Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 feit seinem Bestehen, im Vereinslokal Hotel Vietoria ab. Der Vorsitzende Herr Mar Grünberg eröffnet,' die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Damen und -Herren und gab dem Schriftführer Herrn Hugo Fleischer das Wort, der einen vorzüglich abgesagten Jahresbericht des vergangenen ersten Verelnsjahres znr Verlesung brachte. Hiernach gab der Kassner Herr Ad. Wertheiuier seinen Kasse,«bericht, und wurde ihn, ans Antrag des Vorsitzenden, der vorher die Kasse revidirt hatte. Decharge ertheUt. Da jetzt die Funktionen des Gesannnt- Vorstandes erledigt waren, sprach der Vorsitzende einige Worte des Dankes den: Verein dafür ans, dag derselbe stets treu zusammen gehalten, lvodnrch die Arbeiten des Vorstandes i,n Laufe des Jahres sehr erleichtert lvnrde,i, ertheilte den, Dirigenten des Synagogen-Ehor- Vereins, Herrn Kantor Goldberg, als Alterspräsidenten den Vorsitz und legte nebst den anderen Vorstandsmitgliedern sein A,nt nieder. Herr Kantor Goldberg leitete nun die Wahl des ersten Vorsitzenden. Nachdem Herr Grünberg mit großer Mehrheit wiedergewählt. erklärte die Walil anzunehmen, und nahm seinen Sitz als Präsident wieder ein. Mit großer Mehrheit wurden nun getoählt: Herr Hugo Ileischer. Schriftführer. Herr Adolf Wertheimer, Kassirer und als Beisitzer Frau Marie Wolfs, Frau Martha Güthinann. Fräulein Lilli Bose und Herr Hugo Hirschstein. Der Vorsitzende ergriff nun das Wort, dankte im Namen des Gesannntvorstandes niv das entgegengebrachte Vertrauen und ermahnte die Mitglieder, stets zahlreich und pünktlich an dein Gottesdienste Theil zu nehmen und nie zu vergessen, daß der Hauptzweck des Synagogeu-Chor-Vereins der sei, den Gottesdiel,st stets durch guten Gesang zu verherrlichen. Her, Lehrer Sonnuerfeld dankte dein Gesannntvorstande für seine Mühe, die er sieh in, Laufe des Jahres gegeben, und beantragte die Revision der Satzungen, da selbe noch einige Mängel anflvcisen. Nach Genehmigung dieses Antrages schloß der Vorsitzende die Versannnlnng um 30 - Uhr. M. HMttbrtfg, 1*. Februar. Der Tod hält in diese,n Winter reiche Ernte unter den hervorragenden Mitgliedern unserer Gemeinde; schon ,nieder hat der unerbittliche Schnitter einen der Vesten ar,s inlserer Mitte dahingerafft. Herr Mar Magnus, Seuiorchef der gteichnauiigen Bantfirma, lvnrde tut besten Mannesalter von .71 Jahren vom Tode dahingerafft. Der Verblichene gehörte zu den angesehensten Mitgliedern der Hanlbnrger Finanzwelt, zeichnete sich durch Wohlthätigkeit ohne Ansehen der Konfession ans und lvar stets bereit, sich an der Verlvaltnng von Gemeinde- und Wohlthätigkeitsinstitntivnen zu betheiligen. Er lvar der Mitbegründer der Theresien - Stiftung lznr Unterstützung knrbednrstiger Israeliten), die unter seiner Mitwirkung sich zu einer der segensreichsten Institutionen der Genieiilde ausbildete. Die am Freitag stattgesnndene Beerdigung legte ein beredetes Zeugnis; von der großen Beliebtheit des Verblichenen ab. Tie Trauerrede hielt Herr Prediger Dr. Leimdörser, der, anknnpfend an die Worte ans den Klageliedern Jeremias, Kap. 1. Vers 16, dem Schmerz Ausdruck gab. der durch den Tod des Verewigteu nicht nur die Gattin und unmündigen Kinder, die zahlreichen Freunde, sondern auch das GeuieiiNvesen betroffen. Redner entlviekelte in ergreiseliden Worten ein Lebensbild des Verblichenen, der seine reichen Mittel dazu verioandte um den Armen und Bedürftigen helfend zur Seite zu stehen. Mit einem Segenssprnch und Trosteslvorten an die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede, die bei der große,, Tranergemeinde einen tiefen Eindruck hinterstes;. Hierauf ergriff Herr Gen,eindevorsteher Rechtsanwalt Dr. Max Eohn das Wort. NN, seinen, langjährigen Freund den letzten Scheidegrnß zu ,vid,nen. Der ilnposante Leichenzng belvegte sich „ach den, israelitische,, Friedhof in Ohlsdorf. woselbst nach einen, Gebete des Geistlichen die Beisetzung stattfand. A Kölrr, 12. Februar. Verschiedene Mittheilnngen berichte heute, die besonders für die Leser dieser Zeitung allgemeines Interesse beanspruchen dürften. Zunächst ist es die Kostitnirung des rheinis ch eit G e ,n e i n d e b n n d e s. Die z,veite diesbezügliche Versannnlnng fand am l.d. M. in, Gemeindehanse statt und wurde von, Vorsitzenden Herrn Feilcheineld eröffnet. Viele Gemeinden und Private hatten ihre Zustimmung und Sympathie knndgegeben. und begrüßte der Vorsitzende die zahlreich erschienenen Delegirten. Der Statute,lentwnrf lvnrde berathen, „ach lebhafter Diskussion „nt einigen Modifikationen auge, ,oiu, neu und ein geschastssührender Ausschuß, bestehend ans 18 Herren. ge,oäl,lt. Der hier ins Leben