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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-02 · Heft 5 (2.2.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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1 4 Autoren — die Ehrenlegion erhalten. De Porto-Niche hat das Offizierkrenz. And r e W u x ut ser. der Köniponist von „l'Enfant Prodigue", das Ritterkrenz der Ehrelilegion erhalten. Großbritannien. IZ. London, 28. Januar. Die Verlustlisten weisen wieder eine ganze Anzahl von jüdischen Soldaten auf. Ans Ladhsmith werden als gefallen genieldet Korporal F. Wolfsohn und Gemeiner T. Latto vom Kings Royal Riste Corps, sowie Reiter I. Beinsher von der Imperial Light Horse. Verwundet wurde in Ladhsmith am 6. Januar Gemeiner L. Lemon vom Devonshire Regiment. Bei Mafeking lvnrde am 27. Dezember v. I. verwundet Gemeiner E. Solomon vorn Protectorate - Reginrent. Fortwährend werden nene Namen bekannt vorr jüdischen Soldaten unter den Truppen in Südafrika. wie unter derr jetzt.in England mobilisirten Trrippen und Freiwilligen-Abtheilungen; wir wollen heute nur erwähnen den Leutnant Clande Beddingtorr, der vom Todtenbett seines Vaters fort bei der Westmoreland arrd Cnrnberlarrd Neorrranry eingetreterr ist. Claude Beddington ist ein bekanrrter Afrikareisender. der gerade jetzt von einer Expedition irr bu* Hinterland von British West-Afrika zurückgekommen ist. — Die Sorge für die Flüchtlinge aus Afrika tritt jetzt arrch an urrseren Board os Guardians heran; denn vorn Kolonialamt ist die Nachricht eingegangen, daß ein Dampfer mit 350 Flüchtlingen jüdischen Glaubens vom Kap unterwegs ist rmd am 2. Februar eintreffen dürfte. Zuerst war davon die Rede gewesenein Komitee von hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten aus Südafrika zu bilden, das diese Flüchtlinge in Empfang nehmen und weiter befördern sollte. Es waren auch schon sehr angesehene Leute dafür gewonnen, indeß schließlich nahm doch der Board of Guardians die Sache in die Hand, den» jene Südafrikaner sich dann einfach anschlossen. Es ivird aber angenommen, daß jene Flüchtlinge vom Kap zum weitaus größten Theil i\u Besitz genügender Geldmittel sind. um sich selbst weiter zu helfen und eigentlich nur Rath bedürfen, inbeffen muß sich doch erst zeigen, ob diese Hoffnungen nicht allzu optimistisch sind. Inzwischen kommen ans Port Elizabeth bittere Klagen der dortigen jüdischen Flüchtlinge ans Transvaal, die sich auf das Aenßerste darüber beklagen, welcher entwürdigenden Behandlnng, schlimmer als die der Kaffern, sie seitens des Hilfskomitees dort ansgesetzr sind. Es ist freilich auch hierbei schwer festzustellen. was Wahres an diesen Klaget! ist, aber etwas wird wohl daran sein! — Ein Herr Alfred Moseley hat es unternommen. für die Errichtung eines ganzen Hospitals in Afrika an der Operationsbasis Sorge zu tragen. Wahrscheinlich wird dieses Spital in Kapstadt errichtet und so vielen der Verwundetet! die lange und lästige Seereise erspart werden. Von Nah und Fern. — Seinen 75jährigen Geburtstag feierte am 27. d. M. eine in Berlin in weiteren Kreisen bekannte Persönlichkeit, der Musikdirektor und Musikalienhändler Sally Philipp. Er ist auch der Mitbegründer des allgemeinen deutschen Mnsikerverbandes und des Berliner Musikkrankenunterstützungsvereitts. — Seinen achtzigsten Geburtstag feierte am 30. d. M. in geistiger Frische der Rentier M. I. Marcus. Derselbe machte sich namentlich am 16. Oktober 1848 dadurch bekannt, daß er, unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV. dem Schützenregimente attachirt, auf dem Köpenicker Felde die Festnahme eines Gefangenen unter Aufbietung seiner vollen Kräfte bewirkte. — In Halle wurde der Redakteur der antisemitischen „Reform" wegen Beleidigung eines jüdischen Cigarrenhändlers, der nicht in seinem Blatte inseriren wollte, zu 50 M. Geldstrafe evtl. 10 Tage Gesängniß verurtheilt. — Anläßlich des kaiserlichen Geburtstages haben erhalten die Rothe Kreuz-Medaille dritter Klasse Frau Bertha Ke mp n er geborene Lichtenberg in Grätz. Frau Geheime Justizrath Jda Orgler geborene Asch in Posen, Frau Eugenie Po lack-Da niels geborene Meyer in Dresden, der Geheime Konnuerzienrath Hugo Prings heim und der Gerichtsassessor a. D. Erich Na witsch er in Liegnitz. — Das Landgericht in Dessau verurtheilte den Bankier Herzberg wegen Beleidigung deS Staatsministers Dr. v. Koseritz, begangen in einer Broschüre anläßlich einer Entziehung des Kommerzienrathstitels, zu 300 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte