Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1900)
- Date
- 1900-02-02
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 daß man eine öffentliche Ausschreibung der Stelle vermeiden möchte, dieselbe vielniehr, wenn möglich, durch Berufung zu besetzen wünscht. Es sollen auch bereits recht geeignete Bewerbungell vorliegell, über die natürlich strengste Diskretion bewahrt wird. u. Blomberg, 27. Januar. Vor einiger Zeit wurde die Stelle eures Lehrers all der hiesigen städtischen höheren Mädchen- Schule öffentlich allsgeschrieben. Die einzige Bewerbung, die hierauf erfolgte, war die des Herrn Dr. Aronstein aus Berlin. Herr Direktor Rademacher, der zwar die guten Zellgllisie des Herrn Dr. A. lobend allerkannte, protestirle gegen die Wahl dieses Herrn, da derselbe als Jude nicht geeigllet lväre, deutschen Sprachunterricht zu ertheilen. Trotz dieses Protestes beschloß die Schnl-Depntation Herrn Dr. A. einzuladen. hier einen Probe-Ullterricht 311 ertheilen. Die Leistungen des Herrn habell der Schlll-Depntativll zugesagt ulld wurde Herr Dr. A. mit 6 gegen 5 StlNlmell dem Magistrat znnl Engagement vorgeschlagen. Herr Direktor Rademacher lviederholte liach der Probelektioil. daß er es im Interesse der Schule sehr bedanerll müsse, wenn Herr Dr. A. engagirt würde, weil er Jude sei. Diese Auffassung scheint sich auch der Magistrat allgeeigllet zu haben, beim trotzdem der erste Bürgermeister Knobloch warm für die Anstellung des Herrn Dr. A. eintrat, wurde derselbe doch nicht gewählt, und zwar wurde es offen ausgesprochen, seines Glaubens wegen. Einer der Herren Stadträthe, der sich offen zu dieser antisemitischen Gesinnung bekennt, war derselbe Herr, der bei der letzten Reichstagswahl Kandidat der freisinnigen Volkspartei war! — Diese Vorgänge bildeten das Thema einer von Bromberger Bürgern jüdischen Glaubens sehr zahlreich besuchtell Versammlung. Nach einem kurzen Referat der Herren Stadtverordneten Rechtsanwalt Wolffen und des Baukdirektors Friedländer wurde fast einstimmig eine Resolution angenommen, in der energisch gegen oben geschilderte Handlungsweise des Magistrats Protest erhoben wird. Xp. Bus der Provinz Posen, im Januar. Rechtsamvalt Boß in Ostrowo und Kaufmann Krakauer in Croile a. Br. sind zu stellvertretenden Stadtverordnetenvorstehern in ihren Gemeinden gelvählt worden. — Die öffentliche Volksschule in Santoniischel ist wegen zu geringer Schülerzahl von der Regierung zu Posen aufgelöst worden. Der an derselben angestellte Lehrer ist an der jüdischen Volksschule zu Schriuim angestellt worden. — Rentier Bick in Grätz jeierte neulich unter reger Theilnahme der dortigen Bevölkerung seinen 80. Geburtstag. — Das Moses Cohnffche Ehepaar in Witko w o feierte jüngst das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.— Dem Dr. med. Fuchs in Ko sch min ist der Charakter als Sanitätsrath verliehen lvorden. — Der Rentier Aschheim in Netzthal wurde kürzlich in seinem Bette tobt aufgefundeu, ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. — Rechtsanwalt Pink in Flatow ist zum Stadtverordnetenvorsteher daselbst gewählt lvorden. — Zu Repräsentanten der jüdischen Genieinde in Pleschen sind vor Kurzem die Herren Destillateur Isidor Strelitz, Sparkassenrendant I. Bravermann. Kaufmann I. Zarek, Kaufmann Jakob Oppler und Kaufmann Bruno Galewski und zu deren Stellvertretern Kaufmann Julius Bannas, Hotelbesitzer Salo Lewczyk und Bäckermeister David Salomo« gewählt worden. — Kommerzienrath Marcus Hepner in Krotoschin blickte in diesem Monat auf eine 25jährige Dienstzeit als Magistratsmitglied daselbst zurück. Aus diesem Anlaß brachten die städtischen Behörden in eorpoi'6 dem Jubilar ihre Glückwünsche dar. — Der seit 15 Jahren in Ostrowo bestehende israelitische Mildthätigkeitsverein hielt am 28. Januar unter dem Vorsitz des königlichen Oekonomieraths D. Goldstein daselbst seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein zählt jetzt 93 Mitglieder. Die Aktiva und Passiva belief sich im letzten Jahre ans nahezu 6200 Mark. Der Verein, der sein Kapital ans Spenden und Mitgliederbeiträgeu zusammenträgt, gewährt unbeniittelten Gewerbetreibenden zinslose Darlehen gegen ratenweise Rückzahlungen. ****-£ Kolberg, 26. Januar. Am 18. Juni v. I. beantragte der hiesige Gemeinde-Rabbilier Dr. Goldschmidt beim hiesigen Magistrat, daß in der hiesigen städtischen höheren Mädchenschule von Amtswegen jüdischer Religionsunterricht ertheilt und in den Lehrplan der Schule eingefügt lverde. Schon am 5. Juli war ohne jeden Widerspruch der Antrag von beiden städtischen Kollegien angenommen und Herr Dr. Goldschmidt dahin beschieden, wegen der Einrichtung des jüdischen Religionsunterrichts, der von der Stadt remunerirt lverde« soll, sich mit