Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- Seite 113 (sequence 7)
- Language
- German
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113 Vorarbeiten. Er halte den Wunsch, in einem engeren Ausschüsse allein die Frage zn prüfen, für unmöglich und schädlich. Iustizrath A polaut erklärt aus der historischen Entwickelung der Frage heraus, daß mit der Einsetzung der einfachen Kommission durchaus kein Vorstoß gegen den Vorstand gemacht werden sollte. Herr Leouhard Sachs plädirt. um eine Wiederholung der Berathnng zu ersparen, für ein sofortiges Zusammenarbeiten mit dem Vorstände. Professor Blaschke setzt zuuächst noch eiumal auseinander, daß der Vostand im Unrecht sei, da der letztere bereits in der vorigen Sitzung auf die Unzulässigkeit des Verfahrens hätte aufmerksam machen und so den Antrag Friedlünder aus Einsetzung einer Kommission verhindern können. Der Vorstand wolle nunmehr die Nepräsentallteuversannnlnug veranlassen. eineil Schritt, den sie vorwärts gethau hätte, durch zwei Schritte rückwärts zn ersetzen. Er halte es für bedenklich, den in der vorigen Sitzung gefaßten Beschlnß auf Einsetzung eines Arlsschusses wieder aufzuhebell. Beide Kommissiollen werden sich in ihrer Thätigkeit durchaus nicht ausschließen. Die erlgere Kommission werde unter Hinzuziehung von Sachverstäildigen die Vorlage vorbereiten lind die aufgetauchteli Meiliiliigsverschiedeiiheiten zu klären haben mid so 31t einer wesentlichen Kürzung der Arbeit in der gemischten Kommission beitragen. Er würde für eine gemischte Koinmffslon stimmen, sobald der engeren Konimission erst Gelegenheit gegeben ivürde. unter fid) die Vorlage zu prüfeli. Die Stelluiigiiahme Bagiiiskhs verstehe er llicht, da man nicht objektiver haiidelii fönne, wenn auch die gegnerische Partei zum Worte käme, die doch aiich die Ailsichteii der Freunde der Vorlage lautevn könne. Iustizrath Mehe r vertheidigt noch einmal die Stelluiigiiahme des Vorstandes, der diese Behandlung von Petitionen für uiiiiiöglich halte. Ziir Frage des Soiintagsgottesdienstes selbst köliiie er noch gar nichts lliittheilen. Vielleicht werde der Vorstand livch eiiimal ein Gutachten des Rabbinats einholen. Landgerichtsrath L ö w e erklärt es dagegen für die Pflicht mid das Recht der Repräsentantenversaminliiiig, sich über von außen eillgehende Petitionen schlüssig zu werden, §eiT Oppenheim steht ans deni Bodeii der Anschailnng des Genieilldevorstalides. Er begreife die lange Debatte nicht. Der Beschliiß der vorigen Sitziilig tonne mibedeiiklich aufgehoben werden. Er fürchte die Danaer, ltub es müsse etwas vorliegeu, daß die Liberalen eine solche Stellung zum Aiitrage des Gemeilidevorstandes eiuirehmeii. Er erkläre, anch seine Wahl in die Kommission nicht anzuiiehmeu. da eO der Ansicht sei, daß weder die Gegiier noch die Frenilde der Vorlage umzilstinlnien seien. Die liberalen lverdeil feinen Gegner der Vorlage überzengeii, da es sich ilur darlMl haiidele, den Sabbath abzli schaffen. Bei der nunmehr folgeiiden Abstinimung fällt zlinächst der Alltrag Minden allf Vertagilng des Antrages des Gemeinde- Vorstandes auf drei Mollate. Der Antrag Löwe, für ben Fall der Aiiiiahliie des Alitrages des Gemeilldevorstalldes der gemischtell Deputatioll das Kooptationsrecht mit beschließender Stimme zu verleibeli, wird mit großer Mehrheit angenommen. Der Alltrag des Gemeiudevorstaildes selbst lvird jedoch gegen acht Stimmen abgelehnt. Es erübrigt nuniuehr die Wahl der Mitglieder für die engere Kommission, wie dies in der vorigeil Sitzung beschlossen ivordeii ist. Ali Stelle voll Professor Bagilisky werdeil die Herreii Löwenberg und liachdem Geheinirath 231 u luenttjal vorgeschlagen, die aber beide ablehuen. Darauf wird Professor Blaschke vorgeschlageii. Die Kommission würde sich alsdann zusanimensetzeil aus deii Herreil Professor Geiger, Komliierziellrath Fri e d l ä li d e r. Professor Blaschke. Leonhard Sachs und Geheimrath Senator. Der Vorsitzeiide uimmt nunmehr zll der Erklärrilig Veraiilassuiig. daß durch ein solches Verhalten der Mitglieder fein ersprießliches Nesilltat der Verhaildlung erzielt werdeil köllile. Er sei der Meillling, daß jedes Mitglied die VerpflichtllNg hätte, an seineul Theile all den Arbeiteil der Versammlung nlitzuwirkeil. Die Versaiilmluilg nlöge ihnl das offeile Wort gestatten, er glaube nicht, daß die draußeli Stehenden die Versammlung versteheii werdeil. Bei der Wichtigkeit der Frage habe er nichts dagegeii, lvenn die Diskilssioll von Reueiii aitfgen ommeii ivürde. Herr Löwenberg erklärt hierailf, daß er es für unrecht halten würde, sich in eine Kommission wählen zll lassen. in der von vornherein die liberale Majorität gesichert