Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1900)
- Date
- 1900-02-09
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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getragen und vor dem Öraun Hakandesch aufgestellt. Herr Dr. Doctor ans Breslau rühmte, anknüpfend au den schönen Spruch: „Der Herr kennt die Wege der Gerechten", in einer vorzüglichen Rede die schönen Eigenschaften des Verblichenen; es waren Worte die vom Herzen kamen und auch zu Herzen gingell. Nach Beendigung der Trauerfeier in der Synagoge, setzte sich der Leichenzng in Bewegung nach dem Friedhofe, wo zunächst eilt Mitglied der Loge dem Entschlafenen Worte der Anerkennung nachrief, und der Rabbiner durch ein inniges Gebet und Trostworte cm die Familie die Feier schloß. Das Andenken dieses Mannes wird von feiner Gemeinde stets in Ehrell gehaltert rverderr. Im Namert der Kollegen irr der Nahe und Ferne rufen wir dem theuren Freunde zu: Ruhe in Frieden! V Hannover, 4. Febrrrar. Kürzlich farrd hier eine zahlreich besuchte Versa nrmlung der Synagogengemeinde-Mitglieder urrter dem Vorsitz des ersten Vorstehers Herrn Jul. Kaufmaltll im Konzerthause statt. Auf der Tagesordnung stand die Besprechurtg über Anstellung eines zweitelt Rabbirrers nebelt dem jetzigen, allein hier aurtirenden Landrabbiner Dr. Gronemanll. Die Vorsteher sowie das Repräsentantenkotlegillln der Shllagogengenleiltde hattelt im Dezember vorigen Jahres die Altstellnllg des Senlinardirektors Dr.Kll ol ler mit großer Mehrheit beschlossen. Dieses Vorgeheit wtlrde darnit begrülldet, daß Dr. Groucnlallil deit vielen an ihn gestellteit Anforderuligen nicht voll genügen kölllle. Es lverde llicht mehr regelllläßig Kollfirlnatioll vorgenommen, streng nach ben religiöselt Vorschriften gehaltene Haushaltungen schwältdeil mehr ulld lnehr, itnb auch das Austreten aus der Gemeillde komnte häufiger vor als früher. Jil der Persvll des Dr. Knoller sei nlln ein Mailll gefuildell, der einen guten Einfluß ansüben werde. Hiergegell erhob nnn der größte Theil der hiesigen Gemeinde Protest rmd wurde infolgedessen die -Versammlung später berufen. Dieselbe war voll etwa 500 Personell besucht und rrahm mehrere Male einen sehr erregten Charakter an. Es sprachen zunächst die Herren Nenberg und Rechtsanwalt Dr. Meyer, lvelche lebhaft beu Standpunkt des Vorstandes vertrateil. Dagegell protestirtell mit gleicher Lebhaftigkeit Dr. ineb. Hirsch nnb die Herrelt S. Katz, Alfred Blallk llnd Federleill, welche in dem Vorgehen eine Nichtachtung ihres langjährigen segeltsreich lvirkeilden Lalldrabbiners erblickteil. Die von ben Gegnern vorgebrachten Vorwürfe feien Zllm größtell Theil vollställdig ullberechtigt, eilt Eilizelner könne llicht für die gerügteit Uebelstände verantwortlich geniacht rverden. Es war 12 Uhr, als die Versammlung llach fünfstündiger Debatte ohne Beschluß auseinanderging. Die Allgelegenheit soll linilmehr der Regierullg zllr Elltscheiduilg vorgelegt werden. M. Hamburg, 4. Februar. Herr Marco S a l o m o it, der langjährige Direktor der Norddelltschen Raffinerie in Haulblirg, wurde im 8*2. Lebensjahre vom Tode ereilt. Der Verstorbene bekleidete in diesenl Etablissement, welches einen Weltruf genießt, das Amt eines erstell Direktors. Mehr als 50 Jahre war der Verstorbene