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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-23 · Heft 8 (23.2.1900) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
Seite 87 (sequence 5)
Language
German
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Hl Februar. )ii Zedlitz inlich geoährnng" atie und teil selbst, m Kanalhaben." reikonserlrgelegten > loären " ngs nicht besonders ken Nachist ihnen ffzlich die mehr als )e Namen lber nicht biblischen eitich die geordnete bemerkte lug" und er heute nisternim legenheit ö zu behieranf: iden einllich eine übrigens dermann durch ein?rtretung isemiten.» »lanbenst, in der nng des ichberechin dieser bewerbet' l) Staatstung hin t gelassen bewerbet' ssung zn isters in über den tals eine r bevorheidigers ^erreichte Nichtigkeitsbeschiverde die Prager medizinische Fakultät um Abgabe eines neuerlichen Gutachtens angegangen. Nun soll wahrscheinlich auf Grund der neuerlich gepflogenen Erhebungen - - eine neuerliche Verhandlung anberamnt loerden. Bei derselben soll die Anklage aber auch ans ein zweites Faktum die Ermordung eines zweiten Mädchens, das vor anderthalb nähren auch im Walde bei Polna ermordet anfgefnnden wurde ausgedehnt loerden. Als erkennendes Gericht dürfte Iglan delegirt loerden. Es ist bei dieser Gelegenheit interessant zu lonstatiren, dast der Staatsanloalt im Polnaer Prozesse, Tr. Schneider-Swoboda am 15. d. M. wieder einen lveiteren dreimonatlichen Urlaub angetreten hat. Es ist das der Mann der den Nituatmord ziemlich nnverblnmt anerkannt hat. Eine schlnachOolle Affäre ist die K rakaner Mortarageschichte, über die wir bereits wiederholt berichtet haben. In Krakau ist ein jüdisches Mädchen, die noch nicht vierzehnjährige Tochter des wohlhabenden Hausbesitzers Israel Avalen, am -'!«». Dezember V. I. ans dem elterlichen Hause verschwunden und bat nch in Begleitung einer Wäscherin, die in dem Aratenschen Hanse deschästigt lvar, in das Kloster der Felieianerinnen in Krakau begeben. Mehr als sechs Wochen sind seitdem veiflössen, und in dieser Zeit sind alle Anstrengungen und Bemühungen des verzloeiselteu Vaters, mit Hilfe der Polizei und der Gerichte die Herausgabe seines Kindes zu erwirken, erfolglos geblieben. Bor» bni Felieianernomlen wurde gar nicht geleugnet, dast die Michalina Araten — so heistt das Mädchen — sich in ihrem Kloster befinde, aber — so erklärte die Oberin Maria Rosalia — das Mädchen sei sreinnllig ins Kloster gekonnnen, habe verlangt, getauft zu loerden, uitb werde nun. daraus vorbereitet. x\w den seitdem verflossenen sechs Wochen sind alle Versuche des Vaters, wenigstens sein Kind im Kloster sehen uub mit ihm sprechen zu können, vereitelt ivorden. Am 21. Januar wurde endlich durch ein Prot okoll, welches von der Oberin Maria Nosalia unterschrieben ivorden ist, festgesetzt, dast Herr Araten am 2!). Januar im Kloster eine Zusammenknnst mit seiner Tochter Michalina haben solle. Herr Araten gab sich damit zufrieden und harrte sehnsüchtig dieses Tages, all dem er sein Kind loiederseheu sollte. Ter 29. Januar kam endlich heran, aber am Morgen dieses Tages erschienen zwei Nonnen aus dem Feliciauerinnen- Kloster bei der Krakauer Polizeidirektion ulid erstatteten die Anzeige, Michalina Araten sei zlvei Tage vorher ans dem Kloster durchgegangen Plan ist aber überzellgt, dast das Mädchen in eine Tochteranstalt gebracht ivorden ist, deren die FeLicianerinnen in Galizien mehr als dreistig haben, darunter eine nur acht Kilometer von Krat'an entfernt.! Es macht ferner den Eindruck. dast die Nonnen alles aufbieten. um die Entscheidung über das Schicksal des Mädchens noch eiilige Monate lang hinansznschleppen. bis es das vierzehnte Lebensjahr erreicht hoben ivird und der Vater durch seine Einsprache nicht mehr verhindern kann, dast es getauft lverde. Daher auch die Bemühungen der Nonnen, jede Einwirkung des Vaters auf das Kind bei einer Insau,menkunst zu verhindern. Ties beweisen verschiedene charakteristische Zwischenfälle. Als Herr Araten am Tage nach dem Versclnvinden seiner Tochter am-N. Dezember im Kloster erschien, empfing lhl, die Oberin unb sagte: „Das Mädchen ist freiwillig zu uns gekommen — Gott ha t sie gerufen!" Aus die flehentlichen Villen des Vaters sagte ihm die Oberin ,311, er solle sein Kind sehen, uild sie entfernte sich, um das Mädchen zu holen. In ängstlicher Spannung und Erregung harrte nun Herr Araten und hörte in der That bald, dast die Oberin mit feiner Tochter ins Nebenzimmer trat und mit dem Mädchen sprach. Gleich daraus