Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-23 · Heft 12 (23.3.1900) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 12 (23.3.1900)
Date
1900-03-23
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228378--56299-3292590
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ä berufenden neuen Gemeinde-Versammlung nur solche Mitglieder an der Abstiulmung theilnehmen können. welche im Besitze der Allhalt. Staatsangehörigkeit finb, so wird allen Arideren anheimgegeben, „innerhalb der vvrgedachten Frist durch einen bei der Herzogl. Negierung, als der hierzu zuständigen Behörde, zu stellenden Antrag erforderlichenfalls das Anhaltische Staatsbürgerrecht zu eriverben." Ob ihnen dies unter beu gegenwärtigen Verhältnissen etwas nützen lvird. erscheint allerdings fraglich. .Hannover, 18. März. Die königliche Regierung hat den Antrag des Vorstandes der Shnagogengemeinde auf Anstellung des Seminardirektors Dr. Kn o ller als Hilfsrabbiner, »vorüber kürzlich berichtet wurde, znrnckg e w i ese n und dahin entschieden, daß Vorstand und Repräsentanten ihre Kompetenz überschritten hätten. Im vorliegenden Falle stehe die Entscheidung der Gemeindeversammlung zu und das Nepräsentanteukollegium sei nur das aussühreude Organ des Willens der Gemeindeversamniluug. Die Gemeindemitglieder haben bereits mit erheblicher Majorität in Form einer Adresse dem Landrabbiner Dr. Gronemann Anerkennung und Vertrauen ausgesprochen, so daß. wie man uns schreibt, die Entscheidung der Gemeindeversammlung im Sinne der Ablehnung der Anstellung eines .Hilfsrabbiners nicht zweifelhaft sein kann. KrarrkflNt a. M., 20. März. Die Achawa. Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer. Lehrerwittiven und -Waisen in Deutschland, versendet ihren 35. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1899. Der Verein hat nunmehr drei und ein halb Jahrzehnte seines gesegneten und reichen Wirkens zurückgelegt. In der Zusammensetzung des Vorstandes ist im verflossenen Jahre keine Aenderung eingetreten. — Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug am 31. Dezember 1898 368. — Gestorben sind süns, ausgetreten fünf, neu ausgenommen wurden acht Mitglieder, deren Namen im Verzeichnisse mit einem Stern versehen sind, so daß die Zahl der aktiven Mitglieder sich ans 361 beläuft. — Die Zahl der Ehrenmitglieder ist erfreulicher Weise von 1000 im vorigen Jahre jetzt auf 1100 gestiegen. An Jahresunterstützungen wurden 15562.50 Mark in 103-:!/l Theilen zu je 150 Mark an 86 Unterstützte gegen 15244 Mk. in 103 Theilen zu je 148 Mark an 84 Unterstützte im vorigen Jahre vertheilt. Zur Bestreitung außergewöhnlicher Unterstützungen wurde aus dem Reservefond der Betrag von 1654 Mark verausgabt. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Vertheilung kommenden Summe 240082.75 Mark gegen 236 041.90 Mark im vorigen Jahre. Der Vorstand der Achawa besteht ans den Herren: Konsul Adolph Baer-Goldschmidt. Vorsitzender. Frankfurt a. M., Philipp Schiff, stellvertretender Vorsitzender, Frankfurt a. M., Oberlehrer Dr. Alfred Löhren, Schriftführer, Frankfurt a. M.. Alfred Rosenthal. Kassirer. Frankfurt a. M.. Julius Goldschmidt. Gegenschreiber. Frankfurt a. M., Jacob Scherer, Reallehrer, Frankfurt a. M., Karl Marx, Lehrer in Alsheim (Rheinhessen), E. Gutkind, Lehrer in Kassel, Heinrich Frei, Lehrer in München. A. Krattkflllt a. M«, 18. März. Der 6. Jahresbericht des hiesigen Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen konstatirt die erfreulichen Fortschritte desselben, der nunmehr ein eigenes Grmldstück neben dem israelitischen Gemeindehospital erworben hat. Das bisherige Zusammenwirken mit dem Asyl in Köln wurde in freundschaftlicher Weise gelöst. Die dortige Filiale des Vereins war mit den Jahren so weit gekräftigt, daß man sich daselbst entschloß, einen eigenen Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu gründen. In Folge dessen gingen zwei von den dort beschäftigten Schwestern, darunter die Oberin des Kölner Asyls, Schwester Frida Brüll, die dem Verein seit seiner Gründung augehört hatte, zu dem Kölner Verein über, während die dritte dortige Schwester in unserem Verein verblieb und nach Frankfurt übersiedelte. Leider mußten auch diesmal wieder eine größere Zahl von Wünschen und Anträgen auswärtiger Gemeinden und Vereine um ständige Neberlassung von Schwestern oder Ausbildung von Schülerinnen ablehnend beantwortet werden. Solche Anträge kamen von Kassel. Mannheim. Bruchsal. Nürnberg und anderen Städten. Im abgelaufenen Jahre waren sechs Schülerinnen in der Ausbildung begriffen, von denen eine vor Ablauf des Lehrjahres wieder ausschied, während zwei andere nach Vollendung ihrer Lehrzeit als Schwestern in den Verein aufgenommen werden konnten. Es sind dies Martha Salinger aus Krotoschin und Ceeile Weil ans Rappolts- »veiler. Drei Schülerinnen sind gegenwärtig noch in der Ausbildung begriffen. Den theoretischen und praktischen Unterricht leitete auch in diesem Jahre neben den Hospitalärzten Dr. Adolf Deutsch. Gegenwärtig beträgt die Zahl der Schwestern 19. Im Ganzen wurden durch 13 Schwestern, von denen jedoch nur ein Theil während des ganzen Jahres in der Privatpflege beschäftigt war, 121 Pflegen ohne Unterschied der Konfession geleistet gegenüber 110 Pflegen des vergangenen Jahres. Von diesen waren 8 Pflegen außerhalb Frankfurts. 