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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-16 · Heft 7 (16.2.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Sprechfaul. Sehr geehrte Nedaktioll! letzter Zeit hat die Angelegenheit betreffs Verlegung der Jahr- Märkte n. s. lv. auf Tage, welche nicht Sabbath oder Festtage sind, die Oeffentlichkeit wiederum viel beschäftigt. In dieser Hinsicht treffen wir wohl bei den meisten in Betracht kommenden Behörden billige Rücksicht an, doch mutz konstatirt werden, daß man in Posen diese Rücksicht bereits vor fast einem Jahrhundert hat walten lassen. So berichtet die Posener „Südpreußische Zeitung", die später den Titel „Posener Zeitung" erhielt, ans dem Jahre 1808, daß mail in Ansehung der Bedeutung der jüdischen Bevölkerung in Bezug auf Handel und Gewerbe solvohl lvegen der langen Nacht (b. i. Versöhnnngstag) wie auch lvegeil des jüdischen Nenjahrsfestes amtlich Auktionen und Jahrlnärkte auf einen späterell Tag verlegt habe. B r o m b er g. Hochachtullgsvvll I. Herzberg. D i ch t e r n n d L e s e r. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht zwei Briefe, die ihrerzeit zlvischen einem Karlsruher Advokaten und Friedrich Rückert gewechselt lvurden. Der all ben Dichter gerichtete Brief lautet: Hochgeehrtester Herr Geheimer Regiermlgsrath! Die Scköpfullgen ihres Genius erfütlel« nicht blos die Allfgabe, die Gegenwart zu erheitern mld zu starken, zu belehren und zli entzücken, auch die Nachlvelt lvird sie 311 den Kleinodien des Vaterlandes zählell. Um so schmerzlicher traf mich stets, verzeihen Sie dies offene Bekellntlliß, ein Wort in einem Ihrer Gedichte, das die Ueberschrift „Nächtlicher Gailg" trägt ulld sich auch in der elften Allflage Ihrer „Auswahl" auf de», Seiten 46 mit 47 findet. Ich meine die Strophe: Der Judellgottesacker Am Berg dort hinab; Ein weißes Geflacker Auf jedem Grab, Ein Uhu rlift Dein andern: Schllft — Es lnllß doch zllr Liebsten geh'n! So oft ich diese Verse las, konilte ich die Fragen in mir nicht unterdrücken: Darf die Dichtkunst Denjenigen, welchen das Leben so lvenige seiner Rosell, so viele feiner Dornen bot. noch in das Grab hiliein ein Wort der Schmähung Nachrufen? Und sollte gerade der Dichter, Deffen sittliche Größe ans aflen seinen Werken strahlt ulld der so viele seiner kostbarsten Perlen der dankbaren Heimath ans dem Morgenlande brachte, gegen den gleichfalls hier wulzelnden, tauselldjährigeu Stamm der Träger ulld Hüter des Gvttesglanbells eine solche Krällkllng beabsichtigt haben? Entschuldigen Sie, hochgeehrtester Herr, einen Mann, der von Verehrung für Ihre Muse erfüllt ist, der aber seine einstige Nnhestätte ebellfalls auf einem Inden-Gottesacker sucht, wenn er Ihrem zartfühlendell Herzen seine tiefverletzte Enlpflndnng offenbart unb jene Fragen, auf die er sich selbst nicht eine beruhigende Antloort 311 geben weiß, freimüthig vorlegt. Ich lverde mich glücklich schätzen, fällde ich bei Ihrer Gerechtigkeit eine Würdigullgund gelegentliche Berücksichtigung eines Schlnerzgefühles. das meine Gtallbellsgenossen mit mir tbeilen müssen. Genehmigen Sie illdeß. hochgeehrtester Herr, die Versicherung der vollkomlnensten Hochachtlmg ittib Ehrerbietung, uuutiit ich die Ehre habe, zu verharren Elier