Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 Kommerzieurathin Helene Jsaac, Frau Marie Krafit, Frau Natalie Latz. Frau Kommerzienräthin Julie Loewe, Frau Bertha Manheimer» Frau Henriette Meyerstein, Frau Magnus Alsleben. Frau Anna Master, Frau Sanitätsrath Dr. Mühsam. Frau Julie Reumann. Frau Hermine Natheuan. Frau Elise Reiß. Frau Rechtsanwalt Hugo Sachs, Frau Louis Sachs. Frau Sophie Strauß, Bernhard Behrens, Geheimrath Dr. Boas, Geheimrath Dr. Blumenthal, Kommerzienrath Julius Mart. Friedlaeuder, Geheimrath Dr. Marcuse. Moritz Manheimer, Paul Dahlheim. £2 Berlin, 13. März. Verein selbst ständiger Handwerker jüdischen Glaubens. Die gestrige Monatsversammlung in Draesels Saale, Neue Friedrich-Straße 35. wurde von dem 1. Vorsitzenden, Herrn Bürstenfabrikant M. Herz, eröffnet und geleitet. Nach erfolgter Begrüßung verlas der Schriftführer des Vereins. Herr Karger, das Protokoll der letzten Sitzung, gegen welches Einwendungen nicht erfolgten. Zn Punkt 1 der Tagesordnung betreffend Agitation verbunden mit energischer Propaganda für die Zwecke des bereits über 100 Mitglieder zählenden Vereins theilt der Vorsitzende mit, daß laut Vorstandsbeschlnß gegen 15 OO0 Ausrufe angesertigt, gedruckt und per Reichspost bereits im Laufe nächster Woche verschickt, denen ein Mitgliederverzeichnis; sowie eine Anmeldekarle zun» Beitritt beigefügt werde. Der Vorsitzende giebt sich der Hoffnung hin, daß diese Bemühungen und ganz bedeutenden Kosten im Interesse des Vereins und beffen Mitgliedern von großem Erfolge begleitet fein mögen. Zu Punkt 3 der Tagesordnung, Bericht über die bereits gediehenen Arbeiten des Vorstandes und der besonders dazu erwählten sechsgliedrigen Kommission zur Abänderung der Vereinsstatuten, theilt der Vorsitzende mit, daß die schwierigen sehr viel Zeit raubende Arbeit bereits soweit gediehen, daß es möglich sein wird, in einer der nächsten Vereinsversannnlungen einen Entwurf der revidirten geänderten Statuten vorzulegen. Zu erwählten ist noch eine Aenßerung des 2. Vorsitzellden Herrn Löwenstein. welcher dringend empfiehlt, jetzt, wo an Ostern viele Knaben die Schule verlassen und sich deni Handwerk zu widmet! beabsichtigen, die Schirmfabrikation zu erlernen, worin ganz besonders hier in Berlin jetzt ein kolossaler Bedarf bei materiell sehr günstigen Verhältnissen zu konstatiren ist. # Königsberg i. Pr., 9. März. Der Bericht über die Verhältnisse unserer S yuagogen gemeind e in den Jahren 1893 bis 1899 ist ein umfangreiches und ebenso lehrreiches lvie erfreuliches Aktenstück. Denn diese Periode ist sowohl durch die im Jahre 1896 erfolgte Eröffnung der nenerbauten Synagoge als auch durch die Einführung des Religionsunterrichts an mehreren städtischen Schulen und die mannigfaltigsten Aenderungen in ben Personalverhältnissen der Gemeindekollegieu und Beamten von überaus großer Wichtigkeit. Der Bericht umfaßt, entsprechelld dem Etat der Gemeinde, dessen Hauptpositionen: Synagoge. Religionsunterricht. Begräbnißwesen, Pensionen. Unterstützungen und wohlthätige Zlvecke, Schechitah und Verwaltung, und giebt ein Bild über diese Verwaltungszweige. Die jüdische Bevölkernngszahl ist von 4228 bei der Volkszählung am 1. Dezember 1890 auf 4076 bei derjenigen am 1. Dezember 1895 herabgegaugen. Von den 1245 pro 1899/1900 besteuerten Mitgliedern waren 152, also circa 12 Prozent, von einem Jahreseinkommen von über 10000 Mk.. 301, also circa 24 Prozent, von einem Einkommen voll 3000 bis 10000 Mk. und 792 oder circa 64 Prozent von einem Einkornmen von unter 3000 Mk. veranlagt. Zuerst spricht der Bericht über die Synagoge und deren Einlveihnng, sodann über die Einführung des Joölffchen Gebetbuchs in derselben. Die Zahl der außer der Gemeinde-Synagoge bestehenden privaten Bethäuser beträgt vier, und zwar die alte Synagoge. Synagogenstraße 2, Eigenthnnl der Genleinde und unseren polnischen Glaubensgenossel! miettzsweise überlassen. sodann die Bethänser Vordere Vorstadt 71a, Feuerstraße 2 und Synagogeustraße 14/15. — Die Organisation des Religionsunterrichts hat eine völlige Umgestaltung erfahren. Bereits vor mehr als 20 Jahren hatte sich die Errichtung der Parallelklassen als notbwendig herausgestellt. Inzwischen lvnchsen durch die zunehmende Ausbreitmlg der jüdischen Bevölkerung über fast alle Stadttheile und die Vertheilirng der jüdischen Schüler über eine größere Anzahl von Schulen die Schwierigkeiten für die Organisation und den Unterricht der Religionsschule. Eine Beseitigung der hervorgetretenen Mißstände schien nur durch Eillfügung des jüdischen Religionsuilterrichts in den Lehrplan der öffentlichen Schulen nlöglich. Eine solche Organisation, durch welche der jüdische