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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-16 · Heft 7 (16.2.1900) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
Seite 76 (sequence 6)
Language
German
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76 so reichlich geübt worden ist? Das „Deutsche VolksblnLt" wird sich ja über das „Original", das in seinen Händen ist, ausweisen müssen. Ob die deutschen Antisemitenorgane, die bereits den angeblichen Aufruf anstandslos für ihre Zwecke verwerthet haben, sich auch der Fälschung „anstandslos" weiter bedienen werden, muß man abwarten. * Tie rumänische Regierung, die bei der Behandlung jüdischer Angelegenheiten keiner: anderen Gesichtspunkt kennt, als die Juden nach Möglichkeit zu chikauiren, sollte, müßte inan meinen, sehr froh fein, wenn als Folge ihres Vorgehens die rumänischen Juden nun endlich sich zur Auswanderung entschließen. Aber Konsequenz ist eben nicht Sache der rumänischen Regierung. Auch die Auswanderung soll nur unter Chikanen möglich sein, so will es der Polizeipräsident von Bukarest, und er verordnet die Ausweisung des Herrn Trietsch, weil dieser zur Auswanderung ausfordert. Unglaublich geradezu finb die Chikanen gegen die jüdischen Schulen, deren Existenz durchaus unmöglich gemacht werden soll. Die Inspektoren sollen darüber wachen, daß nicht nur das seitens des Staates vorgeschriebene Pensum gelernt wird, sondern auch, daß es in den Stunden gelernt wird, die die staatlichen oder Gemeindeschulen dafür ansetzen. Nun müssen aber die jüdischen Schulen in ihrem Schulplan damit rechnen, daß sie für Hebräisch und jüdische Religion mehr Zeit ansetzen müssen, als in den anderen Schulen für christliche Religion angesetzt wird. Man kann sich leicht denken, welche schöne Gelegenheit zu Chikanen und schließlich zum Triukgeldernehmen da die Inspektoren finden. Wie weit. indessen diese Herren bisweilen gehen, beweist das Beispiel eines Schulinspektors in der Moldau, der die Schließung der jüdischen Schulen seines Distriktes beantragt hat, weil die Kinder beim Hebräisch den Hut auf dem Kopf behalten. Auch den Studenten werden alle möglichen Hindernisse beim Studium in den Weg gelegt; so wird jetzt wieder voll den jüdischen Studenten, welche an den rumänischen Universitäten Medizin studiren, eine für Ausländer angesetzie Taxe von 320 Francs pro Jahr verlallgt, welche die christlichen Kollegen nicht zu bezahlen brauchen. Zu allen arideren Schwierigkeiten kommt jetzt noch hinzu, daß die Regierung die Propaganda der Judenmissionare eifrig unterstützt. Wenn sich gar ein Jude um ein öffentliches Amt bewirbt, so wird ihm klar genlacht, daß der Taufschein die erste Bedingung für den Erfolg feiner Bewerbung ist. Kürzlich hat der Rektor Magnifikus der Universität Bilkarest in einer großen Rede bei feierlicher Gelegenheit die Massentaufe der Juden als die einzige Lösullg der Judenfrage befürwortet und die Prophezeiung ausgesprochen, daß in 100 Jahren alle Juden zürn Christenthurn übergegangerl fein werden. Nun man weiß ja, auf wen seit der Zerstörung des Tempels die Gabe der Prophezeiung übergegangen ist. * Die Verwirrung der russischen Verhältnisse ermöglicht, ja begünstigt natürlich die Verbreitllng der falschesten mrd abenteuerlichsten Nachrichten. Es ist schwer, dergleichen zu kontrolirell oder zahlenmäßig zu widerlegen. Die russischen Blätter selbst sind absolut feine Quelle für richtige Nachrichten, am wenigsten für solche über jüdische Verhältnisse. Aber die folgelide Mittheilung, die aus antisemitischen Blättern stammt, braucht in der That nur niedriger gehängt zu werden, damit