Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- Seite 112 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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N2 vollständignug bt'S Bücherbestandes verlvendet werden soll. Es sei doch gleichgiltlg, ob der Antrag ans Uebernahme der Bibliothek angenonunen lverde oder nicht. In bejahendem Falle erhalte die Gemeinde eine gröbere Bibliothek und in verneinendem Falle hätte sie das Institut gefördert. Der Referent der Vorlage, Konunerzienratli Fr iedl ander, kommt auf die Frage des Petitionsrechtes zurück, bestätigt die Ausführungen des Jnstizraths Meyer und wünscht ebenfalls dasselbe Verfahren bezüglich der Petitionen, lvie es in der Stadtverordnetenversammlung Brauch sei. Professor Blascbke giebt auch zu, daß bezüglich des Petitivnsrechtes eine Lücke in der Gescbästsordiulng der Nepräsentautenversammllmg sei, zn deren Ausfüllung bereits eine Anregung gegeben sei. Professor Lew in sieht tu der jüdische,! Lesehalle ein durchaus nützliches Institut und würde von diesem Standpunkt ans eine Subvention von 300 Mk. bewilligen wollen. Vom Standpunkt der Gründung einer Ge,neindebibliothek mit Lesehalle würde er die Subventiouirnng für vollständig überflüssig halten. Falls jedoch die Geineindebibliothek noch nicht in, nächsten Jahre eröffnet werden könne, lvürde er ebenfalls sich mit der Bewilligung der Vorlage einverstanden erklären können. Inzwischen ist ein Antrag Le vH eingegangen, den Vorstand zn ersuchen, der Lesehalle eine Subvention von 300 Mk. zn bewilligen. Bei der Abstinunnng gelangt der Antrag des Ausschusses, die Petition dem Vorstände zur Berücksichtigung zn überweisen, mit dem im Antrag Levy liegenden Wunsch ans Gewährung von 300 Mk. zur Annahme. Etne fernere Petition betreffend Beerdignngsangelegenheiten lvird in die geheilne Sitzung verlegt. — Eine ohne Bedingungen an die Gemeinde überwiesene S che n ku ug der Wei ßb ach'schen Erben in Höhe von 5000 Mk. wird debattelos genehmigt. Die Versammlung nimmt alsdann Kenntnis; von eil,er Mittheil,mg des Vorstandes, daß das Bureau der Steuer veranlag, lngskommission zur Erzielung einer besseren und schnelleren Abfertigung in drei Abteilungen geteilt tverden soll. Tie Einrichtung eines C en tralb ü r ea us für die Berwaltungskomlnission lvird ebenfalls debattelos genehmigt. — Herr Leonhard S a rh s giebt alsdann die Abrechnung über die im Jahre 1899 ausgeführten Gelneil, de bau ten. Es hätte nur eille Ueberschreitung des Voretats um 102,34 Mark stattgeflillden. Die Summe lvird von der Versammlung nachbewilligt. - Der i,ächste Plllikt der Tagesordnung betrifft die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Berathung der Frage eines Neubaues de r M ä d ch e n s ch u l e. Der Referent, Herr Leonhard Sachs, giebt die historische Er,trvickellllrg der Frage. Die Verlegung der Mädchenschule sei von dem Dirigenten beantragt lvordell lvegen des ullgemeil, ftörenbeu und die Kinder gefährdenden Wagenverkehrs iu der Rosenstraße und lvegen des Mangels einer eigellen Turnhalle. Der Antrag sei zunächst an den Schul- und Tallinld-Thvra-Vorstalld ,nld von diesem an den Gemeindevorstand gegangen. Letzterer habe sich prinzipiell mit delll Alltrage einverstandel, erklärt und die Vorlage der Kon,Mission für die Beschaffung von Shnagogellbanplätzen überwiesen. Dieser Kommiisiol, seien keine geeigneten Offerte!, gemacht worden und die Vorlage sei nunmehr der Bankommission übertragen worden. Diese hätte vorgeschlagen, die Mädchenschule auf den, Synagogengrundstück Kaiserstcaße 29/30 zu erbauen, da hier alles Erforderliche geschaffen, dem Mangel einer Turnhalle abgeholfen und hierher eventuell auch das rituelle Quellbad und das neu zu begründende Lehrerinnenseminar verlegt werden könne. Im Genieilldevorstand seiet, die Ansichten getheilt. Während die einen es für zweckmäßig halten, dei, Neubau il, der Kaiserstraße auszuführen, wünfchen die anderen die Reservirung dieses Platzes für die Synagoge und plädiren für eine Erweiterung der Mädchenschule aus dem bisherigen Platze in der Nosenstraße. Die Bankommission habe die Möglichkeit der Erlveiternng und der Schaffung eines Turnsaales bejaht. Zu diesen, Zwecke ulüsse jedoch den, Beth Hamidrasch, das seit 150 Jahren in diesem Hanse sich befände, gekündigt und aus Grund eines früher abgeschlossenen Vertrages der 22HL fache Miethsbetrag ausgezahlt werden. Diese Frage sei von großer Bedeutung nicht der Sulinne, sondern der Pietät nach, welche man einem so langjährigen Jnstitllt schuldig sei. Zur Entscheidung der Frage, ob der Neubau in der Kaiserstraße oder die Erweiterung in der Nosenstraße ausgesnhrt tverden solle, soll aus Antrag des Ausschusses eine gemischte Kommission gewählt tverden. Dr. Minder, erklärt sich mit der Einsetzung einer Kommission einverstanden, spricht aber den Wunsch ans, daß mit diesem Beschlüsse kein Präjudiz für die sehr wichtigen