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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-23 · Heft 8 (23.2.1900) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
Seite 88 (sequence 6)
Language
German
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heit, wie die agronomische Kolonisation bev Juden in Palästina, nicht dauernd von der ausschließlichen Aufsicht eines einzigen Menschen utib den Wechselsällen seiner Existenz abhängig bleiben dürfe. Es ist dabei noch zu bemerken, daß Baron Edmund der eitrige unter den Rothschilds ist. der der Palästina-Kolonijation eine Sympathie cnt-- gegenbringt. Um ollen Zufälligkeiten einen Damm zu setzen, lvilt der Baron daher die Palästinakolonisation ein für alle Mal zum Genieillgnt der indischen Kolonisationsgesellschast machen. Die Eingeweihten fönium diese Wandlung nnr beifällig begrüßen, da ihnen die Schäden des bisher geübten Systems in der Palästinakotonisation znr Gelinge bekaiint sind. Der Schlverpllnkt dieser Schäden liegt in dein Charakter der W ohtt h ät i gkeit. lvelcher das ganze Itiitevne^men als ein speziell philaiithropisches kennzeichnet. Sobald deni Baron die Angel» a»lsgingen tu Bezug nnf die Unzulänglichkeit der Administration. dräilgte sich ihln die Nothlvendigkeit einer Reform auf. Schoii vor vier Mouateli älißerte Baroii Ediliillid den Wniisch, die Palästinakolo»»isat»on mit der allgemeiiien Kololiisationsgesellschast zii verschilielzen. Er stieß aber auf den Widerstand der englischen- Iudel», die jede Arbeit in Palästina voll sich lveiseii, lveil sie eine solche als Forderung des Zionismus erachten. boffen Eristenzberechtignng sie iiicht auevfenuwu. Endlich aber nun* eine Abstimmung mit einer Stimmenmehrheit aiisschlaggebend für die Vereinigung der beiderseitigei! Kolonisationsbestrebungen. Die Bedingui»gen sind folgende: 1. Die Palastinakoloilisation bleibt unter der Aufsicht einer Kommissioll voll sechs Mitgliedern inld zwar lverden drei voni Baron Rothschild nub drei voll der Gesellschaft evnanut. 2. Der Baron garantirt snr die Mittel inl Laufe der »»ächsten zehn Jahre, liach lvelcher Zeit die Palastiuakolonisation gänzlich in die Hällde der Gesellschaft übergehen soll. Da die Kolonisation sich fortan auf einer rein k omm erzielten Basis ausbauen soll, lverden alle von beu Kolonisten in die Kasse zurückgezahlten Gelder 31t weiteren Kolonisationszwecken znr Verlvendnng gelangen. Herr Emil Meyersohn ist zun» Direktor aller jüdisch-orientalischen Kolonisationsnnterliehnnnngen ernannt. Seine Hingebung für die Sache und seine reichen Erfahrungen im Orient befähigen ihn »nehr als jede!» Anderen für diesen Posten. Für die Reorganisation der Palästinakolonien sind vor allen» dieje»»ige»» Gesichtspunkte ins Auge gefaßt lverden, lvelche de»» philanthropischen Charakter derselbe»» prinzipiell zu verlvische»» geeignet scheinen. Als praktische Neneinsnhrnngen sind 311 nennen: die Förderung des Gernüsebanes. der Schafn»»d Geflügelzucht und der ländlichen Hausindustrie, lvelche die Kolonisten in den Stand setzen soll, sich jeden LebenSbedarf selbst zu verschaffen, ohne zum