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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-23 · Heft 8 (23.2.1900) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
Seite 95 (sequence 13)
Language
German
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95 Gebenden noch den Empfangenden. Ihr tiesster Grund ist eben nichts als Leichtsinll . . . Es brodelt und kocht mib zieht in unserer kleinen Stndentenkolonie, wie in eillem siedenden Kessel. Regsamkeit, Lärm, Belvegnng, lebendiges Treiben. Doch ist der diesem Kessel entsteigende Dampf nicht ans eine bestimmte Richtung gelenkt, ist ohnmächtig, dein Getriebe des Lebens und der Kultur als bewegende Kraft zu dienen, sondern verstreut sich und verduftet im lllstigen Ramne. Tllnst! Ende. Föv Korach. Eine Würdigung von Ochiw. rh kenne ihn nicht, aber ich verstehe ihn. Und »veil ich ihn verstehe, kann ich meiner Ueberzeugnng Ausdruck geben, das; er znin Wohte des Iudenthums, zur Ruhe des Ehefredaktelirs dieser Leitung und zmn Tröste so vieler knlnmerbeladener Jisroeilkinder geboren worden. Seine That, sich drucken zn lassen, ist eine Mannesthat, eine That voll Kühnheit nlld Witz. Wie viele sorgenschwere Herzen lverden unter seiner Flagge die Fahrt in diese Zeitung. ins offene Meer wagen! Wie viele Junger der Kultnsweisheit. wie Viele, die es mit dem Iudenthnm gut meillen, lverden dlirrh Lob Korach, den Mannhasten, ihre Fesseln des Schweigens birvi m;mu brechen, itm den Kampf mit den rabbinisehen und vorsteherischen Mellen allfzunehmen, ohne befürchten Zll müssen, von ihrum verschlungen zn lverden lvie der protestantische Pastor Weingarten zn Osnabrück. Unter Lob Koraehs Adlersittigen lverden sie getrost den Flug wagen mib dem Fluch elltgehen. Und and) der verehrte Ehefredaktenr brallcht so nicht zu besorgen, einige rabbinisrhe n. Abonnenten zil verlieren. Unsere rituellen Kirchenbehörden lverden mit ihrem Eherem kein Glück mehr haben. Mit Lob Korach bricht die Morgenröthe der Freiheit, des offenen Wortes all. Heil Dir, Du Tapferer. Tu Edler! Xn hast Dir ein Denkmal gesetzt in der Brust so lnanchen Lehrers, Ehasans, Schanllnes. Vielleicht dankt Dir gerade der Letztere am dauerndsten. Denn wenn Tn, Lob Korach, Recht hast, das; in der Gegenlvart die oberen religiösen Beamten der jüdischen Gemeinde gegen die unteren verschwinden, dann lvird er zuerst das Wort ergreifen. Ich halte es sogar für wahrscheinlich, das; Dll Recht behältst. In llleiner Erinnerung steht eine Szene .zwischen bent Vorsteher und dem Schanlines ans, während der Letztere in höchster Erregung, aber im Vollgefühl seiner Amtswürde die bedeutsamen Worte sieh entschlüpfen lies;: „Ich werde länger Schannues sein als Ihr Vorsteher!" Nun, ich glaube, der Mann wusste, lvas er sagte. Wo lväre eilt Schannues so leicht zn ersetzen! Marl denke an das Herbeiholen der Minjaulellte, an das Schulklopfen, das trotz allem und allem noch eristirt. Mail denke an die- Abschiebung der Schnorrer an die Bahn mit Fehrgeldvertheilnng bis zrlr nächsten Kille. Man denke an die zahllosen Botengänge, die Legatvertheilnng <bei der er immer zn kurz kommt», an das „Stellen" der Sisre Thora, das Alls- Hängen der richtigelt Poranehes, an die Besorgllug der Schaanos Zll Hoschaua rabbai lvo fände sich ein Vorsteher, der dieses oder jenes so lange getreulich versehen lvürde lvie der Schmumes? Wenn demnach jener Parnes; ans der voll Löb Korach