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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-16 · Heft 7 (16.2.1900) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 7 (16.2.1900)
Date
1900-02-16
Page
Seite 75 (sequence 5)
Language
German
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eine andere Klasse der Bevölkerung ansreizen will. Ebenso ist es ansgeschlossen. daß Diejenigen, die diese Rede hören oder lesen, ans ihr eine Anreizung zu Geivaltlhäligkeiten entnehmen lverden. Sie werden nothwendig die Darstellung der Schlacht, die Redewendungen von den Schlagen ins Antlitz, von dem Fegen mit eisernen Nnthen rc. bildlich auffassen. Redner sagt: „Treu wollen wir fein unserer Monarchie, treu unseren Fürsten. Möchte der nationale Gedanke auch bei den deutschen Fürsten erwachen, ans daß sie uns voranziehen in diesem erlösten und heiligen Kriege als unsere Heerführer, wie einst in alten Zeiten." Es wird schwerlich Jemand ans beit Gedanken kommen, daß die Allgeklagten beit deutschen Kaiser und die Bundesfürsten anffordern ivollen, Führer in einem Kampfe gegen die Juden zll seill, der darill besteht, die Inden mit Knüppeln alls dem Lande zu jagen, sie mit der Fällst in das Gesicht zll schlageil mld gegen sie sonstige gesetzlvidrige Gewaltthätigkeiten zll verüben. Es muß viellnehr ans dem Wunsche des Nedllers, daß die deutschen Fürsten Allführer in diesenr „heiligell Kriege" seill mögen, jeder Znhörer und Leser mit Nothlveildigkeit erkennen ulüssell, daß der Redner nicht zu einem Kampfe mit Gewaltthätigkeitell, sondern zll einem Kampf alls geistigem Gebiet und auf bem Boden des Gesetzes allsfordert.-" Auch darauf wird danll in dem Erkenutniß hiugelviesen, daß eine Aufforderung au die Mädchen ulld Frauen ergangen sei, mitzuziehen in den Kampf au der Seite ihrer Männer, ihrer Väter und Brüder und hieran folgende Ausführung geknüpft: „Nedller hat auch diese Schlacht nur bildlich geilleillt. Er empfiehlt sogar beit Frauen und Mädchen als eill Kanlpfesnlittel, nicht ill die Jlldelltädeil zu laufen, sonderll den christlichell Handel und das christliche Handwerk zll llllterstützeil. Wenn die Allklage ansührt, daß die voll dem Angeklagten gebrauchten Ausdrücke sich llicht anders als tut Sinne voll Aufforderungen zur Allwelldullg körperlicher Gewalt beitten ließen, und daß hierzu allch mit Nothwendigkeit die Wortauslegnng nach dem attgenleillell Sprachgebrauch führe, so erachtet der Gerichtshof diese AliffasslUlg llicht für richtig, Die iit der Rede gewählte Ansdrlicksweise ist eilte solche, die man autueiibet, wenn man Morte im übertragenen Sinn bildlich verstanden wissen will." Eine Kritik dieses Urtheils steht uns natürlich nicht zu. %■ In der BudgetkomMission des Reichstags hat am Donnerstag der Centrumsabgeordnete Dr. Liugeus, wie so oft schon, bei der Forderung für die katholische Geistlichkeit auch die Wünsche einiger Rabbiner zur Sprache gebracht, daß jüdischen Soldateli die hohen Festtage freigegeben lverden, wie es in der englischen Armee geschehe. Kriegsminister v. Goßler erwiderte, daß, soweit möglich, diesen Wünschen der jüdischen Soldaten Rechnung getragen werde. Allerdings, wenn die Festtage im Herbst in die Zeit der Manöver fallen, könneu die jüdischen Soldaten nicht dispensirt lverden. Mau darf Herrn Lingens dafür dankbar sein, daß er sich allch diesmal der jüdischen Soldaten so wann allgenollllllen hat. Dell an sich vollkonunen sachlicheli und zufrieden stellenden Bescheid des Kriegsministers benützen natürlich die antisemitischen Zeitungen zu allerhand Entstellungen, mit denen sie Nachweisen möchten, daß der Kriegsminister sich mißliebig über die jüdischen Soldaten geäußert haben soll. Eilie von ihnen, die „Deutsche Wacht" in Dresden, geht soweit, zu behaupten, der Kriegsminister habe erklärt, es gäbe in der Armee kauni 1000 Soldaten jüdischen Glaubens, für die man besolidere Borkehrnngeli nicht treffen könne. Um solchen Entstellungen vvrznbeugell, soll kolfftatirt werden, daß der Minister lrichts Derartiges gesagt hat. Am folgenden Tage kam in der Budgetkonunissiou die Angelegellheit der Militärärzte zur