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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-03-09 · Heft 10 (9.3.1900) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 10 (9.3.1900)
Date
1900-03-09
Page
Seite 118 (sequence 12)
Language
German
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118 schreibet, doch nicht als einen gewöhnlichen Konpilator darf man ihn erachten.. Zu einem Forscher im wahren Sinne des Wortes stempelte ihn nicht nur sein tiefes Wissen, sondern auch seine enge Fühlung mit dem lebendigen Geist der Sprache, deren Werden uub Sein er anher int Hort der Büchereien in unserer ausgebreitetett Tageslitteratur stndirt hat. Sehr treffetld fiub die folgenden Sähe aus einer der vielen lobenden Besprechungen, tvelche ihn: zu seittem 70. Geburtstag gewidtnet wurdet! R) „Die Verdienste dieses Gelehrten um die deutsche Sprache, sein Einfluß ans das gesantmte detltsche Sprachgebiet sind unberechenbar. Die Resultate seines staunenerregenden Fleißes, feiner Forschungen mit) Untersuchnngen sind uns dermaßen schon in Fleisch und Blut übergegaugen, daß wir uns oftmals nicht Rechenschaft abzulegen vermögen, lvoher ttns dieses utld jenes Wissen bezüglich der deutschen Sprache gekonntten. Uub dieser Einfluß erstreckt sich tticht mti' ans das Volk int Allgemeinen, sondern in vielleicht noch viel höherent, aber nicht zngestandenettt Maße auf die Fachgelehrten; es ist das eben eine Einwirkung, der sich Niemand entziehen kaittt. Daß einent Gelehrten von so toeitreichender Bedeutung auch Atlgriffe und Feindseligkeiten nicht erspart bleiben, ist in Anbetracht der ntenschtichen Natur ganz selbstverständlich und, wie man füglich hittznfügen tattn, in unserer so überaus ladelsüchtigett Zeit, tvo auf jedettt Gebiet widerstreitende Richtttngen einander kampfbereit gegertüberstehen. Wurde doch ihttt, dessen Verdienste um die theure Mnttersprache mau iu begeisterten Worten gepriesen hat, der von Patrtoten als treuer Hüter und Mehrer des deutschen Sprachschatzes gefeiert wordett, itt einem ihm sehr tvichtigen Puttkt die Zustimntung versagt uub ihm hierdurch eine herbe Enttäuschung bereitet, die eineu selbstlosen, mit wettiger Hingebung arbeitettdeu Forscher vielleicht verbittert und muthlos gemacht j hätte. Es sollte ihut tticht vergönnt fein, mit seiner durchweg aus der natürlichen Etttwickelmtg der Sprache gefolgerten Orthographie durchzudringen. Schon gleichzeitig mit seinen umfangreichen Arbeiten ztt dent großem Wörterbuche beschäf- | ttgte ihn die erste, utld nach Beendigung desselben die ztveite Auflage seittes „Katechismus der deutschen Orthographie". Nicht ohne Wehntuth tvird ntan heute itt dettt Vorwort zur 2. Atrslage von 1860 lesen: „Ich habe das fleine Buch mit großer Sorgsalt uttd Jdiebe behandelt, weit ich es mit als einen, wenn auch geringfügigen Stein zum Bau deutscher Einheit betrachte."- Und was er in detn folgettden Absatz zum Schluß des Vvrtvortes sagt, ist so charakteristisch für den Mattu tvie für seit: Streben, daß ich es hier anzuführen mir gestatte: „Daß die vortreffliche Ausgabe von Heinrich Heines sänunllichett Werten (Hamburg 1861 — 1868, Bd. 1—20) nach der von mir in meinem Wörterbuch und itt diesem Katechistnus sestgestellten und begründeten Orthographie gedruckt worden ist, hat mich tnit ittniger Freude erfüllt, utld zwar ist dieselbe frei von aller Selbstsucht. Dettn es handelt sich bei meinen Arbeiten ans dettt Gebiet der deutschett Sprache durchaus nicht tun