Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- Seite 136 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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136 eingerichtet werden, in denen die beiden gencnulten Unterrichtsgegenstände erledigt werden sollen. Die bereits vorhandenen Fortbildungsknrse decken sich nicht mit den Forderungen der Vorlage, da sie nur snr Vorgeschrittene eingerichtet feien und nicht auch für Anfänger, wie es die Vorlage wünsche. Professor Blaschke theilt mit, daß die Knrse des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratnr hauptsächlich von Damen besucht würden, welche die Qualifikation für den Religionsunterricht erwerben wollen. Der Versammlung werde demnächst ein Antrag unterbreitet werden, wonach solche Kurse von Seiten der Gemeinde eingerichtet werden sollen. Es sei sehr die Frage, ob Knrse snr Geschichte und Ethik ans dem Lehrplan der Neligionsschrllen ausgebant lverden können. Es sei ein großer Mangel, das; die Schüler die Religionsschnlen nicht bis zur ersten Klasse besuchen, und es frage sich, ob die Kurse obligatorisch gemacht lverden können. Herr Leonhard Sachs hält die in der Vorlage gegebene Anregung für sehr dankenswerth und zweifelt llicht daran, daß dei Knrse Erfolg haben werden. sobald sie von der Gemeinde eingerichtet seien. Die Knrse könnten nicht obligatorisch fein. Die Kommission solle nur berathen, wie weit der Unterricht gehen solle. Die Vorlage wird darauf einstimmig angenommen, die vorgeschlagenen Mitglieder gewühlt. — Zur Berathung des Projektes für den N e n bei u frei’ dritten Altersverso r g u n g s a n st a l t lvird ebenfalls die Einsetzung eitler gemischten Deputatioll verlangt. Die beschleunigte Ausführung des Neubaues ist nothwendig geworden, da die bisherigen Anstalten überfüllt und viele Meldungen vorgemerkt sind. Der Ausschuß hat sich mit dem Vorschläge des Vorstandes eillverstanden erklärt, zur Vorberathung in die gemischte Deputation zwei Aelteste, vier Repräsentanten, zwei Mitglieder der Baukommission und drei Mitglieder des Vorstandes der Altersversorgnngsalrstalt zu wählen. In der Diskussion bittet Rechtsanwalt Dr. Silnon, gleichzeitig die Rechtsverhältnisse zwischeil der Altersversorgnngsanstalt und der Gemeillde bezüglich der neuen Anstalt zu regeln. Der Neubau gehöre der Altersversorgnngsanstalt' während die Gemeinde Eigenthümerin des Grund und Bodens sei. Mit Rücksicht anf die Rückgabepflicht müßten diese Verhältnisse zwischen den beiden juristischen Persollen ordnungsmäßig dllrch Vertrag klar gestellt werden. Die Vorlage wird genehmigt; aus der Zahl der Repräsentanten lverden die Herren Kommerzienrath Friedländer, Geheimrath Senator, Professor Baginskh und Rudolf Masse in die genlischte Kommission depntirt. — Der Gemeinde Plathe in Pommern lvicd zur Errichtung einer Friedhofsmauer eine Beihilfe von 100 Mark gewährt. Die Herren Laildgerichtsrath Löwe, Dr. Minden, Dr. Simon uild Manheimer baten, die Vorlage alls prinzipiellen Gründen abznlehnen und die Petenten an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebnnd zu verweisen, während die Herren Lölvenberg, Leonhard Sachs und der Referent Mallrermeister F r ä u t e t für die Bewilligung sprachen. Ein Antrag S i m o u , behnfs Einziehung von Informationen die Entscheidung ans 3 Monate auszusetzen, vermochte nur vier Stimmen auf sich zu vereinigen. — Zur rituellen Speisung der Gefallgenen am Pessachfeste in Brandenburg a. H. lvird ein Beitrag von 70 Mark, für die Gefangenen in Insterburg 40 Mark bewilligt. — Für die Fortsetzung der Umwährnngsmaner des Friedhofs in Weißensee werden 20400 Mark und für die durch die Neneintheilnilg von Terrains nothwendig gelvordene Verlegung von Wasserrohren ebendaselbst 436 Mark debattelos genehmigt. — Das K n r h o spital in Kolberg bittet um eille Erhöhllng des jahrlicheil Beitrages ans 1000 Mark. Nach der vollzogenell Erweiterung des Hospitals können nunmehr 400 Personen dort aufgenommen werden. Die größte Zahl der Pfleglinge stammt regelmäßig aus Berlin. Der Referent bittet, in Voraussicht, daß der Gellleindevorstand doch llicht die