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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-23 · Heft 12 (23.3.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 12 (23.3.1900)
Date
1900-03-23
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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4. Jahrgang. Nr. 12. Der Gemeindebote. Berlin, 23. März 1900. Weikage zur „Akkgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 21. März. Der emer. Prediger Dr. Phil. Moritz Stern ist nach kurzer schwerer Krankheit gestern im 78. Lebensjahre hier gestorben. Der Heimgegangene war lange Jahre Prediger und Religionslehrer in Bützow i. M. und anderen Gemeinden. Unser Blatt hat in den letzten Jahren wiederholt treffliche Arbeiten aus seiner Feder gebracht. Auch sonst hat sich Stern vielfach literarisch bethätigt. 1860 erschien von ihm ein sehr gutes Schulbuch: „Die Spruche Salomonis. methodisch für den Schulgebrauch bearbeitet" (Brilon 1860). Alte, die den gelehrten und vortrefflichen Mann kannten, werden sein Hinscheiden lebhaft beklagen. Das Begräbniß findet an, Freitag. 23. März, Vormittags 11 Uhr, auf den, jüdischen Friedhof in Weiszensee statt. Friede seinem Andenken! 8. Berlin, 18. März. Die Generalversammlung des Vereins „Israelitisches Lehrerinnenheim", welche heute im Logenhause, Wilhelmstraße. stattfand, wurde vom Vorsitzenden Dr. Adler mit dem Rechenschaftsbericht eröffnet. Nach einigen herzlichen Dankesworten an Frl. Münchhausen, der bekanntlich die Initiative zur Begründung des Vereins gebührt, und an Herrn Nosenstiel, durch dessen thatkräftige Hilfe die Ausführung der Idee gelang, berichtete der Vorsitzende, daß der Verein nach Jahresfrist bereits auf ein sehr günstiges Resultat blicken könne. Das Heim sei bereits in, November eröffnet worden mit 6 Insassen, von denen nur eine einzige aus Berlin stannne, während die übrigen sich aus verschiedenen Theilen Deutschlands rekrutiren. Erfreulicher Weise hätten sich auch schon mehrere Ortsgruppen gebildet, die sür die Zwecke des Vereins thätig sein wollen, so in Stettin Frau Rabbiner Dr. Vogelstein, in Hannover Frau Baurath Oppler. Frau Senator Fischer und Pensionats- Vorsteherin Fräulein Cor, st an ce Levy, in Königsberg i. Pr. Rabbiner Dr. Vogel stein und in Breslau Frau Hedwig Man asse und Herr Professor Badt. In Hannover seien bereits reichliche Geldnrittel zur Förderung der Zwecke des Vereins ansgebracht worden. Die Rechnungslegung, für rvelche den, Schatzmeister Herrn Netter nach stattgehabter Prüfung Decharge ertheilt wurde, weist einen Jahresabschluß von ca. 72 632 Mark abzüglich der Ausgaben auf. Der Verein zählt jetzt außer 1 Stifter 89 immerwährende, 429 außerordentliche, 101 ordentliche Mitglieder; hierzu kommen 287 einmalige Zuwendungen und die Zinsen des Kapitalvermögens in, Betrage von 2870 Mark. Die revidirten Satzungen wurden alsdann dnrchberathen und nach einigen redaktionellen Aeudernngen dem Vorstände zur Genehmigung überwiesen. An Stelle des ans Berlin scheidenden bisherigen Vorsitzenden wurde einstimmig Sanitätsrath Dr. Wiesenthal gewählt, in de«, Vorstand wurde ferner an Stelle von Fräulein Werner die städtische Lehrerin Fräulein Baginsky und Oberlehrer Dr. Schäfer depntirt; in das Kuratoriun, wurden neu gewählt Frau Heu schel ans Steglitz, die sich un, die Inspektion der Wirtschaftsführung im Hein, sehr verdient gemacht hat. ferner Frau Baurath Oppler- Hannover, Frau Senator Fischer-Hannover und Frau Marie L e v y - Stettin. Sanitätsrath Dr. Wiesenthal hielt alsdann eine Ansprache an den aus Berlin scheidenden Dr. Adler, in der er die hervorragenden Verdienste desselben um den Verein gebührend hervorhob. In dankbarer Anerkennung dieser Leistungen hat der Verein Herrn Dr. Adler zu seinen, Ehrenmitglied ernannt, ihm eine Adresse überreichen lassen mit einer Photographie seines jetzigen Wohnhauses, ans dessen Grund und Boden einst das königliche Seminar für Stadtschulen stand, und ihn, ferner eine sehr schön ansgeführte Büste Diester,vegs als Geschenk verehrt. Nach einer kurzen Ansprache des Fräulein Münchhausen dankte Rektor Dr. Adler in tiesbeivegten Worten sür die großen ihm zu Theil gewordenen Ehrungen und gab die Versicherung ab, dem Verein auch iu dein neuen Wirkungskreise sein reges Interesse zu erhalten. 