Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Sprechfaul. Berlin, den 12. Februar 1900. An die verehrt. Redaktion der Allgemeinen Zeitung des Judenthums Hierselbst. fit Ihrer vorwöchentlichen Mittheilung über die Lehreinrichtung im Beth Hamidrasch bemerken wir berichtigend: Es ist nicht beabsichtigt, daß das Beth Hamidrasch Präparandenfnrse für andere Anstalten einführeil soll, vielmehr wird es seine Selbständigkeit nach wie vor sesthalten. Die Vorträge des Herrn Rabbiner Dr. Munk sollen nach der neuen Organisation auch weniger vorbereiteten Hörern zu Gute kommen, welchem Lebensberus sie sich auch widmen. Die zuzulassenden. Hörer müssen sich selbstverständlich in ihrem religiösen Leben zu den Grundsätzen des Beth Hamidrasch, d. h. des traditionellen Jndenthnms bekennen. Hochachtungsvoll Der Vorstand der Beth-Hamidrasch-Gesellschaft. Jacob Bamberg er. Dr. Struck. Dr. L. Caro. * Sehr geehrte Redaktion! CSSie geschätzten Leser Ihrer werthen Zeitung erlaube ich mir ans eine neue, hochinteressante Erscheinung auf dem Gebiete des jüdischen Kalenderwesens ergebenst aufmerksam zu machen. Herr Rabbiner Dr. Heppuer in Koschmin hat es unternommen, einen „Jüdisch-litterarischen Abreißkalender für das Jahr 1900 (5660 61)" gu bearbeiten. Dieser eigenartig zusammengestellte Abreißkalender bietet auf einem und demselben Blatte das jedesmalige bürgerliche Datum neben denl jüdischen, so daß er einen jüdischen Kalender mit einem bürgerlichen in sich vereinigt, eine Zusammenstellung wie sie uns bezüglich eines Abreißkalenders bisher noch nicht geboten worden ist. Dieser Abreißkalender wird daher wohl in allen jüdischen Kreisen mit Freuden begrüßt werden, da sich schon seit Langem Bedürfnis; nach einem solchen herausgestettt hat. Reben dein bürgerlichen und jüdischen Datum befinden sich kurze Biographien hervorragender jüdischer Männer und Frauen, ferner Notizen ans der jüdischen Geschichte sowie Sprüche t. s. w. ans dem biblischen und rabbinischen Schriftthnme. Der Peppner'sche Abreißkalender bietet alles das, was nur gewöhnlich tu bem sogenannten „Lnach" zu suchen pflegen; sein Besitzer ist nicht mehr gezwungen, bei Feststellung eine» Jahrzeits- oder sonstigen zu begehenden Tages zu einenl besonderen jüdischen Kalender zu greifen: ein stets vor ihm befiudlicher Abreißkalender giebt ihm auch hierüber osort Ausschluß. Berutöge all dieser Vortheile, rvelche der Heppner'sche Abreißkalender, der im diesem Monat erscheinen wird, darbietet. wird derselbe sich im Fluge überall Eingang schaffen. In Ansehung einer eleganten Ausstattung und seines äußerst billigen Preises (60 Pfg.) wird er wohl bald in keinem Bet-und Schnlhause, in keinem Sitzungszimmer, wie überhaupt in keinem jüdischen Hanse, mehr fehlen. Diesen Erfolg wünschen nur ihnt von Herzen! Hochachtungsvoll ergebenst I. H e r z b e r g - Bromberg. * Geehrter Herr Redakteur lese soeben in Nr. 3 Ihrer geschätzten Zeitung einen Aufsatz „Russisches" von Dr.Carpin und erlaubemireinekleineBerichtignng hinsichtlich der jüdischen Offiziere in der russischen Armee zu machen. Der Verfasser des betreffenden Aufsatzes sagt an einer Stelle folgendes: „In der russischen Artnee hat es, so viel bekannt ist. niemals jüdische Offiziere gegeben." Und ein zweiter Satz lautet: „Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht brachte zunächst in Bezug ans die Jubelt keine Aendernng." Gestatten Sie mir zu bemerken, daß mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ein ganz anderes Shstem auch für die Inden eintrat. Sie wurde» zu Offizieren befördert. Unter der Regierung des unvergeßlichen Kaisers Alexander II., glorreichen Andenkens, wurde hier ill Odessa im Jahre 1875 Herr Freimaml,*- Sohn eines hiesigen jüdischen .Hauptmannes, zum Fähnrich ernannt; später wurde er