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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-23 · Heft 8 (23.2.1900) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
Seite 90 (sequence 8)
Language
German
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90 und seine Heiligung eine graste Einbuße erleiden wurde, sobald die erste Gelneinde Deutschlands einen dahingehenden Besehlus; fassen lvürde. Jnstizratl) Me her erklärt, das; malt einer Einigung mit der 9kesornlgenleillde schon sehr nahe gelvesen sei. Der Freitagsabendgottesdienst mit Predigt hätte sich sehr gut betvährt, unb dieses Uebergangsstadinm enipsehle sich durchaus. Mit dem getvöhnlichen Gottesdienst a»n Sonntage lverde keiner zufrieden sein, der seilte Kinder belehren lvotte. Er lvotte jedoch nichts mit seinen Worten präjndiziren, da der Vorstand sich noch nicht über die Petition, die allch ihn; zugegangen sei, schliissig geniaebt hätte. Der Vorstaild sei für Annahme des Antrages Friedländer, da eine Besprechung der Einzelheiten! ansterordentlich wünschensloerth sei. In einer nach Farm und Jithalt gleich lvirkllngsvvllen Rede sprach alsdann Prof. Geiger für ben Alt trag. Er weist zunächst für seine Persoit zurück, das; er sich auf das Progralnm des Sonntagsgvttesdienstes ciltgeschlvoren hätte. Er sei keiner Verpflichtung vor der Wahl eiligegangen unb hatte deshalb keilte gebundene Marschrortte. Er stillilne mit dem Alltrage Friedländer i'lberein, »veil eilte so hochlvichtige Frage tnuitoglich voll der Versammlttng eiltschiedell werden könne, itnb sei sogar dafür, das; ztl derKomllljssiolt allch Fachgelehrte hinzngezogen lverden. Er könne die Vorführung der Bibelstellen llicht als abgeschlossen betrachten. Es sei mit Recht daraus Hingelviesen lvorden, das; von einer Abschaffllng des Sabbalhs dllrch Ehristlls llicht die Rede seilt könne. Alles, was später geschehelt sei, sei irrelevallt für die Stiftllilg des Ehristc'llthnllls. Das Ehristenthnm sei also Zlinächst in der Anerkennung der Gesetze lnit dcill Indenthnm vollständig eiltig gelvesetl. Er halte es llicht für nothig 3u lviderlegeit, das; mail beu Christen durch die Eillführllllg des Sollntagsgottesdienstes liachahnle. Nur der Grund, dastderSvnntag der Ruhetag des Staates sei, hätte den Wlinsch vercnllastt. Mall hätte kein Recht, zlvischell gtanbenstrenen tnld nicht glaubenstreliell Illdell zu llltterschcidell nnb denen Mangel au Glanbenstrene vorzllloelfen, die durch ihrell Berlif verhindert feien, am Soilnabelld die Shnagoge zll besnchell. Er fb11ue allch loeder die Allregltng Senators lloch die Baginskhs gutheisten. Das Prillzip der liberalen Forderung müsse sein, das; die Genreinde allen Richtungen in gleicher Weise gerecht lverde uub das;, wie eine alte Shnagoge bestäilde, in der die strengell Formen beobachtet lvürdeli. von Gemeilldelvegen allch ein Golteshalls für den Sonntagsgottesdienst eingerälllnt lverde. lieber die Ansgestaltnng des Gottesdiellstes feien lvoht nicht alle einig. Aach seiner Ansicht gehöre jedoch dazu. das; der Gottesdiellst lllit einer Predigt ansgestaltet werden nlüsse, so das; jeder! Erballllitg finden könne, ferner, da ja viele der hebräischen Sprache nicht! mächtig feien oder die hebräische