dort thätig, unter feiner Leitung wuchs das Unternehnlen zll so bedelltender Große. Allßer seiner geschäftlichen Thätigkeit bekleidete Herr Marco Saloluoll auch ilt der Deutsch-Israelitischen Genleinde viele Ehrenänlter; als Präses des jüdischen Krankenhauses entwickelte er eine außerordentlich segensreiche Thätigkeit; die Armen und Bedürftigen stehen trauernd an seiner Bahre, denll Marco Salonion war stets hilfsbereit, die Noth und das Elend der Bedrällgten zu lilldern. Die große Betheiliguilg bei der Beerdigung legte ein beredtes Zeugniß von der Beliebtheit des Verblichenell ab. Im Tranerhailse in der Hallerstraße hatten sich allßer den Verlvandtell lind Freunden die Spitzen der Fillanz- und Handelswelt eillgesundell. Der Präses der Gemeillde Herr Levill Lion sowie der Vorsitzende des Shnagogenverbandes Herr Herlnann Gulnpertz und Delegirte der übrigen Gemeinde-Institutionen waren erschienelk. Die Direktoren der Raffinerie, die zahlreichen Angestellten sowie die Arbeiter der Elbhütte Steinwärder warell vollzählig erfchienell. Der Vorstand des Krankenhauses war in corpore auweseltd, ferner die Aerzte Ulld sonstigen Beamten des Instituts, um dem so beliebten Präses die letzte Ehre zu erweisen. Laut letztwilliger Verfügung sollte feine Trauerrede gehalten werden, auch durfte von ben Hunderten von Nah luld Fern eiugelaufenen Blumellspendell keine den einfachen Sarg schnlückell. Direkt hillter deln Leichenwagen gillgeil die Arbeiter der Elbhütte Steillwärder, ihnen schloß sich eine große Anzahl von Equipagell und Fußgällgerll an. Der imposante Leichenzlig bewegte sich nach dem Friedhof in Ohlsdorf, woselbst die Beisetzullg stattfand. E. M. Eisettttch, 4. Februar. Der hiesige „A r m e n v e r e i n zu r Bekämpfung der W a n d e rb e t t e l e i" hielt am 28. v. M. seine Gelleratversamultullg ab. Der Vorsitzellde des Vereills. Prediger Meyer, erstattete den Jahresbericht nnb legte klar, wie segellsreich der Verein auch im verflossenen Jahre gewirkt habe. Das Interesse für die Sache sei größer gelvorden und die Zahl der Mitglieder bedenteild gewachsell. — Als ganz besonders wichtig hob der Vorsitzende hervor, daß llach Beschluß der vorjährigen Generalversammlung. die Auszahlung der Ullterstützungen von der Ortspolizei vornehmen zu lassen, seit dem 1. April 1899 gehandelt sei. Die Erfahrullgen, die der Verein seit Uebergabe der Kasse all die Polizei-Verwaltung gemacht, feien die allerbesten gewesen. Die Hausbettelei hat fast ganz ausgehört;^ die Uilterstützungsbedürstigen konnten infolge Abnahme der Unterstütznngsgesuche weit wirksanler unterstützt werdell. Leutell, die arbeitslvillig rvaren. ist von der Polizei in vieleil Fällen Arbeit nachgewiesell und verschafft wordell. Die Abllahu«e der Unterstützungsbedürftigen betrug 880 Personen. (Die Einrichtllllg der hiesigen Geuieinde. die Kasse durch die Polizeiverwalten zu lassen, kann and) anderen „Armenvereinen gegell Wanderbettelei" lvarin elnpfohleil lverden.) Die Revisoren. Herren M. Troplowitz ll. S. Katz haben die Kasse geprüft ulld für richtig befulldel,. Die Einnahme betrug an Mitgliederbeiträgen 1074,56 M.; die Ausgaben an 598 Unterstnhllllgsbedürftige 964,05 M., so daß ein Kassenbestand von 110,51 Nt. verbleibt. Ter Polizeiverwaltung nnlrde