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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-09 · Heft 6 (9.2.1900) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 6 (9.2.1900)
Date
1900-02-09
Page
Seite 72 (sequence 14)
Language
German
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72 Ick Wichte, daß er diesmal Recht hatte und schwieg, schließlich begleitete ich ihn in sein Hotel. Aber auch dort hörte er nicht ans, sich zn beklagen. Das Bett ttiib das Bettzeug gefielen ihm nicht, indessen herrschte unaufhörlicher Lärm, wie ans einem Jahrmarkt, und ließ ihn nicht schlafen, die Bedienung war nachlässig n. s. io. Erst in später Abendstunde trennte ich mich von ihm, ganz erschöpft von seinem unaufhörlichen Schwatzen, seinen lästigen Fragen und Prätensionen. hatte ich wieder einen Tag zwecklos vergeudet. Mein fester Entschluß, fleißig zu lernen, war wieder einmal zu Wasser geworden. Als ich mich selber genau pruste, mußte ich gestehen, daß, wenn ich Geld fürs Mittagessen gehabt hätte, ich meinen Begleiter sogleich nach der Konsultation verlassen und keine Minute mit ihm. verloren haben würde. Mlerarische Mittheilungen. Tie Schriften des hebräischen Litteratur-Vereius Mekize Nirdamim, lö. oal)a 1 irt werden im Laufe dieses Monats zur Versendung an die Mitglieder gelangen. Es erscheinen 1. minn rregetische Erklärungen zmn Pentateuch und zn einigen Stellen der Schrift, von Anselm Astruck, nach einer Handschrift iu Alailand. -• D’vsrn ‘nrr Streitschrift des David Messer Leon, Beiträge zur Geschichte der spanischen und portugiesischen Gemeinden in der Türkei, nach einer Handschrift in Oxford. mn’lS öes Aron Hakohell ans Lnnel, ziveiter bisher nngedrllekter Theil, nach zwei Handschriften ans Jerusalem, erste Lieferung. 4. „Divan des gehnda Halevp," Fortsetzung. Ü. Saiinnelband mit verschiedenen geschichtlichen Abhaildlnngen unb einer apolegetisehen Schrift ans Nom, dem jlPÜU ähnlich. Anmeldnngen Zum Beitritt mit dem Jahresbeitrag von 10 Mark nimmt entgegen B erlitt, Augnststraße öl. Dr. A. Berli n e r. Tie F e st p r ed i g't z u r Feier des 50 j ä h r i g e n B e steh e n s d e r S h n a g o g e z n H i l des he im, die Landrabbiner Dr. A. Lew i n sky anl 12. November v. I. gehalten und nunmehr veröffentlicht hat. lHildeccheim 1899, Gebr. Gerstenberg) besitzt nicht blos einen homiletischen, sondern auch einen bestimmten historischen Werth durch die angeführten Notizen über das Alter der Gemeinde und ihre früheren Synagogen. Schon 12Ö8 wurden die Juden ans Hildesheim verwiesen; bereits vor '»20 Jahren hatten sie dort ein Gotteshaus. Ter Scharrer des Altehrwürdigen erfüllte also das Fest der Erinnerurrg, das die Gemeirrde nn Herbst begangen hat, und der Prediger hat es wohl verstanden, mit diesem Gefühl die Empfindung für die Bedürfnisse der Zeit nild des Geschlechtes wirksam zrr verbinden. Dre Predigt ist logisch geordnet, rvirksarn und von edlenr Schwung getragen; sie macht auch beim Lesen einen grrtell und wohlthnenden Eindruck. Spverhscnrl. Geehrte Redaktion ie Erklärung, die Herr Dr. Eckstein im „Sprechsaal" in Nr. 1 der Redewendung: „Jemandem die Leoiten lesen" giebt, bedarf ebenfalls einer Berichtigung. Diese Redeilsart hat so wenig mit der „Tochacha" in Lev. 26 zll tt)iiu, wie mit dein „Ordenskapitel" eines Bischofs von Mainz, sondern hat vielmehr ihre Begründung im Deut. Kap. 27, B. 14—26. wo die Verwünschungen enthalten sind, die die Leviten laicht das Bach Levitiens) gegen gewisse Uebelthäter ansgesprvchen haben. R. Geehrter Herr Redakteur lMil der letzten Zeit fuhren in Preußen zwei Leute herum. welche für die Ieschibah in Nowogrudok lGouvernemeut Minsk) in Rußland sammelten. Den meisten deutschen Inden ist es kaum bekannt. daß die dort lernenden „Bachurim" oder „Pernschim" zn der neu gegründeten Sekte „Baute Mnssar" gehören, gegeir welche viele