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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-16 · Heft 7 (16.2.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 wählen statt, von denen loiv wünschen und hoffen, das; sie unsere Gemeiudekollegien verjüngen und frisches Blut, woran es gar sehr bei nns fehlt, ihnen zuführen lverdeu. Die vornehmste Aufgabe der Reprüfen tauten luivb es zunächst sein, eine Aeuderuug der veralteten und sich vielfach überlebten «Statuten horbeizuführen, wie sie vom Vorstande theilweise auch schon beschlossen ist. Hoffentlich wird dann der alte, in unsere Zeit gar nicht mehr hineiupasseude Modus der öffentlichen Wahl durch Namensaufruf abgefchafft und statt dessen die „geheime Wahl" für die Repräsentanten eingesührt, wie dies in anderen Großgemeinden schon längst der Fall ist. Gerade für die Königsberger Verhältnisse ist die „geheime Wahl" wnnschens- und erstrebenswerth. Hoffentlich haben die dahinzielenden bereits gestellten Anträge vollen Erfolg. — Die Meldung über die Berufung des Nabbiners Dr. Nobel ans Köln an die Separatgemeinde ist verfrüht; die Stelle ist noch nicht definitiv beseht. Herr Nabbiner Dr. E. Carleb ach in Meniel, von dessen Berufung die Rede war, verbleibt ans Wunsch seiner Gemeinde in Memel. K. Aus Westpretttzen, im Februar. In Pr.-Stargard wurde in den Vorstand des „Vaterländischen Frauenvereins" unter vielen Danien und Herreil der Elite Pr.-Stargards auch Frau Fabrikbesitzer G ol dfa r b gelvählt. — Der zlnn Nabbiner der Synagogengenleinde in Könitz gelvählte Herr Dr. Kellermann ans Berlin, lvnrde aln Freitag den 2. Februar Abends durch beu Synagogellvorstalld in feierlicher Weise in sein Amt eingesührt. — Die Geschäfte eines Nenbauteu der Synagogen gemeinde in Allen st ein ftub an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Louis Simonsohn dem Kallsmann Herrn Jacob übertragen lvorden. — Jll Gollnb wurde am 4. Februar nach einem Vortrage des Lehrers Herrn Kadi sch ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratllr" gegrülldet. bem gleich 24 Mitglieder bei traten. In den Vorstand lvurden die Herreil Lehrer Kadisch, Mühlenbesitzer H. Levill, Uhrmacher Tllchler und Kaufmann S. Hirsch gewählt. — Herr Landrichter Hirschfeld in Thorn ist zum Landgerichtsrath evnaitnt lvordell. — Herr Kalltor H. Singe r m a il aus Könitz ist von der Synagogengemeinde Natibor i. Schl, zlllll Oberkantor gelvählt und hat diesen Posten bereits angetreteu. — Der israelitische F r a u e n v e r e i n in Ni e s e n b ll r g feiert in ilächster Zeit das Fest des 22 jährigen Bestehens, lvozn bereits Vorbereitungen getroffen werden. Y. Zttitt (Posen), 11. Februar. Am 6. d. M. verschied plötzlich Herr Nabbiner Elias C h e i in im 79. Lebensjahre. Der Verstorbene hat fast 20 Jahre das Wort Gottes in unserer Gemeinde, wo er geboren lvard, gelehrt. Er lvar der beste Talnludjüllger des sel. Nabbi I. L. Blaschki in Schölllanke, saß viele Jahre zu den Füßen des bekanllteli Nabbiners M. L. Malbim in Wreschell lind Kempen. Das ganze lange Leben des Dahingeschiedenell lvar dem Stnbtiiin der heiligen Lehre geividnlet. Jllfolge seiner Fröulmigkeit uub Gelehrsamkeit hat