Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-16 · Heft 7 (16.2.1900) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228373--56195-3292481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nythmen" (1862), „Allgemeine Darstellung der vergleichenden Sprachtvissenschast" (1806). Nicht nur an seine engeren Fachgenossen die Altphilologen, sondern auch an viele Andere, insbesondere die Historiker und Ethnologen, wandte sich Beuloew mit beit Büchern: „Griechenland vor den Griechen, linguistische Studien, Pelasger, Leleger, Semiten, Ionier" (1877), „Der Ursprung der japhetischen und semitischen Zahlenbenennungen" <1862), „Die Semiten in Ilion oder die Wahrheit über den trojanischen Krieg" (1866), „Analyse der albanischen Sprache" (1879). Rußland. 8. Petersburg, im Februar. Während die Negierung den Bauern in Bestarabien alle mögliche Hilfe angedeihen läßt, um sie vor den schlimmsten Folgen der Mißernte zu bewahren. kümmert sie sich um die jüdischen Kolonisten, fast 800 Fanülien, nicht int Geringsten. Sogar der Gouverneur von Beßarabien empfindet die Härte dieser Politik und hat sich bei der Negierung für die jüdischen Bauern verwendet, ihnen zugleich aus der Fleischsteuer zmtächst 4000 Rubel bewilligt. —! Nach deu letzten Negierungsentscheidungen dürfen jüdische Fleischer nur im Ansiedelnngsrahon wohnen. — Der Schulinspektor L. Mandelstamnt ist zum Staatsrath ernamtt worden. — Das Gesetz nöthigt bekanntlich die jüdischen Gemeinden, einen Reservefonds festzusetzen, der aus den S teuertt für Fleisch und Licht besteht. Diese-seit Fahren erhöhten Stenern stelltett manchmal sehr bedeutende Summen dar. So erreichen sie im Gouverueiuent vott Kiew die Höhe voit 828 884 Rubel. Trotz dieses Reichthutns können die jüdischen Gemeinden zu diesen Hilfsquellen keine Zuflucht nehmen, und zwar deshalb, tveil sie seit langer Zeit ihr Recht aus dies Geld tticht ansgeübt haben. Wegen der Lässigkeit der Israeliten haben dis Stadtbehörden geglaubt, diesen für die jüdischen Gemeinden bestiinntten Fonds für die allgemeinen Bedürsuisse der Stadt gebrauchen zn dürfen. In Wilna hat die Stadtbehörde einen Th eil des Geldes zur Ausbesserung der Straßen benutzt. In anderen Städten hat inan denselben anderweitig verwandt. Jtt Simferopol hat man in der Kasse der jüdischen Gemeinden 30 0O0 Rubel augehäuft, um damit ein Mädcheugymuasium zn gründen; in Bialhstok hat man zum selben Zweck 20 000 Rubel verwendet; in Berditscheiv hat man für Ausbesserung der Wege 8000 Rubel verbraucht. Hieraus geht hervor, daß die! jüdischen Gemeinden genöihigt waren, Maßregeln ztt treffen, um das Defizit in ihren Budgets zu begleichen. Nun haben diese Mißbräuche dank dem energischen Austreten der Genteittde von Cherson ein Ende genommen. Auf Befehl des Ministers des Innern hatte man aus dem Reservefonds der jüdischen Gemeittde von Cherson 20 000 Rubel : zum Bau eines Mädchengymnasiums ttehmeu wollen. Die Gemeinde beklagte sich beim Senat, der soebeit beschlossen hat: 1. Die Reservefonds der Steuern werden auf der kaiserlichen Bank niedergelegt und j sind für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinden zu verwenden. 2. Das Lyceum von Cherson dient der ganzen Bevölkerung von Cherson und nimmt unter ihren Schülern ein Drittel Juden auf. Daraus geht hervor, daß der Minister des Innern tticht mit dem Gesetze i'ibereinstimmt, das die fraglichen Fonds dazit bestimmt, die Kosten zum Bau einer Schule zn verwenden. Der Senat erklärt außerdem, daß die 20 000 Rubel der Gemeinde zurückgestellt werden sollen. Dieser Erlaß wird ohne Zweifel eine Anzahl von Prozessen Hervorrufen und den jüdischen Gemeinden des Reiches erlaubett, für ihre Bedürfttisfe die seit Jahren angehäuftett Millionen nt den Kassen der kaiserlichen Bank zu verwenden. Amerika. ff. Newyork, 28. Januar. Ben Akiba, Du tvarst int Jrrthutn! Zum ersten Male im Verlaufe der Weltgeschichte ist ein Rabbiner zur Sekte der Christian Seientists übergetreten. Der betreffende Herr heißt Dr. Max Wertheimer, ist atts dent Großherzogthum Baden gebürtig, kant als jtutger Mantt nach Amerika, studirte am Hebrelv Union College und war von 1889—1899 Rabbiner in Dayton, Ohio. Wegen feiner Ertravaganzen von seiner Genteinde entlassen, trat er kürzlich zu der genannten Kirche über. Dieselbe ist eine Sekte jungen Datums ttttb wurde vor einigen dreißig Jahren vott einer noch lebenden Frau Eddhs gegründet. Sie ist eilt Gentisch von Glaubensknr, Spiritualismus und tvissenschastlichen Floskeln, hat aber trotzdem reüssirt. Die Gründerin hat mit ihren Kuren und ihrem „medizinischen" Kollege ein großes