geschilderten Parnossilnversammlllng meint, der Ehasan stehe über dem Rabbi, dann gebe ich ihm zlllll Rachdellkell die Frage, ob llicht der Sehalllllles llvch über Allen stehet Sei dem indes; lvie ihlll wolle! Ich habe die Absicht, mit Löb Korach öffentlich zu disklltirell. Und da der Leiter dieses Blattes, liebellswürdig lvie alle jüdischer: Redakteure es sind, nicht nur seinem Karlsbader Freunde Grünthal, sondern auch Löb Korach, seinem neuen Freunde und mir, Ochiw, seine Spalten öffllet, setze ich nunmehr fort. Also Löb Korachs j Mittheilung über den Oberehasan, der ben Vorsitz geführt, | hat 1111 jei1 oii Oberehasan nicht schlafen lassen. Alle seine > Nebenämter ivill er jetzt abgeben, er streikt geradezu. Das! „Schächten" überlässt er dem Rabbi, der ja die Linien besser : kenne als er und die Lücken des Messers schneller heranssehleife; z mit den Blntlüguern lväre er jetzt fertig. Ob er die Mohel-! sehaft beibehalten soll — darüber schwankt er zur Feit noch.! Wir lverden ja sehen. In Lebensversichernngen arbeitet er i fortab nicht mehr, das ist unter seiner Würde. Und lvenn der 1 Rabbi mit ihm streiten will, lvas richtiger ist, in der Mussafj Tefilla vvm Rosch haschono zn „setzen": Dibbenms <k‘ — dibru babberis oder dibberaus — eie dibbere babberis, so lvendet er . ihm. ihm mit Verachtung begegnend, stolz den Rücken. i Und lvenn ihm der Rabbi lveiter sagt: Herr Oberehasan. ivarum sagen Sie stets elaulia, statt elau—ab. dann iguorirt er vollends den Weisen und unterschlägt auch fernerhin das Untaeb ^enn^v.! Und lvenn ihn der sangesknndige Herr Vorsteher fragt: Mein : lieber Herr Oberehasan, lvarnm singen Sie adonoi .... statt 1 adono . . . . i: lvarnm eloliini m m m statt eloliie . . . . m:; lvarnm bleiben Sie mit ihren Bockstrillern nicht dort, lvo sie! hillgehören' lvarnm singen Sie das veraltete hahaha, hahame-! woroch, das doch kein gebildeter Ehasan mehr singt ' dalm streckt | er sich, droht feine Entlassung zn geben, die ganze Kille mobil j zn iliaehen und den Herrn Vorsteher abznsetzen. Das lvird | ihlll vielleicht eher gelingen als umgekehrt; denn lvielvohl! man ihm schon ein paar Rial gekündigt, er „denkt gar nicht! dran", sich zn rühren; ihm kann Keiner. Ja, ja Löb Korach hat Recht: heute lässt sich die ganze Kille vom Oberehasan uzen. Sie ums; sogar dazu schlveigen, lvenn der obersromme Ehasan «aber Löb. welcher Ehasan ist beim heute nicht fromm?>, der beim Borbeten so gut weinen kann, die Hällde flehend zum Himmel streckt und die Augen verdreht, vor dem Allerheiligen bei der Seelenseier in eigener! Person das Lied: „Wenn der Stifter der Geschlechter" deutsch | vorträgt. Und der Rabbi? der arme Mann schweigt erst recht. Löb Korach! Unser Oberehasan lässt sich llieht, der macht das alle Wort: alle Ehasollim sind Rarronim - zu Schanden. Und im nächsten Turnier reden lvir vom Melammed, dem Herrn Lehrer. Kprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur.' mir die Ehre zu Theil umrde, iu einem Artikel Ihrer geschätzten Zeitung, der die Unterschrift „Ein deutscher Student jüdischen Glaubens" trug, etliche Male zitirt zu lverden. so bitte ich Sie, auch meine Erwiderung aufzuuehlueu. Der Herr Verfasser sieht iu dem Bestehen tendenziöser jüdischer Vereine eine „offenkundige Separation, eine Einseitigkeit und Verschärfung der konsessionellen Gegensätze" und meint, das; der Ali-

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