Sprache llicht als eilizige anerkellllen,! ill der mau zll Gott beten könne, das; allch das delltsche Elemeilt eine erhöhte Berücksichtigung fiube. Er hätte die einzige lvirklich offizielle Darstellung über die Eillrichtling eines Sonntagsgottesdienstes nachgelesen. Alls der drittel; Rabbinervcrsaunnlnng Zll Breslau hätte bereits diese Frage Vorgelegen, die allerdings mit Allsnahme von drei Stimmen damals llicht zllr Anllahnle gelangt fei. Zllr Zeit hätten die Rabbiner Dr. Hef;. Holdheim unb Philippfon für den Soin,tagsgottesdiellst gestimnlt. Er enlpfehle die Rede Holdheims, der es mit dem Iudenthmne sehr erlist genieillt hätte, den Gegncrll der Petitioil und glaube nicht besser als nlit dessen Worten schließen zll köllllen, das; die Gründe für die Einführung des Sonntagsgottesdienstes keine anderen seien, als um die Religion vor eiilem sicheren llntergang zll retten. Herr Leonhard Sachs zweifelt llicht daran, das; der Veranlasser der Petition diese ans dein bestell und edelsten Herzell alrgeregt habe, unb ebenso, das; alle hierall Mitthätlgen es mit dem Indenthnme ernst meinen. Auch er sei ansailgs geneigt gelvesen. rvenn irgend ein Boden zur Verständigung gefnndell lverdeil köllnte, diesen zu betreten. Er halte dies jedoch für ausgeschlossen, in Rücksicht ans die große Verantlvortlichkcit, welche die Gelneinde mit diesen; Vorgehen auf sich laden würde. Wenn dllrch die geplante Einführung der Svlllltag eine Heiligung erhalte, so geschehe damit ein ernster Allgriff gegen das Jlldenthlinl. Er lvnndere sich, das; Pros. Geiger llicht seinen Vater zitirt hätte, der trotz seilles vorgeschrittenen Staildpllllktes ein Gegner des Sonntagsgottesdienstes gewesen sei uub dessen Beispiel doch znm Nachdenken Veralltassnllg gebell sollte. Wahrscheinlich sei allch dieser der Allsicht gelvesen. das; der Sabbath dlirch den Svlllltag verdrängt lverden lvürde. Sollte der Versuch dlnchgesührt il'erden, so lverde er feiner Hebe; p'llgnng nach kläglich enden. Es sei kein so grohes Fnteresje vorhanden, die Sonnlagvornnttage znill Besuch der Shnagoge zu belllltzeil. Er maine vor dem Schritt, lveil mau sich über die Verant lvortlichkeit klar werden lllüsse. das; Berlin dllrch sein Vorgehen eille Nachfolgerschaft finden lverde, die sicher llicht voll großem Segen seii; lverde. Prof. Bagillskh erklärt sich sehr bamit eiliverstalldell. beu Gottesdienst am Sonnabend ill einer ganz frühen Stunde abznhalten. Durch die Einführung des Sonntagsgottesdienstes lverdc die Genleillde in zlvei Theile getheilt lverde»;, die einen lvürden am Sonllabelld feiern, die ailderell am Sonntag. Er gebe von konfessionellen Satzungen so viel preis, wie man mir immer haben lvotte, aber nur das eille könne er llicht zugeben. nämlich das Allseina uberfalten der jüdischen Gemeinschaft. Es tön ne vielleicht allch eil; Ausweg geflllldeli lverden. daß all; Soniltag eine Belehrungsstnndc eiligerichtet lverde, lvozll auch die Shllagoge sreigegebell merben föune. Allch Hold he im hätte nach eilleli; Schreibeil, das er (Redner) von eitlem hiesigen Rabbiller erhalten hätte, ansailgs das gellleillsalne Festhalten des Sabbaths als höchst bebentfam bezeichnet; entschieden sei er erst gegcll beu Sabbath allfgetretell, als er