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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-16 · Heft 7 (16.2.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang. Ar. 7. Der Gemeindebote. Berlin, l.6. Februar 1900. Weikcrge zur „Attgemeinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 12. Februar. In der zweiten Montags-Vorlesung, welche heute zum Bestell des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissellschast des Judenthums stattfand, unterhielt Shudiklls Tr. Georg Minden die zahlreich erschienenen Zuhörer mit einem sehr erheiternden Volksmärchen von der bösen Rabbinerin. Der Redner verglich dieses Märchen mit einem aus „Tausend imb eine Nacht", doch war er der Allsicht, daß das erstere nicht eine Nachbildung des von ihm zulll Vortrag gebrachten sein könne; das jüdische Märchell stamme aus der Feder eines christlichen Autors aus dem 10. Jahrmindert, lvährend die genannte Märcheusammluug erst im 18. Jahrimndert erschienell sei, doch sei es vielleicht lvahrscheilllich, daß beide Alltoren aus derselbell Quelle geschöpft hätten. Der Vortragellde ist durch Zufall in den Besitz des jüdischen Märchens gelangt. das im iüdischdeutscheu Jargvll gehalten uild eitler ails biblischen Legelldell vestehendell Saulluluilg allgehört. Wir können umsomehr aus eine Jnhaltwiedergabe des Märchens verzichten, als lvir, luie wir unfern Lesern mitzutheileu ulls freuen, demnächst den Vortrag vollinhaltlich Utnt Abdruck bringen werden. Die Anwesenden solgtell sehrangeregt der Rezitation lmd gaben ihren Dank durch lebhafteil Beifall kund. F. Berlin, 12. Februar. In ihrer Sitzung vom 3. d. M. erledigte die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schnlmüllner zu Berlin" zunächst eiilige geschäftliche Angelegenheiten, die hauptsächlich das iru Monat März 311 feiernde Stiftungsfest betrafen. Alsdalln trat sie in die Spezialdebatte über die voll Herrn Professor Dr. Tachau-Wolfenbüttel in der letzter! Dezembersitzling anfgestelltell Leitsätze ein. Nachdem der Vorsitzende, Herr Anerbach, einen kurzen Ueberblick über die damaligen Ausführungen des Herrn Professor Dr. Tachau gegebell, wurde zur Debatte über ben ersten Leitsatz geschritten uild in derselben namentlich die Frage der Stellung des Unterrichts an der Religionsschule 31t dem an den höheren Schuleil eingehend behandelt. Herr Dr. Adler brachte 311 diesem Leitsatz eine Resolution eill, deren eildgiltige Redaktion denl Vorstand überwiesell lvurde. Nach Vertagung der Debatte blieben die Mitglieder noch einige Zeit in gemächlichem Gedankellaustausch beisanlnleil. Berlin, 11. Febrllar. Ein schölies Liebeslverk der Berliner Bllüi-Brith-Logell ist seit einer Reihe von Jahren die Bekleidung ar m e r Kinder z u m P u r inl f e st e. Im vorigeli Jahre gelang es dem Komitee 62 arme jüdische Kinder vollständig neu einzllkleiden nnb eiiler größeren Anzahl Ferienkolonisten die fehlenden Kleidungsstücke zu geben. Außer 1442,90 Mk. an Beiträgen der einzelnen Logen, erhielt das Kolnitee lloch Textilstoffe und lleue Bekleidungsgegenstände ill großer Zahl; es stelltell sich dadurch, obwohl Alles, wie stets, nach Maß angefertigt wllrde, die baaren Kostet! für die Ausstattung eill es Kindes durchschnittlich auf ca. 20 Mk., während der Werth mindestens 40 Mk. betrug. Bei der großen Zahl der gemeldeten Kinder lvar das Komitee besonders sorgfältig in der Auswahl. Bei der Zllsendung der Geschenke dllrch die Post wurden die Kinder gleichzeitig zu einen! am 23. April veranstalteten Kinderfeste eingeladen. Da eine Anzahl von Mitgliedern mit ihren Angehörigen ebenfalls erschien, tvaren ungefähr 150 Kinder antvesend, welche sich vorzüglich unterhielten, besol!ders da das Koinitee für Bewirthung, gemeinsame Spiele, Verloosungen u. s. w. gesorgt hatte. Der Verlauf des Festes lvar ein sehr guter. Mit Fllg und Recht erhebt deshalb das Komitee die Bitte, das einmal gewährte Wohlwollen nicht nur aufs Neue zu bethütigen, solldern auch dafür 311 sorgen, daß dem Liebeswerke für die bevorstehende Bekleidllng lveitere Gönner zugeführt werden, danlit eine recht große Anzahl wahrhaft Bedürftiger berücksichtigt iverden könne. Im vorigen Jahre betrugen die Mehrausgaben 17,71 