Fragen, die hierbei angeschnitten worden seien, geschaffen lverde. Die Versammlung genehmigt den Alltrag des Ausschusses und wählt in die Konunissioi, die von, Ausschuß vorgeschlager,en Herren Professor B l a s ch k e. Kommerzienrath F r i e d l a n d e r, Oppenheim und Mai, heim er. — Eine sehr lange ,n,d unersprießliche Debatte zeitigten noch die beiden letzten Punkte der Tagesordnung, über die ans Vorschlag des Vorsitzenden gemeinschaftlich debattirt lvird. Sie betreffen Lue Einsetzung eines Ausschusses der Repräsentantenversammlnllg und die -Einsetzung einer gemischten Kommission betreffend die Frage des S o n l, t a g s g v t t e s d i e l, st e s. Der -Referent, Professor Blaschke, bringt in Erinnerung, daß in der vorigen Sitzung beschlossen sei, eine Kommission von für,s Mitglieder», mit dem Rechte der Kooptation einzusetzen. An dei, Ausschuß III seien nnnuiehr zwei Vorlagen gekolnnien, nämlich Vorschläge für die Wahl der beschlossene,, Kollilnission, und ferner seitens des Gemeindevorstandes Vorschläge für die gemischte Deputation zn machen. Der Ausschuß habe für die einfache Konullission folgende Herren nvnunirt, zwei Gegner der Vorlage, die Herren Professor Baginsky und Leonhard Sachs, zwei Freunde der Vorlage, die Herren Professor Geiger und Kommerzienrath F r i e d l ä n d e r. und für einen Vermittelungsvorschlag Herrn Gebeimrath Senator. Für den Fall der Annahnte des Antrages des Genwindevorstandes soll als sechstes Mitglied für die gemischte Deputation Herr Oppenheim nominirt werden. Landgerichtsrath Lölve bittet zunächst, beit Antrag des Gemeindevorstandes abznlehnen. Der engere Ausschuß müßte entsprechend der Stimm,mg über die Frage zusammengesetzt fein. Bei einer gemischten Deputation lvürde der Vorstand in der Lage sein, einen ausgesprochenen Gegner der Vorlage in die Kommission hineinznbringen lnid dadurch würde die Angelegenheit unter dei, Tisch fallen. Werde eine getnischte Deputation beschlossen, so beantrage er. derselben das Kooptationsrecht mit beschließender Stimme zn verleihen, lvie es für die einfachen Kommissiouen im Gemeilldestatllt vorgesehel, sei. An Stelle des Herrn Oppenheim lvürde er für die gemischte Kommission Herrn Professor Blaschke Vorschlägen. Instizrath Meyer erklärt, daß es das erste Mal sein lvürde, daß eilt Antrag des Gemeindevorstandes auf Einsetzung einer gemischten Deplltation abgelehnt würde; es könne anch nicht int Interesse des Friedens der Gen,einde lieget!, einet, solchen Antrag zu stellen oder anznuehmen. Es scheine gerade, als ob das Bestreben dahin ginge, den Vorstand vollständig bei Seite zu schieben. Eilte gerneinschaftliche Arbeit lverde vollständig dadurch illnsorisch gemacht. Kommerzienrath Friedlättder erwidert, daß die Frage erst in eitlen, engeren Ausschuß berathen und Klarheit über die ablveichenden Ansichten geschaffen werden solle, ehe die Thätigkeit einer gemischten Konnnission einseyen solle. Dem Vorstande lvürde es llicht so schwer fallen, zu einer bereits fertigen Vorlage Stellung zu nehmen. Er glaube, es sei nichts dagegen einzulvenden, lvenn der Vorstand den Wunsch habe, von vornherein an dieser Frage mitzuarbeiten. Justizrath Meyer theit mit, daß in, Vorstande die Frage des Sonntags» gottesdienstes noch nicht lvieder angeschnitten worden sei. Im Augenblick sei der Sonntagsgottesdienst ja gar nicht ausführbar. Zweifelhaft sei es noch, ob die neuen Prediger am Sonntag eine Predigt übernehmen werden. Der Schwerpunkt der ganzen Frage liege doch darin, daß ein Festgottesdienst an, Sonntag eingerichtet werden solle. Jedenfalls dürfe aber der Vorstand bei der Berathung dieser Frage nicht herausgelassen werden. Er halte den Zustand für sehr bedenklich, daß die Versammlungauf eine Petition von außen eine Kommission einsetze und in dieselbe fast nur Mitglieder wühlen wolle, welche für die Vorlage seien. Es sei nirgends gestattet, daß irgend ein beliebiges Mitglied der Gemeinde Allträge stelle und dadurch die Versammlung in Belvegung setzen költne. Syndikus Dr. Mindert würde den Standpunkt des Vorstandes nur verstehen, wenn der letztere sich über die Stellungnahme zur Frage selbst schon entschieden hätte. Es sei in der Verwaltungspraxis noch nicht vorgekommen. daß eine gemischte Deputation nur das Material herbeischaffen solle. Er beantrage, den Antrag des Gemeindevorstandes auf drei Monate zn vertagen und zunächst den engeren Ausschuß zu wühlen. Er glaube, daß dadurch die Position des Vorstandes, der dann in keiner Weise gebunden sei, viel gültstiger werde. Professor Baginsky verzichtet auf die Wahl in die Kolnmission; es solle lvohl nur dadurch etwas konservatives Oel in die Kommission gegossen werden. Herr Vorsteher Jacoby versteht den Antrag Löwe llicht. Im Vorstände können doch auch Stimmen sein, welche die Nothwendigkeit eines Sonntagsgottesdienstes befürworten. Die gemischte Kommission solle doch für beide Kollegien