Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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Versammlung des Vereins nm 4. d. I)ielt Ha»»ptlehrer 'Heidi»»gsfeld eine begeisternde 91ede, tu der er den Vorschlag »»»achte, »»»an »»»ächte iu die hiesige allgemeine Volksbibtlothek. die and) häufig non Inden benutzt uhvb, eine Auswahl Büch ec jüdischer Autoren spenden uub zu diesem Iwecke eine Ganunlnng veranstalten. Sciile Worte fielen auf sr»»ctztbaren Boden: denn säst alte anwesenden Danken »varen mit dern Vor«! schlage einverstanden und versprachen, in diesen» Sinne in» Kreise ihrer j Bekannten zu wirken. j 1. Sirastburg i. E., 1-^. Februar. Ill Aillvesellheit der Out- | behörden, der Mitglieder des Konsistoriums, der Synagogenverwaltnng,! der Bezirksrabbiner und anderer Gäste fand heute in der Kollsistorial-! Synagoge die feierliche Eins ii h rn n g d e s O b e r r a b b i n e rs II r h a ns Metz in das hiesige Amt statt. Aach dem Chorgesange ,.Mn lauwa“ verlas der Präsident des Konsistoriums, Dr. Med. Gustav Lev»), die auf die Besetzn»»g der hiesigen Oberrabbinersteste bezügliche! landesherrliche Verordnung und entbot dem nengetvählten Seelsorger in einer lvarmen und innigen Ansprache im Namen der Inden von Unterelsaß herzlichen Willkommensgrnß. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Ury die Antrittspredigt, die sich durch klare Disposition, Gedankenfülle und schlichte aber edle Sprache anszeichnete. Nach einigen einleitenden Sätzen, in denen er Gott für seine bisherige gütige Führnng seirien tiefgefühlten Dank zollte, soivie sei»»er Anrtsvorgänger gedachte, zeigte er, von Ies. Kap. 21, s ansgehend: 1. ans lvelcher Warte der Prophet im jüdischen Alterthum gestanden und 2. »velche», Standpunkt der jetzige Seelsorger, der doch immer noch d e r A b glanz des f r ü Heren P r o p h e t e n t h ums sein soll, einnehlnen muß. Wie der Prophet im Atterthnm, so führte er im 4. Theile ans. nur dann segeilsreirh für das Volk ivirken konnte, lvenn er im Volke gelebt hat, so »volle auch er in der Gemeinde und m 11 der Gemeinde leben. um sie den Zielen zuznsühren. die einer modernen Groszgemeinde »vürdig seien. Tie Predigt machte lvirklich einer» tiefen Eindr»»ck ans alle Gutgesinnten. Man glaubte nämlich, daß der neue Oberrabbiner durch die gehässige»» und nicht sehr »vürdigen Angriffe, die »»ach seiner Wahl bis zur Bestätigung durch die Negierung vor» verschiedene»» Seiten erfolgt »varen, eingeschüchtert, g»»ades»»che»»d und »nitleidheischend hierher ko»u»»»e»» »vürde. Statt desse»» zeigte sei»»e A»»trittsrede. mit »velcher Energie er feine Aufgabe zu löse»» bereit sei. Wie der Prophet oh»»e Furcht »n»d Zagen vor de»» Groszei» und Neichen, fein er hohe»» Seudnng ei»»gedei»k, »»»»r der Wahrheit dienen »vill. so »volle auch er ohne Nücksicht aus irge»»d eine Partei an seiner durch lvisse»»schaftliche Studien »n»d langjährige Erfahrung ge»vo»n»e»»eu Ueberzeugung sesthalten uub dieselbe gege»» a»»fdri»»gliche Frö»i»n»elei nnb Heuchelei, solvie gege»» »»»»begri'nrdete Freigeisterei ma»»nhaft vertheidigen. Durch de»» Passus bezüglich des Neligio»»s»»nterrichtes. der hier leider sehr im Arge»» liegt, gelva»»»» er sich