H0chl00hlgeb0von ganz gehorsamster Diener x. Advokat. Karlsruhe, in Baden, den 5. Dezember 1858. Alts dieses Schreibell hat Friedrich Rückert solgellde Antwort ertheilt: Hochznverehrender Herr! Es thut mir herzlich leld, daß ein tvildes Jugelldgedicht von mir Ihnen so ernstliche Bedellkell u»ld so ullaligeilehllle Empfilldnngen verurfachell konllte. Wenn ich mich, so | lveit es dem zahmeli Alter lnöglich ist, iti jene lvilde Stimmung znrückdenke, so hatte die silnlliche Lllst auf jenem nächtlicheil Gallge gegerr! bessere Mahnungen und Warnnngsstiminen 31t kämpfen, die, ans beut Innern kommend, von der Phantasie grell in die änßere Umgebung gesetzt lvllrden. Wäre dort rechts am Berg herab statt eines Jnden- Gottesackers, der aber lvirklich dalag. ein Ehristen-Gottesacker getegell gelvesen, so lvürde der allfgeregte Wanderer alich dort lvvhl Flümmchen auf ben Gräberll Hüpfen gesehen und einen Uhll den anberu schilllpfell gehört haben. Voll einer Feindseligkeit gegen irgend eine Glanbeusgellossellschaft lvar dabei natürlich llichts im Spiel, wie ich llir eilles solchen Ullverstaildes auch bis dato nicht belvnßt bin. Hochachtnllgsvotl Zhr ergebenster F r. R ü ck e r t. Neuses;, den ‘23. Dezember 1858. Geschäftliche Notizen. — Die Aeitnlkcf „ Dies Blakt geh ört der H all s fra n" Nr. 8 schreibt: — Emmer-Pianinos. Die Ätnsik ist helitzutage gottlob nicht lllehr das allsschließtiche Besitzthulll welliger, bevorzugter, hochbegabter Menschellkillder. nein, sie erobert sich lnehr lllld mehr in deil breiten Schichten der Gesellschaft einen berechtigte ll Platz. Ans allen Hällsern singt es lllld klingt es. ulld lvewl es auch llicht ilnnler 51üilstterhällde sind, die das Piailo „bearbeite«»", so lvird dieses oft noch ungeübte Spiel doch dem Spieler selbst und vielen anderen — llicht allzu kritisch veralllagten — Freunden eine Quelle des Genusses und der Frellde. Glücklicherlveise ist ein Piallnlv hellt teil« llilerschlvillgticher Lnpnsgegeilstalld lllehr. Die rühmlichst bekalmte Pialiofortesabrik von Wilhelln ElNlller. Berlin (?., Sehdelstraße 20, liefert schon 311 mäßigen Preisen lllld unter sehr coittauten Zahlungsbedlngnngeil sDheilzahllllig» allßerordentlich gute.Quftvumeitte. Die Emmerschen Fabrikate — Piallillos solvohl «Die Flügel «nld Harlllvllimlls — zeichnen sich buvct) ällßere Elega««z bei größter Solidität, dllrch lvllnderschönen, vollen, «oeichen Klang lllld vorzügliche Haltbarkeit des Tones a»ls. Wer ein Klavier aufcbaffeu «vill, der versäume doch nicht, sich voll genannter Firma die Preisliste, lvelche gratis und franko versandt lvird, kommen 31t lassen. Die Freude über eil« so herrliches, ivohlktiilgendes Gescheilk I wird sicher eine große ulld — dauernde sein. [enfeld Pianos N< 9 mal prämiirt. Anerkannt von Liszt, Ivullak, Scharwenka. Berlin SW., Clmrlottenstr. 18. ßoctmmer Geflügelmästerei Inhaber: Th. Höwing jr. Empfehle Ia. geschlachtete Gänse;t pfb. 65 pfg. ill nur ganz tadelloser, bleubenb weißer waare. —mm Man verlange preisfoumnt , HDB^niSÖ eiilpfehle in schönster Ware. Preist, gratis. Postsend. netto 7;As Pfund, I Sit 3,40 frailco Nachnahme- Bei Aufträgen von nicht unter 200 Pfund bewillige Rabatt. A. Steinberg senr. Bloch» a. d. Weser. 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