Ankäufe thenrer Produkte greifei» zu müssen. In beu maßgebenden Kreisen gießt u»an der Hoffrumg Rann», daß die Palästinakolonisation fortan mit geschickter Ha»»d einer »uateriell und ideell gedeihlichen Ausgestaltung eutgegengesnhrt lverde. Aus der Berliner Gemeinde. Berlii», Februar. Sn der heutigen Rep c ä s e n t a n t e n ve rsa n» m l n n g hatte»» sich die Mitglieder fast vollzählig eillgefnndel», die Tribüne war dicht besetzt. Beide Mon»ente ließen darauf schließen, daß eine soge»»annte „große" Sitzung stattfand, und ein Blick auf die Tagesord»»»n»g lehrte, daß die Vorlage betreffend die Einführung eines Sonntagsgottesdienstes beu rege»» Besuch der Versannnlung vera»»laßt hatte. Zun» geschäftlichen Theil berichtete der Vorsitzende Lo»»is Sachs, daß er an Stelle des Herrn Maurermeisters Fränkel, beffeu Urlaub bereits vier Wochen überschritten hätte, Herrn Rechtsa»»!valt Dr. Her »nanu Veit S i in 0 n eiubentfen habe. Er erbittet und erhält dann vor» der Versan»mlung die Annahme der Dringlichkeit ci»»ec Vorlage, lvelche am Schlüsse der Sitz»n»g verhandelt lvnrde. Für das Amt des ersten fteflbevti*fteubeu Vorsitzende!» an Stelle des Justiz rat Hs Apolant, lvelcher, loie erillnertich. in der vorigen Sitzung sein Amt »»iederlcgte, ist vo,»» Ausschuß Herr Leonhard Sachs vorgeschlagei» lvorden. Der Ausschuß hat es nur als gerecht erachtet, lvieder einen Konservativen zu einpsehlen, da der Al»sgeschiedel»e dieser Partei angehört Hütte. Herr Leonhard Sachs hätte, »vie der Referent Landgerichtsrath Lölve betont, bei der letzter» Wahl eine solche Stiunnenzahl auf sich vereinigt, daß er »vohl das Vertra»»e»! der ©eine»ube fii» diese»» Poster» hätte. Geheinrrath Bl»nne»»thal er gäirzt der» Bericht dahin, daß Jnstizrath Apolant ei »re Wiederlvahl abgelehnt habe. Bei der Abstiinnnrng fallen vor» 16 gittigen Stinrmen l' ans Herrn Leonhard Sachs, 1 auf Herrn Oppenheinl. Der Gelvählte banft für das Bert»a»reu der Versa»r»n»lr»ng itub hofft, nidji oft in die Lage zr» kon»n»en. de»» Vorsitze»»de»» vertrete»» zu müsse»» Ir» das Knratoril»»»» der Dr. Ephrairilstiftnng lvird alsda»»»» auf Vo»' schlag der Koillmission debattelos einstimmig der stellvertretende Re prüfen tau t Herr Benas L e v h abgeordnet. Es folgt bann die Be rathinlg über ein Gesltch eines Ge»nei»»demitgliedes in Sache»» de^ Religionslnlterrichtes. Der Petent beklagt sich, daß sein Kind vor» der Lehrerin gezlvuilge»» worden sei, täglich das evangelische Religio»»sbnc! mitz»ibri»»gen, obwohl die Lehreri»» ge»v»»ßt hätte, daß es »licht am christliche»» Religionsunterrichte theilnehme. Der Bittsucher lveist be sonders baxauf hi»», daß die welliger beimtteilen Elter»» bisweilen darauf angelviese»» seien, ihre Kinder i 11 ungeeignete Schulen z»i schicke»,, häufig ihne»» auch nichts arideres übrig bliebe, als sie de», Gemeindeschnlen 31t überweisen. In de» Eu»gabe lvird ferner auf bii unzulänglichen Vorkehrnnge»» an der» hohen Feiertage»», an denen Seelenfeier ftattfiubet, hit»gelviese»». Der erste Gottesdienst sei ohne Predigt und die Liturgie lverde von einem Bo»beter abgehalten. An, Vorschlag des