Lieutenant und trat ans dem Militärdienste mit dem Range eines Oberlieutenants. Bald daraus wurden zu Offizieren ernannt: Theodor und Michel Schorstein, Söhne des seligen hiesigen Arztes Dr. Moritz Schorsteill. Außer diesen war ein Offizier in der Kavallerie (ill einem privilegirten Regiment) Baron Jagues von Günzburg, Ellkel des bekannten Philantrophen Baron Joseph von Günzburg in Paris. Derselbe «lachte den Feldzug im russisch-türkischen Kriege im Jahre 1877 mit. Dann dienten ebenfalls ill der Kavallerie zlvei Söhne des Barons Horace von Günzburg. nämlich die Barone Alexander nnb Alfred von Günzburg, die unter Alexander III. zu Offizieren befördert wurden. Wir wissen, daß im Innern Rußlands noch ein jüdischer Offizier lebt, dessen Name uns entfallen ist. und der natürlich längst schon seinen Abschied bekommen hat. Odessa, 26. Februar 1,. T. «'düfsr» Krirflr asten der U cd aktiv«. L. S.: Das Interview mit Major Lau ff stand zuerst in der „Berliner Morgenpost." *) Allg. Ztg. d. Jndenth. 1875, Nr. 51. Korrespondenz Odessa. ’eufeld Pianos ... Liszt, Kullak, Scharwenka. Berlin SW., Charlottenst-r. 18. ön einer achtbaren jüdischen kinderosen Familie findet ein Schüler oder Lehrling zute, billige, rituelle JlfttftOtt. Näheres bei Leiry, Berlin IVO., Uriedrichsbergerstraße 3, parterre. Eine jüd. Lehrerfam. in einer kleinen ^radt am Harze wünscht ein Waisenkind Mädchen) im Alter von 6—10 Jahren -egen mäßiges Honorar in Erziehung ,'.u nehlnen. Off. unter J. K. 5311 ^ef. Rudolf Rosse, Berlin SW. Ein älterer, sehr achtungswerther Rann sucht mit bescheidenen Anbrüchen in Berlin eine Beschäftigung, um Subsistenzmittel zu erwerben. Früher Kaufmann, würde er allen m die Branche fallenden Anforderungen entsprechen und auch im Stande sein, eine Stellung als Aufseher, Hausverwalter rc. auszufüllen. Nähere Auslunft über diesen Mann ertheilt gern uns Wunsch Dernbnrg;, Grnnewald» Herthastraße 15. 5 »eben erschienen in meinem Verlage zwei litterarisch werthvolle, änszerst scannend geschriebene Romane, welche durch alle Buchhandlungen (sowie durch Unterzeichneten Verlag) zu beziehen sind: „Anonym Noma» Von (Marie Sta 380 Seiten. Preis 4 Mk. In gar spamiender Darstellung schildert die rühmlichst bekannte Verfasserin die Folgen anonymer Briefe, die eine intrigante Salonschlange in der Gesellschaft einer Probinzialstadt und deren GutSnachbarfchaft verbreitet. Man wird bei der Lektüre der konfliktreichen und bewegten Handlung, die sich in dem gut beobachteten Milieu adliger Familien und deren Anhang abspielt, unwillkürlich an gewiffe hauptstädtische Vorgänge der jüngsten Vergangenheit erinnert. Mit großer Geschicklichkeit ist der Knoten geschürzt, dessen Lösung eine Reihe von Ueberraschungen bringt. Kein Leser wird diesen litterarisch werthvollen Roman, der zweifellos großes und berechtigtes Aufsehen machen wird, unbefriedigt aus der Hand legen. „Um Zucbtbau$ vorbei" ünna Oehmsch. von 420 Seiten. Preis 4 Mk. Die junge talentvolle Schriftstellerin, deren „Blutstropfen" erst unlängst bei der Kritik Aufsehen erregten, führt den Leser in eine fremde Welt. Hinter den Gittern eines Zuchthauses, und zwar im Hause des Direktors, spielt sich ein ailfregendes Drama ab. Er selbst, der gestrenge Beamte und sein Bruder schleppen eine geheime Schuld aus ihrer Jugendzeit mit sich herum, die, der Entdeckung nahe, das Glück ihrer Familien bedroht. Der Konflikt wird dadurch verschärft, daß der Schwiegersohn des Direktors, ein angesehener Richter, amtlich mit der Untersuchung betraut wird und einen schweren Kampf zwischen Pflicht und Liebe kämpft. Mit großem Geschick und hoher dichterischer Kraft versteht dir Verfasserin, den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln. Nudolf Mosse. Kerlin SW, 19, Ärrusalrmerstr. 48/49. Verlagsbuchhandlung