angesehene Rabbiner Rußlands vor zwei Jahren und noch hellte protestiren (siehe „Hamelitz" Nr. 8 oder 7). Diese neue Sekte kann den Inden und dein Judellthum noch mehr Schaden' bringen, als der Chassidismus im 18. Jahrhundert. Königsbe r g i. Pr.. 26. Januar. Mit o o rzü g l i ch e r H o ch a ch i u n g M. L. S a ul b u r s k y. * * Sehr geehrter Herr Redakteur! für Ergänzung resp. Berichtigung des Beßmertnh'schen Artikels: „Reue israelitische Erziehnngsbestrebnngen m Hanlbllrg" sei mir folgende Ausführung gestattet. Die Ziele des Knaben-Handsertigkeitslniterrichts und der Jugendspiele sind voll so eminent p ädagogische r Bedeutung, daß es luie ein Tadel für die hiesige Lehrerschaft erscheiilen muß. lveiul angegeben lvird. em Privatniann habe die Initiative zn denl beregten Nilternehmeu ergriffen. Denn loeiul die jüdischell Lehrer Hamburgs eilte der erstell sozialpädagogischen Aufgaben, als welche der Handfertigkeits-Unterricht schon tätigst erkannt ist. sich hätten aus der Hand nehmen lassen, dann träfe sie mit Recht der Vorwurf, loenig Sinil für die Forderungen der Jetztzeit gezeigt zu haben. Hier liegt die Sache denn doch etlvas ailders. Herr Heilbutt ist uidit der Spiritus rector des Unternehmens, das übrigens die erste Zugend schon hinter sich hat, sondern nur rille Säille desselben. Eilie Sällte allerdings, »nie ich als Mitglied des Kuratoriums für Knaben- Handsertigkeitsunterricht uub Jugendspiele besonders betonen illöchte, auf der das ganze Gebäude ruht. Seinem rührigen Eifer haben wir in erster Linie unsere Erfolge zll verdanken; er verstand es imb versteht es, unsere bemittelten wohlthätigen Glaubensgenossen zll Beiträgeil heranznziehen. mit deren Hilse wir die Kurse verniehren nild eiile beträchtliche Anzahl voll Freistellen vergeben konnten. Aber die Anregung zll der segensreichell Veranstaltung ging voll eiileiil Angehörigen des Lehrerstandes al,s. Am 31. März 1894 hielt Herr Jos. B. Levh, s. Z. Lehrer au der hiesigeil Israelitischen Ntädcheilschule, jetzt Kantor der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M., im Lehrerverein „Mendelssohn" einen Vortrag über „Die Ziele der Knaben-Handarbeil". Seine Ausführungen erregten das Jllteresse der Mitglieder des Vereins in hohem Grade nlld veranlaßten den Unterzeichneten zn dem Vorschläge, der Verein solle sich zllr praktischen Gestaltung der Ideen des Herrn Levh mit der H. J.-Loge ilnd dein Frauenverein in Verbindung setzen. In der ilächsteil Versammlung des Lehreroereills Mendelssohil erschienen die Vorställde der bezeichneten Vereine nild evfUiiten sich nach eitler eiugehenden Diskussion bereit, all der beabsichtigten Veranstaltung mitznlvirken. Herr Levh wirrde mit der Eillrichtllng uub Leitullg zweier Kllrse betraut uub loste diese Aufgabe in so zweckmäßiger Weise' daß lvir ihm für das Samenkorn, das er hier gestrellt nild das sich so schöll entmicfelt hat, zn Dank verpflichtet bleiben. Rach feinem Weggange übernahmen 2 Lehrer des Knaben Horts seilt Amt, nlld jetzt haben lvir ein Kollegium von vier Herren, die vier Kllrse mit illsgesanllllt 100 Schülern leiten. Der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Hcunlvver, die Herrn Levy s. Z. nach Leipzig zur Absolvirultg des Seminars für Kuaben- Halldfertigkeitsnllterricht entjaubt hat, und ihrem damaligen Direktor, Herrn Kirchenrath Dr. Kroner, gebührt Anerkennung dasür, daß sie ihren Zöglingen zu einer Lehrbefähigung verholfen haben, durch deren Verwerthlllig reicher Segen für die Jugend gestiftet nlld — wie es in Hamburg oon berufener Seite geschehen ist — den erzieherischen Bestrebungen innerhalb unserer Religionsgellleinschaft Anerkennung itnb Würdigung gezollt wird. H a nl b u x g. I o s. F eine r. Druck und Vertan von Rudolf Blosse iu Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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