sei. Geheimrath Blinlieiithal ivürde mit Vergllügell in einer genlischten Deputation arbeiteil, da er zll dem Vorstande das Vertrauell der Ullparteilichkeit in dieser Frage habe. Der jetzige Plan biene nur ben Liberalen als Agitationsmittel liach außen. Professor Bagiilsky erinllert daran, daß er deii radikalsten Standpunkt gegenüber der Vorlage einnehme, da er die Frage eines Sountagsgottesdieustes in eiller jüdijchell Genleiilde für indiskutabel halte. Wellii der Vorsitzende aber die fogenannten Orthodoxen ermahlie, mit deii Liberalen zusalninenzngeheii, so iiiüsse er sagen, daß ein ersprießliches Zusammenwirken nicht möglich sei, weil die Liberaleii rücksichtslos die Minorität vergewaltigen. Es iverde in einer radikalen Weise vorgegaligeii. die unerträglich sei. Weiin die Orthodoxen in den Jahren wo sie die Majorität gehabt hätten, so vorgegangen wären, danii wäre die jüdische Gemeilide wer iveiß wohin gekoniineii. Herr Leollhard Sachs lehnt ebelifalls den volii Vorsitzenden erhobenen Voriviirf ab. Wenngleich er den Kampf für aussichtslos gehalteii hätte, sei er doch entschlossen gewesen, in der Kommission mitzuarbeiten. Aber als eillziger Gegner könile er ilicht uiiter den Freiinden der Vorlage in der Koinnlission verbleiben. Der Vorsitzeiide macht daralls aufmerksam, daß gar keill Gruiid Ziir Divergenz Vorgelegen hätte, mcnn die Versammlung mit der ersten Zusammensetzung der Kommission, wie sie vom Ausschuß vorgeschlagen sei. eiuoevftanben gewesen wäre. Herr Lv iventha l findet es niiverständlich. daß voni Parteistandpunkt gegen die Wahl in eine Kommissivil geftimmt iverdeii köliiie, die nur dazu berufen sei. sämmtliche Motive für ilild gegen die Frage des Sonntagsgotlesdienstes zilsammelizutrogen. Laiidgeriehtsrath L oc iv e meift den Irrthinn Baginskh's zilrück. daß die Liberaleii die Majorität in der Versanimluiig besitze,,. Es könne nur Vorkommen, daß die Präsenz die Liberalen begi'tuftige, doch hätten es ja die Orthodoreii in der Hand, durch ihr pünktliches Erscheinell diesen Instand zu änderii. Aber sie ivotten dilreh ihre!, Widersprlich nur die Vorlage unter der, Tisch fallen lassen. Er müsse die Borwürfe rundlveg ablehiien betreffs einer rücksichtslosen Ansliiltziing der Atajoritat und einer Agitatioll nach außeli. Herr Vorsteher Martin Simon iliahiit im Interesse des Friedens der Genieinde. den i 11 der vorigen Sitzung gefaßten Beschluß rückgängig zn liiacheu und sich mit der Wahl einer gemischten Kommission einverstaiiden zn erklären. Er halte es für eil, ungewöhnliches Vorgehen, daß. ioenii zivei Schivesteriibehörden zilsammeil arbeiteil ivolleii. die eine sich hicrgegel, sträiibe. Professor Blaschke iveist deii Vorivnrf einer Agitation nach außen ebenfalls eiltschiedeil zurück. Das Verhalteii der Herren, die llicht in die Komnlissioii eintreten ivolleii, stehe iiicht vereinz^l da. Es unterscheide sich nur voll einem früheren Vorgehen dadnuH, daß die Herren heute nicht ben Sitzungssaal verlassen. Er erinnere daraii, daß im Ausschuß voii Geheinirath Bluinenthal Herr Oppenheim air Stelle voll Professor Baginsky für die Kominissioli vorgeschlageii ivordeii sei. Er bitte, die Frage doch rein sachlich zn behandeln. Herr Oppenheim erklärt darauf, daß er sich zur Ieit nicht geiveigert hätte, da von einer gemischten Deputation die Rede gewesen sei. Dieser Beschlnß sei jedoch gleich annnllirt ivorden. Um aber zu beweiseli. daß er die Frage nicht zn einer Parteisache mache, erkläre er sich bereit, in die Kommission einzutreten; er glaiibe kein Recht zu haben, sich der Mitarbeit zn elitziehen. Damit schließt die Debatte. Rach einer Reihe persönlicher Beinerkuligen wird die Wahl der linnuiehr vorgeschlageiieii fünf Mitglieder, der Herren Professor Geiger, Professor Blaschke, Geheimrath Seilator, Leonhard Sachs ulid Oppenheim mit großer Mehrheit seitens der Bersailimliiiig vollzogeii. Ali die öffentliche Sitzinig schloß sich eine geheime. Wir erfahren aus derselbeii, daß zn,ii Bibliothekar der 311 begründenden Gemeindebiblivthek der bereits mit deii Vorarbeiten betraut gewesene Beamte, Herr Dr. Fron, er geioählt ivorden ist. Ans der Tagesordnnng befand sich ferner ein von der, Liberaleii ausgeherider Ailtrag betreffs der Bamberger'scheii Schenkling. Zur Frage -er Sabbathriche. ir erhalten von einem unserer Freunde folgende ihm zugegangene Zuschrift: Sehr geehrter Herr Doktor! Der „Haniiov. Courier" brachte in seinen Spalten einen Artikel über einen von Ihnen im „Verein für Bodenkultur unter deii Inden Deutschlands" gehaltenen Vortrage. Jeder Israelit wird sich deii darii, dargelegten Alischaniitigeii nur mit Freuden anschließen können, doch bitte ich Sie im Anschluß daran