Religionsunterricht der allgemeinen Schuldisziplin unterstellt wurde, mußte überdies die Bedeutung des jüdischen Religionsunterrichts in bell Augen der Schüler und deren Eltern heben. Die neue Organisation ist Ostern 1899 ins Leben getreteil. Sie unlfaßt vorläufig nur das Altstädtische und Kneiphöfische Gymnasium einschließlich der Vorschulery die städtische höhere Mädchenschule und die Heiden Haberberger Bürgerschulen im ganzen 19 Klassen mit 47 wöchentlichen Stunden- Der Lehrplan umfaßt sämmtliche Zweige des Religionsunterrichts mit Einschluß des Hebräischen. Neben dieser neuen Einrichtung des Religions^ Unterrichts bleibt die Religionsschnle nach wie vor bestehen. Seit Einführung der neuen Organisation lvird der gesammte Religionsunterricht unentgeltlich ertheilt. Für den Unterricht an den städtischen Schulen gewährt die Stadtgemeinde einen Beitrag von 2000 Mark jährlich. Die Organisation des Religionsunterrichts umfaßt gegenlvärtig insgesammt — einschließlich der Koufirmandenklasfe für Mädchen — 30 Klassen mit 84 Stunden lvöchentlich. Die Schülerzahl ist durch die Neuorganisation etwa um 100 Schüler gestiegen, sie betrug anl 1. Dezember 1899 373, und zwar 238 Kllaben und 135 Mädchen. Das Lehrerkollegium hat in der Berichtszeit wesentliche Veränderungen erlitten. Zur Zeit besteht dasselbe aus den Herren Dr. Vogelstein als Dirigent, Dr. Perles, Birnbaum, Cohn, Rosenthal und Mols. Die Schulbibliothek dient lvie bisher in erster Reihe der Versorgung der ärmeren Schüler mit den für den Religionsunterricht erforderlichen Schulbüchern. Die Gelneindebibliothek, die durch Ankäufe und Schenkungen stetig vergrößert wird, ist im Bibliothekszimmer der neuen Synagoge aufgestellt und steht den Genleindemitgliedern an jedem Sonntag Vorniittag von 10 bis 11 Uhr znr Benutzung offen. Der 1869 gegründete Bekleidungsverein für arme Zöglinge der Religionsschnle zählte im letzten Jahre 125 Mitglieder. Außer den aus dein Zuschuß der Gemeinde zu bestreitenden baaren Remunerationen an die im Synagogenchor mitwirkenden Knaben hat er im letzten Jahre 667 Mark 70 Pf. für Bekleidung und Schuhwerk verausgabt. — Was das Begräbnißwesen anbelaugt, so mußte 1899 bereits der im Jahre 1890 erworbene neu eingezäunte Theil des Begräbnißplatzes in Angriff genommen lverden. Das im Jahre 1875 von dem Verein für Krankenpflege und Beerdigung zur Erwerbung und Einrichtung des neuen Begräbnißplatzes aufgenommeneu Darlehn von 33 000 Mark hat sich durch jährliche Arnortisation von 600 Mark inzwischen auf 18 600 Mark redllzirt. Die Ausgaben für Armen - Begräbnisse erforderten wahrend der Berichtsperiode durchschnittlich den Betrag von 2500 Mark jährlich. — Die Mittheilnngen über Unterstützungen und wohlthätige Zwecke sind ebenso wichtig wie die über Anleihen und Legate der Genleinde, über welch letztere wir erst vor Kurzen! eine statistische Zusammenstellung gebracht haben. Es folgte ein Bericht über die Schechitah und dann über die Verwaltung, die gegenwärtig aus folgenden Herren besteht: Die derzeitigen Mitglieder der Repraseutanten- Versammlung sind: Max Arendt. Rechtsanwalt Arnheim, Dr. Eliassow, Dr. Friedläuder, Moritz Grodsensky. Naumann Laudsberg, Apotheker Lasker, Hartwig Lazar, Konsul Litten, Adolph Löwenstein, Alexander Magnus, Max Minkowski, Professor Dr. Saalschüh, Benjamin Schreiber. Joseph Schwarz, Arnold Sonlmerfeld. Die derzeitigen Vorstandsmitglieder sind: Kommerzienrath Cohn, Rechtsanwalt Holz, Kommissionsrath Laser, Zimmermeister Lewensohn, Stadtrath Magnus. Es folgen Nekrologe auf Dr. Bamberger und Professor Samnel und schließlich eine Auseinandersetzung mit den orthodoxen Separatisten, die von Neuem den Beweis giebt, wie unberechtigt der Austritt dieser aus der Gemeinde gewesen ist. Der Bericht über Einnahmen und Ausgaben beschließt die Schrift, die nicht nur für unsere Gemeindemitglieder von Interesse sein dürste. Dessau, 16. März. Unsere Gemeinde hat in den letzten Monaten ein neues Statut ausgearbeitet und der Regierung zur Bestätigung vorgelegt. Wie nunuiehr der Vorstand den Mitgliedern zur Kenutniß bringt, sind die Beschlüsse der Gemeinde-Versammlung voin 3. Dezeniber 1899, betreffend: a) Satzungen zu neuen Statuten, b) Aufnahme eines Darlehns, von der herzoglichen Negierung nicht genehn!igt worden aus dem Grunde, weil die Beschlußfassung, dein 8 2 des Gemeinde-Statuts von! 3. März 1876 entgegen, von Mitgliedern, lvelche die Anhalt. Staatsangehörigkeit nicht besitzen, vollzogen worden ist. Der Vorstand ist daher in die Lage versetzt, vorstehende Punkte nochmals in der statutelimäßig vorgeschriebenen Weise zur Abstimmung zu bringen. Da in einer nach Ablauf von circa 3 Monaten einzn-