des Ackerballes trägt viel die richtige Methode der Erziehllng und Belehrung ill ben Kolonialschulen bei. Allßer einer orgaliisirtell Beschäftigullg in den Klassen »lachen die Lehrer mit den Zögtillgell Spaziergänge ans die Felder und ill die Umgebung lllid theilen ihlleil lvährelld dieser Zeit ill ersichtlicher Weise alles Illteressailte alls der Physik, der Botallik llnd m. A. mit. Im Unterrichten der Gegeilställde werden die nenefteu Methodell imb Systeilie angewendet. Dell gelvöhnlicheil jüdischen „Jargon" fennen die Kinder bereits nicht mehr und sprecheil theillveise arabisch, aber hauptsächlich althebräisch. Diese letztere Sprache beherrschell sie ill vollem Maße und der ganze Lehrnnterricht wird jetzt in sehr leichter Weise ill dieser Sprache geführt. Ein großer Platz in der Schule wird den gylllllastischeil lilld physischeil Arbeiteil eingerälililt. Dell Zlistalld nild die Lage der palästinischen Kolonien gründlich zll erlernen, erleichterteil Herrn Sllßmailn in theililahnlsvollster Weise die rilssischeil Konsuln in Jaffa lilld Jerusalenl, die ihnl im Allgemeinen eine sehr warme Aufilahme zu Theil lverden ließen. £ Die Verbreitung der antisemitischen Agitation in Bulgarien und die Gründung antisemitischer Vereine in den größeren Städten veranlaßt zahlreiche jüdische Bewohner, das Land zll verlassen und in der Fremde eine Zuflucht zu fliehen. Die Ausrvanderullg hat, wie lnan uns schreibt, bereits begolmen Ulld richtet sich zum größtell Theil llach der Türkei, lvoselbst den Juden von der Negierllng Ansiedelltngsplätze überlassen und keine sonstigen Schwierigkeiten bereitet werden. Erst jüngst hat die Regiernllg 30 israelitischen Familien in Ahiolie-Bnrgas die Erlaubniß ertheilt, sich ill der Türkei niederzulassen. Dieselben werden llach Jsmid in Kleinasien auslvandern. Andererseits werden nächstens 86 jüdische Familieit ails Sofia und 36 Familien alls Basardschick llach der Türkei konlmen. Auch ill Rumälliell treibt der Antisenlitisums zahlreiche Jllden aus deul Lande. Ill Bukarest allein werden 6000 Juden nach dein Osterfest die Stadt verlassen und theils nach der Türkei, theils llach Amerika sich lvendell. Alls der Insel Cypern sollen bereits 10 000 Juden alls RlUllänien augelangt fein. Alls eine Beschwerde der Bewohner Hill aber soll der Gouverneur die Landnllg weiterer Judell llntersag! haben. Die Reisekosten dieser Auswanderer werden meistens von lvohkhabellden Glaubensgenossell bestritten. Jildeß klingt die ganze Mittheilnng doch etwas nllwahrscheinlich, besonders aber die Nachricht über das Einlvanderungsverbot in Cypern Der Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht an Gemeindefchnten. Berlin, 12. März. er Lehrplan für den Religionsunterricht au Gemeindeschnlen dessen Erscheinen Nur bereits im Novenlber vorigell Jahremlelden fouuteii, war, wie erinnerlich, der Repräsentantenver sammlnng zur Kellntnißllahille unterbreitet lvorden. Der Ent Wurf lvar das vorläufige Resultat der genaschten Deplltatioi zur Berathlmg der Angetegellheiten des Religionsunterrichts Das Arbeitspensmn der Konlinission lvar eia eaorlnes and eia lau fischwierigeres, als die ihr gestellten Aufgaben im Laufe der Zeit eine

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