Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-23 · Heft 8 (23.2.1900) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228374--56216-3292503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

4 nationalistischen Kreisen trotz seiner aufrichtig repnblikanischen Gesimlnng sich warme Sympathien zn erwerben. Hendln war aber auch ein guter Jude, der in allen Angelegenheiten des Indenthnms lebhaften Antheil nahm. Sein Schwiegersohn ist der bekannte frühere Präfekt und jetzige Generatschatzmeister Leon Kohn, ein Sohn des unvergeßlichen Tr. Albert Kohn. Mit Hendlä ist der letzte jiidische Präsekt in Frankreich gestorben. Das Leichenbegräbnist legte vollgiltiges Zengniß ab für das große Anschein dessen sich der Heimgegangene in weiten Kreisen zu erfreuen hatte. Am 12. d. M. hat die Stadt Rouen mit dein ganzen Departement der Nnterseine feilten früheren Präfekten eitle würdige Tranerfeier gelvidlnet. Zadvc Kahn hat die Leichenfeier abgehalten dltrch Vortrag der rittiellen Gebete nttd eilte ergreisellde Rede, iu der er den Verstorbeilen klirz aber eindrucksvoll gefeiert hat. Daitn lvnrde die Leiche tiach dein Bahnhose zur Ueberjührnng llach Paris geführt. Die Feier hat ans der Präfektur stattgesnnden. Dort sprachen noch der Senator Waddington, die Abgeordnetelt Brindean. Beverini, der Präsident des Generalraths, der Maire voll Ronen nild Andere. Die Beerdignllg falld hier am Molttag statt. Zadvc Kahll hielt abermals eine Rede, dann sprach der frühere Generalrefident Laroche von Madagasear im Rantell der Freunde des Verblichenen. Die Betheilignng tvar eine außerordentliche. Italien. ■A. Florenz, V Februar. Unter allgeuleiner Betheiligllng aller Kreise der hiesigell Bevölkerung lonrde gestern die Ba roll in E n r i ch e t t a B i v a n t e L e o i zil Grabe getragen. Rach llicht ganz zweitägigelil Krankenlager oerschied die hochherzige Frau, vierzigjährig, an einer Lnngenlähmnng als Opfer ihrer Mutterliebe; bei der aufopfernden Pflege ihres all Influenza evfrauften Söhnchens zog die mehr als gelvissellhafte Mlltter sich eine AnsteeklNlg zn, die sie einem jähen Tode znführen sollte, eine Märtyrerin der Mntterpflichtell. Die ganz llllerlvartete Nachricht erregte in der Stadt die höchste Anfregllng nild Bestürzullg. Die Verstorbene erfrellte sich allgemein der größten Slimpathiell; ihre feilie Bildnllg, ihre hohen gesellschaftlichen Vorzüge, lliachte sie in den vornehmen und gebildeten Kreisen beliebt, liebevolles, srelnldliches Wesen gegen jederlliallll, ihre reiche, mit vollenl Herzell ansgeübte Wohlthätigkeit gelvanileil ihr die Zuneigung nild Dankbarkeit der Armen. So lvar denn aucf) das Gefolge derer, die ihr das letzte Geleit gabeli, nllelldtich groß, Borilehme lind Niedrige, Reich nnb Arm. Private und Vereitle waren in großer Allzahl vertreten. Das Traliergefolge schloß eine llach Hunderteil zählellde Mellge von Kindern mit der Fahne der „Attgemeinell Gesellschaft zur Pflege und Erziehung bedürftiger Kinder" lulter Führullg ihrer Lehrer. Diese segensreiche Institution, die der Gatte der Heimgegangeneli, Eomm. Adolfo Scander Baroil Levi, iu hochherziger Weise gegründet uub leitet, verdallkt der lvarmell Fürsorge ulld der ebteu Opserlvilligkeit des Barvll Levi'schen Ehepaares den größteil Theil feiner materiellen und moralischen Kräfte. Am Grabe zeichnete Rabbiner Dr. Margnties in kurzen, nlarkigen Zügel! das Charakterbild der seltenen Frau als Gattiil, als Mutter lind Wohlthäterin. All der Verstorbenen verlierell die Arnlen eine Frenndill ihrer Killder, eine selten aufopfernde Mlltter, der tiefgebeugte Gatte eine unvergleichliche Lebensgefährtin: lvie das wackere Weib des Spruchbuches widnlete sie sich rastlos unuevbraffen der Verwaltung ihres Hauses nild der Erziehnllg ihrer Kinder, die treueste lind beste Beratherin lmd Hetferill ihres Gatten. Ihr Aildellken lebt fort in Ehren. - Für die Beliebtheit bereu verdienstvolle Juden sich hier ersrelien, bot sich jüngst bei ähnlicher Gelegenheit ein sprechender Beweis. Als ein Bruder des Stadtraths Professors Franchetti starb, ließ sich der Bürgermeister voul Stadtparlameilt ernlächtigen, bem trauerildeil Kollegen im Namen der StadtberlvaltlUlg fein Beileid ausznsprechen. um, lvie er sagte, bem verdiellstvollell Bürger bei dieser Gelegenheit allsdrücken zn fönneu, welche Beliebtheit und welche Anerkellllung er in lnaßgebellden Kreisen genießt. Schölle Beiveise von Tolerailz, die dadllrch um so erfreulicher wirken, daß sie llicht als etlvas Besoilderes, Allßergelvohnliches aufgefaßt lverdell. Don Nah und Fern. — Siegfried Ochs, der verdienstvolle Dirigellt des Philharmonischen Chores, hat den Professortitel erhalten. — Das 