die Herze»» Aller. Der religiösen Jugenderziehung »volle er vor allem feine Kraft widmen, die Kinder zu jüdischen Männer»» für den Die»»st der Wahrheit linb Gerechtigkeit heranznbilden, werde er mit unermüdlichem Eifer und rastloser Thätigkeit anstrebe»». Obwohl der Oberrabbiner Ury Elsässer und ii, französischer Schule ansgebildet, schei»»t er doch den» sranzosischen Grnndsatz: Jaisser faire, laisser allez“, der hier zu Lande schoi» so viel Unheil a»»gerichtet hat. nid)t huldige»» zu »volle»». Viel »»»ehr gedenkt er uiit E r i» ft u n d Strenge, die ei»»es d e n t s ch e»» Staatsbeamten »vürdig sind, sein A»nt zu versehe»». Möge es ihn» in» Verei»»e mit den maßgebenden Kreisen »»»»serer Genieinde gelingen, die von ihn» erstrebten Ziele z»» erreichen; »»»öge auch sei»» Beispiel anfeuernd »n»d belebe»»d »virken a»»s feine Amtskollegen zum Heile »mserer Glanbe»»sge»»ossen in Elsas» - Lothri»»ge»»! Thora - Ansheben und Kaisergebet beschlossen die »vürdige Feier, z»» deren Hebn»»g die von» vortrefflichen Dirigentei», Herrn Konzertsänger S t a »»i s l a u s S ch l e s i»» g e r. kü»»stlerisch geleiteten Ehorgesänge viel beigetrage»» haben. Oesterreich-Angarn. □ Wien, '20. Februar. Sie habe»» bereits über die Krakauer Klostergeschichte berichtet: i»i der abgelaufenen Woche hat sich der trostlose Vater des Mädchens in Wien ausgehalten, er hat hier i»» A»»gelege»»heit seiner gelvaltsan» in» Kloster z»»rückgehaltenen Tochter den Mi»»ister Dr. Pie»»tak rn»d den Mi»»isterpräside»»te»» Dr. v. Korber ansges»»cht: allei»» »nährend der Minister für Galizien »ve»»ig Hoff»»l»ng gab. die Sache zu»»» guten Abschluß z»» bringen, „da an de»» Mauer»» des Klosters die »veltliche Macht ei»» E»»de habe", so beku»»dcte im Gegensatz zu ihm der Miuisterpräsideut »mb der Justiz»,»iuister das größte Interesse a»» der Sache u»»d versprachen, solveit es in ihren Kräfte»» liege, dem betrübten Vater z», fei»iem blechte zu verhetsen. - Nach Erscheinen der Professor Nt a s a r») k' sehen Broschüre über die Nothwendjgkeit der Nevlsion des Polnaer Prozesses veröffei»tl»chte der a»»tise»nitische Nedakte»»»' Sokol eine darauf bezügliche Antwort: der Gerichtshos erblickte »»» dieser Antnwrt cm Ptaidoher für den Nit»»at- »uord nnb ver»»»theitte de», sttedakteur zu ei»,er Arreststrafe. - Gleichfalls zu einer ausehuticheu Straie, und z»var zu einem für derartige Delikte in» Gesetz zu höchst uorulirteu Strafa»»s»uas; »v»»rde der Nedakte»»r des Deutsche»» Volksblattes August Schreiber ver»,rtheilt. »veil er zur Zeit des Mordprozesses h» Polua de»» Schächter Moritz Kurz- »veil als Thäter .bezeich»»ete, nnb diese A»»sicht durch die »oidersi»»,»igsteu und krassesten Lügen z»» bekräftigen suchte, »vas die Staatsa»»»valtschast selbst als „eine t,n Dienste der Indenhetze gezüchtete E»,te" bezeich»»ete. — Endlich mürben »oege»» der Erzesse, »velche in» November vorigen Jahres stattsa»»deu. Joseph Klimanek, der Anführer des Aufruhrs, z»» acht Mo»»ate»», z»vei Excedenten z»» je sü»»s Mo»»aten »n»d z»vei a»»dere zu je drei Monaten schtveren Kerkers vernrtheill, bei Alle»» verschärft mit einmaligem Fasten in der Woche und einmaliger du»»kler Zelle im Monat. Der Präsident der Le