ntein Ich. Gattz frei tveiß ich tttich vott dettt Dünkel, irgendwie gesetzgeberisch ttach meinetu Ermessen die Sprache modeln ztt tvollen. Mein ganzes Strebett gehl viel- 0 HertitanttKoppel. Eittttonutten demFettilleton der „Aorddeutschen AUgenteinen Zeitttttg". i mehr dahitt, ein möglichst treues Spiegelbild der Sprache ztt geben, wie sie ihren: innern Triebe gemäß geworden ist, uttd die Richtnttg des Weges anzttdenlett, auf toelchetn sie in ihrer Weiterentwickelung begriffen ist. Itt diesem Sinne ist and: dies Büchlein abgefaßt, ttttb so darf ich die Hoffnutlg ans sprechen, daß es, sich inttner weiter verbreitend mtd in tmmei mehr Hände, namentlich attch von Lehrern tttld Schülern, ge langettd, die Entwickelung nttserer Sprache fördern uub ztn Feststelluttg des in mancher Beziehung ttoch schwankenden Gebrauchs beitragen werde." Welcher Gegensatz zwischett der ehrfurchtsvollen Stellung nähme, die Sanders der detttschett Sprache gegenüber in seiner Be grüttduttg itt der von ihnt als richtig erkanttten Orthographi bekundet, nttd detn Puttkanterff'chen Erlaß vom 21. Jauua. 1880, der eilte svgenanttte vereinfachte gkechtschreibung bet L e h rer tt und Schülertt, auf die eben Sanders feine Hoffnum namentlich stützte, gesetzlich vvrgeschrieben hat. Daß die vott Staatswegen eingeführte Orthographie an ZNäugelu und Fehlern leidet, die sie ttoch heute für eiltet großett Theil der gebildetett Deutschen, vornehmlich der Schrift stellerwelt. tmannehtttbar tnacht, ist um so bedatterlicher, nU anstatt der, durch die vott Pnttkauter's Vorgättger Falk 1876 ein berufene orthographische Konferenz versttchten Einigitng etm Bertoirrung eingetreten ist, tvelche beu Begriff Rechtschreibung saß illusorisch macht. Eilt klassischer Zeuge hierfür, tvie für Daniel Sanders Autorität attch auf diesem Gebiet, ist Julim Rodenberg, der in seinem Gedicht „Sanders Wörterbuchs) der orthographischen Wirrwarr tnit den folgendett Versen ergötzlich schildert: Du bist mir oft ein Trost gewesen. Ein Freund uttd Helfer immer noch, Wenn ich bei itt Maitnskrtpte-Leseii Den Wald vor Bännien nicht utehr sah. Detut Feder hebt sich gegen Feber — Was ist noch gut ttnd tvas ist schlecht^ Rach eigenem Rezept schreibt Jeder, Utld Jeder hat anr Ettde Recht. So viele Köpfe, so viele Sinne; Was Dieser klein, schreibt Jener groß — Und tvo ich ende, tvo beginne, Den Ztveifel tverd' ich tticht mehr los. Dasselbe Wort braucht Jeder anders. Uttd Jedermann ist Herr int Hans — Ja. wenn ich Dich nicht hätte, Sanders, Ich wüßte tticht ntehr ein noch ans. Fand Sanders im Allgemeinen tvettig Anerkennnng für seine orthographischen Arbeitet:, so ward ihm desto utehr fnt feine Berdeutschttttgsthätigkeit der Dank seines Baterlaudezu theil. Hierin wurde er auch offiziell gewürdigt, obenat (taub in dieser Beziehung der Generalpostmeister Dr. Heiuricl vott Stephau, der sich für die von ihttt verfügte Fremdwörter beseitignug vott Professor Sattders berathet: ließ. Jutviefert' die einzelnen Ausdrücke, tvelche in beu Verkehr eingesührt sind auf das Konto des Letzteren zu setzen sind, dürfte schwer sest znstellen sein. Nur so viel ist tttts bekattut, daß Sattders sic! nie auf den radikalen Standpunkt eitler Ausmerzung alle: Fremdwörter gestellt hat. Es hätte dies auch seiner überall attsgesprochenet: Abneigung gegen gewaltsame Eingriffe in bot Sprachgebrauch nicht entsprochen. I Gedichtet zu Daniel Sanders 70. Geburtstag.

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