Vermögen erworben und in Boston Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. eine Kirche erbaut, die eine Million Mark kostete. Das Hauptprinzip der neuen Lehre lautet: Alle Krankheit ist Einbildung, denn Materie eristirt nicht. Geist ist Alles. i Von Nah und Fern. j Der Generalkonsul Siegmnnd Levin ist nach kurzem Leiden am 6. d. M. im 79. Lebensjahre hier gestorben. Derselbe gehörte mehr als 30 Jahre lang der Verwaltung des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde" an. — Dent bisherigen Handelsrichter, Kaufmann Hermann Sternberg ist der Rothe Adlerorden IV. Klaffe verliehen. — Am 10. d. M. hielt Dr. Walter Rathenau, ein Sohn des Generaldirektors der Elektrizitätsgesellschast, Emil Rathenau, im Neichspostmuseunt vor dent Kaiser einen Vortrag über elektrische Alchymie, der den allerhöchsten Beifall fand. Nach dein Vortrage überreichte der Kaiser Herrn Dr. Nathettau persöttlich den Nothett Adlerordett IV. Klasse. — Der Metzger Heinrich Haller in Gerolzhosen hatte zu eittem Wirth, der von dent jüdischen Metzger Kleitt Fleisch bezieht, gesagt, er tvolle ttoch einen Schoppen Wein, obgleich der Wirth von dem Inden besudeltes Fleisch kaufe. Daraufhin vurde vor dent Amtsgericht Gerolzhofen Klage erhoben, unb letzteres verurtheilte den Haller wegen nitlauteren Wettbetverbs in contumaciam zn 100 Mark Geldstrafe. — Zum Generaldirektor der Ungarischen Kreditbank wurde an Stelle des Markgrafen Pallavicini der Direktor Siegmund Kornfeld in Budapest ernannt. — In Livorno ist, 77 Jahre alt, der bekannte Rabbiner Elias B ena m ozegh verstorben. Ein früh enttvickeltes Talent, schrieb er, schon fünfzehnj jährig, wissenschaftliche Aufsätze. Die Zahl seiner Schriften ist bedeutend; wir erwähnen nur: „Dio“, „Israele et lluinanite", „Gej schichte der Essäer", „Morale juive et morale ehretienneh „Le crime de la guerre deaonce ä Fhunianite" n. a. Und zwar schrieb Benamozegh mit derselben Gewandtheit hebräisch und französisch tuie italienisch. Ein Freund Mazzinis, nahm er seiner Zeit an der Freiheitsbewegung Italiens Theil; er war überall hochangesehen. — In Paris ist am 7. d. M. Baron Adolf Rothschild im 77. Lebensjahre gestorben. Er gehörte seit einer Reihe von Jahren der Firma nicht mehr an. Früher hatte er die Niederlassung des Hauses Rothschild in Neapel geleitet. Bon dem Besuche in seiner Billa am Genfersee heimkehrend, wurde die sel. Kaiserin von Oesterreich von ruchloser Hattd int vorigen Sommer vertvnndel. Baron Rothschild tvar ein Vetter des Baron Alphous und des Lord Rothschild. — Im 40. Lebensjahre ist dort der bekannte Verlagsbuchhäudler P a u l lohnet tt Levh nach langem Leiden gestorben. — Der Minister hat dem Kaufmatut L. Haas und dent Arbeiter E. Lehmann in Paris die Rettungsmedaille verliehen. — In L eva l l o i s-P err e t beabsichtigt man dem am Kongo ermordeten Lentnaitt Col o tu a n B ra tnt ein Denkmal zu setzen. — Jtt Atu st er dam ist der Rabbiner der portugisischett Gemeinde I. A. M. Chttmaceiro ittt 67. Lebensjahre gestorben, ein frommer und gelehrter Mann, der früher atu portngiesiescheu Nabbluersemiuar unterrichtet und au den jüdischen Zeitschriften in Holland sich auch vielfach litterarisch betheiligt hot. — In Odessa ist der Privatgelehrte I. L. Ta r nopol itn 02. Lebensjahre gestorben. Er tvar der Verfasser mehrerer Broschüren über die religiöse und soziale Lage der Inden in Rußland und gab 1860 mit A. O. Rabbinowitsch das erste russisch-jüdische Journal „Roswjet" heraus. Außerdem hat er 1828 die erste jüdische Elementarschule in Odessa begründet. — Bei dem Sturme auf Spionkop ist der Leutnant F. M. Raphael, ans einer der ersten jüdlschen Familien in London, im Alter von 29 Jahren gefallen. — Der amerikanische Ackerbauminister Wilson hat kürzlich die Nationalfarmschule des Rev. Dr. Krauskopf eingehend insvizirt und sich über die Arbeiten der Schüler mit großer Befriedigung ausgesprochen. Bei dieser Gelegenheit hat er auch die Herren Dr. K r a u s ko p f und Ralph Blum zu Spezial-Kommissaren der Bereinigten Staaten ernannt und beauftragt, den Stand der Agrikultur in der Pariser Weltausstellung zu studiren und an das Ackerbau-Departement darüber zu berichten. Ein Rabbiner als Sachverständiger in Ackerbanangclegenheiten — mehr kann man nicht verlangen. — In Geisteskrankheit verfallen ist der berühmte Schachspieler Steinitz in Rewhork; er bildet sich ein, mit starken elektrischen Strömen geladen zn sein. Er ist der Bellevue-Irrenanstalt zur Beobachtung überwiesen worden. Verantwortlich für die Redaktion: Man Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.