entschlossen gelvese;; sei. all dic Spitze der Resorlll z;l treten. Herr Oppen hei m verlveist auf dic Worte Geigers, das; auch deutsche Gebete eingeführt luevben sollen und glaubt bann keinen Unterschied mehr voll dem Gottesdienst in der Reform erkennen Zll fönnen. Der rege Besuch des Freitag-Abend gottesdiellstes, der lllit Predigt uerbunbeu sei, spreche gerade für dic Gegner der Petition. Vielleicht lverde mau es auch erleben, das; die jeiligell Gotteshäliser, die am' Sabbath lloch llicht gilt besetzt feien auch einmal voll sein werden. Inzwischen ist eil; Antrag auf Schlns der Debatte eillgegange,,, der mit 10 gegen 9 Stimmen zur Annahiin getallgt. Rach persönlichel; Bemerklingell der Herren Landgerichtsratli Lölve, Geheimrath Senator uub Professor Geiger getallgt der Antrag Friedtällder z;rr Abstilnlllnng lind miib mit 10 gegen 9 Stimmen allgenollllnell. — Der Rest der Tagesordnung wurde schnell erledigt Das Gesuch der „Jüdischen Lesehalle unb Bibliothek" um Gewährung einer Sllbvelltion ivanderte nach kurzer Diskussion in den Anssclmstil zlir nochlnaligen Berathlmg zurück. Im Gemeindevorstand herrsch: lvellig Reignllg, eine dauernde Subvention zll gelvähreli. Zum Schlns der öffentlichen Sitzung ivnrden debattelos 1009,87 Mark für Schwellen fuubaiueute unb 2°>o4 Mark für Pflasterung der Wege in Weißense» bewilligt. UrotoKoll drr 20. Konforenr jüdischrr Lehrer im Bezirk Warbnrg-Pnderkarn. ^^lif Sonntag den 24. Dezelnber v. I. hatten nur nilsere Vereins initglieder zur letzten Konferenz im alten Jahrhundert nacl Paderborn berufen. Tie Konferenz llahm einen anregende! Verlauf. In feiner Begrüßung gab der Vorsitzelide, Kollege Bralln Marsberg, der selbst llahezil vier Jahrzehnte im Amte steht, einei kurz gedrängten lieb erblick über die Elltwickelling der jüdischen Schill Verhältnisse im letzte!; halben Säclllnnl. Er führte der Versainmlnm die lvahrhaft kläglicheil Verhältnisse vor Allgell, die um die Milt unseres Jahrhunderts noch all vielen Cvteu auf den; Gebiete dc jüdische;; Schulwesens herrschtell, unb lvie dal,;; nach unb nach etum frelNldlicheres Licht die Zustände zll beteuebten begann. Er kam zi den; Resultat, das; seit jener Zeit unendlich viel für die Schule nn für die Lehrer geschehen ist. daß aber lloch lange llicht das erreich ist, lvas zll erreichen unser eifrigstes Bestreben bilden lullst. -- Hiera» regte Kollege Golds ch in i d t - Brakel die Bildlnig voll Bezirks verbände!; an. um das immer stärker um sich greifende Unwesen dc Wanderbettelei wenigstens in seine gebührenden Schrailken zurück zuweisen. Tie Lehrer, so fühlte der Redner ans, nlöchten in itjvu Gelneinden die Anregung dazu geben, das; die Gelneinde mit ei neu bestimmten Beitrage dem Verbände beitrete, der seine Verwaltnngsstell an die Peripherie seines Bezilks zu verlegen hätte. Gegen diei Eelltratisativn der Armenpflege lvnrden vvll inehreren Seite»! schlve; lviegende Bedenken erhoben. Kollege Weiler-Paderborn vertrat dr Ansicht, das; die Gemeindevo; stände die Illitiative znr Bildnllg solche Kassen ergreifen mühten: denn u>enu auch die Lehrer zu allererst voi; den Zugereisten heimgesneht unb bei ihrer Gntglänbigkeil oft genas

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