eine Gesängnißstrafewon Monaten beantragt. — Gegen das neuliche Urtheil des Bezirksausschusses zu Düsseldorf in der Angelegenheit der Einschränkung des Schächteus tm Schlachthause zu Rheydt haben die betheiligten Metzger Einspruch beim Oberverwaltungsgericht in Berlin erhoben. — Oberrabbiuer Ury ans Metz hat die ministerielle Genehmigung für die Funktion als Oberrabbiuer von Straßburg erhalten und wird schon in dieser Woche dahin übersiedeln. — Der ungarische Finanzminister hat Armin Friedmann zumFinauzrath ernannt. Friedmann ist der Sohn des vor vielen Jahren verstorbenen Altofener Lehrers Salomon Friedmaun. der im Jahre 1848 den Freiheitskampf mitmachte. — Die jüdischen Richter Dr. Karl Bannig arten und dessen Bruder Isidor Bau in - garten, Sektionschef und Rath im königt. nngar. Justizministerium, wurden zu Mitgliedern der Advokaten - Prüflings-Kommission ernannt. — Die Budapest er Handels- und Gewerbekammer hat auf Antrag des Kammermitgliedes Gabriel Kohn beschlossen, dem Handelsniinister eine Gedenkschrift zu unterbreiten, in welcher die Sonntagsruhe geregelt wird. Den jüdischen Kanflenten, welche mit Mazzol handelii, soll gestattet sein, 14 Tage vor dem Pessachfeste auch an Sonn- und Feiertagen den ganzen Tag offen zu halten. — In Rom ist in der vorigen Woche der Senator Jsa c c o A r t o m im 71. Lebensjahre gestorben. Artom gehörte Ende der Fünfziger Jahre zu den Sekretären Cavoilrs. der it)n 1861 mit dem Grafen Arese in Angelegenheit der Anerkennnng des Königreichs Italien nach Paris entsandte. 1866 nahm er mit dem General Menabrea an den Friedensverhandlullgett in Wieii Theil. 1870 iveilte er neuerlich in diplomatischer Seiiduiig mehrere Monate in Wien. Im selben Jahr lvnrde er von Visconti-Venosta als Generalsekretär iiis Ministerium berufen, welche Stelle er bis 1876 bekleidete. — Herr V. Rava in Rom, Abtheilungschef im italienischen Unterrichtsministerium. ist zunr Generaldirektor des Volksschnlnnterrichtswesens ernannt worden. R. ist ein glaubenstreuer Jude. — In Turin hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde die schon 1865 projektirte Abschaffung der zweiten Feiertage durch ein Cirkutar an sännntliche Wähler trotz Demission des Rabbiners Professor Foa durchführen wollen. Von 250 Wählern haben aber 245 mit Nein geantivortet. — Die Königin von Holland hat anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums des jüdischen Waisenhauses im Haag Herrn D. de Jong, dem ältesten Mitglied des Vorstandes, das Ritterkreuz des Ordens von Orailien-Nassan verliehen. — Bei den französischen Senatswahlen am 27. d. M. ist in Paris lvieder Paul Strauß zunl Senator gewählt worden. — In P a ri s ist die Wittwe des früheren Finanzministers Michael Goudchanx im 92. Lebensjahre gestorben. — Der jüdische Lord Mayor von Belfast, Otto Jasfe, hat seinem Dieustjahr auch in jüdischeii Kreisen eine angenehme Eriiiuerul'.g gesichert, als er seine Mutter veranlaßte. zum Andenken an die ihrem Sohiie erwiesene Ehre die gesannnte auf der Synagoge von Belfast noch ruhende Schuldenlast zii übernehmen und zu bezahlen. — In Londoii ist Alfred H. Beddington, eilies der angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde, im 65. Lebensjahre gestorben. Derselbe gehörte Jahrelang dem Concil der vereinigten Synagogen und dem Vorstand vieler gemeinnütziger Vereine an. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten in Rumänien hat an die Generaldirektionen der Bahnen ein Dekret ergehen lassen, wonach ihnen aufgetrageil wird, febeu „fremden" (b. h. „jüdischen") Funktionär an der Bahn durch einen Runiänen bis zuin 15. d. M. zu ersetzen. In Warschau sind gegenwärtig 388 jüdische unter 2889 Droschkenkutschern. — Jn Akermanil ist die Roth der jüdischen Einwohner dieser russischen Provinz so groß, daß der Gouverneiir vom Minister die Erlaubniß erbat. 4000 Riibel vom Koscherfleisch- Ertrage (dieser Betrag soll bekanntlich iuir für allgemeine Zwecke der Juden Verwendung finben) unter die armeil Juden zur Vertheilung zu bringen. Der „Woschod" hat bei denl Rabbiiler von Akermann angefragt, wieviel Juden dort hilfsbedürftig siiid, woraus dieser telegraphisch antivortete, es leideil im Kreise Akermailil allein gegen 300 jüdische Fanlilieil Huiiger. Geldsamnilungen für diese arn Hnngertuche Nagenden werden veranstaltet. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Berantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. * .r

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