er sich viele Verehrer lind Freunde erlvorben. Jll denl stattlichen Leicheuzuge lvaren alle Schichten der Bevölkerung vertreteri. Man erblickte da die Stadt-, Kreisnnb Justizbehörden. Der Bahre folgten fünf Nabbinen der Nachbargemeinden: Jnoivrazlalv, Gnesen, Nogasen, Broniberg unb Nakel. Jll den Leichenreden von Dr. Jacobsohil lind Dr. Allerbach uutrbeu die Verdienste des Verstorbenen in warmen Worten geschildert. Er lvar sänlmtlichen Genleindenlitgliedern ein väterlicher Freulld itub fürsorglicher Berather. Sein Andellkell wird nns unvergeßlich blelbeu. Lovsens, im Februar. Noch nie hat unfeve Gemeinde einem feierlicheren Gottesdienst beigewohut, als am Diellstag den 6. d. M., an lvelchem das 90jährige Bestehen der hiesigell Chebra Bikur Choliln gefeiert lvnrde. Ilm 41/o Uhr Nachlnittags begann in der festlich erleuchteten Synagoge der Festgottesdieust. Einleitend trug der Chor das Matanlvo von Lelvalldolvski vor. Der eiilgeschlltte Chor, dessen Leiter Herr Kalltor BalMlsteill ist, fang vortrefflich. Auch die Sologesällge, lvelche Herr Baulusteill in nlusikalischer Weise mit seiner geschnlteil Baritollstinlme vortrng, klangen sehr gut. Dell Gipfelpunkt erreichte die Feier in der meisterhaften, von Herzen konnnenden und zu Herzen gehenden Festpredigt nllseres Herrn Lehrers Berllstein. ivelcher es verstailden hat, feine Zuhörer zu ergreifen. Nach Schluß dieser begeisterteil Predigt sang der Chor das Hallelujah voll Sulzer. Hiermit lvar die synagogale Feier zu Ende. Nun begab sich die Festversamnillmg nach dem Lelvinski'schen Hotel, wo ein Festessen stattsand. Bei Beginn der Mahlzeit gedachte der Vorsitzende des Vereins, Herr David Petzal, der in diesem Jahre dahingeschiedenen Vereinsmiig lieber, wobei sich Alle von ihren Plätzen erhoben. Dann hielt Herr Petzal eine schwungvolle Tischrede. Es wurdeil noch verschiedene Toaste, Gesänge und Gedichte zum Vortrag gebracht, bis die Mahlzeit ihr Ende erreicht hatte. Dalln ließ Herr Baumstem feine klangvolle Stimme wieder erschallen intb verrichtete das Tischgebet. Die Theilnehmer gingen mü dem Bewußtsein nach Hanse, recht schöne Stulldell verlebt zll haben. o. Gleiwitz, 9. Februar. In erhebellder itub aucf) für weitere Kreise allregender Weise ist hier das Stiftu ngöfeft der Chebra - Ka - d isch a begangeil lvordeil. Am Morgen versalnmeltell sich die Vereinsmitglieder zu einer tief erlisten Feier auf dem Friedhofe, woselbst unter Verrichtung voll Gebeten ein Umzug um die Gräber abgehalten lvnrde. In der Mittagstunde fand in der festlich ertencfiteteu Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt, bei denl Herr Nabbiner Dr. Münz eine stimmungsvolle Gedächtnißrede hielt. Am Abend führte ein Festmahl eillen großeil Kreis von Mitgliedern unb Freunden des Vereins zusamlnen. Jll einer interessanten, gehaltvollen Darstellung lvarf der Vorsitzende der Synagogellgemeiude, Herr Nechtsaulvalt Schüller, einen Nückblick auf die Geschichte unserer Genleillde. Er lvies daraus hili, une in dem vergangenen Jahrzehnt die Synagogengemeillde Gleilvitz zur Blüthe gelangt sei, wie das hiesige Nabbillat dllrch die Neutralisatioll des Herrn Nabbiners Dr. Münz zllr großeil Freude