2o jährige Jubiläum als Berliiler Universitätslehrer feierte arn 20. Saliitätsrath Dr. Moritz Leopold Perl. Seil! Fach ist die innere Medizin. Perl ist Berliner von Geburt. Im französischen Kriege erhielt er das Eiserne Kreuz am lveißen Bande. — Der Dozent Dr. I. Traube ist zum Professor an der technischen Hochschule ernallnt lvorden. Dr. H. Pinknß, stellvertretender Rabbiner der Breslauer Synagogen-Gemeinde, lvnrde einstinnnig zum Großherzoglichen Bez i rks rab b i ne r von He i de l b e rg gelvählt. - Den bekannten Natnrapostel Johannes Gn t tzeit aus Lvschwitz bei Dresden verurtheilte die Strafkammer zu Breslau lnegen Beschilnpfnng der jüdischen Religion zu drei Mvllaten Gefängnis; und lvegen Ungebühr zll einem Hige Haft. Bericht folgt in nächster Nummer. Landgerichtsrath Dr. S t e i ll in Karlsruhe lvnrde zum Oberlandesgerichtsrath befördert. — In Meran ist die '»2jährige Schriftstellerill Adele Berger, die durch zahlreiche Uebertragmlgen sremdsprachiger Romane einen angesehenen Namen erlangt hatte, gestorben. Erst vor kllrzem hatte sie sich mit dem Arzte Dr. Kittolver verheirathet. — In Szelltes, einer nilgarischen Stadt mit landwirthschastlicher Bevölkerung, in der fast gar keine Jlldell wohilen. lvnrde dieser Tage ein Jude, der Bndapester Advokat Dr. Ellgen Molnür, 311m Reichstags-Abgeordneten gelvählt. — In Tnrin ist der Baron Ignatz Weil-Weiß di Lainate. ein allgeseheller italienischer Finanzlnann. llach kllrzell Leidell gestorben.— Der südafrikanische Krieg zieht die jüdische Arbeiterbevölkerung in A m st e x d a m sehr iu Mitleidenschaft. Da die Dialllantenlninen fast gar nicht arbeitell, so komnlell lvenig rohe Diamanten ans beu Markt mit» die zahlreichen Diamantschleifernen haben lvenig zn thnn. Sie sind gezlvnngen, Arbeiter zn entlassen, und da die meisten Indensind, Io trifft diese die Arbeitslosigkeit am härtesten. Lord Rothschild in London und die Pariser Rothschilds haben je 10000 Francs gesandt, um der Noth einigermaßen zn steuern. In Lodz hat sich eine Gesellschaft gevildet mit dem Zwecke, eine Ackerbanschnle für jüdische Kinder zn gründen. Ein geeigneter Platz ist schon erworben lvorden. — Der r u m ä n i sch e Handelsminister hat eine neue Ataßregel verfügt, lvelche sich natürlich gegen die Juden richtet. Er hat angeordnet, daß sämmtliche jüdische Angestellte bei den Eisenbahnen Rnmälliens entlassen werden müssen. — Der russische Minister für Landwirihschaft, Iermolvw, hat angeordnet, daß in einer Kolonie der Israeliten in Nolvopoltnlva lim Gonvernement Cherson) eine landwirthschaftliche Schule für Israeliten errichtet wird. — Der bisherige Dozent an der technischen Hochschule zu Stockholm, Dr. I. O. Bendixsvn, ist zum Professor der Mathematik ernannt lvorden. — Die Wittlve des Generalkonsuls S. E. Marburg, Fran Pauline Marburg, schenkte zur Erinnerung an ihren Gatten 10000 Kronen an das Seemannsheim in Stockholin. Herr W. lvar dänischer Generalkonsul. — Der „Board of Guardians" in L 0 n d 0 n hat bekanntlich von der Baronin Hirsch ein Legat in der Hohe von 3 Millionen Francs erhalten, für das die Erbschastsstener gesetzmäßig in Oesterreich bezahlt worden ist. Nun kommt die französische Negierung und reklaniirt eine Steuer von 25 Prozent, weil die Baronin, obwohl eine österreichischeStaatsangehorige, doch ihren eigentlichen Wohnsitz in Paris gehabt hat. Der „Board" lvird indessen gemeinsain mit den anderen betroffenen drei Vereinen die französischen Gerichte anrnfen. — Die englische Verlustliste dieser Woche weist nur die Namen von vier jüdischen Soldaten ans, die allesammt bei Potgieters Drift am 0. Februar verlvundet wurden. — Dr. Sche chter hat einen neuen lvichtigen Fund gemacht. Unter den Manuskripten ans der Kairenser Genizah hat er lvieder zwei Blätter der hebräischen llrschrist des Ben Sira gefunden. Auf dem einen Blatte steht ans der oberen Halste ein Stück des schon an anderer Stelle gefundenen Textes, lvoraus dann ein neues, noch unbekanntes Stück folgt. — Die Vorschriften gegen die Einivandernng von Inden nach Palästina sind jetzt sogar ans die türkischen Unterthanen ausgedehnt lvorden. Die Behörden sind angelviesen lvorden auch diesen nur solche Teskerehs lInlandspässe) zu geben, deren Giltigkeit auf drei Monate beschränkt ist. — Der kürzlich verstorbene, sonst nie in die Oeffentlichkeit getretene I u l i n s F r i e d m a n n in S a n F r a n c j s c 0 hat sein Vermögen, lvelches ans eine Million Dollars geschätzt lvird, wohlthätigen Zivecken vermacht. Der größte Theil. im Betrage von etlva 300 000 Dollars, lvird dem jüdischen Altersversorgnngshanse in San Francisco znfallen. — Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.