Referente»» der Vorlage, Herr Leo»»hard Sachs, lverden die Pllnkte des Gesuchs theils derKo»»nnissiol» für den Neligionsnnter richt, theils dem Ausschuß überlviesen. Bei diesen» Gege»»stai»d lvird »viedertnn die Frage des Ma»»gels einer Petitiollskv»nn»ission a»»fgerollt Der Vorsitzeilde hält den Anssch»»ß II hierfür geeignet, der »»»eist um einmal in» Jahre zu eitler Sitz»n»g z»lsan»nie»»käme, bittet jedoch, und» nicht generell zu beschließe»», sondern erst in einer Vvrberathung du Allgelegeliheit zu bespreche»». —'Alsdann tritt die Versammlung in du Besprech»ll»g des Gesuches ei»»es Gemeiudemitgliedes betreffend di» Elnführnng des S 0 u»»ta g sg v t t esd i e», ft e § ein. Hierzu ist eir im Namen des Comitvs für den So»»ntagsgottesdie»»st verfaßte- Schreiben des Herrn G»»stav Levinstein ei »»gegangen, das in» Wort la»»te vorgelese»» »vird. Es lvird darin gebeten, die Angelegenheü nochlnals in Erlväg»»ng zu ziehen und betont, daß. falls den» Wmlschc »licht entsproche»» lvürde, die Entfrelndnng von der Religion in imme» größeren Kreisen stattfinden unb die Taufen noch häufiger das zun: Ausdruck bringen lvürde»», »oas sich »»»nerlich in de»» Gelnüthern schon längst vollzöge»» hätte. Zn der Vorlage liegt ferner ein Antrag Fried lau der vor, die Versammlung 31t ersuchen, den Antrag Levinsteii» einem a»»ßerorde,»tliche»l Ansschnß von 6 Mitgliedern mi; dem Rechte der Eooptation ans der Zahl der Gen»ei»»demitglieder zu überlveise»». Die Wahl der Mitglieder solle in der , »»ächsten Sitzung erfvlgen. Z»»r Begr»"n»d»mg seines Antrages erhält zunächst Eon» merzieurath Fr i ed lä n d er das Wort. Er »veist nachdrücklich dara»»' hi»», daß vo,» einer Abschaffung des Sabbaths gar,»icht die Rede sei», kö»»»»e, daß aber eiltschieden etwas geschehe»» müsse, um benjenigeu, die an Son»»abe»»d verhi»»dert feie»», die Möglichkeit 311 geben, ihre»» religiöse» Gefühlen nachkvmnleil zu kö»»nen. Es sei fei ne Anssieht, daß sich di: Verhältnisse im Praktische»» Lebe», anders gestalte», »verde»», er glaub, vielmehr, daß die Sonntagsheiliguug im Staate sich noch mehr ausbreite, »verde. Er halte die Frage nach allen Richtlingen hi»» für so wichtig n»»d einer Prüfl»»»g so lvürdig, das; er feinen Antrag anzuilehmeu bitte. Prof. Bag i nsky, dem sehr viel daran liegt, sei»»e Stellung zr: der So»»»»tagsfrage vor der Versan»l»»lnng klarzulegen, lveist daran^ hin, daß er sich bereits bei der erstell Verhandlm»g ablehne»»d gegen die Vorlage verhalten hätte. Seine damaligen Ae»»ßerungen seien vielfach rnißdeutet und er als ein furchtbarer Zelot hingestellt »vordeu Der Standpunkt, vor» den» er sRedner) in religiösen Fragen ansgehc sei so fern von» Zelotenthum, »vie etwa der Sta»»dpunkt irgend eine- Historikers, wenn er eine Frage lvisse»»schaftlich klarlege und sage daß er sich nicht von der Geschichte toslösen könne. Er stelle sich niu auf den historischen Boden und bitte, nur das festztthalten, dan dieser historische Boden nicht kaltblütig verlasse»», »mb der Convex inü der Geschichte des Jndenthmns gewahrt lverde. Es sei unverkennbar

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