Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1900)
- Date
- 1900-03-16
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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129 und antwortete einstimmig, sie halte sich an ihre Statuten, habe nach diesen gewählt und weise die Frage des Ministers als eine ungehörige zurück, ohne sie zu beantworten. Diese Grobheit steckte Eichhorn ein und ließ nun das Bestätigungsgesuch an den König abgehen. Dieser schien einige Unzufriedenheit zu empfinden, als er inne ward, daß er gewährte, was Friedrich der Große versagt hatte, nämlich die Zulassung eines Juden tu die Akademie." Der nächste jüdische Akademiker war, so viel ich weiß, Professor Nathanael Pringsheim, beffeu Untersuchungen über die Wirkung des Lichts auf die Pflanzen und die Bedeutung der grünen Farbe auf die Vegetation ihn» 1856 die Pforten der Akademie erschlossen. Gegenwärtig ist Professor Hermann Munk, der bekannte Physiologe, dessen Untersuchungen über die Funktionen der Großhirnrinde ihm einen Weltruf verschafft haben, und der trotzdem nicht zum Nachfolger du Boys-Reymonds ernannt worden, seit 1880 der einzige Jude als ordentliches Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften. SS Unter den auswärtigen und korrespondirenden Mitgliedern befinden sich wahrscheinlich mehrere Juden. Ich behalte mir vor, sobald das Werk von Harnack erschienen, einen Nachtrag zu diesen mehr als flüchtigen historischen Notizen, die eigentlich mehr von Nichtmitgliedern als von Mitgliedern der Akademie sprechen, zu liefern. Und da ich gerade von Nichtmitgliedern rede, so will ich nur zum Schlüsse noch bemerken, daß auch H. Steinthal, trotzdem er mehr als 50 Jahre hier lebte, nicht Mitglied der Berliner Akademie war, sondern der zu — Upsala. Nichtsdestoweniger soll bei dieser Gelegenheit freudig anerkannt werden, daß die Akademie ihre hohe Aufgabe, einzig und allein der Wissenschaft zu dienen, in den zweihundert Jahren ihres Bestehens ruhmreich erfüllt hat. Demgemäß konnte auch die Wissenschaft, die mit unserem Jnteressenkreis so innig verbunden ist, nicht ganz leer ausgehen. Hier gab es kein religiöses Vorurtheil. Die Akademie hat die Schriften jüdischer Gelehrter, wie A. Berliner und anderer, unterstützt, und in ihren öffentlichen Sitzungen sind viele wichtige und werthvolle Arbeiten vorgelesen worden, die die Wissenschaft des Judenthums gefördert haben. So dürfen wir denn, unbeirrt von den Erinnerungen der Vergangenheit, dieser hohen Pflegestätte der Wissenschaft zu ihren» Jubelfeste freudig den alten akademischer: Spruch zurufen: Vivat, crescat, floreat! G. K. Daniel Sanders. Vor: Bert h a T r e u m a n n - K o n e r. IV. urch feine Studien auf dem Gebiet der neugriechischen Volkspoesie wurde Sanders auch zur orientalischen Dichtnng geführt. Hieran anknüpfelld schreibt er: „Was war da natürlicher, als daß ich mein altes Lieblingslied, das hohe Lied^des königlichen Sängers wieder vornahm." Von seiner herrlichen Nachdichtung des „Hohen Liedes Salomonis" hat Daniel Sanders als Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Jndenthums"^ mit einigen anderen rnetrischen Uebersetzmlgen aus Bibel und Talmud einen kleilren Abschnitt aus dem Gesänge „Stelldichein" beigegeben. Der dem Werke vorgedruckte Brief an Dr. H. B. Oppenheim, welchem Jugendfreunde das Buch gewidmet ist, ellthält eine Begründung der darin getroffenen Anordnung, wie der Auffassungsart, während für die den einzelnen Gesängen beigegebenen Erläuterungen die *Form von Briefen an eine Dame gewählt ist. Auch selbstschöpferisch hat Sanders sich als Dichter bewährt, wie alls den: Bande metrischer Uebersehuugen mtb Original- Verse: „Aus den besten Lebeusstunden. Eigenes und Ungeeignetes (1878)" ersichtlich ist. Vornehmlich liebte er es, Dem, was ihm das Herz bewegte, in gebundener Sprache Ausdruck zu geben, und so sind viele seiner Gedichte Gelegenheitspoesie in: besten Sinne des Wortes. Als satirischer Dichter ist er nicht häufig ausgetreten, obwohl es ihm an den Fähigkeiten gerade für diese so bedeutsame Gattung der Poesie wahrlich nicht fehlte. „Hans Sachs, der Jüngere" nannte er sich als Verfasser eines längeren Gedichts, das er 1881 in Broschürenform unter dem Titel „Die beiden Apostel" herausgab, und welches, als gegen den Antisemitismus gerichtet, besondere Beachtung verdient. Einige Verse genügen, um die Tendenz und den Charakter des Ganzen darzuthun, das hiermit nochmals in Erinnerung zu bringen gestattet sei: „Sankt Peter sitzt au der Hiuunelspforte, Er kann gemächlich ruhen dorten. Zn ihm: hat er nichts eben groß. Die Schlüssel raste»: in seinem Schvoß; Da ist er eingenickt am Thor. Mit einem Mat' schrickt er empor, Ein wildes Lärmen dringt heran, Er weiß nicht, was es bedeuten kann. Doch, bald ermuntert an der Pforte Vernimmt er deutlich diese Worte: „O Gott, von» Hinnnel sieh darein! Wir bedrücktes Christenhänfelein Können uns erwehren der Tenselein Nicht mehr von den verfluchten Semiten. Wir müffeii ihnen das Land verbieten!" Sankt Peter, lvie er das gehört. Blickt da zu Gott auf ganz verstört Und bittet, er möge doch der armen Bedrängten Christel» sich erbarmen. Und wie die Bitte hört Sankt Paul, Ist er sich anzuschlieszen »licht faul. Weil beide Apostel, »vie ment weiß. Stets für die Christen erglühen heiß. Und lächelnd spricht Gott zu ihnen: „Geht Hinunter Beide. dan»it Ihr seht, Wie's um die bedrückten Christel» steht llnd »velche fürchterliche Menge Das ar»ne Häuflein bringt in's Gedränge." In solche naiv humoristischen Versen wird dann weiter berichtet, »vas Alles die Apostel auf ihrer Wanderung erleben, bis sie schließlich unter deutsche Antisemiten gerathen, weger» ihrer jüdischen Abstammilng die in dieser Gesellschaft übliche Behandlung erfahren. Dann heißt es zum Schluß: Als drauf die Apostel so belehrt, Sind in den Himlnel zurückgekehrt. Fragt lächelnd Gott: „Nun, sagt Bescheid. y Das hohe Lied Salomonis. Vor» Dr. Da»»iel Sanders lLeipzig) 1866. Erste Seite des Eillleitullgsbriefes. U Die beiden Apostel. Ein Schwank von Hans Sachs dem Jüngeren. Zürich (1881).