22 Berlin, im März. Der Bericht über die bisherige Thätigkeit deS Komitees für das I ü d i sch e G e r, esn u gs hei m wird jetzt an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde versandt. Die bei Begründung des Komitees im Jahre 1898 gehegte Hoffnung, an Stelle der zunächst provisorischen Einrichtung unsere unbemittelten, der Erholung dringend bedürftigen Glaubensgenossen in einer selbständigen, eigens für diese Zwecke eingerichteten Anstalt verpflege,, zu können, hat durch das von dem Louis Sächsischen Ehepaar in Lehnitz bei Oranienburg errichtete Jüdische Genesungshein, über Erwarten schnelle Erfüllung gefunden. Aus der Grundlage dieser Stiftung wurde der Verein „Jüdisches Genesungsheim Berlin" begründet, der, wenn ihn, die Mittel zur Verfügung stehen, bereits in, kommenden Sommer in der Lage sein wird. 250—300 unbemittelte Personen durch einen längeren Aufenthalt in schöner Waldluft und in gesunden Wohnräumen. durch ärztliche Fürsorge und geeignete Pflege zur Wiedererlangung der Gesundheit und damit zur Erwerbsfähigkeit zu verhelfen. Bisher hatte der Verein 105, bezw. 134 weibliche Personen während der Monate April bis Oktober verpflegt. Die Aufnahme von Männern ließ sich „och nicht durchführen. Der Vorstand besteht aus den Herren und Damen, Martin Simon, Vorsitzender. Lonis Sachs, stellvertretender Vorsitzender. Siegfried Brünn, Dr. L. Feilchenfeld. Frau Dr. Frankl, Frau Franziska Ginsberg. Hugo Heilmann, Sanitätsrath Dr. Lazarus. Sauitätsrath Dr. Maretzki, M. Metzeuberg, Frau Rosa Meher. Frau Sanitätsrath Mühsam. Emil Pincus, Frau Hermine Nathenau, Frau Rosa Sachs, Frau Dr. Wiesenthal, H. Witkowski. 22 Berlin, 18. März. Der Kind er-Sparverein hat soeben seinen zweiten Bericht über die Jahre 1898 1899 veröffentlicht. Der ethische Gedanke, der die Grundlage bildet, „Glückliche Kinder, die unter sorgender Pflege liebender Eltern anfwachsen zu mahnen, derer zu gedenken, die elternlos in Roth und Elend leben", hat wiederum reiche Früchte getragen. Es Ware,, in den beiden letzten Jahren ungefähr 1400 Sparkästchen ausgegeben; und fand eil,e Ausschüttung in, April 1898, die den Betrag von 9250,40 Mark, eine zweite in, April 1899, die 8834,86 Mark ergab, statt. Außer diesen Eingängen wurde der eiserne Fond durch gütige Geschenke ver„,ehrt und erreichte an, Schluß des Jahres die Höhe von 3250 Mark. Auch in den beiden letzten Jahren ist das Prinzip, alle durch die Sparkästchen eingesam,netten Beträge ausschließlich für Zwecke der Wohlthätigkeit zu verwenden, streng aufrecht erhalten worden und sind die Unkosten durch Jahresbeiträge der Mitglieder des Komitees gedeckt worden. Die Vertheilnng der eingesammelten Beträge erfolgte durch den engeren Ausschuß, welcher die eingegangenen Gesuche durch persönliche Kenntnißnahme prüfte. Vor Allen, wurde die Fürsorge schwachen und kranken Kindern sowie Waisen und bedürftigen, kinderreichen Faunlien, die ans besonderen Gründen von anderen Vereinen nicht berücksichtigt werden konnten, zugewendet. 1898 gingen 350 Gesuche ein. von denen 196, 1899 415 Gesuche, von denen 233 Berücksichtigung fanden. Es erhielten: a) Vereine, die sich ganz besonders mit der Pflege armer Kinder beschäftigen, in, Jahre 1898 1400 Mark, im Jahre 1899 2000 Mark. b) sonstige Bedürftige, durch die Da,neu des Vereins. Beträge von 20 bis 100 Mark, wobei wohl zu beinerkeu ist, daß kinderreiche Familien während der Dauer eines Jahres zwei-, ,vohl auch dreimal Unterstützungen erhielten; es wurden ausgegeben im Jahre 1898 7090 Mark im Jahre 1899 7390 Mark. Es sind demnach im Ganzen wahrend der Dauer der beiden letzten Jahre durch den Verein au Wohlthätigkeit ausgezahlt worden 17 880 Mark. So ist durch das Wirken dieses Vereins einer Reihe wahrhaft bedürftiger Kinder Unterstützung geworden, manch' drückende Sorge ist gemindert, manche Thräue getrocknet worden. Durch den Tod des Schriftsührerers Herrn Komm.-Rath Jsaac, und des Schatzmeisters Herrn A. Ruß hat der Verein große Verluste erlitten. Der Vorstand und die Ehrendamen des Vereins sind gegen- ,oärtig: Frau Caecilie Friedländer, Vorsitzende, Frau Bernhard Behrens, Frau Geheimrath Dr. Boas, Frau Nannh Boehin, Frau Lydia Fernbach,. Frau Dr. A. Ginsberg, Frau Caecilie Jacobi, Frau

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