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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-02 · Heft 5 (2.2.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 reichen Freunde u. s. w. Die Redakteure unserer Tageszeitungen überreichten kostbare Ehrenspenden; Herr Redakteur Dr. Paul Michaelis feierte in einer schwungvollen Ansprache die Verdienste des Jubilars um die Journalistik in Hamburg, er überreichte im Namen der Nedaktionsmitglieder der Hamburger Zeitung einen Kristallpokal, geschmückt mit dem Hamburger Wappen. Der Journalisten- und Schriftsteller-Verein ließ durch eine Deputation einen kostbaren Blumentisch überreichen. Unzählige Angebinde aus Künstler-. Anwaltskreisen u. s. w. gaben der Liebe und Verehrung Ausdruck. welche der Jubilar in weitesten Kreisen der Bevölkerung genießt. X Bremen, 17. Januar. Bei dem wiederholteil Vorkommen absprechender Aeußernngen über jüdische Begräbnißgebrauche ist ein Erkenntuiß des hiesigen Schöffellgerichts in der Strassache gegen den Kausniann Wilhelui Rodenhauser in Vegesack von besonderem Interesse. Rodenhauser wurde am 23. Mai v. I. lvegen Beleidigung von sechs jüdischen Frauen zu 75 Mark Geldstrafe bezw. 15 Tagen Haft und zur Tragung der Kostell des Verfahrens einschließlich der Nebenklage nnb der Veröffentlichung des Urtheils in der „Nordd. Volksztg." aus folgenden Gründen verurtheilt: die Leiche der Mitte Januar 1899 in Vegesack verstorbellen Frau Schweitzer wurde auf Wttllsch ihres Sohnes den Gebräuchen und Vorschriften der jüdischen Religion entsprechend beerdigt. Dafür, daß bei den streng nach jüdischen: Ritus vollzogenen Zeremonien, unter denen vorher die Leiche von den sechs Nebenklägeriillreu gewaschen, bekleidet und eiugesargt worden ist, irgelld welche Ungehörigkeitell vorgekomrnen, ist durch die Verhandlung kein Beweis erbracht worden. Der Angeklagte, ein Hausgenosse der Frau Schweitzer, lvar beschllldigt, öffentlich am Biertisch behallptet zu haben, die Leiche sei von den NebenklägerilUlen geschlagen mld schlechter als eine todte Katze behandelt worden. Die Aeußeruug bezüglich des Schlagens hat der Angeklagte bestritten, unb sie ist demselben insolg der schwankenden Zeugenaussage:: auch nicht na chzuweisen geweseli. Festzustellen war nur die von ihnl zugestaudene Aeußer:n:g, „Frau Schweitzer habe ihre tvdten Katzer: zartfühlender behandelt, als ihre Leiche von den jüdischen Frauen behandelt worden sei". Auch diese Aeilßerung enthält jedoch eine grobe Beleidigung der an der Ein sarguilg betheiligt gewesenen sechs Frauen; in solcher Aeußeruug ist aus jeden Fall der Vorwurf an Rohheit streifender, großer Lieblosigkeit zu erblicken. Angeklagter beruft sich darauf, daß er als Mensch und Christ über die vorgeuommenen Manipulationen empört gewesen sei und lediglich von feinen: christlichen Standpunkte ans die jüdischen Gebräuche und Sitten habe kritisiren wollen. Das Gericht vermag sich dem jedoch nicht anzuschließen. Angeklagter hatte gar keine Veranlassung zu einer derart abfällige:: Kritik, da nach den Ergebnissen der Verhandlung nichts Ungehöriges vorgeuornmeu worden ist. Er war daher wegen öffentlich erfolgter Beleidigung nach den 185 und 200 des Strafgesetzbuchs zu bestrafen, nachdeu: von den sechs Beleidigten und Nebenklägerinnen ordnungsn:äßig Strafantrag gestellt worden war. Bei der Strasabniessnng war zu berücksichtigen, daß der Angeklagte an den ihn: bis dahin unbekannten jüdischen Gebräuchen Aergerniß genommen habe und in seinen religiösen Gefühlen gekränkt worden sein mag. Andererseits war der den Beleidigten zu Unrecht gemachte Borwurf sehr ernster Natur und für sie von folgenschwerer Bedeutung. Da der Angeklagte immerhin in großer Erregung die Aeußeruug hat fallen lassen, so konnte auf eine nnldere Strafe als beantragt erkannt werden. Z. Elberfeld, 28. Januar. Die hiesigen Anti semiten haben sich in den letzter: Tagen wieder nnt der ganzen ihnen zu Gebote stehenden Rohheit in den Vordergrund drängen zn müssen geglaubt, un: aufs Neue die traurige Erfahrung zu machen, daß ihre unsauberen Machenschaften das Tageslicht nicht ertragen können. So haben sie in drei Auflagen ein Flugblatt verbreitet, welches in den anständigen Kreisen der Bevölkerung nnt eiinnüthiger Entschiedenheit verurtheilt worden ist und thatsächlich das Gegentheil von den: bewirkte. was von Hause aus seine Bestimnnnig war. Die ganze Praxis der Herren Ahlivardt und Konsorten hat sich bei dieser Gelegenheit, wie zn allen Zeiten als eine Krankheit entpuppt, deren Symptome sich regelmäßig dann ben:erkbar :nachen. wenn es sich in besonders lebhaften Geschäftsperioden dar::::: handelt, den Bankerott