gerufene Verein s ü r j ü d i sch e K r a ,, f e n p s l e g e r i n n e u . sendet ans Wunsch ansgebildete und bisher in, Asyl beschäftigte Schwestern znr Krankenpflege in hiesige Familien, lvodncch einen, allgemein gefühlten Bedürfnisse Abhilfe geschaffen ist. — Rabbiner Dr. Frank hat von dem Ministerin,,, für Handel und Industrie in Paris zu den, bei Gelegenheit der bevorstehenden Weltausstellung stattstndenden „Congres international (rhisloire des religions“ eine Euiladnng zur Theitnahure an demselben erhalten. Herr Dr. Frank gehört zu», Komitee der Flirr,uce is,'.',e!jt<' n„ive,>elle und lvar schon bei bedeutenden Versaininlnngen in der französischen Hauptstadt ein lvürdigec Vertreter des Jndenthuins. Ter in Aussicht stehende Kongreß nrnsaßt alle Religionen und »vird in ^Lektionen eingetheilt, alle Verhandlungen haben einen streng ,visjenscl,aftlich-historischen Eharakter und jede Polemik über Konfessionen und Dogmen muß vermieden werden. r. Aachen, 17. Februar. Vergangenen Sonntag wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der es lvohl verdient, daß seiner auch in diesen, geschätzten Blatte gedacht lvird. Herr S e l i g in a n n Kanflnann, geboren zu Schotten in Oberhesseil, rvoselbst er bis vor mehreren Jahren als erster Vorsteher der dortigen Synagogen- Gemeinde jahrzehntelang in ansopsernder. gelvissenhastester Weise dieses Amt verlvaltete. verzog nach den, Tode seines einzigen Sohnes nach hier, um in der 'Nähe seiner Tochter den Abend seines Lebens mit seiner Gattin ruhig zu verbringen. Doch die nnerforschliche Vorsehung hat den edlen, tngendreichen nud herzensguten Familienvater, den wahrhaft religiösen und wohlthätigen Glanbensbrnder. den hochgeachteten und allgemein beliebten Mitbürger, der jahrelang in seiner Vaterstadt hervorragendes Mitglied des Stadtverordneten- Kolleginins war und dem das Vertrauen seiner Mitbürger auch sonstige Ehrenämter übertragen hatte, nur nach kurzer Erkrankung an der Influenza in, gesegneten Alter von 70 Jahren in ein besseres Jenseits abbernsen. Möge Gott die sch,vergebengte Wittwe, svlvie die Trauernden um den Unvergeßlichen seinen hirnnilischen Trost senden; sein Andenken aber sei gesegnet! — t. München, 8. Februar. Der R e d a f te n r des „D e n t sch e n V o l ksb t a t t e s" Ludloig Wenng in München ist von, Schössern gericht bei den, königlichen Amtsgericht München 1 wegen Beleidigung des Rabbiners Dr. Gold b erg in Polna zu einer Gesängnißstrase von 14 Tagen verurtheilt worden; auch ist dem Beleidigten die Befugnis; eingeränmt lvorden. die Bernrtheilung des Lndlvig Wenng iu der „Wiener Neuen Freien Presse" bekannt zu machen. In dem der Bernrtheilung zu Grunde liegenden Artikel lvar erzählt, daß man in Polna auf Rabbiner Dr. Goldberg als Mitwisser, wenn nicht als Veranlasser, des an der Agnes Hrnza verübten Mordes mit Fingern deute. Gelegentlich der schöffengerichtlicheu Verhandlung ist eine an das Amtsgericht gerichtete Zuschrift des Staatsanwalts am Gericht zu Kuttenberg verlesen lvorden, nach deren Inhalt ans die Nichtigkeitsbeschwerde des znm Tode vernrtheilten Hülsner hin der österreichische oberste Gerichtshof die Einholung eines Gutachtens der böhmischen medizinischen Fakultät in Prag beschlossen hat, die Akten aber lviedernm dem obersten Gerichtshof vorliegen. - Aber,„als bietet sich Veranlassung ans die dahier bestehende Hermann und Jettchen Müll er'sehe Allgemeine W o h l t hä t i g kei t ssti st u n g aufmerksam zu „lachen. Ausgabe der Stiftung ist: a) Die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehnngs-, Unterrichts- und Wohlthätigkeitszwecke. sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judenthnnls. h) Die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glanbensgen offen, jedoch „ i, r sofern d i e Gew ä h r u n g im mittelo d e r n n m ittelb a r e n I n t e r e s s e d e s I u d e n t h u n, s ist. (Andere Unterstntzungsgesnche können nach dem Stistungsstatnt keine Berücksichtigung finden), ej Die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Verbeseheidnng der Gesuche, welche bis spätestens Dienstag. 20. März d. I., an die Kultusverwaltnug einznreichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenten. ** JVveUmt’fl i. B., 16. Februar. Der I s r a e l i t i s ch e F rauenverein hat seinen Jahresbericht veröffentlicht. Der Rechenschastsbericht für 1860 ,oeist an Einnahmen 1602,66 Mark, an Ausgaben 1484.24 Mark ans. Kassarest 118,24 Mark. Der Veriuögensnach- ,veis sührt ö716,08 Mark ans. Die Mitgliederzahl beträgt 176. An Spenden sind eingegangen 774,60 Mark. Tie Ha „Pt lehre, Bodenlieiiiier-Stistnng hat ein Kapital von 822Z0Mark. - Bei der General-