der, der nur einigermaßen die russischen^Verhältnisse kennt, die Unwahrheit, die darin liegt, und die absichtliche Verdrehung der Thatsachen auf ben ersten Blick sofort erkenne: „In Rußland werden jedes Jahr gelvaltige neue Eisenbahnen gebaut, und das ©ifenfmTömiefe erweitert sich mithin zusehends. Mit diesem Fortschritt müßte naturgemäß auch ein Fortschritt der Volkswirthschast zu verzeichnen sein, was aber nicht der Fall ist. In: Gegentheil wird die Erfahrung gemacht, daß all den Eisenbahnlinien, besonders in denjenigeil Theilen des Reiches, wo die Landwirthschaft den vorwiegenden Wirthschastszweig bildet, das Volk verarmt. Die Erklärung dieser sonderbaren Thatsache ist indes keine schwere. Der Wucher, die Ausbeutullg ist die Hauptnrsache. Die Eisenbahnen stecken mit derl fast ailssch ließt ich jüdischen Getreidewucherern unter einer Decke und lnachen sie illdirekt zu Hilfswerkzeugeil ihrer Ausbeutullg. Diese kanfeil voll der BevölkerlNlg an den Bahnen ihre Wirthschaftsprodukte zu billigen Preisen, die etwa dieHälste des Werthes derselben ausnlacheu, auf und drückell so 5en Volkswohlstand, zu dessen Vernlehruilg die Eiseubahnell beigetragell haben, herab. Die Eiseubahuell, die ilu allgelneillen als ein Zeichell des Fortschrittes der Kultur betrachtet werden niüssell. erweisen sich somit in Rußlaild 31t gleicher Zeit auch als ein Zeichen des Fortschrittes der Volksallsbelltllng. Die Regierullg sott nun entschlossen sein, das Volk vor derartigen jüdisch-wucherischen Machinationen zu schützell mld durch die Beschaffnllg bittigeil Kredits, durch Versicherungen, die Er-- richtullg lalldwirthschaftlicher Elevatoren, landwirthschaftlicher Konsmnniederlagell und ühlllicher Organisationen das Ansbentungssystem wenigstens eillzlldäulmell." Hier werden wahre und unwahre Mittheilungen in schlauer Weise mit eillander verquickt, um den gewünschten Effekt zu erreichell. Wer da weiß, wie schwer, ja unmöglich es den Juden seit Jahren schon gemacht wird, Regierungsliefernngen überhaupt zu erhalten, der wird über jene Behauptungen nur die Achsel zucken. Es ist bekannt, welche Ausdehnung der Nothstand in einzelnen russischen Provinzen genommen, und die in jener Notiz erwähnten Maßregeln der Regierung gelten nur diesen, unter denen übrigens die Juden am meisten leiden. Die ganze Meldung steht auf dem Niveau derjenigen, die gleichfalls von Wiener Antisenlitenblättern verbreitet wird, daß die Inden auch die Schuld an den eng lisch en Mißerfolgen im Kriege tragen, weil — jüdische Lieferanten die englischen Truppen mit ungenießbarem Fleisch versorgen! O diese Judell! Zuerst haben sie den Krieg eingefädelt, und jetzt tragen sie gar die Schuld an den Siegen der Buren! Zur Jahrhundertwende. Von Dr. I. Kvhu in Invwrazlaw. #0 lange es nicht entschieden ist, ob das neue Jahrhundert bereits begonnen, oder erst im nächster! Jahre beginnen ivird, sind wir noch irnmer berechtigt, von der Jahrhundertwende zu sprechen; obwohl der Januar 1900 fast bereits vorüber ist, der Januar, der in seiner staatlich anerkannten hohen Würde, stolz und voll Selbstbewußtsein an der Menschheit vorüberschritt und deren warme Grüße und heiße Segenswünsche mit grimmiger Kälte beantwortete. Vorn vergangenen Jahrhundert gilt das Wort, das von allen Dahingeschiedenen gilt: „Oe mortuis nil nisibene“ „vom Tobten muß man nichts als Gutes reden". Der alte Jude drückte diesen Gedanken viel kürzer und prägnanter aus, indem er die zwei aufeinander folgenden Wochenabschnitte' nennt: Achre mos- Kedoschirn, d. h.: „nach dem Tode sind sie Alle heilig".. Wenn

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