Besprechung. Abg- Eickhoff meinte, der Mangel an Militärärzten hänge mit konfessionellen Rücksichten zusammen. Wieviel jüdische Militärärzte gebe es? Major Wandel erklärte, daß die Regierung nichts von koufessioliellen Rücksichten wisse. In der Armee seien zlvei jüdische Aerzte, ein Generalarzt und ein Stabsarzt. Allch mit diesem Bescheid darf man sich zufrieden geben. Das antisemitische Wiener „Deutsche Bolksblatt" schrieb am 4. d. M.: „Der Verein „Oester re ichisch-israel i tische Union" tu Wien, dessen Treiben wiederholt in unserem Blatte gekennzeichnet wurde, hat die Aktion zu Gunsten Hülsuers in die Hand genommen und versendet soeben den nachstehenden Aufruf, dessen Original sich in un s er e n H ü n d en befindet und bei lins eingesehen lverden kann, an hervorragende Inden in Oesterreich: „ O e st e r r e i ch i s ch - i s r a e l i t i s ch e U n i o n." Wien, IX. Berggasse 20. Telephon 15310. Wien, den.1 . . Hochverehrter Herr! Angesichts der bevorstehenden Revision des P o l n a e r P r o z e s s e s müssen die Bemühungen zur Entdeckung und Ergreisnng des wahren Thäters mit doppelter Energie fortgesetzt werden. Für die bisherigen Nachforschungen mußten wir ans den Mitteln des Vereins bereits mehrere tausend Gulden anfwenden, so daß wir nunmehr gezwungen sind, zur Bestreitung der loeiter erforderlichen Auslagen ntt die Opferwilligkeit hervorragender Glaubensgenossen zu appelliren. Neberzengt von Ihrem ©emeinfiitn und Ihrem gut jüdischen Bewußtsein, erlauben wir uns an Ew. Hochwohlgeboreu die Bitte inn Gewährung eines entsprechenden Beitrags zu oben gedachtem Zwecke zu richten. Es sei uns gestattet, bei diesem Anlasse ans das Beispiel n n s e r e r r e i ch s d e n t s ch e n G l a u b e n s g e n o s s e n h i n z n lv e i s e n , die gelegentlich des L a u t e n e r K n a b e n in o r d P r o z e s s e s zu A b lv eh rzw ecke n einen Fonds von 2 Millionen aufgebracht haben, während wir in Oesterreich nur mit vieler Mühe die Kosten einer auf das allernothwendigste Maß beschränkten Aktion bestreiten können. Im Voraus herzlich dankend, mit bem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Rechtsschutzunb Abwehr-Büreau der Oesterreich - israelitischen Union Wien XI I. Berggasse Nr. 20. Dieser Brief spricht eine zu deutliche Sprache, als daß wir es für nothwendig fänden, denselben zu kommentiren. Wir richten für heute nur zlvei Fragen an die Vereillsleitung der „Oesterreichisch-israelitischen Union" : 1. Für welche Zwecke lvnrden im Xantener Knaben-Mordprozesse. bei denl der allgeklagt gewesene Schächter Bnschoff freigesprochen lvnrde, die zwei Millionen verausgabt? 2. Für welche Zlvecke sammelt die „Oesterreichisch - israelitische Union" in Oesterreich „angesichts der bevorstehenden Revision des Polnaer Prozesses" (wie es in dem oben angeführten Schreiben heißt) Gelder, nachdem laut Mittheilnngen des amtlichen Prager Abendblattes Hülsner den Mord gestanden hat?" Der Vorstand der „Oesterreich-israelitischen Union" antlvortet ans diese Fragen tu der bündigsten Weise, indem er llachstehende Warnung verbreitet: „Das „Deutsche Volksblatt" veröffentlicht in seiner heutigen Sonntagsnnmmer unter der Ueberschrift: „Millionen für — Hülsner" einen Aufruf zll Geldsammlnngen. der angeblich von der „Oesterreichischisraelitischen Union" an hervorragende Inden versendet wird. Ein solcher An fr ns ist voll uns niemals beschlossen, all Niemand versendet, noch s o n st lv i e zu G e l d s a m ut l n n g e n benutzt worden. — Da es sich hier offenbar um einen mit dem Namen der „Oesterreichisch-israelitischell Union" getriebenen plumpen Mißbrauch handelt, warnen lvir unsere Glaubensgenossen hiermit ausdrücklich, sich alls Grund dieses Schriftstücks Geld heranslvcken zll lassen, und bitten dringendst Jedermann, der mit einem solchen An sinnen all sie herantreten sollte, sofort polizeilich festnehmen zu lassen. Wien, am 4. Februar 1900. Der Vorstand der „Oesterreichisch-israelitischen Union". Es wird also ruhig weiter gefälscht. Warum sollte auch in Oesterreich nicht möglich sein, was in Frankreich

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