vernahm er aber, dast das Kind in krampfhaftes Schluchzen und Weinen ausbrach. Die ^hür öffnete sich, und die Oberill trat allein herein und sagte Herrn Araten. er könne seine Tochter jetzt llicht schell, sie sei zu erschrocken und aufgeregt, sie fürchte sich, und er möge daher erst tu drei Tagen wiederkommeil. Als er nach drei Tagen sich wieder eillstettte, wurde 'hm die Znsamluenknnst mit dem Mädchen veriveigert, uub er hat 'ein Kind seitdem nicht wieder gesehen, so oft er auch deil Versuch -wiederholte. Nur dem Grostvater lvar es zweimal vergönnt, seine öitft»(in Michalina tut Kloster . zu sehen und zu sprechen, aber das Mädchen schluchzte mtb weinte dabei unausgesetzt, uub statt seiner autwortetell die Non,re». Mit Thränen iu deil Augen flehte der alte Maun das Kind an, es möge 31t seiner Mutter zurückkehrcii. die krank darlliederliege uub jich ilach dem Anblick der Tochter schrie. Da benterkte eine der Nonnen mit sallster Stimme und in milbeui Tone: T a s Kind ivird ia i c i u e M utte r 1 ru Himmel »viedersehen." Elldlich hiest es sogar, das Kind scl schlver krank cs habe geschwollene Füste uub sei herzleldend. Dec besorgte Vater selldete sofort drei Aerzte. darunter eitlen Professor und eineu Gerichtsarzt, ins Kloster, um Michalina ,31t untersuchen, und alle drei Aerzte erklärten übereinstimmend, das Killd sei vvttkvnnnelt geslind. Als nun Herr Araten erkannte, dast alle feine Schritte, die er iu Krakau that, um die Herausgabe seiner Tochter aus dem Kloster zu erreichen, vergeblich seien, kam er nach Wien, um hier das Eingreifen des Instizulillisters anznrnfelt. Mart darf mm wohl erwarten, dast bald wenigstens Klarheit tu die Sache gebracht uub festgestellt lverde. wo Michalina Giraten sich gegenwärtig befindet. * Im „Iewish Ehronicle" theilt ein Eorrespondent Genaueres über den jetzt gemachten Versuch, rnwänische Juden in Kleinasien anznsiedeln, mit. Die Aiohaiiiedaner ans der Tobrndscha lvandern nach der Türkei ans. iveil ihnen die rumänische Herrschaft nicht gefällt, und loerden von der türkischen Negierung in den spärlich bewohnten Prooinzelt Anatoliens angesiedelt. Die Juden der Dobrudseha, bei denen die Negierung des Sultans in gnteln Ansehen steht, möchten am liebsten diesem Beispiel folgen; doch loerden sie von der Furcht zurnckgehalten, das; die Türkei ihnenalsJndendieEiinvandernngverlvehrenivürde. Boreinigen Monaten machten indessen junge Leute ans Tnlza lmd 21 Familien vom Lande, im ganzen H‘><> Seelen den Versuch, sich ihren mohamedanischen Landstenten anznschltesten. So arm loaren diese Auswanderer, das; selbst der kleine Betrag von 6 7 Mark, den die Reise nach Konstantinopel kostete, wohlthälige Glaubensgenossen bezahlen inustten. In Konstantinopel kamen sie von den uothlvendigsteu Ntitteln entblöstt an, wurden ohne weiteres von den türkischen Behörden nach Ismid weiter befördert und zunächst hier von denselben mit Brod versehen, sowie nothdnrftig eingnartirt. Später bekamen sie Ho Para pro Tag und nach Verlauf einiger Zeit wies man ihnen ein Stück Land in Betstik-Ahnr, an der Bahn zwischen Eskischer und Angora zu. Jeder Mann erhielt 20 Dlinain gleich 5 Akretz Land, und sott spater jeder Einzelne soviel erhalten, als er bebauen kann. Auch Saatgetreide sollen die Ansiedler von der türkischen Regierung erhalten. Angeblich ist nun auch für l<>0 Familien, die noch in Tnlza wohnen, die Erlaubnis; zur Eimvanderung unter denselben Bedingungen ertheilt worden Man wird ablvarten müssen, ivie sich der neue Ansiedelnngsversnch bewähren loird, mld ob die türkischen Autoritäten so freundlich uue bisher gesinnt bleiben. * Zur Umgestaltung der Kolonisation in Palästina geht uns folgender authentischer Bericht zu: Baron Edunlud Nothschild hat seine landlvirthschasNtchen Kolonien ill Palästina der jüdischen Kolonisationsgesetlschaft übergeben. Tic Leiter der Gesellschaft in Paris zogeli es vor. dieses Faktum der europäischen Presse fern 31t halten, doch die englisch-jüdische Gesellschaft hat sich diesern Vorgang zugewandt uub ihn zum Theit als Gegcnftanb von dtligristeil gegen die Palästiilakolvllisation als solche ver lvertet. Die Ursache, die Baron Nothschild zn jenem Schritte veranlagte ist zunächst in seiner erlisten Krankheit' zn suchen, die it)n an jeder persönlichen Beschäftigung mit den wichtigen Fragen der Palästinakololiisation verhilldert. Ferner aber ist Baron Edmund Rothschild auch zn der Ueberzengnug gelaugt, dasteine solch bedenteilde Angelegen-

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