für die Verwaltung der Kasse eine Gratifikation voll 50 M. zur Vertheilnng an die betheiligten Beanlteil überwiesell und der Vorsitzende außerdem beauftragt, der Polizeiverwaltnng ben Dank des Vereins anszudrücken. Als Vorsitzender wurde Herr Meyer, der die Leitung des Vereins seit drei Jahren hat, einstimmig wiedergewählt; als Stellvertreter Herr H. Grünstein. — In der daranschließendeil Generalversammlung des Nt ä ll n e r v e r e i ll s (Ollsbrs. Kadischa) wurde der seitherige Vorstalld, Herr Prediger Meyer. Vorsitzender. Herr Blüth, Stellvertreter. Herr S. Goldschinidt. Rendant einstinllnig wiedergelvählt. L. L. Bom Tannus, im Februar. Einen längeren Anfellthalt, ill Frallkfurt a. M., bellutzte ich dazu, mich in dieser großen, reichen, wohlthätigen Ulld merklvürdigell Stadt, die von jeher eine Führeriil — eine Tr weem be-Jisroel — ist, umzusehen. Wahrlich, nlan könnte diese bedeutenden Eigenschaften, welche unsere Stadt besitzt, uni noch so viele vermehren, wie sie beispielslveise im Morgengebete Emmes wejaziv aufgezählt sind. Hier existiren jene wichtigen Fragen, wie sie von Zeit zll Zeit in den jüdischen Blättern auftauchen, durchaus nicht. Frankfurts Hauptgemeillde besitzt, außer bedentendeil Privatgelehrterl, zwei Rabbiner, die ihren Platz vortrefflich ansfüllen: Dr. P lallt, sehrbeliebt bei feiner liberalen Gemeinde und Dr. Horowicz. der sich allgemeiller Achtullg erfreut. Die ihnl unterstehellde Syllagoge wird jetzt lviederllm vergrößert, so daß Herr Horowicz eine andere Wohnung beziehen nulßte. Seille bisherige Wohnung mußte ein Stück einbüßen, wird aber reichlich vergrößert durch einen Anrespektive Neubau. Auch aus die Synagoge ill der Unterlindau erstreckt sich seine Fürsorge. — Rabbiner Dr. Breuer von der orthodoxen Separatgemeinde ist in gleicher Lage. Nachdem beffen Synagoge schon zweimal das Bedürfniß hervortreten ließ, „daß die Rälnne wuchsen und das Hans sich dehne" — ist es heute nicht nlehr möglich, die vielen neuen Mitglieder, lvelche der kürzlich mit Korporationsrechten ausgerüsteten Adaß Jeschliruu-Gemeinde beigetreten sind, zu fassen. Jllsolge dessen sind die Sammlungen schon im Gange. Daß dieselbell zu guten Resultaten führen werdell, dafür bürgt der Geist der Opferwitligkeit. der innerhalb dieser Gemeinde lebt. Hat nian doch — um einige Beispiele anzuführen — kürzlich die Elltdeckung gemacht, daß wenn Anim Semirot nach Schluß des Gottesdienstes gesagt wird, die Thüren der heiligen Lade eillfach voll Pedellen geöffnet werden; jetzt wird 30 Mk. dafür vergütet. Der Wein für Kiddusch und Hawdoloh wird mit einem Aufgelde voll 2600 Mk. geliefert, es existirell dafür zlvei Genossenschastell, loovorl die eine die andere treibt, so viel zu bieten. Der Preis der Mizwot. die llach Schluß des Gottesdienstes abgegeben lverdell, ist ein enormer. Wie könnten auch sollst die vielen Ausgaben bestritten werden? Dabei lvird die Steuereillllahme dllrch Selbsteinschätznng eillgebracht. Für Frankfurt existirt auch feine Kantoreil- oder Lehrerfrage, alle Synagogen, große und kleine, besitzen höchst geschickte Beamtell, die später auch eine Peilsion beziehen. Dajaninl uild Lallldaniln bevmebren in großer Zahl den Schatz des Wissens, der hier vorhanden ist. Reiche Anstalten und Vereine sorgell