m b e rg er Notariatska»uu»er veröffentlicht eine Erklär»»ng. daß die Notarel»versalnn»tnng ii» Lemberg wohl ei»» Komitee mit der Vornahme von Schritte»» znu» Sch»»tze der bedrohte»» Berussi»»teressen betraut, aber keinerlei jndenfeiildliche Beschlüsse ir» Betreff der Nefor,»» des Notariats gefaßt habe. Er, der Präside»»t, hätte eine derartige Beschlußfassung gar »»icht zugelassen, da er gerade so »vie die überlviegende Mehrheit der galizisehen Notare de»» Antisemitismus für die soziale,» Verhält»»isje als schädlich ansehen. Infolge des Protestes der jüdische»» Advokaten werde übrigens diese Asfaire in der Notariatskammer zur Verhandlung gelangen. — Am 24. d. AI. »vird Adolf v. Sonnenthal in der „Gesellschaft für Sannulnug nud Konservirnng vo»» K»»nst- und historische»» De»»kmälern des Indenthnms" Heiiies „Nabbi von Bacharach" lesen. — Im k r o a t i s ch e»» Landtag hat am st. d. NI. der Ge»neinderath »nid Abgeordnete Tr. L. Schroarz i»» eilier »vahrhaft gtänzellden Nede den Antisemiten Tnskan abgefertigt. Am Schlüsse seiner Nede edvähnte Dr. Schwarz. daß sich a»»ch iu» italienische»» Parlament ein Halbuarr gesn»»den habe, der bei jeden» Anlaß de»» jüdische»» Abgeordneten Fi»»zi angereinpelt habe, beinahe so. »vie dies jetzt T»»skar» in» kroatischen La»»dtage mit dein Ned»»er vers»»che. Darauf habe ei»» großer italienischer Parlamentarier bemerkt, daß sich in der berühmten Legion Garibaldis unter de»» historischen tanse»»d Frei»villigen acht Illde»» befnnben haben. Redner meinte, daß die Vaterlandsliebe »»»»d der Heroismns dieser acht Illden mindestens denselben Ruhm »>erbiene, »velchen der Abgeord»»ete Tnskan vorgestern für feine vier berühmten Vorfahren ii» Anspruch geuom»ne»» habe. Uebrigens hoffte der 91 ebner, daß Tnskan »»och zur Besi»ill»»ilg kon»me»» u»,d sich besser»» »verde! lK Budapest, 14. Februar. Die Berichte, »velche die Blätter über die M»»nkacser Nede des Bevollmächtigte»» des Ackerbanministers veröffe»»tlichteu, haben nicht nur im großen Publikum, sondern auch im Kreise der Volksvertretung peinliches Aufsehen erregt. Der Abgeordnete Feß brachte die Angelegen heit Mittwoch zur Sprache und verta»»gte mit Nücksicht auf die ungenauen Berichte der Blätter Aufklärung darüber, »vas in den» Berichte des Negieruugskommisjars eigentlich stehe. Minister Daravyi erklärte sofort, daß er de»» authentische»» Tert der Nede Ega»»'s nicht keime, doch weise die Regierung die Z»m»»»thnng vo»» sich, als »vürde sie Ström»mgen Na»nn geben, »velche den Prinzipie»» der istechtsgleichheit z»nviderla»lsen. Sie »vill alle Bürger dieses Staates ohne Unterschied der Neligiv»» schützen und diese unter der Signatur der Phila»»trvpie entftaubeue Aktiv»» auf dieser Basis fortsetzen. Das ganze Hans nahm diese Erklärung »»»it Beifall auf und nur Ugron verlangte, daß der I»»vasivn der galizisehen Illde»» unter asten Umstände»» ein Tamm gesetzt »verde. Frankreich. © Paris, 17. Februar. Die Nepublik hat einen ihrer beste»» u»»d treuesten Söh»»e verlöre»». E r r» e st H e u b l e, der Präfekt des untern Seine-Kreises ist in» »'>0. Lebensjahre »»ach schwere»» Leiden gestorben. Seit 1870 in» Amte, hat er es verstaildei», ii» klerikale»» »nie in