der antiseuntischen Belveguug zn dokn:nentiren. Um aber dem Ganzen die Krone aufzusetzen, zitirte man die hervorragendsten Vertreter der antisemitischen Elite aus die Bildfläche, an ihrer Spitze den Herr:: Reichstagsabgeordneten Raab aus Hamburg, nicht ahnend, daß Ereignisse deprimirendster Natur bevorstehen, wurde»: mittelst großer, öffentlich angeschlagener Plakate Volksversammlungen einberufen. in :velcheu jene Geistesheroen gegen ein »uäßiges Entgelt ihre sattsan: bekannten Tiraden unter den: fanatischen Jubel unreifer Jünglinge zun: Besten gaben. Die Thematisirnng dieser Vorträge auf den Plakaten war indessen eine derart frivole, daß sich der Vorstand der hiesiger: Synagogengerneinde veranlaßt sah, die^Polizei auf den gemeingefährlichen Charakter der betreffenden Bekanntrnachungen hinzrNveiseu, und er hatte den Erfolg, daß die Plakate zun: unbeschreiblichen Aerger der Herren Auftraggeber „wegen Aufreizung zun: Klassenhaß" überklebt werden mußten, :vähre::d obendrein gegen den Drucker und den Verbreiter das Strafverfahren eingeleitet wurde. Mit dieser Maßnahlue hat der Antisemitismus in Elberfeld eine Niederlage erlitten, von der er sich nie lvieder erholen wird. — Wir übergeben diese Zeilen der Oeffentlichkeit, um an dieselben die dringende Bitte zu knüpfen, daß das lobenswerthe Beispiel des Elberfelder Synagogenvorstandes und das damit verbundene Cntgegenkommen der Behörde, bei etwaigen Vorkoinmnissen in anderen Ge:neinden als Präzedenzfall betrachtet und von den Vorstehern in Anwendung gebracht werden möge. :i. Stuttgart, 27. Januar. In Kuustkreisen unserer Stadt trifft man die Vorbereitungen zu einer seltenen Feier, die gewiß geeignet erscheint, auch die weitesten Kreise der Bühnen-Angehörigen zn interessiren. Am 3. Februar er. feiert der Nestor der deutschen Tenöre. der König der Kantilene. Heinrich S o n t h e i m . seinen achtzigsten Geburtstag und wird bei diesem Anlaß — zn Gunsten der Bnhnen-Genossenschaft — nochmals auf unserer Bühne, der Stätte, von der aus er so manche:: sreuetischeu Beifall entfesselt, erscheinen. Zu diesem Zweck wird Raimunds „Verschwender" neu einstudirt. Sontheim stannnt aus einer kleinen jüdischen Ge:ne:nde Jebenhausen. Er wurde durch die Fanülie Kaulla, die sei:: Talent entdeckte, auf die Bühne gebracht. Seine Laufbahn begann dieser Heldeutenor in Karlsruhe, von da an war er an unserer Hosbühne thätig. Die zahlreichen Gastspiele des Künstlers vertheilen sich ans die bedeutendsten Bühnen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 29. Januar. In der Brigittenau, den: von Juden stark bewohnten Viertel, hat sich schon längst das Bedürfnis; nach einen: geräumigen B e t l o k a l fühlbar gen:acht; nun, nachdem vom Ministerium die Erlaubuiß ertheilt wurde, wird mit dem Bau einer großen Synagoge begonnen werden. — Der Kaiser hat der Frau Anica Benvenisti in Anerkennung ihres langjährigen Wirkens im Dienste der Wohllhätigkeit das goldene Verdienstkreuz nnt der Krone verliehen. — Hier sind Fran Jean nette v. Frankfurter, eine edle, hochherzige Da:ne, nndHerrDr. Alexander Weiß, ein tüchtiger und ob seiner j humanen Gesinnungen allgemein geschätzter Armenarzt gestorben. — Am 1. n. M. hält Rabbiner Dr. Tänzer ans Hohenems in der „Gesellschaft für Sammlung ur:d Konservirung von Kunst und historischen Denkmälern des Jndenthums" einen Vortrag: „Ans Snlzers Heimath", Beitrag zur Geschichte der Juden in Vorarlberg. In: Lause des Februars wird der Vizepräsident der Gesellschaft. Hofschanspieler Adolf v. Svnne::thal. eine Vorlesung' abhalten, deren Gegenstand rechtzeitig bekannt gegeben werden wird. — In Neichenberg wurden Ansichtspostkarten mit den: Bilde der Anna Hruza und. mit der Photographie der Leiche nach deren Auffindung von der Staatsanwaltschaft in den letzten Tagen konsiszirt. Darob natürlich große Wuth unter den Antiselniten! Fra ulr reich. s. Paris, 27. Januar. Die „A uro re" hatte vor einiger Zeit die Nachricht gebracht, daß gegen einen jüdischen Soldaten Bernard von seinen Vorgesetzten die ärgsten Mißhandlungen ansgeübt rvorden sind, nur ans dem Grunde, weil Bernard Jude ist. Besonders der Feldwebel de Solanges soll sich die größten Rohheiten haben zn Schulden konnnen lassen und auch die Schuld an: Tode des unglücklichen Bernard tragen. Solanges hat nun geklagt, aber die „Aurore" hält ihre Anschuldigungen aufrecht, hat eine Menge Zeugen benannt und erklärt, daß sie den: Prozeß, der am 2. Februar stattfinden wird, mit größter Ruhe entgegensieht. Bei den letzten Ordeusverleihnngen! haben außer den schon gemeldeten noch z:vei Jude:: - dramatische

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