der Genleillde eitle feste, definitive Grlllldlage gelvoulleil, lvie auf allen Gebieten des Kultus und der Verlvaltllilg das regste Jilteresse sich klllldgebe, lvie alle gellleilluützigell, mildthätigen Bestrebllllgell bei der Gemeiilde »ub den Vereillen die nachhaltigste Förderllng erfahren, lllld wie der gute Geist, der in beu verflossenen Jahre ll in der Synagogeugenleinde Gleilvitz lebendig lvar, a11cf) in Zukunft von nns hochgehalteil luerbeu sott. Der ungetrübte Verlauf des all geistigeil Anreglmgen so reichell Tages hat es lvieder zur Gelinge belviesen, von lvelch hoher religiöser lind sittlicher Kraft das jüdische <Semeinbetebeu getragen lvird. In dem Gleichmaße der komlllellden nnb gehenden Tage bilden solche Festlichkeiten innerhalb der jüdischell Genleillde schinnnernde Lichtpllnkte, von Denen das Bewußtsein der Einigkeit und Zusammengehörigkeit lveit über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinausstrahlt. y. Hannover, 5. Februar. All! 31. v. M. bildete sich innerhalb mlserer Synagogellgemeillde ein „Verein zur Pflege der Interessen der Synagogen - Gemeinde Hannover". Nur stimnlfähige Mitglieder der hiesigell Gemeillde bitvfeu dem Verein beitreten. Der Zweck ist, das Interesse für die Angelegenheiten der Syllagogellgemeillde Hamlvver unter deren Mitgliedern zu lveekeu lllld zll pflegen. Jil ben Versammlungen sollen Tagesfragell auf bem Gebiete des Synagogennnb Schulwesens, sowie Wahlangelegenheiten erörtert und besprochell lllld barauf die Beschlüsse und Nesollltioilen deln Vorstände nlld der Nepräsentallz unterbreitet werden. Grenzhansen bei Koblenz. 9. Februar. Hier fand am Freitag die feierliche Eilllv ei hung der neue it Synagoge statt. Ein stattlicher Festzng, an dem sich der Bürgermeister, der Landrath Dr. Schlllidt aus Molltabaur, das Lehrerkollegium, der Gemeindevorstalld soivie zahlreiche Bürger betheiligten, begab sich von der alten Synagoge dllrch die reich beflaggten Feststraßen uacf) bem neuen Gotteshaus. Die alle Hörer tief ergreifende Festrede hielt Nabbiner Dr. Weillgartell aus Enls. Abends faub mitev großer Betheilignng der ganzen Einwohnerschaft ein Kollzert statt, lvobei voll Rabbiller Dr. Weillgartell das Kaiserhoch ausgebracht lvnrde. Der Bau der Synagoge Juttrbe auf Veralllassllllg itub auf Kosten des Herrn Charles Ullmann und zwar zur Erinnerung an die verstorbene Mutter des Letzteren ausgeführt. Oesterreich-Ungar«. O Wien, 12. Februar. Die Gemeinde Wien hat gegen die bereits mitgetheilte Ministerialentscheidung, die sich für die Belvilligung zunl Tempelban in der Nendeggergasse anssprach, den Rekurs an den Verlvaltnngsgerichtshof ergriffen. — Eine Aeußernng, die der Gemeinderath Dr. Mittler letzthin in einer Wählerversanunlung gemacht hat, und aus der hervorzngeheu schien, Bürgermeister Dr. Lueger sei amtsmüde, hat ein klerikales Blatt belvogen, sich telegraphisch bei dem bekanntlich in Italien weilenden Bürgermeister nach dessen Zuknuftsplänen zu erkundigen. Dr. Lueger antwortete, er fühle sich durch seinen Urlaub so gekräftigt, daß er „gelviß fei, den Pflichten seines Amtes gerecht lverdeu zu können".

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