100 Pflegen geschahen gegen Bezahlung, während 21 unentgeltlich geleistet wurden. Die Pflegen wurden ansgeübt unter der Leitung von 35 verschiedenen Aerzten, sie erforderten 2299 Pflegetage und 136 Nachtwachen. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr med. S. Kirchheim, Vorsitzender; Emil Stiebel, stellvertretender Vorsitzender; Philipp Schiff, Schriftführer; Eduard Cohen, Kassirer; Julius Goldschmidt, Dr. med. A. Günzbnrg, Dr. med. W. Hirsch, Sally Löwenick. Dr. med. H. Schlesinger. — t. München, 19. März. In Bayreuth ist am Samstag der stellvertretende Schwurgerichtspräsident Max Eismann, kurz nachdem er die Schwurgevichtsfitzung eröffnet hatte, am Richtertisch vom Schlage gerührt worden und noch am gleichen Tage verstorben. Als Sohn eines praktischen Arztes in Floß geboren, trug er ursprünglich den Namen Levy. und ist der erste Jude gewesen, welcher berufsmäßig das Amt eines Gerichtsschreibers in Bayern bekleidete; er hatte nämlich seine erste Anstellung 1878 oder 1879 als königlicher Untergerichtsschreiber am damaligen Bezirksgerichte Landshut erhalten, »var später seit 1880 Amtsrichter in Neustadt a. A. und Nürnberg, und seit 1891 Landgerichtsrath in Bayreuth. 8. Nürnberg, 14. März. Selten noch hat sich ans dem israelitischen Friedhofe eine so zahlreiche Trauerversammlung zusammen' gefunden, als bei der gestrigen Beerdigung des am 11. d. so jäh im besten Mannesalter von 41 Jahren in Folge eines Schlaganfalls dahingeschiedenen Rechtsanwaltes Dr. Josef Mohr. Die Unterstandshalle vermochte die Tranerversammlung nicht zu fassen, in deren Mitte wir eine große Anzahl Mitglieder des Gerichts mit Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten von Endres an der Spitze und viele Landwehroffiziere bemerkten. Nach der ergreifenden Rede des Geistlichen (Rabbiners Ziemlich) legte Herr Regierungsrath Kolbmann mit einer tiefempfundenen Ansprache einen Kranz Namens des Philisterverbandes der akademischen Gefangsvereine nieder, Herr Justizrath Merzbacher, der einen Kranz im Aufträge des Anwaltsvereins niederlegte, hob den mit tiefem Wissen gepaarten idealen Sinn des Verstorbenen hervor, ein Vorstandsmitglied des Vereins ehemaliger Angehöriger des 5. Jnf.-Regts. erwies dem dahingeschiedenen Ehrenmitgliede des Vereins, der auch Oberleutnant der Landwehr war, durch Niederlegen eines Kranzes die letzte Ehrung. Als der Tranerzug unter den Klängen gedämpfter Trommelwirbel am Grabe angelangt und der Sarg hinabgesenkt war, wurde die Grabstätte durch unzählige Blumeuspenden, darunter ein Kranz der Gesellschaft des Offizierkorps des Bezirkskommandos, vollständig verdeckt. 15. Bruchsal, 14. März. Unserem demnächst von hier scheidenden, und nach Berlin übersiedelnden Bezirksrabbiner, Herrn Dr. Eschelbach er, wurde vergangenen Sonntag von den Religionslehrern des Bezirks eine in geschmackvoller Ausstattung verfaßte Adresse überreicht. Herr Lehrer Flehinger hier übergab dieselbe nach voraufgegangener herzlicher Ansprache an den Scheidenden, worin er mit Recht dessen hohe Verdienste um die Schule und sein warmes Interesse für alle menschenfreundlichen Bestrebungen hervorhob. Tief gerührt dankte Herr Dr. Eschelbacher für diese Ehrung und verabschiedete sich von seinen Lehrern unter den herzlichsten Segenswünschen. Bei dem sich hierauf anschließenden gemüthlichen Theil wurden verschiedene Toaste ansgebracht, die alle in dem Wunsche gipfelten, daß es dem Scheidenden und seiner Familie auch in der neuen Heiiuath wohl ergehen und daß er die gleiche Anerkennung und Liebe dort finden möge, deren er sich hier in so reichem Maße erfreuen konnte. 0. Freiburg i. B., 18. März. Der Verein zur Förderung d e s H a n d w e r k s und der t e ch n i s ch e n B e r u f s a r t e n u n t e r den Israeliten des Großherzogthums Baden (Abtheilnng Freibnrg) versendet seinen 13. Jahresbericht. Das verflossene Geschäftsjahr bewegte sich derart in den Bahnen normaler Thatigkeit. daß sich zu allgemeinen Bemerkungen kein Anlaß bietet. Der Verein hat Lehrlinge bei Tapezierern, Bäckern, Friseuren, Konditoren, Malern, Kesselschmieden, Schneidern. Buchbindern u. s. w. Die Einnahme betrug 5581,32 Mk., die Ausgaben 5366.01 Mk.. das Vermögen 13125,42 Mk. Die Iaht der Mitglieder in 21 Gemeinden 298. Der Vorstand besteht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.