Mk. Hoffentlich ist ill diesen! Jahre eil! Ueberschuß an Einnahmen. y. Berlin, 6. Februar. Der „ V e r e i ll s e l b st ä n d i g e r H andwerker jüdischen Glaubens" hielt gestern Abend bei Dräsel seine sehr gut besuchte Moilatsversanlnllnng ab, welche von! 1. Vorsitzenden, Herrn M. Herz, eröffnet und geleitet lvurde. Der Schrift^- fiihrer verlas danach das Protokoll der letzten Generalversammlung, welches seinem ganzen Inhalt nach als richtig befunden lvurde. Der erste Theil der Tagesordnung betraf energische Propaganda für den Verein lnit allen Kräften. Der Vorsitzende erläuterte in sehr zutreffender Weise diejenigen Ziele, welche sich der Vorstand in mehreren lang andauernden Sitzungen speziell für diesen überaus lvichtigen Zlveck gesetzt hat, indem er lnn Gellehmigung der Versammlung ersllchte. Nach einer kurze»! Debatte, die Art und Weise der Propaganda betreffend, lvurde seitens der Versammlung dem Vorstande für Propagandazwecke ein Betrag von unbeschränkter Höhe unbeanstandet zur Verfügung gestellt. Zu Punkt 2, Statutenänderung, theilt der Vorsitzende lnit, daß in der nächsten Sitzung des Vereins von der erwählten Kommission im Verbände mit den» Vorstände der revidirte und geänderte Statutenentwurs vorgelegt werde. Punkt 3 der Tagesordnung, Verschiedenes, betraf interne Vereinsangelegenheiten, erneuerte Anträge und schließlich Aufnahme einer größeren Anzahl neuer Mitglieder. S& Berlin, 5. Februar. Ein jubilänmsreicher Mann ist Herr David Ludwig Keßler, Lothringerstr. 86; er feiert, was »vohl zu den Seltenheiten gehören dürfte, innerhalb Jahresfrist vier Jubiläen in körperlicher und geistiger Rüstigkeit, und zwar: 1. au» vergangenen Sonnabend, den 10. Februar, seinen 80. Geburtstag, 2. am 25. Juni d. I. seine goldene Hochzeit. 3. am 18. September d. I. sein 50 jähriges Bürgerjubiläum als Bürger von Berlin (sein Bürgerbrief ist ausgestellt am 18. September 1850), 4. den 29. Januar 1901 sein 50 jähriges Meisterjubilüun! als Uhrmacher (sein Meisterbrief ist von der Berliner Uhrmacher-Innung ausgestellt am 29. Januar 1851>. Herr Keßler hat in seinen! Leben sich stets der Hochachtung Aller erfreut, die ihn kannten, und lvar sein ganzes Leben in des Wortes wahrster Bedeutung ein echter Jude. £*2 Berlin, 9. Februar. Am 6. d. M. ist hier eine durch ihre philanthropische Thätigkeit in weiten Kreisen bekannte Dame, Fräulein Franziska Lüpschütz, einer Lungenentzündung erlegen. Sie war die Tochter des vor einer Reihe von Jahren verstorbenen. durch sein umfassendes menschenfreundliches Wirken bekannten Dr. Lüpschütz und hatte gleich ihrem Vater ihr Leben in den Dienst der Hulnanität gestellt. Besonders dein jüdischen Mädchenstift und anderen wohlthätigen Anstalten der jüdischen Gemeinde war ihre Thätigkeit gewidmet. Aber auch jeder Einzelne, der in Roth und Bedrängniß sich an sie wandte, lvar ihres rastlosen Eifers znin Wohlthnn sicher. Als Leiterin eines Kindergartens, bent sie seit langen Jahren Vorstand, hatte sich Fräulein Lüpschütz auch den Ruf einer gutell Pädagogin erlvorben. Ehre ihrem Andellken! Berlin, 11. Februar. Der hier verstorbene Relltller Naumann Abraham, ans Grünberg i. Schl, stalnniend. hat dem Magistrat von Berlin zur Ueberweisung an die städtische Ar»nenverwal1ung ein Legat von 50 000 Mark allsgesetzt, das inzwischen an die Hauptstiftungskasse ausgezahlt worden ist. Nach dem durch die Testamentsvollstrecker übermittelten Wunsch des Erblassers sollen die Zinsen des Legats dazu verwendet werden, solche Zöglinge der Waisenverlvaltung zu unterstützen, die einer höheren Ausbildung in irgend einer Stiftung lvürdig erscheinen, als sie die Waisenverlvaltung aus ihren Mitteln zu gewähren vermag. Im Hinblick auf den gutell Zweck des Vermächtnisses hat der Magistrat das Legat angenommen 'und loird die Stadtverordnetenversammlung ersuchen, auch ihrerseits die ZllstimlNllllg zu geben. K Königsberg i. Pr., 9. Februar. Unsere Gemeindeangelegenheiten machten in letzter Zeit viel von sich reden mld werden fürs Erste lvohl lloch Gegenstand lebhafter Erörterung in der jüdischen I Presse bleiben. Am 5. lind 6. März cr. finden die R e p r ä s e n t a n te n -

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