dem Direktor der Schule in Verbindung zu setzen und mit demselben eine Vereinbarung zu treffen. Infolge der Verhandlungen niit dem Direktor wurde von dem Vorstande der Synagogeu-Gemeiude ein formeller Antrag an das Provinzial-Schul-Kollegium von Pommern, unter dessen Aufsicht die betr. Schule steht, gerichtet. Gleichzeitig wurde von dem Vorstande Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt. der bereits seit dem 24. April 1876 am hiesigen Königlichen Domgymnasium und Realgymnasium als Religionslehrer fungirte, auch als Religionslehrer für die höhere Mädchenschule vorgeschlagen und ein von demselben entworfener Lehrplan, sowie die Einführung der erforderlichen Lehrbücher zur Genehmigung der obersten Provinzial-Schulbehörde unterbreitet. Von dieser wurde der Antrag durch Bericht vom 15. November v. I. dem betreffeudeil Ressort-Minister weitergegeben, worauf durch Erlaß des Ministers der geistlichen re. Angelegenheiten vom 3. d. Mts. die Einführung des jüdischen Religionsunterrichts au der hiesigen städtischen höheren Mädchenschule, und durch Verfügung des Provinzial- Schnlkollegiums vom 18. d. Mts. der eingereichte Lehrplan, die Einführung der vorgeschlagenen Lehrbücher, sowie Rabbiner Dr. Goldschmidt als Religionslehrer genehmigt wurde. Hiermit geht ein lang ersehnter Wunsch unserer Gemeinde in Erfüllung. Da das Schuljahr bereits dem Ende eutgegengeht, ist nunmehr die Einrichtung des jüdischen Religionsunterrichts bestimmt auf den Beginn des nächsten Schuljahres nach Ostern festgesetzt. e. Breslau, 28. Januar. Das jüdisch - theologische Seminar hat heute statutengemäß die Gedächtnißfeier für seinen Stifter begangen. Aus diesem Anlaß ist auch der übliche Jahresbericht erschienen, der eine streng wissenschaftliche Untersuchung des Dozenten Dr. S. Horovitz über die Psychologie Jbn Gabirols enthielt. Dem Jahresbericht selbst entnehmen wir, daß das Seminar die Gedächtnißfeier zum 46. Mal begeht. Als Rabbiner sind diesmal entlassen worden die Herren Dr. Johann Kreugel. Dr. Julius Reach, und Julius Zimels. Die beiden Preisaufgaben „Abraham b. Elia als Religionsphilosoph" und „Geschichte des Achtzehngebetes" wurden auch diesmal nicht gelöst. Das Seminar zählt gegenwärtig 24 Hörer; das Vertrauen zu der Wirksamkeit der Anstalt fand auch im abgelaufenen Jahre erneuten Ausdruck durch die Berufung mehrerer Zöglinge an angesehene Gemeinden und Institute. Die Gedächtnißtage der verstorbenen Lehrer wurden auch in diesem Jahre begangen. Außer den bisherigen Stipendien erhielten auch in diesem Jahre mehrere Seminaristen namhafte Unterstützungen durch Gönner der Anstalt. Die Seminarbibliothek, gegenwärtig wohl eine der bedeutendsten jüdischen Büchersammlungen in Deutschland, umfaßt nach dem letzten Abschluß 15 866 Druckwerke in 21305 Bänden und 212 Handschriften in 248 Bänden. Der Verein Liwjath - Chen, dessen Aufgabe es ist. unbemittelte Hörer des Seminars in zartsinniger Weise vor dringender Noth zu schützen, hat auch diesmal Theilnahme und Unterstützung aus Nah und Fern gefunden. Gleichwohl war es nicht immer möglich, den an den Verein gestellten Forderungen zu genügen. Mögen edle Menschenfreunde nach Kräften dahin lvirken, daß diesem segensreich wirkenden Verein die Mittel reicher zufließen. Die Gedächtnißfeier fand heute in hergebrachter Weise statt. Nach einleitendem Chorgesang lvarf der Vorsitzende des Lehrer - Collegii. Seminar - Dozent Dr. Braun, einen Rückblick aus die Geschichte der Juden im neunzehnten Jahrhundert und zeichnete in kurzen und knappen Zügen die geistigen Strömungen, die auf das westeuropäische Judenthum befruchtend und umgestaltend eiugewirkt haben. Daran schloß sich die feierliche Entlassung der Herren Dr. Krengel, Dr. Reach und I. Zimels als Rabbiner unter Ueberreichung der Diplome durch den Seminar-Rabbiner und Dozenten Dr. Lewy. Namens der Scheidenden richtete Dr. Zimels Worte des Dankes und des Abschiedes an Lehrer und Freunde Erneuter Chorgesaug schloß die erhebende Feier. Der altbewährten Anstalt wünschen wir auch ferner Blüthe und Gedeihen! M, Hamburg, 28. Januar. Herr H e r m amt Iac 0 bs 0 hn, einer der ältesten und beliebtesten Journalisten unserer Stadt, beging ill seltener körperlicher und geistiger Frische seinen siebzigjährigen Geburtstag. In seinen jungen Jahren znm Kaufmann bestimmt, widmete sich Herr I. bald gänzlich der Journalistik und erwarb sich namentlich durch seinen frischen fröhlichen Humor in hohem Grade die Gunst des Publikums. Ein Beweis hierfür waren die vielen Ehrungen, die dem Jubilar an seinem Geburtstage zu Theil wurden. In früher Morgenstunde brachte die Kapelle unseres Stadttheaters ein Ständchen, dann folgten in endloser Reihe Deputationen der einzelnen Vereine, die zahl-