verlangte Srnlllne belvilligell werde, 800 Mk. zll genehlnigell. Vorsteher Dr. Lachmailli führt alls, daß der Vorstalld nicht über 500 Mk. hinansgehen wolle. Ter Gemeillde als solcher lvürden gar keine Vorrechte voiil Knrhospital eingeräurnt. Die Frage lvürde sich ailders stellen, wenn die Bertiller Gemeillde die Berechtigilllg hätte, eine Allzahl voll Bettell für ihre Pflegliilge in Ailsprllch zu l'.ehnleil. Alißerdenl erhalte das Knrhospital eine jährliche Ullterstützllllg aus der Ephraimstistlmg, die vielleicht eine Erhöhllng eintreten lassen »verde. Nachdem liocf) die Herren Geheimrath Senator und Lölvenberg mit warlllen Wortell für die Erhöhllng eillgetreten sind, wird dieselbe mit großer Majorität genehmigt. — Für die Versicherung aller GemeilldegrlNldstücke gegeil Haftpflicht auf 10 Jahre lverden voll! Vorstand 510000 Mk. gefordert itnb voll der Versammlung genehmigt. Damit schließt die öffentliche Sitzung, es folgt eine gehei m e. Aus derselbell fönnen lvir nlittheilell, daß an Stelle des Rektors Dr. Adler, der bekamltlich an das Phitallihropin in Frankflirt a. M. als Direktor berlisen ist. zum Leiter der hiesigen Gemeinde- Mädchenschnle Herr Seminardirektor Dr. Glltlnailn ans Münster gelvählt lvordeil ist. Gin Heim für schwachsinnige indische Kinder. Von S. Seelig, Lehrer in Nordhausen. fern Verfasser des Artikels in Nr. 3 gebührt Dank für die gegebelle Anregung. Für die anormal beanlagten Kinder jüdischen Glaubens muß in Zukunft unbedingt mehr gesorgt werden wie bisher. Diese unglücklichen Killder sind einzutheilen in bildnngsunfähige Kinder und in solche, die durch geeigneteil Unterricht rrnd zweckmäßige Erziehung eille für das öffentliche Leben ausreichende Ausbildung erlangen können. Die ersteren wollen wir „Idioten", die ketzeren „Schwachsinnige" nennen. Nach einer im Jahre 1898 veröffentkichell statistischen Zusamlnenstellullg waren am 1. Januar 1898 in den danlals in Deutschland bestehenden 59 Jdiotenanstalten 162 mosaische Zöglinge. Diese jüdischen Idioten vertheilten sich auf 28 Allstalten. Es giebt also gellügend jüdische Idioten, um für dieselben eine oder zlvei besondere Anstalten -zu gründell. Es dürfte sich empfehlen, eine Anstalt für unbemittelte und eine für bemittelte jüdische Idioten einzurichten. Erstere müßte hauptsächlich durch Stiftungell, Geschellke re. unterhaltell lverden. Viel wichtiger als die Pflege idiotischer Killder ist die Erziehullg und Ausbildullg voll schwachsinnigen Kindern. Die meisten jüdischen schlvachsinnigen Killder besllchen zur Zeit öffentliche Schulell (jüdische llnd Simnltanschulen), obgleich es ein Ding der Unmöglichkeit ist, ein schwachsinniges Killd mit normal beanlagten Kindern c^enieinfam ju fördern. Jn den ill den meisteil größeren delltschen Städten bestehenden sogenaniltell Hilfsschillen für schlvachsinnige Kinder findet mall aneh einzelne jüdische Kinder. Die die Hilfsstnuden besuchenden Killder erhalten täglich 4 Stlmden eillen ihren geringen Fähigkeitell angepaßten Unterricht, in der übrigen schlllsreien Zeit sind sie aber größtentheils sich selbst überlassen. Ein schwachsüllliges Kind kanll aber rlur dann die bestillögliche Ausbildnllg und Erziehullg erhalten, inemi es sich den ganzen Tag unter geeigneter pädagogischer Leitung befilldet. In keiner Hilfsj schule ist auch für die religiöse Erziehung der jüdischen Schüler gesorgt. Die Hilfsschulen in ihrer jetzigell Organisation ftnb darlllll nur ein Nothbehelf in der Fürsorge für jüdische schwachsillllige Killder. Für die schlvachsinnigen Killder der reichen jüdischen Familien luerben oft Hallslehrer oder Lehrerinnen engagirt. Erfahrungsgemäß führt aber diese private Erziehung sehr selten zn vefriedigendell Resultaten. Die Grüllde dafür sind folgerlde: Jede Einzelerziehllng ist einseitig unb unzlveckmäßig. Es eigliet sich auch nicht der erste beste Lehrer zur Erziehung schlvachsinniger Killder. Bielell Lehrern und Lehrerinneil, die nlit normal bealllagten Kinderil die glänzendsten Resultate erzieleri, ist es llnulögtich, schwachsiilnigell Kindern die nothdürftigstell Kenntnisse beizubrillgen. lim solchen Kindern einen